„Sogar Israelis“


Die Welt ist eigentlich eine der wenigen, deutschsprachigen Zeitungen, wo man noch solide Artikel ueber Israel lesen kann. Aber die verbreiteten Vorurteile beeinflussen auch dort die Redaktion. In „Besser als Krieg. Der palästinensische Internet-Boom“ wird ueber die sich rasant entwickelnde Hich-Tech Branche im Westjordanland berichtet. Im Untertitel signalisiert die Welt, dass das Israel eigentlich nicht Recht sein koenne:

Pro Jahr machen 2000 IT-Fachleute ihren Abschluss an Universitäten im Westjordanland und Gaza. Ihre Jobaussichten sind glänzend. Sogar Israelis lagern ihre Projekte mittlerweile an Palästinenser aus.

(Hervorhebung von mir) Dieses „sogar“ ist eine Verleumdung. Die palestinensische High-Tech Industrie gibt es nicht zuletzt, weil Israel sie gefoerdert hat.

Im Artikel wird darauf hingewiesen, dass noch 2008 davon kaum eine Rede sein konnte:

Damals, im Jahr 2008, machte der Sektor nur 0,8 Prozent des palästinensischen Bruttoinlandsproduktes aus.

Und hier ein Papier der Ben-Gurion-Universitaet in Beer Sheva zur Entwicklung der High-Tech Industrie in den palaestinensischen Gebieten von 2007:

Conclusions
• Should this type of cooperation be considered?
– Yes, there is a basis for the consideration of Palestinian-Israeli
cooperation in high-tech activities.
• Inhibiting factors?
– Certainly, mainly “technical barriers”.
– Palestinians are more sensitive to inhibiting factors, but show more
openness to all models of cooperation, with a preference to virtual
models, that are less dependent on the inhibiting factors.
• Why cooperate?
– Economic benefits are considered as a major drive for cooperation.
– They are mostly important to Palestinians, while Israelis attach an
equal weight to non-economic benefits.
• What should be done?
– Public support is important but not necessarily considered as the
major instrument for cooperation, especially not by high-tech people.
– Joint projects are viewed as an efficient cooperation pattern.
– Universities can play a major role in supporting cooperation patterns
that are less sensitive to inhibiting factors.

(Hervorhegung von mir). Seit langem beweist Israel ein grosses Interesse daran, die wirtschaftliche Lage der Palaestinenser zu verbessern. Der Gedanke dabei ist natuerlich, dass die Palaestinenser eventuell weniger rasch zu Terror und Gewalt greifen, wenn sie durch Krieg etwas zu verlieren haben.

Industrieparks entlang der Gruenen Linie waren ein Produkt dieser Strategie. Einer der aeltesten solcher Parks war der Erez-Industriepark an der Grenze zum Gazastreifen.

Was daraus geworden ist, laesst sich hier (auf Englisch) nachlesen. Ich uebersetze ein paar Punkte:

The failure began with small scale terrorism. A few workers successfully slipped in some knives, and decided to hack the people who paid their wages to pieces. Security was increased, to help all the other poor workers continue their jobs. So they came as suicide bombers and blew up the security check point. Security was increased (at which point it became as hard to enter the park as Israel, losing part of the advantage). So they shot mortars at the park.

That pretty much did it. The companies couldn’t keep their Israeli workers there with threats of knifing, suicide bombers, AND mortars. The companies left, the poor Palestinians went home without a job.

Der Fehlschlag begann mit ein bisschen Terrorismus auf niedrigem Niveau. Ein paar Arbeiter schafften es, Messer einzuschmuggeln und beschlossen, auf die Leute einzustechen, die ihre Gehaelter bezahlten. Die Sicherheitsmassnahmen wurden verschaerft, damit all die anderen armen Arbeiter ihre Arbeitsplaetze behalten konnten. Daraufhin kamen Selbstmordattentaeter und sprengten die Sicherheitsposten in die Luft. Die Sicherheitsmassnahmen wurden weiter verschaerft. (Damit war es nun genauso schwer, den Industriepark zu betreten, wie nach Israel einzureisen, womit ein Vorteil des Parks verloren ging.) Daraufhin wurden Moerserraketen auf den Industriepark abgeschossen. 

Das gab den Ausschlag. Die Firmen konnten ihre israelischen Arbeitskraefte nicht halten angesichts drohender Messerangriffe, Selbstmordattentaten UND Raketen. Die Firmen gingen weg und die armen Palaestinenser gingen arbeitslos nach Hause.

Das war’s dann wohl hinsichtlich des Gazastreifens.

Aber Israel gibt so schnell nicht auf: Netanyahu Identified Palestinian Economic Growth As Key To Peace.

2 Antworten

  1. Bisher dachte ich immer, dass Israel bis an die Grenzen des Möglichen geht, um, wenn nicht schon Frieden, dann doch wenigstens Gewaltfreiheit zu erreichen.
    Was machen die Palästinenser? Sie sabotieren das.
    Haben sie in Gaza nicht auch die von den Israelis hinterlassenen intakten Strukturen, z.B. Gewächshäuser, mutwillig zerstört?
    Was machen die Israelis? Sie versuchen es immer wieder!
    Wie beurteilt die Weltöffentlichkeit dieses Verhalten?
    Sie fordert Israel auf, doch endlich Frieden zu schließen.

    ES IST NICHT ZU FASSEN!!!

  2. Richtig, Ruth, danke, daß Du das aufgegriffen hast. In meiner Erwähnung dieses Artikels habe ich einfach beschlossen, es dieses eine Mal ruhen zu lassen – man kann sich ja den Mund fusselig reden mit Beweisen für Israels guten Willen, aber trotzdem heißt es immer noch „SOGAR die Israelis“.

    Neulich hab ich in irgendeinem Blättchen, war es die ZEIT?, gelesen: „nachdem der Oslo-Prozeß gescheitert war, nahmen die Palästinensern Zuflucht zur Intifada II…“ Da dachte ich auch: ist der Schreiber auf den Kopf gefallen? Noch bevor der Prozeß überhaupt in Gang kam (sprich: die Palästinenser ihre Verpflichtungen erfüllen mußten), brachen sie die Intifada II vom Zaun. Daraufhin brach der Oslo-Prozeß zusammen.

    Lange genug ist Israel noch hinter den Palästinensern hergedackelt, in der Hoffnung, die Leiche doch noch wiederbeleben zu können.

    Aber ich hab diesen Artikel dann auch „verarbeitet“. Manches ist so idiotisch – aber gut, daß Du es nicht hast durchgehen lassen.

    Ja, es ist wirklich manchmal nicht zu glauben.

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