Strassburg: Orthodoxes Judentum schadet dem Kind


Die Grosse Kammer des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs hat einer Schweizerin Recht gegeben, die ihren Sohn aus Israel entfuehrt hat:

Kindesinteresse im Vordergrund

Sie hatte die Entführung mit ihrer Befürchtung begründet, dass ihr Ex-Mann mit dem Kind in eine Gemeinschaft der ultra-orthodoxen jüdischen Bewegung «Lubawitsch» ziehen könnte und der Sohn so von der Aussenwelt abschottet würde. Der Beitritt des Mannes zu «Lubawitsch» war Grund für die Scheidung des Paares gewesen.

Nun hat die Grosse Kammer des Menschenrechtsgerichtshofs (EGMR) in Strassburg festgestellt, dass die Rückkehr des Jungen nach Israel «nicht im Interesse des Kindes läge». Zudem würde dies das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens der Mutter verletzen, wie es die Europäische Menschenrechtskonvention garantiert.

(…)

Die Beziehungen des Jungen zur Familie müssten erhalten bleiben und seine Entwicklung in einem gesunden Umfeld gesichert werden, hielt das Gericht fest. Das Kind spricht französisch, ist bestens integriert und besucht einen Kinderhort der Gemeinde und eine private jüdische Krippe.

Bei einer Rückkehr der Mutter nach Israel könnte eine Strafverfolgung nicht ausgeschlossen werden. Ihr könnte der Sohn weggenommen werden. Der Vater allerdings hätte nach Meinung des Gerichts Mühe, seinen Pflichten nachzukommen, auch mit Blick auf eine weitere gescheiterte Ehe und begrenzte finanzielle Mittel.

(Hervorhebung von mir)

Die Lubawicher Bewegung schottet sich gerade nicht ab, sondern ist fuer ihre „Out-reach“ Programme weltweit bekannt. Auch in der Schweiz gibt es mehr als ein Chabadhaus. Der Erziehung der Kinder wird grosser Wert beigelegt, und zwar keineswegs in den engen Grenzen von Thora-Talmud Gelehrsamkeit.

Aber fuer das Strassburger Gericht scheint festzustehen, dass eine Chabadgemeinde in Israel kein gesundes Umfeld fuer den Buben sein kann. Das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens, das die Europaeische Menschenrechtskonvention der Mutter garantiert, scheint das Recht zu beinhalten, straffrei geltendes Recht brechen zu duerfen.

3 Antworten

  1. Das Problem ist, dass die über das orthodoxe Judentum keine Ahnung haben, aber sich anmaßen, es beurteilen zu können.

  2. 1. Das Urteil entfaltet nur zwischen den Parteien Wirkung, nicht für Dritte. Jede andere Person müsste also erneut klagen und könnte sich nicht auf das Urteil berufen. Das istganz anders als in Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts.

    2. Dieser Wirkung waren sich die Richter des EGMR bewusst, denn dies ist bei allen seinen Entscheidungen so.

    3. Die Parteien waren hier die Schweiz und die Mutter des Kiindes. Nicht Israel und auch nicht das orthodoxe Judentum.

    4. Wenn das Gericht von „dem Kind“ meint, dann meint es genau „dem einen Kind“. Es ist unwichtig, ob das orthodoxe Judentum allen anderen Kindern gut tut oder schadet. Es kam nur darauf an, ob es diesem einen Kind schadet oder nicht.

  3. Das ist doch furchtbar. Erneut hat eine Mutter Vorrecht, und zwar illegalerweise.
    Weshalb aber wird auch bei ähnlichen Fällen, wenn Kinder irgendwo in Südamerika entführt werden, die halbe Welt abgesucht und das Kind zurückgebracht, egal wie „integriert“ und wie lange es lebt – aber hierbei wird auch noch rechtlich zugestimmt, dass die Entführung „gut“ war!
    Im Sinne des Kindes………..
    Ist doch grausig.
    Wer hatte denn das Sorgerecht? Ist das auch egal?

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