Nullsummenprinzip und Wasserfrage im Nahen Osten


Das Nullsummenprinzip beschreibt die Auffassung, dass ein bestimmtes Gut oder auch alle Gueter begrenzt sind. Bei ihrer Verteilung gibt es also immer Gewinner und Verlierer. Die Gewinne der einen entsprechen den Verlusten der anderen. Die daraus gebildete Summe ist Null, von daher der Name.

Spaetestens seit der Industrielle Revolution sollte die umfassende Version dieser Auffassung als Vorurteil zu den Akten gelegt worden sein, aber anscheinend ist sie tief in der menschlichen Psyche verankert.

Gerade auch die Wasserfrage im Nahen Osten wird beharrlich als Nullsummenspiel wahrgenommen. Israelis verbrauchen pro Kopf mehr Wasser als Palaestinenser. Fuer den Nullsummentheoretiker ist der Fall damit klar: Israel stiehlt den Palaestinensern Wasser. Genauere Betrachtungen eruebrigen sich. Der innovative Umgang Israel mit Wasser bleibt ausgeblendet.

Diesen Shabbat hatten wir Parashat „Toldoth“ (entspricht Genesis 25.19 bis 28.9) Bei der Lesung heute in der Synagoge fiel mir auf einmal auf, wie sehr 26.12 bis 22 ein Pendant zur heutigen Situation ist.

Yitzchak und sein Haushalt gedeihen im Gebiet des Philisterkoenigs Avmelech. Die Phillister werden neidisch und schuetten die Wasserloecher zu, die noch zu Avrahams Zeiten von dessen Knechten gegraben wurden. Man beachte, die Psychologie der Nullsumme: Das Wasser, das Yitzchak nicht mehr zur Verfuegung steht, sehen die Phillister bereits als eigenen Gewinn. Dabei schuetten sie die Brunnen zu, so dass niemand mehr ihr Wasser geniesst. Avimelech schickt Yitzchak und die Seinen fort: Sie seien ihnen zu maechtig geworden. Im Hebraeischen klingt im „ki azamta mimenu meod“ deutlich mit, dass Yitzchak auf Kosten der Phillister zugenommen habe. Yitchak weicht dem Konflikt aus. Anstatt die alten Wasserstellen wieder herzustellen, laesst er neue Brunnen graben und gibt auch die auf, sobald sie ihm streitig gemacht werden, bis er endlich einen Brunnen erhaelt, den ihm niemand streitig macht. Soviel Nachgiebigkeit verbunden mit soviel Erfolg veranlasst schliesslich auch die Phillister, einen Friedensvertrag mit Yitzchak abzuschliessen.

Auf die Parallele zur letzten Entwicklung warten wir noch…

9 Antworten

  1. Hervorragender Parallele, danke!

  2. […] „gespielt“. Wie das gemacht wurde und worin bisher der Unterschied zu heute besteht, beschreibt Beer7 sehr gut – es gab damals welche, die waren am Ende dann doch etwas schlauer als die, die ihre […]

  3. Zu dem Thema Nullsummenprinzip ist vielleicht mein neuer Artikel interessant:

    http://lforliberty.wordpress.com/2010/11/08/liberalismussozialdarwinismus/

  4. Vor allem den Hinweis auf die innovativen, intelligenten und zukunftsweisenden Techniken, die in Israel zum effektiven Einsatz von Wasser ersonnen wurden, finde ich wichtig. Das müsste man viel öfter in die Welt hinausposaunen.

  5. Wie ist eigentlich die Lage mit der Hamas und den Raketen? Sonst alles klar bei Euch?

  6. Wir hatten ein unruhiges Wochenende.
    Ich glaube, die erste Rakete habe ich im Buero gehoert. Mein Chef jedenfalls meinte, den Knall als Rakete identifizieren zu koennen. Eine Raketenwarnung hatte es vorher nicht gegeben.

  7. Wenn ich mir deine Links anschaue, insbesondere auch den den israelischen Botschaft, dann scheint mir, durchaus etwas an der Argumentation des Nullsummenprinzips dran zu sein.
    Die israelische Botschaft schreibt: „Israel sowie die Gebiete des Westjordanlandes und Gazas besitzen ein eng verstricktes Wassersystem, aus denen beide Gebiete versorgt und gespeist werden.“
    Da stellt sich die Frage, warum die Bevölkerung in Israel das 2,5-fache (laut israelischer Botschaft) bzw. 3,7-fach (laut deinem andern Link) Wasser verbraucht. Der Verbrauch durch effektive Wasserverbrauchsmethoden sollte eigentlich sogar zu weniger Verbrauch führen. Bei diesen Zahlen ist die Landwirtschaft noch nicht einmal berücksichtigt. Auch wenn man die genannten Wassergewinnung berücksichtigt (35%) ändern das wenig daran.

  8. Man hat doch schon herausgefunden, dass solche Einsparungen nicht zu einem tatsächlichen Rückgang des Energieverbrauchs führen.

    Kaufen die Leute energiesparende Geräte und sparen dadurch Strom, kaufen sie recht schnell zusätzliche Geräte, die jedes für sich zu einem erneuten Anstieg des Energieverbrauchs führen.

    Beim Wasserverbrauch wird es ähnlich sein. Israel verbraucht wohl deshalb mehr Wasser, weil der Lebensstandard allgemein höher ist als bei den Palästinensern. Da gehört der Pool eben dazu. Übrigens dürfte das „einen Pool haben“ in Verbindung mit dem besseren Wetter ein ausschlaggebendes Kriterium für ein gewisses Maß an Antisemitismus sein.😉 Ich kann meinen Neid jedenfalls kaum zurückhalten, angesichts Temperaturen in Deutschland von -1 Grad, während man in Tel Aviv am Strand spazieren geht und… ähem… 19 Grad hat. Den Pool kann man den Israelis nicht verzeihen… es muss daher – rein „objektiv“ ein „zu viel“ an Wasserverbrauch sein.

    Ich würde auf solche Anwürfe nicht reagieren. Die Israelis sollen soviel Wasser verbrauchen wie sie wollen. Es ist schließlich ihres. Im übrigen werden sie das Wasser kaum unter Preis verkaufen d.h., dass die Palästinenser nicht daran gehindert sein werden sich Wasser zu kaufen. Selbst falls die Israelis sich weigern sollten ihnen Wasser zu verkaufen, würde sich garantiert ein Weg über das Ausland ergeben. Und außerdem sagt man den Juden im Allgemeinen nach mit Geld umgehen zu können. Sie würden es den Palästinensern sicher liefern, wenn sie bereit wären dafür den Marktpreis zu zahlen.

  9. Politur,
    Wenn jemand schon in Nullsummen denkt, sieht er leicht Bestaetigungen.
    Tatsaechlich steht die heutige Wassermenge Israelis und Palaestinensern zur Verfuegung, weil Juden (schon vor Gruendung des Staates Israel) nicht in Nullsummen dachten und jede Menge Planung und Investitionen zum Aufbau der Strom- und Wasserversorgungsstruktur aufwendeten.
    Die PLO dagegen dachte in Nullsummen und veruebte ihren ersten Bombenanschlag eben auf die Wasserinfrastruktur, den National Water Carrier, am 1. Januar 1965.

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