Antisemitismus als Epidemie


Vor gut zwei Jahren schrieb ich ueber Antisemitismus als Krankheit. Inzwischen stelle ich fest, dass sich Antisemitismus bereits epidemieartig ausbreitet.

Die einstimmige Resolution des Deutschen Bundestags, Israel muesse im eigenen Interesse die Blockade des Gazastreifens „unmittelbar, bedingungslos und dauerhaft“ aufheben, ist ein klares Symptom, dass die Ansteckung um sich greift. Ein weiteres Sympton sehe ich in der Berichterstattung z.B. der FAZ, wo noch am 2. Juli von einer „Hilfsflotte“ gefaselt wird, obwohl laengst bewiesen ist, dass es den Veranstaltern gerade nicht um Hilfe fuer die zivile Bevoelkerung des Gazastreifens ging. Oder z.B. die NZZ, wo Israel unterstellt wird, Selbstverteidigung nur vorzutaeuschen, waehrend der Judenstaat in Wirklichkeit grundsaetzlich auch ungerechtfertigt mit eiserner Faust vorginge.

Bisher beruhigte ich mich ein Stueck weit mit dem Gedanken, dass in Europa die Elite immer weniger Rueckhalt in der Bevoelkerung besitzt, wo sich teilweise schon Reaktionen bilden. Deswegen finde ich es noch bedenklicher, dass nun auch ein konservativer Blog ohne Not antisemitische Ressentiments schuert. Wie selbstverstaendlich und alltaeglich muss Antisemitismus bereits sein, dass einem zur Positionierung der New York Times nichts einfaellt, als dass die Grossaktionaere juedischer Abstammung sind.

Im Alltag verdraengen wir weitgehend, was in der Welt um uns herum passiert. Wir muessen schliesslich weiterhin arbeiten, einkaufen, den Haushalt im Schwung halten, Kinder erziehen. Aber wir wissen, dass wir verdraengen. Gestern abend durfte die Grosse ihre beste Freundin zum Uebernachten einladen. Alle drei Maedchen sassen auf dem Balkon mit einem Windlicht und spielten Braendi-Dog. Ich stellte noch ihnen einen Teller Obst dazu und schaute vom Wohnzimmer geruehrt auf das froehliche Trio. Da stellte sich ungebeten der Gedanke ein: „Sie sollen wenigstens schoene Kindheitserinnerungen mitnehmen duerfen!“

Die Gasmasken habe ich zwar schon lange bestellt, aber ob wir sie am 11. Juli auch wirklich geliefert bekommen, scheint nicht sicher zu sein.

15 Antworten

  1. Deswegen finde ich es noch bedenklicher, dass nun auch ein konservativer Blog ohne Not antisemitische Ressentiments schuert.

    ————–
    Liebe Ruth,

    so überraschend ist das nun wohl auch nicht.

  2. Fuer mich schon. Wusstest Du etwas ueber solche Tendenzen, was nicht auf meinem Radar ist?

  3. „dass einem zur Positionierung der New York Times nichts einfaellt, als dass die Grossaktionaere juedischer Abstammung sind.“

    Erstens ist das eindeutig eine antisemitische Tendenz, denn es ist völlig egal, wer welche Religion hat und zweitens erinnert mich das an die Antisemiten, die meinten, die Times wäre „verjudet“, weil die Times rückwärts gelesen Semit heißt.
    Der Wahn nimmt leider kein Ende.

