Kampfbegriff „fremdenfeindlich“


Minister empört mit fremdenfeindlicher Äußerung titelt die Welt. Und im Untertitel wird spezifiziert:

„Nicht alle Kulturen sind von gleichem Wert“: Dieser Satz brachte Frankreichs Innenminister Guéant viel Kritik ein.

Im Artikel erfahren wir, dass Herr Gueanat seine Aussage auch erklaert hat:

„Diejenigen, die die Menschlichkeit verteidigen, erscheinen uns fortschrittlicher als die, die dies nicht tun“, sagte Guéant in seiner Rede. „Diejenigen, die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit verteidigen, erscheinen uns denjenigen überlegen, die die Tyrannei, die Minderwertigkeit von Frauen, sozialen und ethnischen Hass akzeptieren“, fuhr der Innenminister fort, der auch für Einwanderung zuständig ist.

Eigentlich sollten das voellig banale Saetze sein, ungefaehr so kontrovers wie „Motherhood and Applepie“. In Frankreich herrscht Wahlkampf. Da ist es noch halbwegs nachvollziehbar, dass die sozialistische Opposition die Aeusserung zu ihren Gunsten ausschlachten will.

Die Nummer zwei der französischen Sozialisten, Harlem Désir, verurteilte in einer Twitter-Mitteilung die „erbärmliche Provokation eines Ministers, der zu einem Sprachrohr der (rechtsextremen) Front National reduziert wurde“. Die Regierungspartei UMP befinde sich hinsichtlich der im April anstehenden Präsidentschaftswahl im „Verfall“.

Der Sprecher des sozialistischen Präsidentschaftskandidaten François Hollande, Bernard Cazeneuve, verurteilte die Äußerungen als „spaltend und erniedrigend“. Die vorherige sozialistische Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal nannte die Worte des Innenministers „gefährlich“. Grünen-Chefin Cécile Duflot sprach von einer „Rückkehr zur Zeit vor drei Jahrhunderten“.

Aber was zum Teufel reitet Die Welt – die ja nicht wirklich als sozialistische Kampfpostille bekannt ist – dieselbe Wertung vorzunehmen, nicht nur in der Schlagzeile, sondern auch im abschliessenden Absatz:

Bei der Präsidentschaftswahl am 22. April und 6. Mai werden Hollande gute Chancen vorausgesagt, Präsident Nicolas Sarkozy aus dem Amt zu verdrängen. Zünglein an der Waage bei einer möglichen Stichwahl könnten die rechtsextremen Wähler sein. Guéant war bereits in der Vergangenheit mit Äußerungen über angebliche Zusammenhänge zwischen Einwanderung und Kriminalität aufgefallen.

Dass nicht alle Kulturen gleich und gleichwertig sind, ist kein Zugestaendnis an Rechtsextreme, sondern eine empirische Tatsache, sofern ueberhaupt noch irgendwelche Kriterien gelten und nicht alles beliebig ist. Und der „angebliche“ Zusammenhang ist nicht nur in Frankreich ziemlich gut belegt.

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4 Antworten

  1. Die haben halt allemale ihren Lenin verinnerlicht: der politische Gegner wird nicht bekämpft, er wird vernichtet. „Notfalls“ mit Lügen.

  2. Die Welt zitiert hier nur einen AFP-Bericht, lässt den Wahnsinn sozusagen für sich sprechen und kommentiert nicht.

    In anderen Artikeln (http://www.welt.de/debatte/article13855717/Der-Retro-Praesident-und-seine-Umverteilungsvisionen.html) bezieht die Welt Stellung und wird sehr deutlich.

  3. Danke, Markus, dass Du mich darauf aufmerksam machst.
    Die unsinnige Wertung statt der Berichterstattung stammt also schon von der Presseagentur.

  4. […] Banale Wahrheiten – aber von links werden sie als rechtsextreme Fremdenfeindlichkeit bezeichnet und derjenige, der sie gesagt hat, verleumdet. Sie haben ihren Lenin nur allzu gut gelernt. Selbst „konservative“ Medien wie die WELT. […]

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