Hartgelernte Lektionen


Zum Abschluss von 2010 noch ein Beitrag, auch wenn es nur eine Uebersetzung ist:
Jeremy Sharon erklaert im „Australian“ plausibel, warum Israel derzeit lieber isoliert ist (Hat Tip Elder of Ziyon):
Go-it-alone lessons hard learned

Vor zwei Jahren erreichte der Nahe Osten wieder einmal den Siedepunkt, als Israel eine Militaeraktion im Gazastreifen begann.

Diese Aktion markierte das Ende von Israels Geduld, nachdem der Staat ueber 6000 Raketen- und Moerserangriffe auf seine Gemeinden und Staedte hingenommen hatte, seit er sich im August 2005 aus dem Gazastreifen zurueckgezogen hatte.

Noch wichtiger ist, dass der kurze, aber heftige Konflikt in den letzten Tagen des Jahres 2008 fuer viele Israelis den Moment bedeutet, in dem sie ihren Glauben an die Formel „Land fuer Frieden“ verloren. Fuer sie hat die Aufgabe von Land nicht zum Frieden gefuehrt, sondern einfach zu noch mehr Krieg.

Waehrend die internationale Gemeinschaft den todgeweihten Friedensprozess wiederbeleben moechte, indem sie vor allem auf Israel Druck ausuebt, ist es wichtig, dass dieses Gefuehl beruecksichtigt wird. Eine vor kurzem erhobene Umfrage des Instituts fuer Nationale Sicherheitsstudien in Israel zeigt: Vor dem einseitigen Rueckzug Israels aus dem Gazastreifen unterstuetzten 60% der israelischen Bevoelkerung die Errichtung eines palaestinensischen Staates. Dieses Jahr waren es knapp 50%. Der Grund fuer diesen steilen Abfall ist nicht schwer herauszufinden.

In den drei Jahren nach Israels Aufgabe des Gazastreifens, hat die Hamas den Gazastreifen aufgeruestet, Gilad Shalit gekidnapt, die der Fatah und PA Praesident Mahmud Abbas loyalen Kraefte vertrieben und mehr als 6000 Raketen und Moerser auf Israels Gemeinden und Staedte abgefeuert.

Wenn man daran denkt, in welcher Weise Hisbollah das Machtvakuum nach Israels Rueckzug aus dem Suedlibanon im Jahr 2000 ausgefuellt hat, dann wird das Abwaegen fuer die Israelis klar. Zwei Rueckzuege in fuenf Jahren haben ihre Sicherheit deutlich und in nicht umkehrbarer Weise beeintraechtigt. Ein weiterer Rueckzug, diesmal aus dem Westjordanland, koennte selbstmoerderisch sein.

Der Ausgang der israelischen Wahlen vor einem Jahr speigelt dieses Ueberlegungen wider. Die Regierung der Tauben unter Ehud Olmert und Tzippi Livni wurde abgewaehlt und an ihre Stelle trat die abgebruehtere Koalition von heute.

Diese Haltung ist auch hinter der gegewaertigen Verhandlungsposition der vom Likud gefuehrten Regierung zu erkennen. Die Israelis bestehen darauf, dass israelische Truppen sowohl an der West- wie an der Ostgrenze eines kuenftigen Staates Palaestina stationiert werden. Fuer Israels langfristige Sicherheit haelt man das fuer unerlaesslich, und ist eine der unangreifbaren Lektionen, die aus Abzug aus dem Gazastreifen und dem Militaerkonflikt mit dem Gazastreifen 2008 gelernt wurden. Die andere Lehre, die Israel aus der Aktion „Gegossenes Blei“ zog, ist, dass das Land sich in keiner Weise darauf verlassen kann, dass die internationale Gemeinschaft sein Recht auf Selbstverteidigung anerkennt. Nachdem allein im Jahr 2008 ueber 3000 Raketen und Moerser auf Israel niedergingen, meinte die israelische Regierung, es sei ihr gutes Recht, die unertraegliche Situation, worin vor Beginn von „Gegossenes Blei“ hunderttausende israelischer Buerger leben mussten, zu einem Ende zu bringen.

Aber die Flutwelle von Verurteilungen, Anklagen, diplmatischen Attacken und Empoerung in den Medien, die Israel ueberspuelte, weil es die Unverschaemtheit besass, die eigenen Buerger zu verteidigen, war selbst fuer Israel noch nie dagewesen. Diese Kampagne gipfelte im Goldstonebericht, der, wenn er umgesetzt wuerde, die israelische Armee grundsaetzlich an der Verteidigung israelischer Buerger hinderte, falls der Angriff von zivilen Stellungen aus erfolgen sollte, wie es vor der Militaeraktion „Gegossenes Blei“ der Fall war.

Vor diesem Hintergrund sind Israels Befuerchtungen hinsichtlich eines Rueckzugs aus dem Westjordanland einleuchtend. Fuer Israelis ist klar: Sollten die staedtischen Gebiete der Westbank fuer Raketenabschussrampen genutzt werden, wie es im Gazastreifen passiert ist, dann wuerde die internationale Gemeinschaft Israel das Recht auf Selbstverteidigung absprechen. Die israelische Oeffentlichkeit neigt daher eher dazu, auf das Risiko in ihren Haeusern in Tel Aviv bombardiert zu werden, zu verzichten, trotz der internationalen Missbilligung, die eine solche Wahl begleitet.

