Ein paar Ueberlegungen zur israelischen Linken


Lisa Goldman *kenne* ich von >ihrem Tagebuch zur 2. Intifada (hier als re-run), das ich damals im Hagalil Forum waermsten weiterempfohlen habe. Von da an verfolgte ich ihren Blog und als mir Unstimmigkeiten in den Aussagen von Hoder auffielen, wandte ich mich ohne Zoegern an sie. Damals begann der vage Verdacht, dass Lisa so sehr an interkulturellem Dialog gelegen ist, dass dadurch ihr Urteilsvermoegen gelegentlich getruebt wird. Das bestaetigte sich im Fall der zum Islam konvertierten Imaan.

In ihrer Antwort zum Hoder haelt Lisa eindeutig fest, dass jemand, der im Counterpunch schreibt, fuer sie nicht akzeptabel ist. Sie definiert sich also eindeutig als jemand, fuer den Israels Existenzrecht nicht zur Debatte steht. Unsere Sichtweisen sind dennoch sehr unterschiedlich.

Offensichtlich fand sie die Presseaktion von Danny Seaman, in der auf neue Schwimmbaeder mit olympischen Dimensionen, gehobene Restaurants und Hotels, sowie auf die vollen Maerkte im Gazastreifen hingewiesen wuerde, geschmacklos. Lisa ist nicht die Einzige, die Seaman kritisch sieht.

In ihrem Text leistet sie sich ein paar Tricks, mit denen sie offensichtlich ihrer Sichtweise zusaetzliche Wucht verleihen will, die aber nicht ganz ehrlich sind. Das beginnt mit dem Eingangssatz:

On the same morning that the air force bombed Gaza, wounding 22 people (who were probably all Hamas voters, which means they totally deserved whatever happened to them)

Die Formulierung suggeriert, das Ziel des Luftangriffes sei gewesen, Zivilisten zu verwunden. Dass es um Schmuggeltunnel ging, erfahren wir auch in dem verlinkten Ha’aretzartikel erst siebten von zehn Absaetzen und auch da nur als Behauptung des Armeesprechers. Das unterstuetzt Lisa, indem sie einen Cartoon einstellt, wo wahllos ein dicht besiedeltes Wohnviertel bombardiert wird.

Im weiteren Verlauf des Textes behauptet sie, die „Free Gaza“ Flotte braechte Gueter, deren Einfuhr in den Gazastreifen Israel nicht zulasse. Dabei fuehrt sie an keiner Stelle auf, welche Gueter denn an Bord seien, weder direkt noch in einem der von ihr gesetzten Links. Selbst wenn eine solche Liste vorlaege, muesste man sich fragen, inwieweit sie der Wahrheit entspricht, da die Organisatoren bei der letzten „Free Gaza“ Aktion diesbezueglich gelogen hatten.

Wir erfahren dann (via Amira Hass und OCHA, die ich auch nicht unbedingt als objektive Quelle werten wuerde), dass Israel tatsaechlich die Einfuhr von bestimmten Guetern in den Gazastreifen nicht zulaesst. Ausser den selbstverstaendlichen Waren, wie Waffen, Sprengstoff, Metallrohre (zum Kassambau) sind das anscheinend: Koriander, Notizbuecher, Marmelade, Schokolade und Kinderspielzeug sowie Decken, weisse Tehina (eine Sesampaste, schwarzes Tehina ist anscheindend kein Problem) Tomatenkonzentrat und Sportgeraete fuer Kinder. Ausser den Decken, die im Winter mE schon humanitaerer Hilfe gehoeren sollten, finde ich die Liste zwar eigenartig, aber sie ist sicher keinen Beleg, dass die Bewohner des Gazastreifens eine humanitaere Katastrophe erleiden.

Lisa findet die Botschaft der kritisierten Presseaktion konfus. Ich finde ihre eigene Botschaft nicht weniger konfus: Ist sie der Meinung, dass Israel die „Free Gaza“ Flotte durchlassen muesse, weil sie vor allem Schokolade und Kinderspielzeug geladen habe? Dass jemand wie Andre Marty sich gern bei Lisa Ideen holt, ist naheliegend. Fuer mein Teil wuerde ich nie Vorfaelle, die von vertrauenswuerdigen Quellen stammen und gut belegt sind, verschweigen oder leugnen, um Israels Feinden keine Munition zu liefern. Der Staat Israel muss vor der Wahrheit nicht geschuetzt werden. Israelhassern mit unsauberen und tendenzielle unehrlichen Texten zuzuarbeiten, geht darueber hinaus. Ich kann nur spekulieren, warum Lisa das tut: Es geht ihr um das Gefuehl der eigenen, moralischen Ueberlegenheit und um die Akzeptanz in der internationalen progessiven Gesellschaft.

Advertisements

2 Antworten

  1. Ich bin kein Freund von Lisa Goldmann seit ihrem Besuch in Beirut, als sie sich als egomanischer Jammerlappen heraus gestellt hat, der mit einer Hartnäckigkeit einen Realitätsverlust aufrecht erhält, den man sich so nur in Europa, Canada oder in manchen Zirkeln in Tel Aviv erlauben kann. Ich will dazu noch anmerken, das Lisa Goldman in der Israelischen Tagespresse weitegegehend unbekannt ist, ihre einizige grössre Bruchladung
    mit gewissem überregionalen Bekanntheitsgrad war der Beirut-Besuch.

    Dennoch gibt es einen wiederkehrenden Punkt in ihren Artikeln, die jeden Israeli aufhorchen lassen sollten: Die westliche Welt hält Israel für ein choatisches, zunehmend durchgeknalltes Drittweltland. Es gibt viel Unterstüztung, viel Sympathie, die aber durch dich fast durch die Bank arroganten, ungebildeten und korrupten Politiker Israels zunichte gemacht wird. Gefolgt von einem weinerlichen „Alle sind gegen uns“-Mantra, das nicht selten vor allem gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt wird, um uns die nächste Steuererhöhung, Rechtebeschneidung oder sinnlose Räumungsaktion reinzudrücken

  2. Wahrscheinlich hast Du Recht. Das duerfte ein aehnliches Phaenomen sein, wie Noam Pollack anlaesslich von Peter Beinarts Selbstmitleid ausgemacht hat:

    The judgment of history on the Oslo Accords, signed in 1993, is deservedly harsh. (…)
    (…)
    (…) Its last gasp was the disengagement from Gaza in 2005, which reinforced the central lesson Israelis learned from the suicide bombing war: the Palestinians want victory, not peace. (…)
    (…)
    Because the history of the peace process repudiates so many of liberalism’s most cherished premises, liberalism is increasingly repudiating Israel, and doing so in a perfectly logical fashion: with people like Beinart now saying that Israel is not in fact an admirable country and that it deserves to be thrown out of the company of liberal nations. In this way, the failure of the liberal vision is transformed from being a verdict on liberalism to being a verdict on Israel.

    Die Realitaet muss verzerrt und Unpassendes verdraengt werden, um die eigene Weltsicht nicht in Frage stellen zu muessen.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: