Vorwaerts in die Vergangenheit


Seit wenigen Wochen schon wird in Israel protestiert, gegen die hohen Mieten, Immobilienpreise und ueberhaupt die Lebenshaltungskosten.

Am Samstagabend gelang es anscheinend, zum ersten Mal eine signifikante Menge Menschen auf die Strasse zu bringen.

Der Slogan lautet „Zedek chavrati“, das ist „Soziale Gerechtigkeit“, ein klassisch sozialistisches Mantra und so sehen die Bilder von der Demonstration auch aus:


Rote Fahnen, soweit der Bildausschnitt reicht.

Fuer ganz Begriffstutzige noch die Ikone des Heiligen Che.

Hier ist meine Interpretation:

Die Linke in Israel kann ihre Wahlniederlage vom Januar 2009 immer noch nicht verwinden. Mit der Karte „Friedensprozess“ konnte sie gegen die gegenwaertige Mitte-Rechts Regierung unter Netanyahu nicht punkten, wie sie nach mehreren, hartnaeckigen Versuchen in diese Richtung einsehen musste. Der „Cottage-Boykott“ brachte dann die schlaue Idee: Wenn mit „Friede“ kein Hund mehr hinter dem Ofen hervorzulocken ist, wie waere es dann mit „Eierkuchen und Freude“?!

Tatsaechlich gibt es in Israels kleiner Wirtschaft immer noch zu wenig Konkurrenz. Den richtigen Weg aber hat schon die erste Netanyahu-Regierung eingeschlagen, als Finanzmininster hat er das fortgesetzt und auch der jetztige Finanzminister Yuval Steinitz bringt das Stichwort Konkurrenz.

Die Opposition um Kadima, zu der sich auch die israelischen Medien ganz offen zaehlen, zeichnet sich bisher durch innige Symbiose mit der „Branja“ in allen ihren Facetten (Gerichtswesen, Medien, Wirtschaft, Kulturbetrieb und Politik) aus.

Weder Haredim noch nationalreligioese Juden nehmen an den Protesten teil. Dabei ist die Wohnungsnot bei den kinderreichen Familien der Ultraorthodoxen und bei den Siedlern, die schon lange de facto kein Zimmer anfuegen, geschweige denn neue Wohnungen bauen duerfen, mindestens so ausgepraegt wie in der saekularen Bevoelkerung. Offensichtlich vemuten sie ebenfalls, welche Kraefte hier wirken.

Advertisements

Eine Antwort

  1. […] Weblogs lernt man eine Menge. Jedenfalls mehr als durch die bundesdeutsche Presse. Danke an Ruth und Miriam für ihre Betrachtungen zum Thema. Die israelische Linke brauchte also ein Thema. […]

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: