„Juedische Interessen“


Mir gruselt es schon seit langem, wie weltweit und vor allem in Europa Antisemitismus wieder salonfaehig wird. Auf dieses Klima fuehre ich zurueck, dass auch befreundete Blogs in letzter Zeit Texte posten, die von Antisemiten vergroebert und vereinnahmt werden koennen.

Bei Kewil fiel es mir zum ersten Mal auf.

Dann wollte Rayson Israelkritiker vor der Gefahr schuetzen, als Antisemiten bezeichnet zu werden, ohne dass er eine Abgrenzung zwischen Israelkritik und Antisemitismus vornimmt. Selbst die Unterstellung, Israel betreibe einen Vernichtungskrieg gegen die Palaestinenser, will er nicht als Symptom fuer Antisemitismus sehen, weil die Leute womoeglich gar nicht wissen, dass sie Israel mit den Nazis gleichsetzen.

Der Lindwurm machte ausfindig, dass Israel aehnlich wie durch den Iran durch inneren Verfall bedroht ist. Die israelische Rechte will seiner Ansicht nach den Konflikt „mit Gewalt, Expansion und Vertreibung“ loesen und steht damit auf einer Stufe mit Syrien, Iran und arabischen Terrororganisationen.

CK auf „L for Liberty“ will sich nicht selber laehmen und schreibt daher einen Post gegen die Beschneidung im Kindesalter.

Manfred hat gerade die juedische Dominanz in Hollywood thematisiert. Von dieser Beoabachtung ausgehend, spekuliert er:

Es ist doch nur naheliegend und nur menschlich, dass Filmproduzenten bei der Auswahl von Stoffen vor allem solche Geschichten für erzählenswert halten, die sie selber interessieren, und niemanden kann es überraschen, dass jüdischen Filmproduzenten das Thema “Holocaust” wichtig ist; es wäre eher merkwürdig, wenn es anders wäre. Wer solche Zusammenhänge benennt und hinterfragt, muss deshalb noch lange nicht an eine jüdische Weltverschwörung glauben.

Anstatt mit “naheliegend und nur menschlich” zu mutmassen, waere es angebrachter zu ueberpruefen, ob dafuer in der Geschichte Belege gefunden werden koennen. Mir scheint die Antwort negativ. Waehrend des 2. Weltkrieges war das Interesse amerikanischer Juden an Europa bestimmt besonders hoch, hatten die meisten doch Verwandte auf dem alten Kontinent. Aus dieser Periode kann ich aber keinen einzigen Hollywoodfilm finden, in dem das schlimme Los von Juden in diesen Jahren thematisiert worden waere. Die Propagandafilme aus derselben Epoche waehlten andere Themen. Holocaustfilme setzen erst mit Ende des 2. Weltkrieges ein und auch nicht massiv und keineswegs ausschliesslich von Hollywood aus. Vergleiche auch hiermit:

The Holocaust was largely ignored by America media as it was happening[24]. Why that was is illuminated by the anti-Zionist position taken by Arthur Hays Sulzberger, publisher of the New York Times, during World War II.[25] Committed to classical Reform Judaism, which defined Judaism as a religious faith and not as a people, Sulzberger insisted that as an American he saw European Jews as part of a refugee problem, not separate from it. As publisher of the nation’s most influential newspaper New York Times, he permitted only a handful of editorials during the war on the extermination of the Jews. He supported the anti-Zionist American Council for Judaism. Even after it became known that the Nazis had singled out the Jews for destruction, Sulzberger held that all refugees had suffered. He opposed the creation of Israel. In effect, he muted the enormous potential influence of the Times by keeping issues of concern regarding Jews off the editorial page and burying stories about Nazi atrocities against Jews in short items deep inside the paper. In time he grew increasingly out of step with the American Jewish community by his persistent refusal to recognize Jews as a people and despite obvious flaws in his view of American democracy.[26]
While the New York Times was one of the few prestige newspapers owned by Jews, they had a major presence in Hollywood and in network radio. Hollywood films and radio with few exceptions avoided questioning Nazi persecution of Europe’s Jews prior to Pearl Harbor. Jewish studio executives did not want to be accused of advocating Jewish propaganda by making films with overtly antifascist themes. Indeed, they were pressured by such organizations as the Anti-Defamation League and by national Jewish leaders to avoid such themes lest American Jews suffer an anti-Semitic backlash.[27]

Heute haben wir es mit dem Phaenomen zu tun, dass es eigentlich “naheliegend und nur menschlich” waere, wenn amerikanische Juden, auch in Hollywood, Israel unterstuetzen wuerden. Stattdessen beobachten wir, dass gerade die “progressiven Juden” sich in J-Street engagieren. Fuer diese Organisation steht die “progressive Agenda” im Widerspruch zu israelischer Staatspolitik, daher unterstuetzt sie einen anti-israelischen Kurs der US-Regierung.

