Das Internationale Rote Kreuz betreibt Propaganda – ein Vergleich mit WHO


Die Militaeraktion „Gegossenes Blei“ gegen Hamas im Gazastreifen begann Ende Dezember 2008 und wurde zwei Tage vor Obamas Vereidigung am 18. Januar 2009 beendet. Der internationalen Berichterstattung zufolge und von Goldstone noch einmal bekraeftigt, haette Israel dabei in voller Absicht Zivilisten angegriffen und zivile Einrichtungen zerstoert.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erarbeitete schon im Februar 2009 eine vorlaeufige Einschaetzung der Gesundheitssituation im Gazastreifen und im Maerz 2009 schickte sie eine eigens dafuer aufgestellte Mission in den Gazastreifen, um die gesundheitliche Lage genauer zu eruieren. Die Mission berichtete der WHO im Mai 2009 und im Juli 2009 veroeffentlichte die Weltgesundheitsorganisation die Resultate.

Das Internationale Rote Kreuz veroeffentlichte Ende Juni 2009, also fast zeitgleich, ebenfalls einen Bericht ueber die Lage im Gazastreifen. Ausserdem liegt mir der IKRK Bericht vom 14. Juni dieses Jahres vor.

Die Kluft zwischen der Einschaetzung der WHO und des IKRK ist weit und tief:

Most health services have been functioning normally since the end of hostilities. All primary health care facilities (PHC), except for two centres which were completely destroyed and relocated to a new building, resumed regular working hours after the ceasefire on January 18th, 2009, providing essential PHC services that include vaccination, antenatal care, chronic disease management, general medical consultations for children and adults, as well as PHC diagnostic services and dental care. The public health program activities have resumed as well, but with the pre-existing limitations.

Die meisten Gesundheitsdienste funktionieren seit Beendigung der Feindseligkeiten normal. Alle Einrichtungen zur medizinischen Grundversorgung – bis auf zwei, die vollkommen zerstoert wurden und in neue Gebaeude umziehen – haben nach dem Waffenstillstand vom 18. Januar, 2009 ihre normalen Dienstzeiten wieder aufgenommen und leisten die grundlegenden Geesundheitsdienste einschliesslich Impfungen, praenatale Versorgung, Behandlung chronischer Krankheiten, diagnostische Dienste und Zahnmedizin. Das oeffentliche Gesundheitsprogamm hat seine Aktivitaeten ebenfalls wieder aufgenommen, innerhalb der vorher bestehenden Grenzen.

Das Internationale Rote Kreuz sah die Lage im Juni 2009 dramatischer:

Gaza’s health-care system cannot provide the treatment that many patients suffering from serious illness require. Tragically, a number of them are not allowed to leave the Strip in time to seek health care elsewhere.

Health issues in Gaza are often politicized and patients find themselves caught up in a bureaucratic maze. The procedures for requesting permission to leave the territory are complicated and involve both the Palestinian and Israeli authorities. Seriously ill patients sometimes have to wait for months before the relevant authorities allow them to leave the Gaza Strip.


Gazas Gesundheitssystem kann die Behandlung nicht liefern, die viele Patienten brauchen, die an ernsthaften Krankheiten leiden. Das Antragsverfahren, um das Gebiet zu verlassen, ist kompliziert und involviert sowohl palaestinensische wie israelische Behoerden. Schwerkranke Patienten muessen manchmal Monate warten, bevor die entsprechenden Behoerden ihnen erlauben, den Gazastreifen zu verlassen.

Und noch schlimmer sieht es dem IKRK zufolge ein Jahr spaeter aus:

„The state of the health-care system in Gaza has never been worse,“ said Eileen Daly, the ICRC’s health coordinator in the territory. „Health is being politicized: that is the main reason the system is failing. Unless something changes, things are only going to get even worse. Thousands of patients could go without treatment and the long-term outlook will be increasingly worrisome.“

„Die Lage des Gesundheitswesens im Gazastreifen war nie schlimmer“, sagt Eileen Daly, die Gesundheitskoordinatorin des IKRK im Gazastreifen. „Gesundheit wird zum Politikum: das ist der Hauptgrund, warum das System zusammenbricht. Wenn sich nichts aendert, werden die Dinge nur noch schlimmer. Tausende von Patienten koennten ohne Behandlung bleiben und die lange Sicht wird immer beunruhigender.“

Zur Energieversogrung schreibt die WHO:

Repairs to damaged power lines and the entry of diesel fuel to run the local power plant has increased the availability of public electricity at the health facility level. Power outages across the Gaza Strip have now decreased to a daily average of 2 hours. Fuel needed to run emergency generators during power outages is in good supply, and all hospitals have two backup generators. All health facilities have access to water.


Reparaturen der beschaedigten Stromleitungen und die Lieferung von Diesel fuer das oerltliche Kraftwerk haben die Verfuegbarkeit von oeffentlicher Elektrizitaet bei den Gesundheitsdiensten erhoeht. Stromausfaelle im gesamten Gazastreifen sind auf durchschnittlich 2 Stunden pro Tag gesunken. Treibstoff fuer den Betrieb der Notgeneratoren waehrend der Stromausfaelle ist ausreichend vorhanden, und alle Krankenhaeuser haben zwei Generatoren als Back-up. Alle Gesundheitsdienste haben Zugang zu Wasser.

Dazu das Rote Kreuz im Juni 2009:

Daily power cuts and power fluctuations continue to damage medical equipment. Most hospitals have to rely on backup generators for several hours a day, but it is never certain that enough fuel will be available to run them.