In der Folge von „Gegossenem Blei“ hat Israel nicht nur die internationale Verurteilung erlitten, sondern auch eine Reihe gebrochener Versprechen. Fuehrende Politiker wie der franzoesische Praesident Nicolas Sarkozy und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sprachen von der Notwendigkeit dafuer zu sorgen, dass Hamas keine Waffen in den Gazastreifen schmuggelt. Aber diese und andere internationale Fuehrer haben die umfassende Wiederaufruestung der Hamas nicht verhindert, und heute verfuegt diese vom Iran gesteuerte Guerillaarmee ueber modernere Waffen und Raketen als vor „Gegossenem Blei“.

Die Schlussfolgerung, die Israel aus dieser schockierenden Nachlaessigkeit zieht, liegt auf der Hand: Es kann sich auf niemanden verlassen, um seine Buerger zu verteidigen und fuer sein Recht auf Selbstverteidigung einzutreten. Mit diesen angesammelten Gefuehle muessen sich diejenigen auseinandersetzen, die einen palaestinensischen Staat einrichten wollen. Von Israel kann nicht erwartet werden, seine Sicherheit externen Kraeften anzuvertrauen.

Wenn der Friedensprozess irgendwohin fuehren soll, dann muessen die Erfahrungen Israels in den letzten beiden Jahren von der internationalen Gemeinschaft ins Boot geholt warden. Wenn sie einfach ignoriert werden, dann werden die Israelis sich niemals sicher genug fuehlen, um sich aus der Westbank zurueckzuziehen und ein Klima des Vertrauens kann nicht aufgebaut werden.

Unter diesen Umstaenden wird der Konflikt im Nahen Osten weiter schwelen, und die Aussichten auf Frieden sind aeusserst duerftig.

6 Antworten

  1. Ich weiß, dass viele den Text kennen, aber pointierter als Bob Dylan kann man es kaum beschreiben:

    Well, the neighborhood bully, he’s just one man
    His enemies say he’s on their land
    They got him outnumbered about a million to one
    He got no place to escape to, no place to run
    He’s the neighborhood bully

    The neighborhood bully just lives to survive
    He’s criticized and condemned for being alive
    He’s not supposed to fight back, he’s supposed to have thick skin
    He’s supposed to lay down and die when his door is kicked in
    He’s the neighborhood bully

    The neighborhood bully been driven out of every land
    He’s wandered the earth an exiled man
    Seen his family scattered, his people hounded and torn
    He’s always on trial for just being born
    He’s the neighborhood bully

    Well, he knocked out a lynch mob, he was criticized
    Old women condemned him, said he should apologize.
    Then he destroyed a bomb factory, nobody was glad
    The bombs were meant for him. He was supposed to feel bad
    He’s the neighborhood bully

    Well, the chances are against it and the odds are slim
    That he’ll live by the rules that the world makes for him
    ’Cause there’s a noose at his neck and a gun at his back
    And a license to kill him is given out to every maniac
    He’s the neighborhood bully

    He got no allies to really speak of
    What he gets he must pay for, he don’t get it out of love
    He buys obsolete weapons and he won’t be denied
    But no one sends flesh and blood to fight by his side
    He’s the neighborhood bully

    Well, he’s surrounded by pacifists who all want peace
    They pray for it nightly that the bloodshed must cease
    Now, they wouldn’t hurt a fly. To hurt one they would weep
    They lay and they wait for this bully to fall asleep
    He’s the neighborhood bully

    Every empire that’s enslaved him is gone
    Egypt and Rome, even the great Babylon
    He’s made a garden of paradise in the desert sand
    In bed with nobody, under no one’s command
    He’s the neighborhood bully

    Now his holiest books have been trampled upon
    No contract he signed was worth what it was written on
    He took the crumbs of the world and he turned it into wealth
    Took sickness and disease and he turned it into health
    He’s the neighborhood bully

    What’s anybody indebted to him for?
    Nothin’, they say. He just likes to cause war
    Pride and prejudice and superstition indeed
    They wait for this bully like a dog waits to feed
    He’s the neighborhood bully

    What has he done to wear so many scars?
    Does he change the course of rivers? Does he pollute the moon and stars?
    Neighborhood bully, standing on the hill
    Running out the clock, time standing still
    Neighborhood bully

  2. […] „hart gelernte Lektionen“ hat Beer7 geschrieben (wenn auch „nur“ eine Übersetzung): Die Erfahrungen […]

  3. Dein Einverständnis voraussetzend, habe ich mir erlaubt, diesen Artikel in meinen Blog zu übernehmen.

  4. Natuerlich hast Du mein Einverstaendnis, Manfred.

  5. Eindeutig. Ich gehöre zu diesen Leuten dazu. Die Palästinenser haben lange genug gebraucht, bis sie mich überzeugt haben, und gefreut hat es mich auch nicht. Aber ich habe jede Hoffnung aufgegeben, daß irgendeine Kompromißformel tatsächlich funktionieren wird. Schade, ich war nämlich viel glücklicher, als ich noch geglaubt habe, es gibt sie, man muß sie nur finden…

  6. OT: Was die Bookmark Buttons in Deiner linken Randleiste angeht, so stellt wordpress.com mittlerweile übrigens eine bessere Alternative zur Verfügung: Unter dem Punkt „Sharing“ werden solche Knöpfchen automatisch zur Verfügung gestellt, und sie sind leichter zu handhaben als die bisherigen.

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