  4. „Fakten und Fiktionen“ sagt in der Selbstdarstellung: „Dieses Weblog ist prinzipiell für Israel und tritt 100-prozentig für israelische Interessen ein.“ Und genau so ist es, denn in den etwa 6 Jahren die der Blog existiert, ist er immer für Israel eingetreten. Nun hast du einen(!) Artikel gefunden, der dir nicht gefällt und schon ist Kewil ein Antisemit. Wer mal eben so seine besten Unterstützer als Antisemiten tituliert, der sieht selbstvertändlich einen epidemieartigen Antisemitismus.

    beer7: „Wusstest Du etwas ueber solche Tendenzen, was nicht auf meinem Radar ist?“

    Kewil hat schon mehrfach deutliche Worte gefunden, wenn der Zentralrat antideutsche Ressentiments schürt oder Islamistenverbände unterstützt. Wer Israel gut findet, weil es nicht Deutschland ist, der wird sich da sicherlich eine Tendenz eingebildet haben.

    yael1: „es ist völlig egal, wer welche Religion hat“

    Stimmt, deswegen ist es auch gut, dass die NYT nicht verraten hat, welche Religion der Papst hat. Und bei Wahlanalysen werden in New York die Juden auch nicht als eigene Gruppe untersucht. Vielen Dank für die Information, was Times rückwärts heißt, das haben uns die konservativen Bloger doch glatt vorenthalten.

  5. Cody,

    Du solltest genauer lesen:

    Ich habe weder Fakten und Fiktionen noch Kewil Antisemiten genannt. Im Gegenteil ging ich davon aus, dass die allgemeine Atmosphaere bereits so sehr von unbewusstem Antisemitismus gesaettigt ist, dass selbst Menschen, die keine Antisemiten sind, das unreflektiert uebernehmen koennen.

    Ich habe auch keine Kritik am Artikel geaeussert, sondern ausschliesslich am Titel und darauf hingewiesen, dass das Adjektiv „links-liberal“ die Haltung der NYT besser charakterisieren wuerde als „juedisch“.

    Du schlitterst uebrigens sehr nahe an das Klischee „juedische Paranoia“ heran. Meinst Du wirklich, dass Antisemitismus nicht im Steigen begriffen ist und ich mir das nur einbilde?

  6. Naja, kewils verbale Ausfälle geben mir auch schon seit einiger Zeit so denken.

  7. Ändere doch mal bitte das verschlimmbesserte so zu „zu“. Danke.

  8. @cody127

    ich schrieb nichts! zu diesem Blog, sondern zu Antisemiten. Bitte etwas genauer lesen.

  9. „Naja, kewils verbale Ausfälle geben mir auch schon seit einiger Zeit so denken.“

    Genau … leider…

  10. „Stimmt, deswegen ist es auch gut, dass die NYT nicht verraten hat, welche Religion der Papst hat.“

    Und diese Polemik finde ich auch daneben. Denn es geht nicht um den Papst oder empirische Wahldaten, sondern um eine Zeitung. Wer dort jemandens Religion so in den Vordergrund stellt, hat eine bestimmte Absicht, die wir aus antisemitischen Kreisen zu gut kennen.

  11. beer7: „Meinst Du wirklich, dass Antisemitismus nicht im Steigen begriffen ist und ich mir das nur einbilde?“

    Wie das im Volk ist kann ich nicht sagen, weil mir die Emotion des Antisemitismus unverständlich ist. In der Politik hat er sich aber sicher festgesetzt, aus zwei Gründen. Erstens weil man dem Islam hier ein zu Hause schaffen will und zweitens weil die prosemiten zunehmend den Mund halten wegen Aussagen wie dieser:

    yael1: „Wer dort jemandens Religion so in den Vordergrund stellt, hat eine bestimmte Absicht, die wir aus antisemitischen Kreisen zu gut kennen.“

    Da tippt sich Kewil 6 Jahre lang die Finger wund in seiner Verteidigung von Israel, aber das ist vergessen, denn jetzt wo er einmal die Religon dazugeschrieben hat, an einer Stelle wo es den Linken nicht gefällt, da wird er gleich antisemitischen Kreisen zugerechnet. Sowas ist auch schon mehrfach in der großen Politik geschehen, wenn sich der Zentralrat an der Hetzjagt auf konservative Politiker beteidigt hat. So kommt man zu einstimmigen Abstimmungen im Bundestag, weil denjenigen mit abweichender Meinung die Motivation genommen wurde.

