Waffenfreie Zone


Der Stuetzpunkt der US-Flotte, Navy Yard, wo gestern ein Mann zwoelf Menschen toeten konnte, bevor er selbst unschaedlich gemacht wurde, ist eine „waffen-freie“ Zone. Die Sicherheitsleute, die das Areal und seine Eingaenge bewachen, sind zwar bewaffnet, aber innerhalb des Areals haben andere Personen nicht das Recht, Waffen mitzufuehren. Das scheint die Standardregelung auf militaerischen Stuetzpunkten der USA zu sein. Aus diesem Grund konnte auch der Attentaeter in Ford Hood 13 Menschen toeten, bevor er unschaedlich gemacht wurde.

Die meisten solcher Schiessereien mit mehreren Toten finden in „waffen-freien“ Zonen statt. Die Anzahl der Toten entspricht der Zeit, bis bewaffnete Polizisten eintreffen und den Amoklaeufer unschaedlich machen koennen.

Das hindert die Medien nicht, sofort wieder den umgekehrten Zusammenhang zwischen vielen Toten und Waffengesetzen herzustellen, siehe diesen Absatz aus dem oben verlinkten Artikel in der Jerusalem Times:

President Barack Obama lamented “yet another mass shooting” in the US that he said took the lives of American “patriots” and promised to make sure “whoever carried out this cowardly act is held responsible.” Despite a string of mass shootings, Obama has been powerless to get gun control legislation passed amid a fierce backlash from conservative politicians and the gun owners lobby.

Auch die von mir hier vorgestellte Harvardstudie kommt zu dem Ergegnis, dass schaerfere Waffengesetze in erster Linie die potentiellen Opfer wehrlos machen.

7 Antworten

  1. Hallo,
    wie kann ich mit dir in Kontakt treten. bin zur Zeit wegen der Feiertage bei Familie in Beer Sheva.😉
    LG Esther

  2. Meinst du wirklich, wenn alle Leute mit einem Colt in der Tasche herumliefen, würden weniger Gewaltverbrechen verübt werden? In Deutschland ist das Waffengesetz wesentlich strenger als in USA, und hier finden solche Massenmorde wesentlich seltener statt.
    Das Problem in den „waffenfreien Zonen“, die du beschreibst, und die es hierzulande beispielsweise in Gerichten gibt, ist, daß offenbar nicht ordentlich kontrolliert wird, wer da hineinkommt, und nicht sichergestellt ist, daß er nicht widerrechtlich eine Waffe mit sich führt.

    Die Lösung, Waffen freizugeben, kommt ungefähr aufs gleiche hinaus wie „schafft Bus und Bahn ab, dann gibts mehr Stau auf der Straße und weniger Raser und weniger Unfälle“. Klappt da aber auch nicht – die wenigsten Autounfälle gibts immer noch in Fußgängerzonen, nicht auf dem Périphérique.

  3. Wolfram,

    die Waffengesetze in der Schweiz sind wesentlich lockerer als in Deutschland, trotzdem ist die Anzahl der Gewaltverbrechen noch niedriger. ich habe wirklich mehrere Blogeintraege zu diesem Thema verfasst und so gut wie moeglich recherchiert. Die Harvardstudie kommt zum selben Ergebnis wie ich.

    Es besteht ein Unteschied zwischen „jeden mit einem Colt in der Tasche herumlaufen lassen“ und an der Waffe ausgebildeten Angehoerigen der Streitkraeft auf der eigenen Basis das Waffentragen zu verbieten.

    Ich vermute seit einer Weile, dass es sich bei der Antiwaffen-Haltung in Europa n Wirklichkeit um einen Glaubenssatz handelt, der nicht hinterfrag werden kann.

  4. Schade, dass es nicht geklappt hat, Esther. Ich war in diesen Tagen nicht am Computer.

  5. Das Schweizer Waffengesetz ist nicht gerade lax, allerdings hängt vieles von den Ausführungserlassen ab, die ich nicht gefunden habe.
    Der Vergleich mit Deutschland, was bringt er? In Deutschland ist die Zahl der Morde auch gering, verglichen mit dem, was man aus USA hört. Oder aus Marseille.
    Es ist aber nicht nur das Waffengesetz, es ist auch die Kultur. Die Schweiz hat keine „wenn du dich nicht selbst verteidigt, tut es keiner“-Vergangenheit, da hält man es nicht für nötig, daß jeder Bürger unbedingt bewaffnet sein muß – anders als in USA.
    Der Schweizer an sich läuft nicht mit dem Revolver im Gürtel herum, selbst wenn er es qua lege darf. Weil er es qua cultura eben nicht darf.

    Das Beispiel der Armeebasis halte ich ohnehin für ungeeignet, um es mit der „normalen Welt“ zu vergleichen, eben weil die Menschen da ein ganz anderes Verhältnis zu einer Waffe haben, weil sie daran einerseits ausgebildet sind, andererseits aber auch wissen sollten, was der Waffengebrauch für Schaden anrichten kann.
    Umgekehrt, wenn man die Armeebasis mit Gerichtssälen vergleicht, wo auch die aussagenden Polizeibeamten ohne Waffe erscheinen müssen… so abartig finde ich das nicht. Die Frage ist für mich vielmehr: warum laufen rund um die Basis so viele Bewaffnete rum? Müssen die sich alle vor Bären und Bisons schützen? Warum hat der Wachdienst an der Pforte nicht funktioniert, die Amerikaner sind doch Meister im Durchleuchten?

    Die Harvard-Studie habe ich nicht gelesen, werde es auch nicht tun, weil ich nicht genügend fit im Englischen bin. Allerdings habe ich in meinem Leben genügend Studien zu im weiteren Sinn soziologischen Themen lesen müssen, um zu wissen, daß das Ergebnis immer auch vom Untersuchenden abhängt und von seiner kulturellen Prägung. Insofern wird eine nordamerikanische Studie immer zu anderen Ergebnissen kommen als eine nordeuropäische.

    (Schade übrigens, daß man bei dir keine Mails bestellen kann für neue Kommentare.)

  6. Hallo Wolfram,

    die Harvardstudie finde ich deshalb bemerkenswert, weiil Harvard als demokratisches-linkes Pflaster gilt und der linke Fluegel der demokratischen Partei ja staendig das 2. Amendment beschneiden will. Obama selbst hat ja auch diesen Vorfall gleich zum Aufruf fuer strengere Waffengesetze genutzt. In diesem Fall wuerde ich davon ausgehen, dass die Forscher nicht gefunden haben, was sie gesucht haben, sondern von ihren eigenen Ergebnissen ueberrascht wurden. Der von mir zitierte Ausschnitt klingt in meinen Ohren so.

    Die USA und alle ihre Militaerbasen sind Ziele von Terrorismus. Wenn die Soldaten nicht selbst bewaffnet sein duerfen, muessen sie daher bewacht werden, von wegen Bisons und Baeren!

    Ich muss mal schauen, ob ich ein Widget fuer Kommentare finde. Danke fuer den Tip!

  7. Widget – oder in den Einstellungen angeben, daß man nicht nur über neue Beiträge eine Mail bestellen kann (das geht bereits), sondern auch über neue Kommentare.😉

    Ich fürchte, die Harvard-Studie wird im google-Translator ins Unverständliche übersetzt.😦
    Aber ich meine weiter, es ist schwer, die Situationen in verschiedenen Kulturkreisen zu vergleichen. In USA gehört die eigene Waffe zur Kultur. In CH die Schulung an der Waffe, zumindest für Männer. (Die USA haben m.W. seit langem keine Wehrpflicht mehr.) In Frankreich das Recht auf eine Jagdwaffe – was gabs für ein Geschrei, als die vor ein paar Jahren alle auf einmal registrierungspflichtig und erlaubnispflichtig wurden! Danach kräht aber heute keiner mehr, das ist akzeptiert. – In GB der nicht schußbewaffnete Bobby (ist aber auch Vergangenheit, glaube ich).

    Daß die Soldaten bewacht (im Sinn von geschützt) werden müssen, steht außer Frage. Jeder Militärstützpunkt auf der Welt wird bewacht, und üblicherweise muß man schon einen sehr guten Grund haben, wenn man als Nichtmilitärangehöriger mit einer Waffe in eine militärische Einrichtung gehen will. Da hat die dortige Richtlinie vielleicht sogar einen guten Sinn: wenn keiner mit einer Waffe reindarf, dann kann sich auch keiner als angeblicher Soldat reinmogeln und da rumballern – und wird auch die Gefahr ausgeschlossen, daß ein „umgedrehter“ regulärer Soldat auf einmal um sich ballert. Die Aufsicht muß allerdings dann auch konsequent durchgeführt werden – mit Fahrzeugkontrolle, mit Metalldetektor etc.
    Meine Frage meint, deutlicher formuliert: warum laufen um die Stützpunkte herum so viele bewaffnete Zivilisten herum? Weniger Waffen, die in der Zivilgesellschaft zirkulieren, bedeuten automatisch weniger Waffen, die irgendwem in die Hände fallen können, der damit Mist baut. Und da hat, soweit ich weiß, die Schweiz mittlerweile ihr „jeder Reservist hat sein Dienstgewehr im Schrank“ auch aufgegeben; die Armeewaffen werden mittlerweile zentral gelagert und beaufsichtigt.

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