Erneuter Versuch, das Problem der Beduinen im Negev zu loesen


In meiner Serie zur Situation der Beduinen im Negev hatte ich berichtet, dass der Staat als Angebot auf den Tisch legte, 20% der Ansprueche auf Landbesitz in Grund und Boden zu engelten und fuer die restlichen 80% finanzielle Entschaedigung zu bieten.

Eine Kommission unter Benny Begin hat dieses Angebot deutlich verbessert: Mindestens 50% der Ansprueche auf Landbesitz sollen in Grund und Boden abgegolten werden (im Radio hoerte ich ca. 60%), der Rest wird finanziell entschaedigt.

Die meisten bisher illegalen Beduinensiedlungen sollen legalisiert werden.

Dem Vorsitzenden des  Council of Unrecognized Village, Ibrahim Al-Valkili, reicht das natuerlich nicht:  Er wuerde gern auf der Basis des jetzigen Vorschlags weiterverhandeln, bis alle seine Forderungen erfuellt werden.

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Wahlen sind immer Dienstags


In Israel koennen Wahlen nicht am Shabbat stattfinden, weil das als Entweihung der Shabbatruhe gelten wuerde. Stattdessen werden sie in die Woche verlegt und der Wahltag gilt als nationaler Feiertag. Arbeiten ist nicht verboten, aber der Arbeitgeber bezahlt 200%.

Grundsaetzlich wird an Dienstagen gewaehlt. Die Position in der Mitte der Woche (wir arbeiten ja Sonntag, Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag) erschwert das Brueckenbilden. Der Grund fuer die Wahl des Wochentages ist aber ein anderer. Im Schoepfungsbericht steht beim dritten Tag zweimal כי טוב (ki tov = „dass es gut war“. Am 2. Schopefungstag fehlt כי טוב und bei den anderen Tagen kommt es nur einmal vor. Im demokratischen Israel sind Wahlen wichtig, und die Existenz des Staates und seiner Bevoelkerung hat mehrfach und kann immer wieder von der Qualitaet der Regierung abhaengen. Damit „es gut werde“, waehlen wir also immer an Dienstagen.

Mir gefaellt der biblische Bezug und der implizierte Glaube.

Kleines Lebenszeichen


Wir muessen hauruck umziehen.

Vor Jahr und Tag haben wir den Vertrag fuer eine neue, groessere Wohnung mit Garten unterschrieben. Etwas spaeter verkauften wir unsere jetzige Wohnung zum Dezember 2012.

Natuerlich verpasste der Bauunternehmer der neuen Wohnung sukzessive alle Termine, die er uns genannt hatte. Weil wir vermeiden wollten, zweimal umziehen zu muessen, setzten wir uns mit den Kaeufern zusammen und machten aus, dass wir fuer zusaetzliche Monate das Doppelte der ueblichen Miete bezahlen und nur eine Woche Kuendigungsfrist haben. Wir fuehlten uns sicher, weil die Kaeufer ein junges Ehepaar sind, das noch bei den Schwiegereltern wohnt und etwas zusaetzliches Geld fuer Moebel usw. gut brauchen koennte.

Aber wir haben die Rechnung ohne die Schwiegermutter gemacht. Sie moechte vor Pessach ihr Haus renovieren und dazu sollen Tochter und Schwiegersohn umziehen. Am Dienstag vor einer Woche stellte sie uns ein Ultimatum: Entweder wir haben zum 15. Januar die Wohnung geraeumt oder wir bezahlen die 10% der Kaufsumme, die bei Vertragsbruch faellig werden. Es war kein angenehmes Gespraech, aber natuerlich war sie im Recht.

Dem Himmel sei Dank, wir haben sofort eine passende Zwischenunterkunft gefunden – ein Haus mit genuegend Platz fuer uns und alle unsere Besitztuemer. Seither packen wir pausenlos.

Ein palaestinensisches Dorf in Familienbesitz und sein Kinderstar


Als „Shirley Temper“ (von Shirley Temple wegen der rotblonden Locken und ihrem temperamentvollen Auftreten) wird in der englischsprachigen-israelischen Bloggerszene Ahed (oder Ah’d) Tamimi bezeichnet.

