Ein palaestinensisches Dorf in Familienbesitz und sein Kinderstar


Als „Shirley Temper“ (von Shirley Temple wegen der rotblonden Locken und ihrem temperamentvollen Auftreten) wird in der englischsprachigen-israelischen Bloggerszene Ahed (oder Ah’d) Tamimi bezeichnet.

Das 11- bis 13jaehrige Maedchen wurde durch ein Video bekannt, wo sie umsonst versucht, einen israelischen Soldaten zu provozieren. Sie tritt anscheinend prinzipiell in Begleitung von  Fotographen auf. Die fotographierende Frau ist offensichtlich die Mutter, Neriman (oder Nariman) Tamimi, und die fotographiert fuer B’Tselem.

Das Maedchen und ihre Mutter haben die letzte Dezemberwoche fuer einen Besuch in der Tuerkei genutzt, auf Einladung eines Stadtteils von Istanbul. Dabei fruehstueckten Ahed und ihre Mutter mit Erdogan.

Den Hintergrund habe ich erst gestern angefangen zu recherchieren:

Ahed Tamimi stammt aus Nabi Salih, einem kleinen Dorf in der Naehe von Ramallah. Dieses Dorf wird offensichtlich fast ausschliesslich von der Tamimi-Sippe bewohnt. Aus Wikipedia erfahren wir, dass der Ort in ottomanischen Steuerlisten zum erstenmal 1595 erwaehnt wurde und damals zwei muslimische Haushalte umfasste. Gut moeglich, dass es sich um die Grossfamilien zweier Brueder handelte.

Nabi Salih bedeutet „Prophet Salih“. Gemeint ist der Saleh aus dem Koran, der jedoch keinerlei Bezug zum geographischen Ort hat. Die Identifikation mit Shelah, dem dritten Sohn Yehudas aus der Bibel ist an den Haaren herbeigezogen und passt schlecht. Wahrscheinlich wurde die christlich-byzantinische Kirche einfach uebernommen und erst anschliessend ein willkuerlicher Bezug zum Islam hergestellt.

Im Kontext des 6-Tage-Kriegs floh ein Teil der Einwohner und der Tamimi-Sippe nach Jordanien, wo sie den jordanischen Zweig der Familie begruendeten.

Aus diesem Zweig stammt die Terroristin Ahlam Tamimi, die Sbarro, ein Restaurant mit vielen Kindern, als Ziel fuer einen Selbstmordanschlag auswaehlte und den Attentaeter zum Tatort brachte. In ihrer Eigenschaft als TV Journalistin berichtete sie anschliessend selber ueber den Anschlag. 15 israelische Zivilisten wurden dabei ermordet, darunter acht Kinder und eine schwangere Frau. Dementsprechend wurde Ahlam zu 16 Mal Lebenslaenglich verurteilt, aber im Shalit-Deal kam sie frei und lebt als Heldin gefeiert mit ihrem Mann in Jordanien.

Ihr Mann, Nizan Tamimi, stammt aus dem Tamimi-Clan in Nabi Salih. Passenderweise war er ebenfalls wegen Beteiligung an der Ermordung eines israelischen Zivilisten, Chaim Mizrachi,  im Gefaengnis und wurde mit seiner Frau im Shalit-Deal auf freien Fuss gesetzt.

Die Heirat innerhalb der Sippe ist bei den Palaestinensern sehr verbreitet. Aheds Vater, Bassem Tamimi, wurde 2011 gemeinsam mit Naji Tamimi, verhaftet. Naji ist anscheinend gleichzeitig Bassems Cousin und der Onkel muetterlicherseits von dessen Frau Nariman Tamimi.

Der Vater, Bassem Tamimi, wurde im November wieder verhaftet (hier in der sympathisierenden Berichterstattung des uns schon bekannten +972 Magazins), nachdem er erst im April 2012 vorzeitig aus der Haft entlassen wurde. Als Grund fuer die Milde wurde der Gesundheitszustand seiner Mutter angegeben. An die Auflagen bei seiner vorzeitigen Entlassung im April hat sich Tamimi offensichtlich nicht gehalten.

Von Amnesty International wird Bassem Tamini als palaestinensischer Menschenrechtsaktivist gehandelt, der gewaltlosen Widerstand leistet. Dabei werden Steinwuerfe nach deutschem Recht als versuchte gefaehrliche Koerperverletzung behandelt. Dass Bassem Demonstrationen organisiert, bei denen Steine geworfen werden, wird von niemandem abgestritten. Seine Frau Nariman gibt die Steinwuerfe im schon oben verlinkten Interview zu. Auch fehlt es nicht an Aufnahmen, wo die Tochter Ahed Tamimi in einer Gruppe von steinewerfenden Jugendlichen zu sehen ist. Wenn Catherin Ashton im Namen der EU solche Proteste als gewaltlos bezeichnet, dann wird wieder mal ein doppelter Masstab angelegt. In keinem Mitgliedsstaat der EU ist das Werfen von Felsbrocken (gern auch mit Schleudern, siehe 6. Bild hier) im Demonstrationsrecht eingeschlossen.

