Istanbul


Mein Mann und ich flogen fuer das vergangene, lange Wochenende nach Istanbul, waehrend die Maedchen bei den Grosseltern blieben. Ich bin immer noch dabei, die Eindruecke zu verdauen. Hier nur ein paar Gedanken- und Gefuehlsfragmente:

Mein Grundhaltung gegenueber der Tuerkei und Tuerken ist doppelt negativ belastet. Als Europaerin schwingt in mir immer noch die Tuerkengefahr nach. Ich habe den „Tuerkenlouis“ im Schloss Rastatt besucht und die Tuerkenbeute in Karlsruhe besichtigt. Ich kenne die Legende, warum der Kipfel „Croissant“ heisst und auch so geformt ist. Und in Israel erinnert man sich ohne jede Sehnsucht an den ehemaligen Souveraein, die Hohe Pforte. Der Fall Konstantinopels war unhinterfragt ein Desaster, so dass es mir merkwuerdig vorkam, wie das Jahr 1453 in Istanbul  gefeiert wird.

Ich habe mir am Flughafen zwei Buecher gekauft:
1453 Im besten Fall finde ich hier eine unparteiische Darstellung, andernfalls ein Beispiel fuer postmoderne Identifikation mit dem „Anderen“.
Das andere Buch ist Orhan Pamuk: The Museum of Innocence. Das sollte mir eine gewisse Innenansicht in das Istanbuler Lebensgefuehl geben.

Am ersten Tag waren mein Mann und ich etwas eingeschuechtert angesichts einer so offensichtlich muslimischen Stadt. Die meisten Hotelgaeste kamen aus arabischen Laendern. Mein Mann will die Aegypter am Akzent erkannt haben. Allerdings stellte sich heraus, dass ein Teil derjenigen, die wir fuer Palaestinenser aus der Westbank gehalten hatten, einen israelischen Pass hatten. Im Nachhinein aergere ich mich ueber die verpasste Gelegenheit: Ich haette versuchen sollen, mit ihnen ins Gespraech zu kommen.

Am zweiten Tag machten wir einen Ausflug auf die Grosse Insel, wo wir Fahrraeder mieteten und viel Spass an der frischen Luft und angesichts der wunderschoenen Ausblicke hatten. Dort hatten wir auch „Urlaub“ von der muslimischen Atmosphaere. Die Insel dient reichen Istanbulern als Sommerdomizil, die weniger Reichen muessen sich mit Tagesausfluegen begnuegen. Eine Moschee habe ich nicht gesehen. Dafuer ein kleines Kloster auf dem Berg und der Fahrradvermieter sprach von einer Synagoge links um die Ecke.

Am 3. Tag konnten wir uns schon vorstellen, in Istanbul zu leben, auch wenn wir weiterhin die allgegenwaertige anti-israelische Propaganda zur Kenntnis nahmen. Dieses Modell der Al-Aksa-Moschee erspaehte mein Mann von der Terasse einer Konditorei, wo wir uns vom vielen Herumlaufen erholten.

Anscheinend war es nach der Demonstration dort abgestellt worden.

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4 Antworten

  1. Am 3. Tag konnten wir uns schon vorstellen, in Istanbul zu leben

    Manchmal fällt bei mir der Groschen pfennigweise: Denkt Ihr ernsthaft über eine Übersiedlung in die Türkei nach?

  2. Nein, natuerlich nicht. Damit will ich nur ausdruecken, dass wir uns in der Athmosphaere heimisch gefuehlt haben. Istanbul ist dabei fuer die Tuerkei wahrscheinlich so untypisch wie New York fuer die USA.

  3. Vermutlich. Wobei kompetentere Landeskenner als ich behaupten, dass auch in Istanbul eine rapide Re-Islamisierung stattfindet.

  4. Den Eindruck hatte ich auch. Der Tag auf der Insel war in dieser Hinsicht eine Erholung – wir sahen keine Moschee, keine Frauen mit Kopftuch, dafuer eine Einsiedelei und der Mann vom Fahrradverleih behauptete, um die Ecke sei eine Synagoge.

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