Vor drei Jahren schrieb ich zum Thema und gerade Manfred verstand sehr gut, was ich meinte. Ich sehe darin ein Symptom, in welchem Umfang in diesen Jahren antisemitische Klischees in den allgemeinen Diskurs eingegangen sind. Ich gehe davon aus, dass keiner der oben verlinkten Blogger selber Antisemit ist. Jeder hat ein Thema gewaehlt und in einer Weise behandelt, das und die er intellektuell vertreten kann. Aber diese Beitraege bereichern und legitimieren daneben einen oeffentlichen Diskurs, der zunehmend antisemitisch wird.

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15 Antworten

  1. Yael hat mich gebeten, diesen Kommentar zu loeschen. Er ist ihr aus Versehen hierher geraten, obwohl er in einem anderen Kontext stehen sollte. Ich komme dieser Bitte gern nach. (beer7)

  2. @yael1:
    Genauso ist es – auch wenn ich oben gleich zwei Blogs erkennen kann, die auf die beschriebene Art und Weise negativ herausstechen.

  3. @ Mr. Moe:

    Schlimm, wa?

  4. @ Ruth:

    Zunächst zu meinem Artikel: Das Zitat stand im Zusammenhang mit einer Äußerung von Oliver Stone, der auf die Frage, warum so viele Holocaust-Filme gedreht würden, geantwortet hatte, das liege daran, dass in Hollywood Juden den Ton angeben würden. Da Joel Stein, auf dessen Artikel ich mich bezogen hatte, nachgezählt hat, muss man letztere Behauptung als zutreffend akzeptieren, und der Zusammenhang, den Stone herstellt, ist zumindest (wenn Du ihn schon nicht als selbstverständlich akzeptieren willst) plausibel, und daher ist es auch legitim, darüber zu sprechen.

    Ganz und gar nicht legitim ist aber, dass Stone offenkundig genötigt wurde, gegen seine eigene Überzeugung etwas zu widerrufen, das zu behaupten sein gutes Recht war (und wenn ich dies kritisiere, dann verkläre ich ihn damit noch lange nicht zum Galilei). Darum ging es, und deswegen musste ich auch nicht beweisen, dass dieser Zusammenhang besteht. Eher hättest Du beweisen müssen, dass er nicht besteht. Und da finde ich Deine Argumente etwas dürftig:

    Es stimmt schon, dass das Thema Holocaust, während er stattfand und bis weit in die sechziger Jahre hinein, von amerikanischen Juden eher heruntergespielt wurde (und dass die Solidarität mit den verfolgten Juden Europas damals ungefähr so gering war wie heute die mit Israel). Es wäre aber doch absurd zu sagen, dass das Thema heute keine Rolle für sie spielt. Dass das Thema in Hollywood ungefähr im gleichen Maße wie in der jüdisch-amerikanischen Community an Bedeutung gewann: Diese Parallelität ist ein Argument für und nicht gegen Stones These.

    Das Einzige, was Du damit widerlegst, ist eine Behauptung, die ich gerade nicht aufgestellt habe. Ich habe nicht behauptet, jüdische Filmproduzenten würden als Sachwalter jüdischer Partikularinteressen handeln. Ich habe behauptet, dass sie – wie achtzig Prozent der amerikanischen Juden – liberal im amerikanischen Sinne sind. Das Wort „Interesse“ habe ich in zwei Zusammenhängen verwendet, die beide nichts mit dem von Dir unterstellten Sinn zu tun haben: Einmal das persönliche Interessiertsein an einem Thema:

    … solche Geschichten für erzählenswert halten, die sie selber interessieren, und niemanden kann es überraschen, dass jüdischen Filmproduzenten das Thema “Holocaust” wichtig ist.

    Der andere Zusammenhang ist der, wo ich allgemein die Wichtigkeit von Transparenz betont habe:

    Es kann aber in einer offenen Gesellschaft nicht sein, dass die Interessen und Ideologien, die ihrer Ideologie-Industrie zugrundeliegen, nicht benannt und offen diskutiert werden können. So versteht es sich von selbst, dass die Macht von Zeitungs- und Fernsehzaren (unter denen übrigens, anders als die antisemitische Legende will, nur sehr wenige Juden sind) kritisch beleuchtet wird. Dasselbe gilt für die Art, wie Regierungen und Interessengruppen, Werbekunden und PR-Unternehmen ihren Einfluss geltend machen. Dieselbe Art von Kritik muss auch Hollywood sich gefallen lassen.

    Dort, wo es konkret darum geht, woran sich Filmproduzenten orientieren, habe ich gerade nicht von Interessen gesprochen, schon gar nicht von irgendwelchen jüdischen Partikularinteressen, sondern von Weltbildern und Wertvorstellungen:

    Es stimmt einfach nicht, dass die Zugehörigkeit zu einem Kollektiv – einem Volk, einer Nation, einer Religionsgemeinschaft – keinen Einfluss auf das eigene Weltbild und die eigenen Wertvorstellungen hätte. Amerikanische Juden vertreten tatsächlich andere Wertvorstellungen als der Durchschnittsamerikaner. Sie würden sonst nicht mit bis zu achtzig Prozent die Demokraten wählen.

    Nun zu der Frage, warum ich das ganze Thema überhaupt aufgegriffen habe: Du hast in Deinem Artikel ja gleich fünf proisraelische Blogger aufs Korn genommen, jeder aus einem politischen Lager: einen Radikalliberalen (CK), einen linken Antideutschen (Lindwurm), einen klassisch Liberalen (Rayson), einen Rechtslibertären (Kewil) und einen Rechtskonservativen (mich). Lassen wir Kewil mal beiseite, der vielleicht nur demonstrieren wollte, dass für ihn das libertäre „Anything goes“ gilt, dann wirst Du feststellen, dass jeder Einzelne eine Position vertritt, die völlig konsistent mit seiner Ideologie ist, also mit dem, was er sonst auch vertritt:

    CK argumentiert immer vom Standpunkt eines doktrinären und völlig weltfremden Radikalliberalismus, der das soziale Wesen des Menschen leugnet und obendrein religionsfeindlich ist.

    Rayson argumentiert immer vom Standpunkt einer liberalen Politikauffassung, mit der es schlicht unvereinbar ist, Argumente nach den unterstellten Motiven dessen zu bewerten, der sie vorbringt.

    Lindwurm ist ein Linker, für den eine Welt zusammenbrechen würde, wenn er zugäbe, dass linke Politkkonzepte für einen Staat in der Lage Israels schlicht nicht praktikabel sind, und dass die Dominanz der Rechten in Israel daher nichts mit den Fehlern der Linken oder den bösen Machenschaften der Rechten zu tun hat, sondern eine Notwendigkeit ist.

    Und ich frage immer danach, woher es kommt, dass die westlichen Gesellschaften im Banne einer selbstmörderischen linken bzw. liberalen Ideologie stehen. Was Deep Roots in dem von mir aufgegriffenen Artikel geliefert hat, ist nicht mehr, aber auch nicht weniger als eine Teilantwort, ein Mosaiksteinchen. Wenn ich weiß, dass (1) eine bestimmte Bevölkerungsgruppe mit deutlicher Mehrheit nach links tendiert, und (2) Angehörige dieser Gruppe das Filmgeschäft dominieren, dann erklären diese beiden Faktoren die ideologische Tendenz dieser Filme – zumindest teilweise. Nicht erklärt ist damit, warum das Publikum solche Filme akzeptiert, und verallgemeinerbar ist diese Erklärung auch nicht: Wenn ich weiß, wie eine ideologische Tendenz in Hollywood zustandekommt, weiß ich noch lange nicht, wie sie beim ZDF zustandekommt. Ich kann eine solche Teilantwort, die als solche hieb- und stichfest ist, aber nicht einfach deshalb ablehnen, weil sie mir nicht passt.

    Natürlich könnten alle vier sich auf den Standpunkt stellen „Wir kehren alles unter den Tisch, was von Antisemiten und Israelhassern als Bestätigung ihres Weltbildes aufgefasst werden könnte und verbellen Jeden als Antisemiten, der es thematisiert“. So ungefähr ist man ja auch lange Zeit verfahren. Da Freunde Israels aber in allen politischen Lagern in der Minderheit sind, ist dies ein Standpunkt, den man nur dort und nur solange vertreten kann, wie die Political Correctness, also die Ablehnung rationalen Argumentierens zugunsten moralisierenden Schwadronierens gesellschaftlich akzeptiert ist.

    In der Umgebung Lindwurms dürfte dies der Fall sein; er hat aber mit dem Problem zu kämpfen, dass der Inhalt der PC sich ändert, weswegen er versucht, wenigstens einen Teil Israels (nämlich den linken) unter ihren Schirm zu bekommen, die israelische Rechte dagegen verteufelt und im Übrigen den Kampf gegen Rechts auf die Islamisten auszudehnen versucht. Ob dieser gequälte Spagat auf die Dauer funktioniert, lasse ich dahingestellt.