Taegliche Stromausfaelle und Spannungsschwankungen beschaedigen weiterhin medizinische Geraete. Die meisten Krankenhaeuser muessen sich mehrere Stunden taeglich auf die Back-up Generatoren verlassen, aber es ist nie sicher, dass genuegend Treibstoff fuer sie zur Verfuegung steht.

Und ein Jahr spaeter:

Gaza is suffering from an acute electricity crisis. The power supply in Gaza is interrupted for seven hours a day on average. The consequences for public services, especially the primary health-care system, are devastating. Hospitals rely on generators to cope with the daily blackouts.

Der Gazastreifen leidet unter einer akuten Elektrizitaetskrise. Die Stromversorgung im Gazastreifen wird taeglich fuer durchschnittlich sieben Stunden unterbrochen. Die Folgen fuer die oeffentlichen Dienste, im besondern die grundlegende medizinische Versorgung, sind katastrophal. Krankenhaeuser muessen sich waehrend der taeglichen Stromausfaelle auf Generatroren verlassen.

Zur Ernaehrung stellt das IKRK im Juni 2009 in den Raum:

This increase in poverty has taken a heavy toll on the population’s diet. Many families have been forced to cut household expenses to survival levels. Generally, people are getting the calories they need, but only a few can afford a healthy and balanced diet. Poor families often substitute cheaper alternatives such as cereals, sugar and oil for fruits, vegetables, meat and fish. For tens of thousands of children, this has resulted in deficiencies in iron, vitamin A and vitamin D. The likely consequences include stunted growth of bones and teeth, difficulty in fighting off infections, fatigue and a reduced capacity to learn.

Die zunehmende Armut hat schwere Auswirkungen auf die Ernaehrung der Bevoelkerung. Viele Familien muessen Haushaltsausgaben kuerzen, um zu ueberleben. Insgesamt bekommen die Menschen die notwendigen Kalorien, aber nur wenige koennen sich eine gesunde, ausgewogene Ernaehrung leisten. Arme Familien ersetzen Obst, Gemuese, Fisch und Fleisch durch billigere Alternativen: Getreide, Zucker und Oel. Bei zehntausenden Kindern hat das zu Mangel an Eisen, Vitamin A und D gefuehrt. Die wahrscheinlichen Folgen davon sind Wachstumshemmungen der Knochen und Zaehne, Anfaelligkeit fuer Infektionen, Muedigkeit und verringerte Lernfaehigkeit.

Dazu die WHO:

Data on children 6-16 years, previously not available, have been collected from September 2007 to June 2008 through the MoH nutrition surveillance system in Gaza and recently analyzed. The findings revealed that the prevalence of underweight is 1.4%, while stunting prevalence is 7.2%. If analyzed by district, no difference was detected in the level of stunting among school children and in general these results are at acceptable levels. However, high prevalence of overweight2 children was found. In children 10-16 years overweight prevalence is 15.9%.

Daten zu Kindern im Alter von 6-16 Jahren, wie sie vorher nicht zur Verfuegung standen, wurden vom September 2007 bis Juni 2008 erhoben und vor kurzem analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass Unterernaehrung in 1.4% vorkommmt, waehrend Wachstumshemmungen bei 7.2% liegen. Wenn nach Distrikt analysiert wird, kann kein Unterschied in den Wachstumsstoerungen bei Schuldkindern gefunden werden und diese Werte sind auf akzeptablem Niveau. Dagegen wurde ein starkes Vorkommen von Uebergewicht bei Kindern gefunden. Bei Kindern zwischen 10 und 16 Jahren sind es 15.9%.

The level of anaemia among children 9-12 months was 65.5% in February 2009, which is slightly lower than the averages in 2006 (68.2%) and 2007 (72.1%). The level of anaemia among pregnant women was 37.5% in February 2009, which is the same as the 2006 average and higher than the 2007 average (33.3%).

Das Niveau von Anaemie [Eisenmangel RB] bei Kindern zwischen 9 und 12 Monaten lag im Februar 2009 bei 65.5% und damit etwas niedriger als 2006 (68.2%) und 2007 (72.1%). Der Przentsatz von Anaemie bei schwangeren Fragen lag im Februar bei 37.5%. was dem Durchschnitt von 2006 entspricht und etwas hoeher als der Durchschnitt von 2007 (33.3%).

Ich denke, durch die Gegenueberstellung ist deutlich geworden, wie sehr das Internatioanle Rote Kreuz mit Uebertreibungen arbeitet.

Das Internationale Rote Kreuz gibt sich im Gegensatz zur WHO nicht mit der Beschreibung der Lage zufrieden, sondern formulierte 2009 zu jedem Punkt fettgedruckte Forderungen. Im Bericht von 2010 erscheint die Forderung bereits als Untertitel:

The hardship faced by Gaza’s 1.5 million people cannot be addressed by providing humanitarian aid. The only sustainable solution is to lift the closure.

Sicher ist es reiner Zufall, dass die vom IKRK erhobene Forderung mit den Program der Achse, Iran-Syrien-Hisbollah-Hamas (und seit neuestem auch der Tuerkei) uebereinstimmen. Schliesslich ist das IKRK eine neutrale Organisation, nicht wahr?

2 Antworten

  1. Hallo Ruth,
    besten Dank für die exzellent beschriebene Beobachtung.
    Gruss
    Urs

  2. Vielen Dank, liebe Ruth

    muss ich gleich in meine Lesetipps aufnehmen!

    ———

    P.S.: Ich hoffe, dir geht es gut an deinem neuen Arbeitsplatz und du hast dich gut eingelebt.

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