Das 11- bis 13jaehrige Maedchen wurde durch ein Video bekannt, wo sie umsonst versucht, einen israelischen Soldaten zu provozieren. Sie tritt anscheinend prinzipiell in Begleitung von  Fotographen auf. Die fotographierende Frau ist offensichtlich die Mutter, Neriman (oder Nariman) Tamimi, und die fotographiert fuer B’Tselem.

Das Maedchen und ihre Mutter haben die letzte Dezemberwoche fuer einen Besuch in der Tuerkei genutzt, auf Einladung eines Stadtteils von Istanbul. Dabei fruehstueckten Ahed und ihre Mutter mit Erdogan.

Den Hintergrund habe ich erst gestern angefangen zu recherchieren:

Ahed Tamimi stammt aus Nabi Salih, einem kleinen Dorf in der Naehe von Ramallah. Dieses Dorf wird offensichtlich fast ausschliesslich von der Tamimi-Sippe bewohnt. Aus Wikipedia erfahren wir, dass der Ort in ottomanischen Steuerlisten zum erstenmal 1595 erwaehnt wurde und damals zwei muslimische Haushalte umfasste. Gut moeglich, dass es sich um die Grossfamilien zweier Brueder handelte.

Nabi Salih bedeutet „Prophet Salih“. Gemeint ist der Saleh aus dem Koran, der jedoch keinerlei Bezug zum geographischen Ort hat. Die Identifikation mit Shelah, dem dritten Sohn Yehudas aus der Bibel ist an den Haaren herbeigezogen und passt schlecht. Wahrscheinlich wurde die christlich-byzantinische Kirche einfach uebernommen und erst anschliessend ein willkuerlicher Bezug zum Islam hergestellt.

Im Kontext des 6-Tage-Kriegs floh ein Teil der Einwohner und der Tamimi-Sippe nach Jordanien, wo sie den jordanischen Zweig der Familie begruendeten.

Aus diesem Zweig stammt die Terroristin Ahlam Tamimi, die Sbarro, ein Restaurant mit vielen Kindern, als Ziel fuer einen Selbstmordanschlag auswaehlte und den Attentaeter zum Tatort brachte. In ihrer Eigenschaft als TV Journalistin berichtete sie anschliessend selber ueber den Anschlag. 15 israelische Zivilisten wurden dabei ermordet, darunter acht Kinder und eine schwangere Frau. Dementsprechend wurde Ahlam zu 16 Mal Lebenslaenglich verurteilt, aber im Shalit-Deal kam sie frei und lebt als Heldin gefeiert mit ihrem Mann in Jordanien.

Ihr Mann, Nizan Tamimi, stammt aus dem Tamimi-Clan in Nabi Salih. Passenderweise war er ebenfalls wegen Beteiligung an der Ermordung eines israelischen Zivilisten, Chaim Mizrachi,  im Gefaengnis und wurde mit seiner Frau im Shalit-Deal auf freien Fuss gesetzt.

Die Heirat innerhalb der Sippe ist bei den Palaestinensern sehr verbreitet. Aheds Vater, Bassem Tamimi, wurde 2011 gemeinsam mit Naji Tamimi, verhaftet. Naji ist anscheinend gleichzeitig Bassems Cousin und der Onkel muetterlicherseits von dessen Frau Nariman Tamimi.

Der Vater, Bassem Tamimi, wurde im November wieder verhaftet (hier in der sympathisierenden Berichterstattung des uns schon bekannten +972 Magazins), nachdem er erst im April 2012 vorzeitig aus der Haft entlassen wurde. Als Grund fuer die Milde wurde der Gesundheitszustand seiner Mutter angegeben. An die Auflagen bei seiner vorzeitigen Entlassung im April hat sich Tamimi offensichtlich nicht gehalten.