    Die Anderen stehen vor der Alternative, entweder eine inkonsistente Position zu vertreten (etwa „PC zugunsten von Moslems ist schlecht, zugunsten von Juden aber gut“) und dann niemandem erklären zu können, warum sie das tun, oder aber: gegenüber Andersdenkenden auf den Regeln rationalen Argumentierens zu bestehen – dann müssen sie sie aber auch selbst einhalten. Da ich mir nicht den Kopf der Liberalen zu zerbrechen brauche, lege ich dar, wie sich die Lage aus der Sicht eines Konservativen darstellt:

    Du hast zutreffend beobachtet, dass die Gesellschaft zunehmend dazu neigt, israelfeindliche bzw. antisemitische Diskurse zu akzeptieren. Dies hat weniger mit wachsendem Antisemitismus zu tun als damit, dass die ihn tabuisierenden Diskursregeln der Political Correctness an bestimmender Kraft verlieren (bzw. auf der Linken ihren Inhalt ändern: wenn z.B. die Moslems sich als „die neuen Juden“ gerieren etc.). Auf der Rechten kommt die Erkenntnis hinzu, dass diese Political Correctness das Mittel ist, mit dem die Opposition gegen die selbstmörderische Politik der westlichen Länder ausgeschaltet wird. Verschwörungstheoretische Diskurse entzünden sich an der Erkenntnis, dass die westlichen Eliten ihre Völker systematisch belügen und in den Untergang führen, und speziell an der Frage, wie sie es schaffen, alle gleichzeitig dieselben Lügen zu erzählen. Da liegt die Verschwörungstheorie nahe, und für den, der sich auf diese Denkweise erst einmal eingelassen hat, wirkt der Antisemitismus als fertige Ideologie wie ein gemachtes Bett, in das er sich nur hineinlegen muss. Dass diese Diskurse aufkommen, ist daher nicht zu verhindern. Sie werden eine Rolle spielen, SOLANGE DIE FRAGE NICHT BEANTWORTET IST, der sie diese Rolle verdanken.

    Um sie zu beantworten, gibt es zwei einander ergänzende Wege: Zum einen, auf einem relativ abstrakten Niveau zu zeigen, wie die Internationalisierung, die ideologische Homogenisierung und die Selbstrekrutierung dieser Eliten funktioniert. Einen ersten Versuch dazu habe ich mit meinem Artikel Der Neue Adel unternommen. Der zweite Weg ist der von unten: Man zeigt also konkret auf, in welchem Bereich auf welche Weise welche Ideologie implementiert wird bzw. worden ist.

    Da gibt es, um nur einige Beispiele zu nennen, Studien, mit welchen PR-Methoden die Akzeptanz der Gleichstellung von Homosexualität durchgesetzt wurde:
    http://www.dijg.de/fileadmin/dijg-uploads/pdf/bulletin_8_2004_rondeau_de.pdf
    Entsprechendes gilt für das Thema „Abtreibung“:
    http://www.aktion-leben.de/Zeitdokumente/PDF/zeitdo01.pdf
    Es gibt Bücher wie Hans-Joachim Arndts „Die Besiegten von 1945: Versuch einer Politologie für Deutsche“, in dem minutiös nachgezeichnet wird, wie die Durchsetzung liberaler bzw. linker und die entsprechende Marginalisierung konservativer Positionen in Deutschland funktionierte. (Für die, die es interessiert: Das geschah in zwei Wellen: zuerst, noch unter der Regie der Alliierten, wurde die traditionelle deutsche Staatslehre mitsamt ihrer Tradition entsorgt und durch eine Politikwissenschaft ersetzt, deren expliziter Auftrag lautete, westliche Politikmodelle zu propagieren, danach, in den sechziger Jahren, wurde die Aufblähung des Hochschulsystems systematisch mit einer ideologischen Neuausrichtung verknüpft. Treibende Kraft waren SPD und FDP, personelle Basis die linke Studentenschaft, sprich die vielzitierten 68er.)

    So entsteht, Mosaikstein für Mosaikstein, ein Bild der Entwicklung, die zum heutigen katastrophalen Stand geführt hat. Antisemitische Ideologeme werden dabei weder auf der abstrakten noch auf der konkreten Ebene gebraucht, sie stören eher und wirken, je weiter die Aufklärung fortschreitet, wie mutwillig hineingequetschte Zusatzannahmen. Außer natürlich in Fällen wie dem „Fall Hollywood“, wo zufällig tatsächlich Juden am Werk sind. Nun gut, dann ist das in diesem Fall eben so. Verschwörungstheorien, in denen die Juden in der Rolle des Weltfeindes auftauchen, können aber nur dort blühen, wo tatsächliche Sachverhalte im Dunkeln bleiben.

