Hier stimmt was nicht


Ueber das Wochenende sollen Vandalen auf zwei arabischen Friedhoefen in Jaffa gewuetet haben.

Ynet suggeriert und Haaretz behauptet , es habe sich um juedische Vandalen mit nationalistischen Motiven gehandelt. Und natuerlich schlachten alle unsere Feinde den Vorfall bereits aus.

Dabei haben wir an diesem Wochenende Yom Kippur begangen. Eine deutliche Mehrheit der juedischen Bevoelkerung Israels fastet an diesem Tag. Dieses Mal dauerte das Fastenvon Freitagnachmittag bis zum Einbrechen der Dunkelheit am Samstag abend, mindestens 25 Stunden ohne Nahrung und ohne Trinken. Stattdessen Suendenbekenntnisse und Gebete um Vergebung satt. Der Verkehr kommt voellig zum Erliegen, keine oeffentlichen Verkehrsmittel und keine privaten Motorfahrzeuge, nur Krankenwagen fahren gelegentlich auf den Strassen.

Ich finde es schwer vorstellbar, dass „Siedler“ bzw. Juden mit nationalreligioeser Einstellung den Tag durch eine solche Tat entweihen koennten. Sie muessten auch auf Fahrraeder zum Tatort fahren und von dort fliehen. Auch die Vorstellung, dass nicht-religioese Juden zum Zeitvertreib an Yom Kippur Graeber schaenden, ist nicht plausibel. Die fanatisch anti-religioesen Juden im Raum Tel Aviv (Fahrradentfernung!) sind ueblicherweise links bis linksextrem eingestellt und wuerden keine nationalistischen Angriffe gegen Araber duchrfuehren. Es sei denn, dass damit den Religioesen etwas in die Schuhe geschoben werden soll. Aber koennten es nicht auch Araber gewesen sein?

 

9 Antworten

  1. Es war Shabat UND Yom Kippur, die ja nicht oft auf einen Tag fallen. Yom Kippur: no food. Shabat: no fuel. Ein gläubiger Jude wäre nie im Leben durchs Land gefahren, um Gräber zu schänden. Das glaube ich auch nicht. Und die nicht-religiösen haben ihren Kindern beim Radfahren zugeguckt oder gegrillt (also gegen Yom Kippur und Shabat in einem Aufwasch verstoßen). Mir fällt gerade niemand ein, der diese Sache gemacht haben könnte…

  2. Hallo Lila,

    erinnerst Du Dich an die Unruhen in Akko vor drei Jahren, auch zu Yom Kippur? Die waren damals mit einiger Wahrscheinlichkeit von israelischen Arabern wenigstens angeheizt, wenn nicht gleich geplant und ausgeloest worden.

    Viel wahrscheinlicher als die These von Siedlern, die an Yom Kippur in Jaffo Graeber schaenden, scheint mir, dass hier etwas Aehnliches stattfinden sollte. Oder auch immer noch stattfinden soll, wenn man sich die Drohungen von arabischer Seite anschaut:

    In an earlier meeting, held without the presence of police representatives, Arab political and social activists as well as community leaders conveyed a harsher tone, saying that the police must nab the suspects quickly, otherwise Jaffa residents would stage mass protests and strikes.

  3. Ja, und gleichzeitig wieder die alten Lügenmärchen über Olivenbäume…

    Schade. Würden die Palästinenser doch mal auf Lügen und Greuelmärchen verzichten, dann könnte man sich ganz anders mit ihnen an einen Tisch setzen. Aber so wissen wir gleich, daß wir über denselben gezogen werden sollen. Hetze und Propaganda, im Brustton der Überzeugung vorgetragen (wie die Lüge mit der Archäologie in Jerusalem, die Abu Mazen in der UNO wiederholt hat – dabei ist es genau umgekehrt, der Waqf vernichtet jüdische Artefakte und die jüdischen Archäologen arbeiten vorsichtig und redlich), das wirkt nicht sehr ermutigend.

  4. Wieso nicht? Es gibt auch Deutsche in Deutschland, die aus Jux Friedhöfe schänden. Oder anderen Motiven. Es ist schlichtweg ulkig, sich für die Elben in Mittelerde zu halten, also edle und reine Geschöpfe, keines Verbrechens fähig, und gefährlich, für jeden die Hand ins Feuer legen zu wollen. Wie schnell hat man Verbrennungen.

  5. Karl Eduard,

    Lila und ich hatten eigentlich ausfuehrlich erklaert, dass wir Juden nicht fuer „Elben aus Mittelerde“ halten, sondern
    1) dass das Datum alle halbwegs religioesen Juden ausschliesst,
    2) dass der Mangel an Transportmitteln alle Juden ausschliesst, die nicht in Fahrradentfernung sind, und
    3) dass die Ideologie einen guten Teil der Juden ausschliesst, die die beiden vorherigen Bedingungen antireligioes und Naehe erfuellen.

    Eine Reihenfolge der Wahrscheinlichkeiten aufzustellen, ist kaum gleichbedeutend damit, fuer jeden die Hand ins Feuer zu legen.

    Wie waere es, wenn Du erst etwas genauer lesen wuerdest? Der Tonfall Deines Kommentars vermittelt mir, dass Du vielleicht auch das nicht gerade seltene Ressentiment gegen die Juden als „auserwaehltes Volk“ verinnerlicht hast. Ich bin ziemlich betruebt, dass ich derartige Toene je laenger desto mehr auch bei Bloggern hoere, die ich eigentlich schaetze.

    Und zum Schluss noch ein Woertchen zur Aequidistanz: Wir juedischen Israelis sind keine Engel und es fehlt nicht an Verbrechern jeder Art in unserer Bevoelkerung, aber die gesamte Kultur steht weit ueber dem, was die palaestinensische Kultur zu bieten hat. Die systematischen Luegen der Palaestinenser, die Lila anspricht, gehoeren eindeutig zur pal. Kultur, aber nicht zur israelischen. Wenn Du ein Problem damit haben solltest, diesen Unterschied zu erkennen, kann ich Dir nicht helfen.

  6. Dann haben ynet und haaretz schlampig berichtet. Laut spurensicherung fand der vorfall bereits kurz vor yom kippur statt und wurde erst nach yom kippur gemeldet (oder die polizei hat sich vorher nicht darum gekümmert).
    http://glz.co.il/NewsArticle.aspx?newsid=91532

  7. Auch „kurz vor Yom Kippur“ wuerden die o.g. Einschraenkungen gelten, wenn damit der Freitag ab 12:00 gemeint sein sollte. Mit den Vorbereitungen fuer das Fasten und dem Eintritt des Feiertags in Tel Aviv um 16:55 waere das zu knapp.

    Mein Mann sagt, er haette irgendwann im Radio gehoert, dass die Schaendung des Friedhofs schon Tage oder sogar Wochen frueher erfolgt sei und wahrscheinlich Fussballfans de Clubs Maccabbi Tel Aviv die Taeter seien. Ich konnte aber im Internet keine Quelle dafuer finden.

  8. „Der Tonfall Deines Kommentars vermittelt mir, dass Du vielleicht auch das nicht gerade seltene Ressentiment gegen die Juden als „auserwaehltes Volk“ verinnerlicht hast. “

    Es ist nicht das erste Mal. Bei Tapfer im Nirgendwo verteidigt er ständig den Antisemiten Hermann. Daher leider nichts neues von dem.

  9. […] Sofort hieß es, das sei eine „price tag“-Aktion von Juden. Das ist ziemlich fragwürdig – die verdächtigen nationalreligiösen Juden sind am Yom Kippur mit anderen Dingen […]

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