  12. Cody,

    Da tippt sich Kewil 6 Jahre lang die Finger wund in seiner Verteidigung von Israel, aber das ist vergessen, denn jetzt wo er einmal die Religon dazugeschrieben hat, an einer Stelle wo es den Linken nicht gefällt, da wird er gleich antisemitischen Kreisen zugerechnet.

    Und ich habe mir gestern die Finger wundgetippt, um Dir noch einmal auszufuehren, dass ich Kewil nicht antisemitischen Kreisen zurechne, was aus dem Blogeintrag eigentlich auch schon hervorgehen sollte. Das willst Du zwangshaft nicht zur Kenntnis nehmen.

    Die „Linken“ (Ich fuehle mich nicht angesprochen. Deinen Reflex, jeden Andersdenkenden als „Linken“ zu bezeichnen, finde ich etwas vorschnell.) haben sicher mehr Gefallen an einer Kritik an der „juedischen NYT“ als an Kritik an der „linken NYT“.

    Du bist doch wahrscheinlich Kewil persoenlich, oder? Warum kannst Du nicht einfach einen kleinen Ausreisser zugeben und verbessern? Kann schliesslich jedem einmal passieren.

  13. @cody127

    was haben Sie immer mit Kewil? Ich beziehe mich gar nicht auf den, sondern wie Antisemiten immer wieder das „Jude sein“ hervorheben. Das ist ein Fakt, den Sie noch sooft negieren können. Wie beer auch schrieb, wollen Sie einiges nicht zur Kenntnis nehmen. Nirgendwo hat irgendjemand diesen Kewil an Antisemiten bezeichnet oder das er antisemitischen Kreisen zuzuordnen ist. Der Herr ist mir ziemlich egal. Aber ich habe keine große Lust, mich ständig zu wiederholen, wenn Sie es eh nicht kapieren.

  14. Ich glaube, man kann das als typisch Kewilsche Exzentrik abtun: Einer, der seine Kommentatoren als Nazis beschimpft, wenn sie das Wort „Bilderberger“ in den Mund nehmen, zugleich aber über die „jüdische NYT“ herzieht, folgt zumindest keiner konsequenten redaktionellen Linie.

    Unabhängig davon teile ich den Eindruck, dass die Bereitschaft, antisemitische Deutungsmuster zu akzeptieren, in der Szene im Ansteigen begriffen ist. Von einer „Epidemie“ würde ich allerdings noch nicht sprechen.

    Ich glaube auch nicht, dass ein Zusammenhang zu dem jüngsten Bundestagsbeschluss besteht. Der gehört in den Zusammenhang linker Ideologie, nach der die sogenannten „Unterdrückten“ alles dürfen, der sich verteidigende zivilisierte Staat aber nichts. Ich bin mir noch nicht einmal sicher, dass es wirklich strenggenommen Antisemitismus ist: Ein Parlament, das seinen eigenen Soldaten den Staatsanwalt bzw. einen Untersuchungsausschiss auf den Hals hetzt, ist sozusagen nur konsequent, wenn es von anderen demokratischen Staaten ebenfalls Selbstmord fordert. (Ich sehe gerade, dass ich das Wort „Untersuchungsausschuss“ oben falsch geschrieben habe; ich lasse es aber so stehen – dieser Tippfehler ist zu treffend!😀 ).

  15. @Manfred: „über die „jüdische NYT“ herzieht, folgt zumindest keiner konsequenten redaktionellen Linie.“

    Doch, die redaktionelle Linie ist es Religion und Volkszugehörigkeit dabei zu schreiben. (Das Volkszugehörigkeit gegeben ist, hast du in „Die Juden sind ein Volk!“ geschrieben: http://www.korrektheiten.com/2010/06/05/juden-sind-ein-volk-schlomo-sand-widerlegt/ )

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: