USA-Iran Vorhersagen auf dem Pruefstand


Fast sechs Jahre ist es her, als ich den noch unter Praesident George W. Bush veroeffentlichten NIE Bericht zum Iran als einen Ausverkauf Israels eingeordnet habe.

Mit dieser Einschaetzung stand ich nicht allein. Auch die Golfstaaten befuerchteten, dass mit diesem Bericht eine amerikanische Annaeherung an den Iran eingeleitet wuerde und orientierten sich entsprechend um. Auf der Grundlage dieser Meldung erarbeitete Manfred Kleine-Hartlage eine Analyse zum Verhaeltnis USA-Iran.

(…)

Viele können sich das kaum vorstellen, dass die Erzfeinde USA und Iran zueinander finden könnten, und in der personellen Konstellation Bush-Ahmadinedjad kann ein solches Bündnis in der Tat kaum zustandekommen. Aber die Amtszeit beider Präsidenten endet 2009. Wir wissen nicht, wie ein eventueller demokratischer US-Präsident die Dinge sehen wird und wir wissen nicht, ob Ahmadinedjad wiedergewählt bzw. wie sein Nachfolger denken wird.

Sieht man aber von Personen ab und blickt nur auf die Interessen und das mutmaßliche Kalkül von Strategen beider Seiten, erscheint eine solche Rochade beunruhigend realistisch.

(…)

Für die USA liegen die – zumindest kurzfristigen – Vorteile [einer Annaeherung an den Iran, RB] auf der Hand:

Erstens wäre es bedeutend leichter, den Irak zu stabilisieren und sich halbwegs mit Anstand von dort zurückzuziehen.

Zweitens hätte man einen Alliierten, der sich vor einem (sunnitisch!-)islamistischen, dazu atomar bewaffneten Pakistan selbst bedroht fühlen müsste, zugleich aber in der Lage wäre, die dann unvermeidliche Kriegführung zu Lande selbst zu übernehmen. (Bereits Bushs Atomdeal mit Indien deutet darauf hin, dass man Pakistan mittelfristig nicht als Allierten, sondern als Feind einplant.) Die USA selbst sind dazu nur noch beschränkt in der Lage; es wäre für sie vorteilhaft, auf die Methode des Stellvertreterkrieges zurückzugreifen – dafür aber bedarf es eines Stellvertreters.

Drittens stünde einer der größten Erdölproduzenten der Welt auf seiten Amerikas.

Viertens würde selbst ein Umsturz im Iran, der ja nur ein demokratischer sein könnte, nicht wie 1979 dazu führen, dass der Alliierte sich in einen Feind verwandelt. Anders als bei allen anderen islamischen “Verbündeten” Amerikas.

Aus dem Abstand von fast sechs Jahren laesst sich leicht erkennen, wie weit die darin enthaltenen politischen Prophezeiungen eingetroffen sind. Zunaechst zu den Vorteilen fuer die USA:

Wie wir wissen, wurde Ahmadinejad wiedergewaehlt, waehrend Barak Hussein Obama ins Weisse Haus einzog. Wie inzwischen ersichtlich ist, wartete Obama nicht auf die naechste Wahl im Iran, sondern begann verdeckte Verhandlungen mit dem Iran noch unter der nominellen Regierung Ahmadinejads. Im Iran ist der Praesident jedoch eine Galionsfigur des Obersten Fuehrers und eigentlichen Staatsoberhaupts, Ali Khamenei. Insofern war es durchaus logisch, sich nicht von Ahmadinejad aufhalten zu lassen. Ich gehe davon aus, dass der Wahlerfolg von Hassan_Rouhani bereits als iranisches Entgegenkommen an die USA inszeniert wurde.

Zu 1): Aus dem Irak hat sich Obama bereits vor zwei Jahren zurueckgezogen. Die Frage nach dem Anstand scheint sich nicht zu stellen, ganz egal, wieviele Terroranschlaege das Land seither zerreissen.

Unter 2) scheint es mindestens so sehr um Afghanistan wie um Pakistan zu gehen. Obama hatte den Krieg in Afghanistan den „richtigen“ genannt, im Gegensatz zu Bushs „falschem“ Krieg im Irak. Daher scheint sich die Frage zum Anstand bei Afghanistan wenigstens ein bisschen zu stellen.

3) Ueber iranisches Oel wird wenig geredet. Die Tendenz geht eher dahin, dass die USA durch Fracking immer weniger vom Nahen Osten abhaengig sind und sich daher aus der Region zurueckziehen koennen. Mittelfristig, meint Christopher Helman in Forbes, kann die Annaeherung an den Iran der amerikanischen Oelindustrie sogar schaden. Moeglicherweise passt das Obama aber ganz gut ins ideologische Konzept, eine vom Staat unabhaengige Industrie zu schwaechen.

Und nun zu den Vorteilen aus Sicht des Irans:

Woraus sich bereits der erste Grund ergibt, warum der Iran an einer solchen Konstellation interessiert sein könnte: Er ist das einzige islamische Land, dessen Regierung durch eine proamerikanische Politik an Popularität ehergewinnen als verlieren würde – gerade in oppositionellen Kreisen.

Zweitens könnte das Regime damit rechnen, dass die demokratische Opposition keine Unterstützung aus den USA mehr bekäme.

Drittens wäre die amerikanische Interventionsdrohung vom Tisch.

Viertens bekäme der Iran wieder uneingeschränkten Zugang zum Weltmarkt, den er dringend braucht, um seine Wirtschaft zu modernisieren und in Schwung zu bringen und seinen zum Teil hochqualifizierten, aber arbeitslosen und entsprechend unzufriedenen jungen Leuten eine Perspektive zu geben.

Fünftens wäre der Iran als Juniorpartner Amerikas die unangefochtene Führungsmacht der Region. Nicht nur würde er den schiitisch geführten Irak dominieren; auch den arabischen Golfstaaten, dazu Syrien und Jordanien bliebe ohne amerikanische Rückendeckung kaum etwas anderes übrig, als sich verstärkt an der iranischen Politik zu orientieren. (Paradoxerweise würde sich ihre Abhängigkeit von Amerika – und damit dessen Macht – gleichzeitignoch vergößern, weil die USA dann die einzige Macht wären, die verhindern könnte, dass die iranische Hegemonie sich zu einem regelrechten Imperium auswachsen würde, für das die arabischen Staaten östlich des Suezkanals bloß noch Quasi-Kolonien wären. Die Amerikaner könnten durchaus versucht sein, dasselbe Spiel wie in Europa zu spielen, dessen Staaten zwar nicht nur, aber auch nicht zuletzt deshalb von Amerika abhängig sind, weil dessen Präsenz die sicherste Garantie gegen ein womöglich wiederauflebendes deutsches Hegemoniestreben ist; dass die USA zugleich mit Deutschland verbündet sind, steht dem nicht entgegen, im Gegenteil!)

Sechstens müsste Amerika die Atomrüstung des Iran zumindest stillschweigend dulden, zumal wenn sie (siehe Indien!) halbwegs plausibel als Defensivmaßnahme gegen Pakistan verkauft werden kann.

1) Tatsaechlich haben wir miterlebt, wie Rouhani der eigenen Bevoelkerung und dem Westen als Reformkandidat verkauft wurde.

2) Schon 2009 hat Obama die demokratische Opposition im Regen stehen lassen.

3) Die amerikanische Interventionsdrohung wurde unter Obama zunehmend unglaubwuerdig. Spaetestens die „rote Linie“ in Syrien und ihre Folgen duerften ihr endgueltig den Gar ausgemacht haben.

4) Mit dem Interimabkommen, das vor drei Tagen unterzeichnet wurde, bekommt der Iran auch wirtschaftliche Erleichterungen, waehrend er weiterhin Uran anreichern darf. Bezeichnenderweise wurde die Umsetzung der Sanktionen schon Monate vorher durch die Obamaregierung aufgeweicht.

5) Die Umorientierung der arabischen Staaten scheint bisher nicht ganz stattzufinden. Der Graben zwischen Sunna und Shia ist vielleicht doch tiefer und breiter, als Manfred damals schaetzte. Saudiarabien nimmt derzeit in Kauf als Verbuendeter Israels eingeschaetzt zu werden.

6) Das ist doch genau Sinn und Zweck des Genfer Interimabkommens: Irans Urananreicherung wird legitimiert, die UN-Resolutionen zu diesem Thema sind obsolet. Darueber hinaus erhaelt der Iran weiter Zeit, sein Programm voranzutreiben und zwar auch den Plutonium-Weg, waehrend Israel und den arabischen Staaten die Haende gefesselt werden.

Alles in allem, hat Manfred keine 100% Erfolgrate bei seinen Vorhersagen erreicht, aber seine Analyse von damals hat den Test der Zeit weitaus besser bestanden als das Geschwafel, das die meisten „Nahostexperten“ von sich zu geben pflegen.

Manfreds Schlusswort vor sechs Jahren lautete:

Falls amerikanische Strategen also wirklich glauben sollten (und allen Indizien zum Trotz möchte ich doch immer noch annehmen, dass das nicht der Fall ist!), man könne den Iran auf die Dauer als Juniorpartner einspannen, werden sie eher früher als später ein böses Erwachen erleben. Das erste Opfer einer amerikanisch-iranischen Allianz wäre Israel. Das zweite der Westen insgesamt.

Ich hoffe und bete, dass unsere Regierung nicht zulassen wird, dass das juedische Volk wieder zum Opfer gemacht wird. Der Westen wird es uns mit Sicherheit nicht danken, wenn wir nebenher auch ihm eine weitere Chance verschaffen.

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Fehlinformationen zu den Irangespraechen (heute von der Basler Zeitung)


So bereichtet die BaZ

In Washington gilt besonders die israelische Forderung, dem Iran jegliche Anreicherung von Uran zu verwehren, als unüberwindliches Hindernis für eine friedliche Lösung des Atomstreits.

Die Forderung, dem Iran jegliche Anreicherung von Uran zu verwehren, stammt aber gar nicht aus Israel, sondern vom UN Sicherheitsrat, in Resolution 1737 von 2006:

(…)
Acting under Article 41 of Chapter VII of the Charter of the United Nations,
1. Affirms that Iran shall without further delay take the steps required by the
IAEA Board of Governors in its resolution GOV/2006/14, which are essential to
build confidence in the exclusively peaceful purpose of its nuclear programme and
to resolve outstanding questions;
2. Decides, in this context, that Iran shall without further delay suspend the
following proliferation sensitive nuclear activities:
(a) all enrichment-related and reprocessing activities, including research and
development
, to be verified by the IAEA; and
(b) work on all heavy water-related projects, including the construction of a
research reactor moderated by heavy water, also to be verified by the IAEA;
(…)

(Hervorhebung von mir)

Diese winzige Recherche waere doch auch einem Journalisten wie Martin Kilian zumutbar. Offensichtlich ist es angenehmer, Israel als Friedenshindernis darzustellen.

Wie man Israel an den Pranger stellt


Johannes Gunesch vom Alsharq-Blog hat eine dreiteilige Serie veroeffentlicht, warum Israel im Un-Recht ist.

Auf den ersten Blick macht der Blog einen serioesen Eindruck (man beachte, dass ich ihn seit Jahren in meiner Linkliste fuehre) und diese „Analsyse“ ebenfalls. Aber bereits der Titel vermittelt, dass hier klar Partei ergriffen wird: Internationales Recht, Un-Recht und die Besatzung Palästinas

Beim Ueberfliegen stockte ich bei dem Satz:

Während momentan Wohnungen für 200,000 Menschen in Ost-Jerusalem gebaut werden, ist keine einzige davon für Palästinenser vorgesehen.