Von Amnesty International wird Bassem Tamini als palaestinensischer Menschenrechtsaktivist gehandelt, der gewaltlosen Widerstand leistet. Dabei werden Steinwuerfe nach deutschem Recht als versuchte gefaehrliche Koerperverletzung behandelt. Dass Bassem Demonstrationen organisiert, bei denen Steine geworfen werden, wird von niemandem abgestritten. Seine Frau Nariman gibt die Steinwuerfe im schon oben verlinkten Interview zu. Auch fehlt es nicht an Aufnahmen, wo die Tochter Ahed Tamimi in einer Gruppe von steinewerfenden Jugendlichen zu sehen ist. Wenn Catherin Ashton im Namen der EU solche Proteste als gewaltlos bezeichnet, dann wird wieder mal ein doppelter Masstab angelegt. In keinem Mitgliedsstaat der EU ist das Werfen von Felsbrocken (gern auch mit Schleudern, siehe 6. Bild hier) im Demonstrationsrecht eingeschlossen.

Wenn ich richtig recherchiert habe, finden die woechentlichen Demonstrationen in Nabi Salih seit 2009 statt. Als Vorwand gilt eine Quelle, die von den Einwohnern von Nabi Salih als ihre deklariert wird, obwohl sie anscheinend von den Einwohnern der juedischen Siedlung Halamish erschlossen wurde. Die Palaestinenser behaupten, der Grund und Boden, auf dem die gesamte Siedlung Hamalish erbaut wurde und auch der, aus dem die Quelle springt, seien ihr Eigentum. Der Israelische Oberste Gerichtshof hat sich schon  vor ca. 30 Jahren damit befasst und kam zu dem Ergebnis, dass die Ansprueche unbegruendet sind, was Peace Now nicht daran hinderte, in ihrem sehr umstrittenden Report von 2006 zu behaupten, ein Drittel des Landes sei palaestinensischer Besitz.

Der Vater, Bassem Tamimi, ist einer der Begruender, moeglicherweise in fuehrender Rolle – als Lehrer hat er eine gute strategische Ausgangsposition – der woechentlichen Proteste. Diese sind offensichtlich nach dem Vorbild der Freitagsemonstrationen in Bili’in und Na’alin konzipiert. Vielleicht reichten diese beiden Protestevents nicht mehr aus, um das steigende Interesse internationaler und israelischer Aktivisten zu befriedigen? Bassem Tamimi ist auch federfuehrend bei Tamimi-Press, mit der die in Nabi Shalih produzierte anti-israelische Propaganda vertrieben wird.

Die Show scheint sich fuer die Tamimi-Sippe ideologisch und wahrscheinlich auch finanziell auszuzahlen, auch wenn es mir noch nicht gelungen ist, etwas zur Finanzierung zu finden. Dafuer werden auch Opfer gebracht.

Mustafa Tamini wurde waehrend einer gewalttaetigen Demonstration durch einen Gaskanister getoetet, der anscheinend entgegen den militaerischen Vorgaben direkt auf ihn abgeschossen wurde. Die IDF untersucht den Fall.

Waehrend der Militaeraktion Wolkensaeule im vergangenen November, wurde Rushdi Tamimi bei einer weiteren gewalttaetigen Demonstration getoetet. Die Umstaende seines Todes sind noch ungeklaert. Als palaestinensischer Polizist verfuegte er ueber eine Waffe, und waehrend „Wolkensaeule“ waren die Proteste im Westjordanland noch gewalttaetiger als sonst.

In dieser Umgebung und dieser Grossfamilie wird Ahed Tamimi gross. Wahrscheinlich nimmt sie seit 2009 also ihrem 8. bis 10. Lebensjahr an den Freitagsdemonstrationen teil. Auch ihr drei Jahre aelterer Bruder Waad ist am Familienunternehmen beteiligt und die etwa gleichaltrige Cousine Marah. Seit 2012 entwickelt sich Ahed zum Star der Show. Vermutlich erkannte die Mutter das Potential ihrer rotblonden, frueh-pubertaeren Schoenheit.

Ich bin selbst Mutter von zwei bildhuebschen Toechtern (12 und 14) und verwende viel Gedanken daran, wie ich sie vor verfruehter und/oder unangemessener Aufmerksamkeit schuetzen kann. Was Nariman mit ihrer Tochter macht, scheint mir an Prostitution zu grenzen, ganz zu schweigen von der Gefahr fuer Leben und Gesundheit ihrer Kinder, die sie bewusst in Kauf nimmt.

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