    Der Vorwurf, ich würde Antisemitismus „legitimieren“, ist insofern gegenstandslos. Bereits die Frage nach der „Legitimität“ einer Tatsachenbehauptung ist illegitim, insbesondere, wenn sie die Frage nach ihrer inhaltlichen Richtigkeit verdrängt. Was ich versuche, ist, dem Antisemitismus dadurch den Boden zu entziehen, dass ich auf die Frage, auf die er die Antwort ist, eine bessere, weil erklärungskräftigere Antwort gebe.

  5. Manfred,

    Du meinst also, dass nicht der Antisemitismus in den Kopefen bzw. Baeuchen zunimmt, sondern dass er einfach oeffentlicher wird, weil die Tabus der politischen Korrektheit loechriger werden.

    Ich bin unschluessig, ob das zutrifft.

    Du hast voellig Recht. Jeder von Euch hat ein Thema gewaehlt und auf die fuer ihn konsistente Weise behandelt. Mir faellt einfach auf, dass fuenf voellig verschiedene Blogger innerhalb von einem relativ kurzen Zeitraum solche Themen waehlen.

    Ich lebe nicht in Europa und kann es daher nicht wirklich beurteilen. Ich kann mir aber leicht eine Athmosphaere vorstellen, wie z.B. gegen Ende der Weimarer Republik , wo das „Reden ueber Juden“ zum guten Ton gehoerte. Auch Menschen, die wirklich nichts gegen Juden hatten/haben (oder auch selber Juden waren/sind, Katja Mann faellt mir ein), koennen sich einer solchen Atmosphaere nicht unbedingt entziehen und beteiligen sich am Diskurs. Nun sind Juden ja weder Engel noch unsichtbar, irgendetwas laesst sich also immer ueber sie aussagen. Durch die Vielstimmigkeit des Diskurses zieht dieser Diskurs dann weitere Kreise und die gesellschaftliche Ueberinkunft ist, dass irgendein „Judenproblem“ existieren muss.

    Auf den Rest Deines Textes antworte ich Dir in Deinem Blog.

  6. Ich verstehe Deine Bedenken. Ich kann auch leider nicht behaupten, dass sie aus der Luft gegriffen wären. Aber die Tabuisierung des Themas gehört zum Diskursmodus der PC und ist damit Teil einer Krankheit, die uns umbringt.

  7. L for Liberty will sich nicht selber laehmen und schreibt daher einen Post gegen die Beschneidung im Kindesalter.

    Für den Artikel bin allein ich zuständig, meine Mitblogger haben damit nichts zu tun.

    Schreiben hätte ich das so bereits vor zig Jahren können. Es hat keinen besonderen Grund, dass ich das vor ein paar Wochen erst getan habe. Dass er ausgerechnet in eine Zeit fällt, wo der Antisemitismus in Europa wieder wächst, mag in der Tat unglücklich sein (daher ja auch anfangs meine Zweifel ob das Posting überhaupt gebracht werden sollte), ist aber natürlich davon völlig losgelöst zu betrachten.

    Meine Argumente habe ich dagelegt und sind- wie Manfred schon richtig bemerkt hat- eher allgemein religionskritischer Art als spezifisch gegen das Judentum ausgerichtet.

    „CK argumentiert immer vom Standpunkt eines doktrinären und völlig weltfremden Radikalliberalismus, der das soziale Wesen des Menschen leugnet und obendrein religionsfeindlich ist.“

    „Doktrinär“ und „Weltfremd“ akzeptiere ich ja noch als mir durchaus verständliche Meinungsäusserungen, „religionsfeindlich“ insofern auch, als dass ich Atheist bin und persönlich jede Religion (auch die säkularen Ersatzreligionen) ablehne (was natürlich nicht heisst, dass ich gläubige Menschen pauschal als Freunde oder gar Mitbürger ablehne!), aber dass ich das soziale Wesen des Menschen verleugnen soll, ist mir nun wirklich neu.

    Zum einen sehe mich selber durchaus als recht sozialen Menschen und zum Anderen verweise ich auch immer auf das soziale Wesen des Menschen, meist um klarzumachen, dass wenn der Staat sich m.E. um etwas nicht kümmern soll, dies keineswegs bedeutet, dass wir Bürger (die Zivilgesellschaft) uns ebenfalls nicht darum kümmern sollten. Ebenso wie ich immer wieder auf die Bedeutung von Werten und Normen für eine funktionierende Gesellschaft hinweise. Hier konnte ich immer manche(!) Berührungspunkte zu Konservativen erkennen.

    Die Anderen stehen vor der Alternative, entweder eine inkonsistente Position zu vertreten (etwa „PC zugunsten von Moslems ist schlecht, zugunsten von Juden aber gut“) und dann niemandem erklären zu können, warum sie das tun, oder aber: gegenüber Andersdenkenden auf den Regeln rationalen Argumentierens zu bestehen – dann müssen sie sie aber auch selbst einhalten.

    Ich versuche immer konsistent und rational zu argumentieren. Nichts Anderes erwarte ich von anderen Menschen.

  8. Christian, mir war nicht klar, dass L fuer Liberty ein GEmeinschaftsblog ist. Ich habe im Text jetzt deutlich gemacht, dass nur Du der Autor bist.

  9. @beer7: Danke! Wer sich auf LfL unsere Artikel ansieht, wird zudem feststellen, dass bis auf zwei einzige (der oben verlinkte Beschneidungsartikel und einer zum Thema Wehrpflicht), beide in der Tat von mir Geschriebene, kein Artikel als juden- oder israelkritisch auch nur missverstanden werden könnte (und auch die angesprochenen zwei muss man egtl. schon komplett missverstehen).

    Bei Manfred lese ich nur gelegentlich noch mit, das besagte Thema finde ich jetzt nicht spannend genug um mir darüber viele Gedanken zu machen, Hollywood war in der Tat aber immer eher pro-demokratisch, wie die meisten US-Juden wohl auch. Kewill lese ich gar nicht. Was das mit der jüdischen NYT soll, verstehe wer will, ich finde es voll daneben.

    Raysons Artikel habe ich bewusst nichts dazu geschrieben als er rauskam, weil zuviel Schreibaufwand bei dem Fass, nur soviel kurz: selbstverständlich kann man Israel kritisieren, aber mit der nötigen Fairness und Objektivität, so wie jeden anderen demokratischen Staat auch. Viele Israelfeinde sind in der Tat wohl keine Antisemiten, sondern oft falsch informiert, naiv, dumm oder eben allgemein „anti-westlich“/“kulturrelativistisch eingestellt.“

    Lindwurms Artikel kann ich gar nicht nachvollziehen. Die momentane Regierung ist m.E. eher zu lasch und die Militärführung unverantwortlich (Wer junge Soldaten mit Paintballgewehren ein Schiff kapern lässt, gehört eigentlich sofort wegen unmoralischen Verhaltens entlassen !) Da kann es sogar durchaus sein, dass manche Leute bewusst ein wenig übertreiben und rechts ordentlich durchstarten um einen Gegenpol zu diesem Appeasement (mit dem Israel bei Europa punkten will) zu bilden. Und wen es für die nationale Sicherheit leider notwendig sein sollte, Syrien, Libanon und/oder den Iran anzugreifen, so sei es so, auch wenn ich im Interesse der Zivilbevölkerungen selbstverständlich hoffe, dass es nicht zu solchen Kriegen kommt.

    (Dies nur, weil wir zusammen mit denen verlinkt werden und ich somit die Notwendigkeit sehe, meine Ansichten auch dazu kurz zu äussern.)

  10. Test ..

  11. Das schwierige an der Israelkritik ist, dass sie so schnell in – vermeintlichen – Antisemtismus umschlägt.

    „Schuld“ daran sind die Israelis zum Teil selbst. Es liegt an ihrer Selbstdefinition. Sie wollen „jüdisches Volk“ und „jüdischer Staat“ sein, was mit dem modernen Verständnis von „Staatsvolk, Staatsgebiet und Staatsgewalt“ nicht vereinbar ist. Ganz einfach weil „die Juden“ sich als Volk und eben auch gleichzeitig als Religionsgemeinschaft verstehen.

    Ein solches Selbstverständnis – der israelische Premierminister äußerste vor kurzem, dass Israel für einen Friedensprozess die Anerkennung als „jüdischen Staat“ benötige (man beachte die feine Wortwahl, als „jüdischen“ Staat“) – ein solches Selbstverständnis ist jedoch mit den Auffassungen von Rechtsstaatlichkeit der meisten anderen Nationen nicht vereinbar. Obwohl deren Auffassungen von Rechtsstaatlichkeit dafür an anderer Stelle manchmal grober Unsinn sind, aber das ist eine andere Baustelle. Siehe dazu auch hier, auf meinem Blog zur Verwaltungsgerichtsbarkeit als Voraussetzung für Rechtsstaatlichkeit.

    Das Problem ist, dass wenn man Israel als „jüdischen Staat“ anerkennt, man seinen Bürgern zeitgleich das Recht nimmt, die jüdische Religion abzulegen und – beispielsweise – protestantisch zu werden. Eine klare Verletzung der Menschenrechte. Und da soll man mitmachen?

    Doch zurück zu meiner Kritik: Kritisiere ich diese Verknüpfung nun, greife ich damit zugleich den Staat Israel als Staat wie jeden anderen, aber eben auch den explizit jüdischen Staat Israel an. Der schmale Grat von vernünftiger und berechtigter Kritik hin zum Antisemitismus ist in diesen Fragen sehr leicht verlassen. Oftmals genügt schon ein fahrlässig gesetztes Adjektiv.

    Vielleicht ist es das, was Rayson „entschuldigen“ wollte. Obwohl ich mich in Rayson auch lange Zeit getäuscht habe. Und ich teile Manfreds Einschätzung:

    Rayson argumentiert immer vom Standpunkt einer liberalen Politikauffassung, mit der es schlicht unvereinbar ist, Argumente nach den unterstellten Motiven dessen zu bewerten, der sie vorbringt.

    überhaupt nicht.
    Als es um die Oury Jalloh Geschichte ging hatte er auch keine Hemmungen ur-liberale Grundsätze über Bord zu werfen und auf einmal für harte Strafen für die Polizisten einzutreten, obwohl sie den Eintritt des Todes Jallohs gar nicht verursacht hatten. Objektivität ist seine Sache nicht, aber trotz seines Bekenntnis zu den Alt-Katholiken möchte ich ihm doch keinen Antisemitismus unterstellen. Die Verdachtsabteilungen sollten besser nicht wieder hervorgekramt werden (Ein Wink mit dem Zaunpfahl und Hinweis auf Zitat von Dietrich Schwanitz, Bildung, S. 442 f.)

    Unter dem Strich denke ich schon, dass der Antisemitismus zugenommen hat. Und zwar auch und gerade in den Medien, weniger bei den Bloggern. Beispiel gefällig?

    Hier habe ich eins gebracht.

    Die Thematisierung des Holocaust ist sicher schon auch ein Ausfluss gewisser jüdischer Lobbies. Nur gibt es solche Lobbies von allen Gruppen. Im Moment ist das Thema „Völkermord“ gerade en vogue, weil durch die zunehmende Institutionalisierung der UN und der Verrechtlichung weiter Teile der eigentlich rein politischen Institutionen und teilweise Neuschaffung selbiger (IStGH) gerade das „Thema“ Völkermord „benötigt“ wird.

    Die Vermischung von Hollywood mit dem Thema Völkermord und/oder Holocaust sehe ich in diesem Zusammenhang als zeitlich begründet und damit auch als rein zufällig an. Wenn das Themen Völkermord und Holocaust auf eine eben teilweise auch jüdisch besetzte Filmindustrie treffen, gibt es nun einmal Überschneidungspunkte.

  12. Markus

    Das Problem ist, dass wenn man Israel als „jüdischen Staat“ anerkennt, man seinen Bürgern zeitgleich das Recht nimmt, die jüdische Religion abzulegen und – beispielsweise – protestantisch zu werden.

    Hier kann ich Dir gar nicht folgen. Wie kommst Du zu dieser Schlussfolgerung? Du weisst natuerlich, dass sich Israel seit seiner Gruendung als juedischer und demokratischer Staat definiert, waehrend gleichzeitig eine grosse Minderheit von Nichtjuden Staatsbuerger sind. Offensichtlich laesst sich das mit der Selbstdefinition verbinden, solange eine Mehrzahl der Staatsbuerger sich selber als juedisch definiert. Warum muss sich das Deiner Ansicht nach aendern, wenn diese Definition von anderen anerkannt wird? Warum sollte dadurch die Religionsfreiheit eines Staatsbuergers beeintraechtigt werden?

  13. Warum muss sich das Deiner Ansicht nach aendern, wenn diese Definition von anderen anerkannt wird? Warum sollte dadurch die Religionsfreiheit eines Staatsbuergers beeintraechtigt werden?

    Erkennt ein Staat einen anderen an, geschieht dies gewöhnlich ohne eine „Staatseigenschaft“ als solche. Denn der Souverän des Staates ist das Volk. Und dieses kann sich natürlich zu jeder Zeit eine neue Verfassung geben. Die Äußerung Netanyahus, Israel benötige eine Anerkennung als „jüdischer Staat“, verwundert daher sehr. Lässt man sich auf solche Spielchen ein, wird man anschließend daran festgemacht. Die Palästinenser können Israel daher nicht als jüdischen Staat, sondern nur als Staat anerkennen.

    Ich nehme mal an, dass diese Wortverwendung sich auf das „Rückkehrrehrecht“ der „Palästinenser“ bezieht, es also ausschließen soll.

  14. Spät melde ich mich, doch ich melde mich. 😉 Dass ein lupenrein rechtsextremer (und nicht „konservativer“, liebe Ruth) Blog wie „Fakten-Fiktionen“ einen antisemitischen Beitrag übelster Sorte bringt, braucht einen doch nicht zu wundern. Wer gegen Schwule und andere Minderheiten hetzt und ein eifriger Fan des Katholizismus ist, bei dem ist das antijüdische Ressentiment doch Wesensbestandteil, und es sollte daher niemanden überaschen, wenn es offen zum Durchbruch kommt. Es gibt ja eine ganze Latte an Blogs, die sich nur so lange als proisraelisch tarnen, als sie auf Israel ihr Wunschdenken eines knallhart rechten Law-&-Order-Staates projezieren können. Sobald die realisieren, dass Israel nicht ihr rechtsextremes Wunderland, sondern eine komplexe moderne Gesellschaft ist, ist es rasch vorbei mit der „Unterstützung“. Und wehe, eine Jüdin oder eine Jude wird frech und wagt es, zB den inhärenten christlichen Antijudaismus zu thematisieren, dann ist Schluss mit Soli und es wird der antisemitische Sauhund rausgelassen. Oft genug beobachtet, sowohl im real life, als auch in der Blogosphäre. Das sind genau die Leute, die ich als falsche Freunde Israels bezeichnet habe: Eine absonderliche Mischung aus fanatischen, rassistisch aufgeladenen Islamhassern, fundamentalistischen Christen, Abendlanduntergagsherbeifantasierern, Neurechten und Traditionsfaschisten. Das sind keine Israelfreunde, sondern Israelmissbraucher, denn für sie ist Israel gerade mal gut genug, in ihren Fantasien einen Stellvertreterkrieg gegen die Muslime zu führen. Man nehme das Beispiel „Politically Incorrect“ und den ganzen Rattenschwanz an ähnlich gelagerten Blogs: Dort wird fleißig dem verstorbenen Jörg Haider hinterhergetrauert und die österreichische FPÖ bejubelt. Nun war JH jener Politiker, der nicht nur ein klassischer Antisemit war, sondern auch die – damals – aktuellen Möchtegernjudenvernichter mit seinen Besuchen geehrt hat, zB Saddam Hussein oder Muammar Gaddafi. Die FPÖ betreibt die „Österreichisch-Syrische Gesellschaft“ und betrieb die „Österreichisch-Irakische Gesellschaft“. Der FPÖ-Spitzenpolitiker Andreas Mölzer war gerade zusammen mit anderen europäischen Neonazis auf Pilgerfahrt zur Gedenkstätte für japanische Kriegsverbrecher. PI findet diese Leute toll und nimmt sich dennoch die Frechheit heraus, sich „proisraelisch“ und „proamerikanisch“ zu schimpfen! Kurz: Wer solche „Freunde“ hat, braucht keine Feinde mehr.

    Ich mag mich im von dir beanstandeten Beitrag auf meinem Blog missverständlich ausgedrückt haben, das gebe ich zu. Ich wollte nicht zum Ausdruck bringen, dass eine „rechte“ Politik per se schlecht für Israel sei, sondern dass eine schlechte rechte Politik schädlich ist. Daher auch mein Hinweis, dass die „Klassische israelische Linke“ schmerzhaft fehlt, wobei unter dieser Linken nicht die verwirrten Friedenstäubchen, die derzeit in Israel das Prädikat „links“ für sich vereinnahmen verstanden werden sollen, sondern jene Ministerpräsidenten der Arbeitspartei, die in Fragen der Sicherheit wesentlich konsequenter und „rechter“ waren, als es die derzeitige Regierungskoalition ist. Außerdem habe ich ja auch erwähnt, dass es weniger um Fragen wie „links“ oder „rechts geht (siehe mein Wohlwollen gegenüber Ariel Sharon), sondern um Verfallserscheinungen in der politischen Kultur und Spaltungstendenzen in der Gesellschaft. Und ich verwahre mich gegen den schon oft gehörten EInwurf, das ginge mich nichts an. Das geht mich, der ich in Israel wohnhafte Freunde und Verwandte habe, sehr wohl etwas an. Um zum Kern zu kommen: Meine Kritik war genau NICHT, dass Israel zu „rechts“ sei, sondern dass es Strömungen gibt (nicht unbedingt den Mainstream), die ich als „dummrechts“ beschreiben möchte (quasi das Pendent zu den Dummlinken). Dummrechte haben das Handicap, dumm zu sein und daher zu fatalen Fehleinschätzungen zu tendieren. Und ich bleibe dabei, dass solche Leute mindestens so gefährlich, wenn nicht sogar gefährlicher für die Sicherheit Israels sind wie naive Linke.

  15. @Manfred

    Die Mehrheit der Israelis möchte in einem Staat leben, in dem Juden (egal wie sie sich definieren) nicht in der Minderheit sind – ist das nicht nachvollziehbar!?

    Die Verrenkungen der arabisch-palästinensischen Seite um Anerkennung Israels stehen dem direkt entgegen – sie streben zusätzlich zum rein arabisch-muslimischen (vulgo: judenreinen) Palästina ein mehrheitlich arabisches „Israel“ an, Stichwort: Rückkehrrecht.

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