Markenpraedikat: „Hardliner“


Mein Hirn funktioniert inzwischen so, dass ich beim Ueberfliegen von Texten auf das Wort „Hardliner“ anspringe, weil es sich dabei in aller Regel um Artikel zu Israel handelt, vor allem seit die Regierung von George W. Bush abgeloest wurde.

Uebrigens gibt es augenscheinlich nur Hardliner auf der rechten Seite des politischen Spektrums. Nur die NPD spricht mal von linken Hardlinern, und die Financial Times Deutschland attestiert Chavez, dass er kein Hardliner mehr sei.

In der WELT wird der neue Ministerpraesident Japans so beschrieben. Damit liegt die WELT gleichauf mit der taz, die das auch so sieht. Allerdings beschreibt die WELT Abe  im weiteren Text als „rechtskonservativ“, waehrend er fuer die tax „der stramme Nationalist“ ist. (Damit niemand auf die Idee kommt, die deutschen Medien waeren gleichgeschaltet …)

Und womit verdient sich Abe, dass er in dieselbe Schublade wie George W. Bush, Nicolas Sarkozy, und natuerlich Benjamin Netanyahu und Avigdor Lieberman gesteckt wird?

1) Mit Abe kehrt ein Befürworter der Kernenergie an die Schalthebel der Macht zurück.

(…)

2) Oberste Priorität hat laut Abe die Ankurbelung der Wirtschaft und die Bekämpfung der Deflation. Bereits in Kürze will er nach Medienberichten ein gewaltiges Konjunkturpaket auflegen.

3) Der neue Regierungschef will zudem Japan an der Seite der Schutzmacht USA auch
4) militärisch und außenpolitisch stärken. (…)

5) Der LDP-Vorsitzende plädiert für eine Revision der pazifistischen Verfassung von 1946, bei der die Amerikaner federführend waren.

(Nummerierung von mir, ansonsten Zitat aus dem o.g. WELT-Artikel)

Atomkraftbefuerworter vs. Atomkraft – nein danke
Will Wirtschaftspolitik betreiben vs Kapitalismus in der Krise
Buendnis mit USA vs. USA am Abgrund
Staerkung des eigenen Landes – nationale Interessen, gibt es so etwas?
Pazifismus neu ueberdenken vs Dank der Friedensbewegung 

Abe tritt mindestens vier deutsche Glaubenssaetze mit Fuessen, er kann nur ein Hardliner sein. Spaeter erfahren wir bestimmt noch mit Schaudern, dass er ausserdem Rassist ist und Klimaleugner obendrein!



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4 Antworten

  1. Super Artikel, Ruth!

  2. Ich schließe mich der oberen Meinung an. Ein echt guter Artikel, der mir aus dem Herzen spricht.
    In den letzten Jahren hat in mir ein Wandel stattgefunden, und ich lese immer seltener die deutsche Presse, die sich auch noch schäbigerweise „Qualitätspresse“ nennt. Ich ertrage sie einfach nicht. Sie informiert nicht, sondern versucht oberlehrerhaft ihre Meinung aufzudrücken. Du hast die Stichwörter oben sehr gut aufgezählt, Ruth. Dazu kommt es, daß sie schlecht informiert ist und schlecht recherchiert. Der mieseste von allen ist dabei Jakob Augstein.
    Das was und wie sie über Israel berichtet, ist der Gipfel der Unverschämt- und Verlogenheit. Man muß sich dabei auch gar nicht einmal für Israel selbst interessieren, wenn man nicht will, sondern es geht einfach nur darum, wie hochgradig unfair unsere scheiß Presse ist. Die haben sich auf dieses kleine, hochgradig bedrohte Land und sein tapferes Volk eingeschossen und an ihm festgebissen wie ein Rudel tollwütiger Hunde. Das sind alles Mitläufer und Duckmäuser. Und das zeigt, daß man dem Rest der Berichterstattung zu anderen Themen auch nicht trauen kann. Diese Obamanie ist auch so ein Beispiel. Als er damals hier in Berlin war, und ihm ganz Deutschland zu Füßen lag und an der Siegessäule frenetisch zujubelte, da hat mich das irgendwie an die Zeiten mit dem Führer erinnert. Das Volk ändert sich nicht und lernt auch nie dazu.
    Zum Glück bin ich selbständig und gönne mir so den Luxus täglich ausländische Presse oder Blogs wie den Deinen, Heplevs und einige andere lesen zu können. Das hat zur Folge, daß ich mich in gewisser Weise immer mehr wie ein Außenseiter fühle, weil ich über vieles anders informiert bin und eine andere Meinung habe.
    Gar nicht mal überspitzt gesagt, finde ich inzwischen alles gut, was unsere Presse blöd findet!
    Deutsche Innenpolitik interessiert mich schon seit Jahren nicht mehr. Wählen tue ich seit Gerhard Schröder auch nicht mehr (war damals, glaube ich, meine erste und einzige Wahl) und werde es auch nie wieder tun.
    Ich arbeite hart, um bald ein zweites Standbein im Ausland zu haben. Dann gucke ich mir das alles aus der Distanz an.
    Wenn immer ich einen schlechten Tag habe, einen Rückschlag, mich etwas Gemeines empört oder mal was nicht gelingen will, dann denke ich an die Israelis, wieviel und wie hart die kämpfen müssen, wie tapfer und wie locker und lebenslustig sie dabei sind. Deshalb habe ich auch den Moshe Dayan, den ich bewundere, als Bild oder Signatur dabei und er hängt auch, gemeinsam mit Golda, über meinem Schreibtisch. Das motiviert mich sehr.
    Und an meinen verstorbenen Großvater Leon auch. Er stammte übrigens aus Galizien, war aber Katholik und kein Jude. Er hatte ein vielbewegtes und geprüftes Leben mit vielen Härten (aber auch einigen Höhen), verlor aber nie seinen mitreißenden Humor und war bis zum Ende ein liebevoller, optimistischer Mann voller Pläne. Als ältester mußte er schon als Kind hart arbeiten, besuchte nur vier Grundschulklassen. Der Krieg durchkreuzte seinen Plan nach Kanada auszuwandern; er kämpfte auf oder an der Westerplatte gegen die Deutschen, wurde gefangen genommen und kam nach Stutthof, was er wie durch ein Wunder überlebte. Danach hatte er mehrfach Ärger, weil er nicht in die Partei eintreten wollte und landete im polnischen Knast, weil man ihn verpfiffen hatte, daß er schwarzhandelte (was ihm aber vorher einen nicht unergeblichen Wohlstand und eine auskömmliche Rente sicherte). Meine Eltern sind gleich nach dem Studium 1976 aus Polen abgehauen und ich mache auch mein eigenes Ding.
    Vielleicht fühle ich mich auch deshalb ein bißchen auf eine Art und Weise mit den Juden oder Israelis verbunden, weil sie auch Außenseiter, also irgendwie so etwas Ähnliches wie ich sind. Ich begreife das als etwas Positives und will auch schon lange nicht mehr irgendwo dazu gehören. Die Israelis, so stelle ich mir das zumindest von außen vor, müssen die ganze Zeit kämpfen und wach sein. Das war bei meinen Eltern und meinem Großvater auch so. Das ist hart, aber dafür lebten und leben sie und wußten das Leben deshalb zu schätzen und es zu genießen. Die Leute hier in Deutschland und Europa, so scheint es mir oft, wissen nicht mehr, was es ist zu kämpfen. Ujnd deswegen schätzensie auch das Leben nicht mehr. Sie kommen mir gelangweilt vor und deswegen ist auch unsere Presse hier so bräsig und dumm.
    Manchmal, wenn ich die Nachrichten im Fernsehen gucke, dann wünsche ich mir, daß man mal Deutschland für einigen Tage an die Stelle von Israel zaubern könnte, um mal zu sehen, wie diese Klugscheißer hier dann in Panik ausbrechen würden, wenn sie auf einmal SELBER mit dem „pragmatischen Teil des Hamas“ verhandeln müßten oder Liebesgrüße aus dem Libanon kriegen würden. Die würden sich in die Hosen vor Angst machen!
    Huch, eigentlich wollte ich nur kurz meine Zustimmung zu Deinem Artikel ausdrücken, Ruth, und Dir sagen, daß ich Deine Sachen gerne und aufmerksam lese. Du schreibst sehr schön und ich denke sehr ähnlich wie Du, glaube ich.
    Liebe Grüße aus Berlin und alles Gute,
    Sven

  3. Hallo Sven,
    endlich erfahre ich Deinen wirklichen Vornamen und auch sonst einiges ueber Dich! Das freut mich. Auf ein gutes 2013.

  4. Danke Ruth! Das ist sehr lieb von Dir! Ich wünsche Dir und Deiner Familie auch alles Gute und ein schönes 2013!!

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