nachtraeglich noch zu Purim


bzw. dazu, was Peter Muench dazu in der Sueddeutschen formuliert:

Hatte nicht schon vor 2500 Jahren ein Finsterling namens Haman als oberster Beamter des persischen Königs die Tötung aller dort ansässigen Juden geplant? Verhindert wurde dies damals allein durch das Fasten und Beten der Königin Ester. Der Errettung vor dem Genozid, auf die ein Gemetzel an den Feinden folgte, wird seither mit einem fröhlichen Fest gedacht, mit Straßenkarneval, mit Umzügen und mit reichlich Alkohol.

Ein Volk, das solche Feste feiert, ist wahrlich leidgeprüft. Doch Israel hat nicht nur allen Grund, sein Überleben zu begießen. Es hat genauso allen Grund, um seine Existenz zu bangen. Die Verfolgung ist die Grunderfahrung des jüdischen Volkes – bis hin zum Holocaust, der als Kollektivtrauma vererbt wird an die nachfolgenden Generationen. Andere Nationen haben sich ihren Staat erkämpft, die Juden haben ihn sich erlitten.

Nach dem Buch Esther staerkte sich die Koenigin Esther durch Fasten und Beten, um mit ihrem Anliegen zum Koenig vorzudringen und Gehoer zu finden. Fasten und Beten selber aber reichten keineswegs aus, um den Genozid zu verhindern. Die Koenigin erhielt nur die Erlaubnis, dass sich Juden in Persien praeventiv (einen Tag vor dem geplanten Genozid) gegen ihre moechte-gern Moerder wehren durften. Das „Gemetzel an den Feinden“ – wie Muench formuliert, folgte nicht auf die Errettung, sondern war die Rettung, naemlich der Sieg in einem Kampf, der andernfalls mit der Vernichtung der juedischen Bevoelkerung in Persien geendet haette.

Der Unabhaengigkeitskrieg 1948/49 wurde nicht durch Transparente mit Schreckensbildern des Holocaust gewonnen, sondern im Kampf. Von allen Kriegen Israels hat der Unabhaengigkeitskrieg die meisten Gefallenen und Verletzten gekostet.

Wer angesichts dieser allgemein bekannten Fakten so formuliert wie Muench, hat ein tiefsitzendes Problem mit Juden, die sich ihrer Haut zu wehren wissen. Dass Muench eigenartige Emotionen in die Quere kommen, zeigt auch sein Schlussatz:

Es ist das Mantra vom „Nie wieder“ – verbunden mit dem Anspruch des Anführers, als Retter und vielleicht auch Rächer eine neue Katastrophe abzuwenden.

Als gewaehltes Regierungsoberhaupt hat Netanyahu nicht den „Anspruch“ des Anfuehrers, sondern diese Aufgabe. „Retter“ mag ja noch hingehen, aber wo kommt der  „vielleicht auch Raecher“ her, wenn nicht vom antisemitischen Mythos der juedischen Rachsucht? Meint Muench wirklich, dass Netanyahu sich noch fuer Haman an Persien raechen moechte? Wenn ja, warum waren die Beziehungen zum Iran unter dem Schah so gut?

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