Wenn ich richtig recherchiert habe, finden die woechentlichen Demonstrationen in Nabi Salih seit 2009 statt. Als Vorwand gilt eine Quelle, die von den Einwohnern von Nabi Salih als ihre deklariert wird, obwohl sie anscheinend von den Einwohnern der juedischen Siedlung Halamish erschlossen wurde. Die Palaestinenser behaupten, der Grund und Boden, auf dem die gesamte Siedlung Hamalish erbaut wurde und auch der, aus dem die Quelle springt, seien ihr Eigentum. Der Israelische Oberste Gerichtshof hat sich schon  vor ca. 30 Jahren damit befasst und kam zu dem Ergebnis, dass die Ansprueche unbegruendet sind, was Peace Now nicht daran hinderte, in ihrem sehr umstrittenden Report von 2006 zu behaupten, ein Drittel des Landes sei palaestinensischer Besitz.

Der Vater, Bassem Tamimi, ist einer der Begruender, moeglicherweise in fuehrender Rolle – als Lehrer hat er eine gute strategische Ausgangsposition – der woechentlichen Proteste. Diese sind offensichtlich nach dem Vorbild der Freitagsemonstrationen in Bili’in und Na’alin konzipiert. Vielleicht reichten diese beiden Protestevents nicht mehr aus, um das steigende Interesse internationaler und israelischer Aktivisten zu befriedigen? Bassem Tamimi ist auch federfuehrend bei Tamimi-Press, mit der die in Nabi Shalih produzierte anti-israelische Propaganda vertrieben wird.

Die Show scheint sich fuer die Tamimi-Sippe ideologisch und wahrscheinlich auch finanziell auszuzahlen, auch wenn es mir noch nicht gelungen ist, etwas zur Finanzierung zu finden. Dafuer werden auch Opfer gebracht.

Mustafa Tamini wurde waehrend einer gewalttaetigen Demonstration durch einen Gaskanister getoetet, der anscheinend entgegen den militaerischen Vorgaben direkt auf ihn abgeschossen wurde. Die IDF untersucht den Fall.

Waehrend der Militaeraktion Wolkensaeule im vergangenen November, wurde Rushdi Tamimi bei einer weiteren gewalttaetigen Demonstration getoetet. Die Umstaende seines Todes sind noch ungeklaert. Als palaestinensischer Polizist verfuegte er ueber eine Waffe, und waehrend „Wolkensaeule“ waren die Proteste im Westjordanland noch gewalttaetiger als sonst.

In dieser Umgebung und dieser Grossfamilie wird Ahed Tamimi gross. Wahrscheinlich nimmt sie seit 2009 also ihrem 8. bis 10. Lebensjahr an den Freitagsdemonstrationen teil. Auch ihr drei Jahre aelterer Bruder Waad ist am Familienunternehmen beteiligt und die etwa gleichaltrige Cousine Marah. Seit 2012 entwickelt sich Ahed zum Star der Show. Vermutlich erkannte die Mutter das Potential ihrer rotblonden, frueh-pubertaeren Schoenheit.

Ich bin selbst Mutter von zwei bildhuebschen Toechtern (12 und 14) und verwende viel Gedanken daran, wie ich sie vor verfruehter und/oder unangemessener Aufmerksamkeit schuetzen kann. Was Nariman mit ihrer Tochter macht, scheint mir an Prostitution zu grenzen, ganz zu schweigen von der Gefahr fuer Leben und Gesundheit ihrer Kinder, die sie bewusst in Kauf nimmt.

17 Antworten

  1. Das läßt mich alles rat- und sprachlos.
    Mit wieviel abgrundtief böser Absicht so viele Menschen unterwegs sind. Und dazu schließe ich ‚unsere‘, westliche Seite mit ein, also diese ganzen ‚Hilfsorganisationen‘. Gepaart mit Ignoranz und gerne ausgiebig pepfeffert mit einer ordentlichen Portion Antisemitismus. siehe unsere SPD, unsere Regierung, Augstein, GraSS, die deutsche Mainstreampresse – und schon haben wir den (vergifteten) Salat.
    Erschreckend ist, was für ein Gewicht und eine Dynamik das alles hat.
    Gideon Böss hat heute ebenfalls über den Haß und die Kindererziehung geschrieben:
    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/im_zweifel_links_von_ramallah/
    Was ich nicht begreife ist, warum werden die Palästinenser immerzu nur als Opfer dargestellt. Wieso weigern sich die Leute standhaft den Haß zu sehen?
    Die Magisterarbeit meiner Mutter hatte zum Thema die Erziehung und die Schule im Dritten Reich. Das was hier und heute abgeht ist noch schlimmer, konsequenter, was die Erziehung der Kinder anbetrifft (vermutlich, weil die Deutschen damals nicht mehr genug Zeit hatten, das ‚1000jährige Reich‘ währte zum Glück nur 12 Jahre)
    Und wieso weigern sich die Leute auch zu sehen, daß Islam und Faschismus eineiige Zwillinge sind? Der eine trug Uniform, der andere Bart und Palituch.

  2. Eine wirklich ausgezeichnete Recherche. Besten Dank dafür!

  3. Vielleicht noch Azzam al-Tamimi gefällig?

  4. kann mich nur anschließen, besser recherchiert als vieles welches zum Thema Nahostkonflikt geschrieben wird!
    Bin selbst seit nun einem Jahr stolze Mutter eines kleinen Sohnes, mir fällt zu den Eltern der Kinder nichts mehr ein!

    Es ist mir verständlich dass man als Palästinenser sich wahrscheinlich nur schwer der Propaganda entziehen kann, die einem dort fast schon in die Wiege gelegt wird.
    Aber wie herzlos und fanatisiert kann / muss man sein um seine eigenen Kinder für „friedliche“ Proteste zu opfern?!

  5. Scheylock,
    Azzam Tamimi stammt aus Hebron, moeglicherweise noch ein Zweig derselben Sippe aus Nabi Salih, aber dem bin ich nicht weiter nachgegangen, also habe ich ihn aussen vor gelassen.

  6. Hallo, diesmal aus Zrich.

    Ist es fr dich ok, wenn ich ich diesen Beitrag von dir, selbstverstndlich ordnungsgem verlinkt etc. in meinen Blog einfge? Ich hab am 10.November auch schon ber die junge Medienprinzessin berichtet und mchte deinen Artikel gerne, sozusagen als Verstrkung einfgen.

    Er ist so gut recherchiert, ein Riesenkompliment an dich!

    Alles Liebe

    esther

    ________________________________

  7. Gern, Esther! Und danke fuer die Komplimente

  8. Liebe Ruth,
    vielen Dank für diesen Hintergrundbericht.

    Für das Jahr 2013 wünsche ich Dir und Deiner Familie Gottes Segen und etwas mehr Ruhe als 2012. Bin sehr froh darüber, dass Ihr die Turbulenzen (welch ein harmloser Ausdruck für das was Ihr erleiden musstet) gut überstanden habt.
    Ich wünsche mir für 2013, dass Du weiterhin die Kraft und Zeit für Deinen Blog findest. Mir würde sonst wirklich was fehlen.
    Wie geht es Deinen Eltern? Dein Vater und Deine Mutter stehen noch auf meinem Gebetszettel.

    Dann habe ich noch einen Wunsch für 2013:
    FRIEDEN FÜR ISRAEL.
    Auch das steht auf meinem Gebetszettel.
    http://www.laschoresch.org/pages/home/gebet-fuer-frieden-in-israel.php
    Nein, auch wenn die Hoffnung sehr klein ist, aufgeben werde ich sie nicht. Ich halte es mit David Ben Gurion: „Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.“

    Aber zurück zum Thema:
    Habe an anderer Stelle dieses und weitere Videos, auch das aus dem Kindergarten mit den martialisch ausstaffierten Kindern, gesehen.
    Ich kann nicht beurteilen wie „flächendeckend“ diese Erziehung ist. Auch den Erfolg kann ich nicht wirklich einschätzen. Dennoch habe ich die Befürchtung, dass in Palästina, zumindest in Gaza, eine ‚verlorene Generation‘ heranwächst. Verloren für einen Frieden mit Israel. Unfähig mit den Juden zusammen zu leben.
    Ist meine Befürchtung übertrieben? Handelt es sich nur um propagandistisch aufgebauschte Einzelfälle? Für mich ist es jedenfalls Anlass zu großer Sorge.

  9. Dieser Artikel, Ruth, verdient die allergrößte Aufmerksamkeit und Verbreitung! Selten wurde das „Geschäft des Hasses“ so gut und detailliert beschrieben. Vielen Dank! Ich werde Dich bei fb verlinken… (denke mir, dass es Dir recht ist ??!!!) und bei der nächsten Gelegenheit „bei mir“ 😉

  10. Liebe rika,
    nauerlich ist es mir Recht! VielenDank fuer Deine Hilfe beim Verbreiten.

  11. Lieber Paul,
    danke fuer Deine Gebete und guten Wuensche

  12. danke fuer den beitrag, Ruth.
    Gruss von Jerusalem an Beer Sheva. Ruhe und Frieden fuer euch und fuer uns alle.
    Noa

  13. Hallo Noa,
    wie sind die Aussichten fuer Schnee in Jerusalem?

  14. […] hat sich „Shirley Temper“ vorgenommen – besser gesagt: ihren familiären Hintergrund, die Terrorsippe, der sie entstammt. Kein Wunder, dass dieses Mädchen derart gehirngewaschen […]

  15. Was glaubt ihr, wie berühmt sie erst wäre, wenn sie mit ihrer Provokation Erfolg gehabt hätte…

  16. Ja, also, morgen auf uebermorgen in der Nacht soll es anfangen auch bei uns zu schneien. Bin gespannt. Bin nicht so wild darauf aus, denn der Matsch ist mir ja aus Dtland bekannt. verregnete stuermische Gruesse!!!
    Noa

  17. […] kleine Göre, die sogar von Abbas schon mal mit einer Art Palestian Oscar ausgezeichnet wurde, hattte – […]

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: