Tod am Berg


Im vergangenen Mai erhielt der israelische Alpinist, Nadav Ben-Yehuda, einen Orden von Praesident Peres, weil er am Mount Everest einem tuerkischen Bergsteiger das Leben gerettet hatte.

(Update vom 17.12.12: Gerade faellt mir noch auf, was fuer einen passenden Namen der junge Mann traegt. Nadav kommt von der Wurzel Nun, Daleth, Beth und kommt in Woertern vor wie lehitnadev = sich freiwillig melden, freiwillig helfen, lenadev = spenden, Nedivut = Grosszuegigkeit. Nadav Ben Yehuda liesse sich also als „Freiwilliger Helfer, Sohn der Juden“ uebersetzen.)

Damals habe ich die Nachricht nur am Rande wahrgenommen und hatte im Stillen den Verdacht, dass nur deshalb darueber berichtet wurde, weil die tuerkisch-israelischen Beziehungen gut eine Besserung vertragen wuerden.

Gestern stolperte ich via Simply Jews ueber diesen Artikel. (Achtung: Fotos von toten Bergsteigern, mich haben sie in den Traum verfolgt – und diesen Beitrag schreibe ich wohl, um das zu bewaeltigen.)

Die „Todeszone“ ist offensichtlich so lebensfeindlich, dass jeder Bergsteiger in Gefahr ist, durch Erschoepfung oder Hoehenkrankheit zu sterben, vor allem auf dem Rueckweg vom Gipfel. Die Rate fuer erfolgreiche Besteigungen scheint zu sein: Einer von Zehn kommt nicht lebend zurueck. Da viele Bergsteiger vor dem Gipfel umkehren, ist die Rate fuer alle versuchten Besteigungen deutlich niedriger mit 1.6 Prozent fuer Auslaender.

Bergsteiger, die an einem Sterbenden vorbeiklettern, sind nicht notwendig menschenverachtende Egoisten. Moeglicherweise wissen sie, dass eine zusaetzliche Anstrengung ihr eigenes Leben kosten wuerde. Oder sie koennen wegen der extremen Hoehe selber nicht mehr ganz rational denken.

Vor diesem Hintergrund wird mir klar, welche Heldentat Nadav vollbracht hat.

Im Jahr 2005 wurde Lincoln Hall gerettet, nachdem er von seiner Expedition fuer tot am Berg zurueckgelassen worden war. Die Retter kuemmerten sich um ihn, aber sie brachten ihn nicht selber zurueck zum Lager vor der Todeszone, sondern warteten auf ein Rettungsteam von Sherpas.

Nadav dagegen hat den tuerkischen Bergsteiger selbst zurueckgebracht. Er musste dessen Gewicht tragen, und sein Koeper wurde durch die Last im Gleichgewicht gestoert. Sein Sauerstoffvorrat war vermutlich nicht fuer die zusaetzliche Anstrengung ausgelegt. Anscheinend hatte er auch Probleme mit der Gasmaske. Waeren nicht in diesem Augenblick Bergsteiger im Aufstieg vorbeigekommen, die ihm mit Sauerstoff aushelfen konnten, laegen moeglicherweise Nadavs und Aydin Irmaks aneinandergebundene Leichen heute zusammen mit den anderen toten Bergsteigern am Everest.

Auf dem Spruchband steht „Froher Unabhaengigkeitstag“, der fiel 2012 auf den 26. April. Die Rettung muss also noch im April gewesen sein. Nadavs Verband an der Hand ist deutlich groesser als auf dem gemeinsamen Photo mit Aydin Irmaks und er wirkt mitgenommen und duenn. Auf dem Photo mit Praesident Peres traegt er nur noch einen schwarzen Handschuh. Ich kann nicht finden, ob seine Finger alle gerettet werden konnten.

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