Realitaets-Check


Vor vier Jahren und 11 Monaten habe ich einen meiner ersten Eintraege zu Obama geschrieben: Obamas erwartete Praesidentschaft ermutigt die Feinde des Westens

Flowerkraut hat mir damals widersprochen:

(…) Möglich ist es natürlich (vielleicht sogar wahrscheinlich) dass einige auf destruktive Weise die Grenzen von Obamas Stärke austesten wollen. Ich glaube, sie werden damit keine guten Erfahrungen machen, die ihre Länder weiterbringen. Aber ich könnte mir auch vorstellen, dass in Zukunft auch die Leute im Ovaloffice eine Stimme haben werden, die sich mit den Problemen wirklich auskennen und nicht nur Ideologie betreiben wollen.

Tja, von den beiden Voraussagen war meine leider realistischer. die zweite Obamaregierung ist noch gespickter mit Ideologen als die erste. Die Feinde des Westens haben die Erfahrung gemacht, dass Obama nicht ernst zu nehmen ist. Russland und Syrien sind das vorletzte Beispiel, Iran das letzte.

Nicht nur Israel ist entsetzt, auch die sunnitischen Golfstaaten unter der Fuehrung Saudiarabiens fuerchten verkauft zu werden.

8 Antworten

  1. Dazu gibt es heute von Pierre Heumann einen Artikel in der „Basler Zeitung“:
    Obama stösst alte Verbündete vor den Kopf
    Annäherung der USA an Iran führt zu Besorgnis
    Von Pierre Heumann
    Washington. Das Telefongespräch zwischen US-Präsident Barack Obama und seinem Amtskollegen Hassan Rohani dauerte bloss 15 Minuten. Berücksichtigt man die Zeit, die die Übersetzung und Höflichkeitsfloskeln beanspruchten, blieben wohl höchstens ein paar Minuten für einen substanziellen Austausch. Und doch: Der Kontakt ist für Israel und die Staaten am Persischen Golf ein geopolitischer Schock. Erstmals seit dem Sturz des Schahs 1979 haben die Staatschefs der USA und Irans direkt miteinander gesprochen.
    Dies verändert die Dynamik in einer labilen Region. Es sei, wie wenn einer plötzlich entdecke, dass sein bester Freund mit dem schlimmsten Rivalen flirte, bringt die «International Herald Tribune» die Bedeutung des kurzen Gesprächs auf den Punkt. Am Golf wurde der Kontakt mit dem Fall der Berliner Mauer verglichen, in Jerusalem wurde Obama Neville Chamberlain gegenübergestellt, berüchtigt wegen seiner Appeasementpolitik gegenüber den Nazis im Jahre 1938.
    Zweifel an Rohanis Ernsthaftigkeit
    Dass ausgerechnet Obama mit Teheran «flirtet», löst sowohl in Jerusalem und als auch am Golf grösste Besorgnis aus. Viel Gutes erwarten die Verbündeten Washingtons nicht. Sie zweifeln an der Ernsthaftigkeit Rohanis; sie haben den Verdacht, dass er mit seiner diplomatischen Offensive Zeit gewinnen wolle, um das Nuklearprojekt voranzutreiben.
    Offizielle Reaktionen aus Jerusalem gab es zwar nicht. Regierungschef Benjamin Netanyahu hat seinen Ministern ein Redeverbot auferlegt. Er will die iranische Charmeoffensive heute mit Obama besprechen und sich am Dienstag in der UNO-Generalversammlung dazu äussern. Vor seinem Abflug in die USA warnte Netanyahu, man müsse die Fakten erwähnen und die Wahrheit sagen. Das sei wichtig «für die Sicherheit und den Frieden der Welt und, natürlich, für Israel». Rohanis Rede tat er als «süsses Geschwätz» ab. Obama komme Rohani entgegen, weil er endlich einmal einen aussenpolitischen Erfolg vorweisen wolle, ist Emily Landau vom Institute for National Security Studies in Tel Aviv überzeugt. Dabei könnte er sogar zu Kompromissen bei Sicherheitsinteressen der USA und Israels bereit sein, warnt Uzi Rabi von der Universität Tel Aviv: Irans Feindschaft gegen Israel werde bleiben. Rohani wolle einen Keil zwischen Amerikaner, Europäer und Israel treiben. Den Iranern sei es bereits gelungen, «das ganze Spiel zu verändern».
    Ähnlich tönt es auch in Katar. Die jüngsten Annäherungsversuche könnten «weitreichende Konsequenzen für den Kampf ums Kräftegleichgewicht haben», sagt Salman Shaikh, Direktor des Brooking Doha Center.
    Enttäuschung in Saudi-Arabien
    Scharf kritisiert wird Obama in Saudi-Arabien. Dort halte man ihn nicht mehr für einen verlässlichen Alliierten, weil er den Syriern und den Iranern nachgebe, sagt Mustafa Alani, ein Sicherheitsanalyst aus Dubai. Obama sei «naiv», sagt Mishaal Gergawi, der für einen Thinktank in Dubai arbeitet. Er sei gegenüber den Moslembrüdern in Ägypten, und gegenüber Baschar al-Assad leichtgläubig gewesen, und jetzt sei er es gegenüber Rohani.
    Israel und Saudi-Arabien haben dieselben Befürchtungen. Washington könnte die traditionelle Expansions- und Aggressionspolitik der Iraner akzeptiert, meint der saudi-arabische Journalist Jamal Kashoggi, dem enge Beziehungen zum Königshaus nachgesagt werden.
    Der iranische Vizeaussenminister Abbas Araqchi hat Erwartungen bezüglich einer raschen Annäherung zwischen Iran und den USA gedämpft. Ein einzelnes Telefongespräch könne kein Tauwetter in den langjährigen Spannungen zwischen Teheran und Washington bewirken, sagte Araqchi nach Angaben des staatlichen Senders Press-TV am Samstag.

  2. @Bear48: Alte Verbündete hat Obama von Anfang an vor den Kopf gestoßen.

  3. „Die Feinde des Westens haben die Erfahrung gemacht, dass Obama nicht ernst zu nehmen ist.“
    Na, diese Erfahrung haben aber nicht nur die Feinde des Westens gemacht, auch der Westen selbst und besonders die Freunde des Westens. Jedenfalls, wenn es darum geht, die Gefahren für den Westen in Schach zu halten.
    Die westlichen Staaten und vor allem die US-Amerikaner wissen allerdings auch, dass sie Obama bezüglich so einiger anderer Dinge äußerst ernst nehmen müssen. Bezüglich Dingen, von denen sie wissen, dass sie für die USA lebensgefährlich sind.

  4. @heplev
    „Obama stösst alte Verbündete vor den Kopf“ usw.
    Das war der Titel des Artikels und der ist nicht von mir 😉.

  5. Es wird berichtet:
    „Wirtschaftsministerium – Deutschland lieferte bis 2011 Chemikalien an Syrien“
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/deutschland-lieferte-bis-2011-waffenfaehige-chemikalien-an-syrien-a-925368.html
    Ist es Wahnsinn, so hat es doch Methode?

  6. @heplev

    München 1938: „Ein trügerischer Frieden“

    „Mit dem Münchner Abkommen von 1938 sollte die sogenannte Sudetenkrise friedlich beigelegt werden. Doch diesem Zweck hat das Abkommen nicht gedient, im Gegenteil“.

    http://www.nzz.ch/aktuell/international/auslandnachrichten/ein-truegerischer-frieden-1.18159091

    Manche sagen (bzw. analysieren), es gäbe Parallelen zur (Appeasement-) Politik der Administration Obama bzw. des Westens heute…
    Es gibt Unterschiede und es gibt Ähnlichkeiten.

  7. Danke, Urs, fuer all die interessanten Links!

  8. Liebe Ruth,
    gerne.
    Freundlicher Gruss,
    Urs

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