Das ist natuerlich unwahr, wie man sich hier im Interview vom Februar 2013 mit dem Jerusalemer Buergermeister, Nir Barkat, sagen lassen kann.

Because we’ve just been investing over a halfa billion shekels on infrastructure and roads (in the Arab sector.) We’re building 500 classrooms in the Arab sector…And we’re registering many, many buildings for the residents of east Jerusalem. My question was, what do you mean by ‚freeze.‘ Freeze everything? Or, God forbid, is somebody hinting, ‚Wait a minute. Before you give someone a permit, check him out. If he’s Jewish, freeze him, if he is Muslim or Christian give him a license‘? …Is somebody hinting to us to look at the color of his skin, to look at his religion before we give him a permit and a license?

Ein Klick auf den Link zu dieser unwahren Aussage bei Alsharq fuehrt zum +972-Magazin, das wir schon kennengelernt haben. Dort haelt man dafuer, dass Fakten gern auch geklittert und/oder verdreht werden koennen, wenn es der „guten Sache“ dient. Die „gute Sache“ ist natuerlich die Aufloesung Israels als juedischer Staat.

Daraufhin unternahm ich eine kleine Fleissaufgabe und klickte alle Links an, um mir einen Ueberblick zu verschaffen, mit welchen Quellen Johannes Gunesch arbeitet.

Ich versuche eine Kategorisierung nach:

Antisemitisch - spricht Israel das Existenzrecht ab, 3D: Daemonisierung, Delegitimation, Doppelter Masstab

Antisemitisch – spricht Israel das Existenzrecht ab, 3D: Daemonisierung, Delegitimation, Doppelter Masstab

Anti-Israel

Israels Existenzrecht wird nicht explizit geleugnet, doppelter Masstab wird angelegt.

Links-postmodern - Mitschwimmen im Zeitgeist: Nationalstaaten sind ueberholt, Religionen sind von Uebel

Links-postmodern – Mitschwimmen im Zeitgeist: Nationalstaaten sind ueberholt, Religionen sind von Uebel

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  1. +972 ist die beliebteste Quelle mit 5 Links Anti-Israel
  2. Ha’aretz hat 4 Links Links-postmodern - Mitschwimmen im Zeitgeist: Nationalstaaten sind ueberholt, Religionen sind von Uebel
  3. Israeli Commitee against house demolitions (ICAHD)  mit 3 Links Antisemitisch - spricht Israel das Existenzrecht ab, 3D: Daemonisierung, Delegitimation, Doppelter Masstab und
  4. openDemocracy mit 3 Links  Anti-Israel

Mit jeweils einem Link vertreten sind:

  1. The National, wo man sich darueber beschwert, dass die Jerusalemer Tram auch die arabischen Viertel anbindet. (Man stelle sich den Protest gegen die „Apartheid“ vor, wenn die Strassenbahn nur juedische Viertel bedienen wuerde.) Anti-Israel
  2. Mondoweiss Antisemitisch - spricht Israel das Existenzrecht ab, 3D: Daemonisierung, Delegitimation, Doppelter Masstab
  3. Global Research, das israelische „Apartheid“ proklamiert Antisemitisch - spricht Israel das Existenzrecht ab, 3D: Daemonisierung, Delegitimation, Doppelter Masstab
  4. Tikun Olam des notorisch leichtglaeubigen (wenn es gegen Israel geht) Bloggers Richard Silverstein  Anti-Israel
  5. Society of St. Yves, gegruendet von Michel Sabbeh Antisemitisch - spricht Israel das Existenzrecht ab, 3D: Daemonisierung, Delegitimation, Doppelter Masstab
  6. Knesseth, Israeli Citizienship Law
  7. Human Rights Watch Anti-Israel
  8. Adalah  Anti-Israel
  9. Ir Amin  Anti-Israel
  10. Israel’s High Court of Justice
  11. Pinkwatching Israel, offensichtlich auf dem Konzept beruhend, dass Israel Homosexuelle nur deshalb nicht verfolgt, um Palaestinenser besser unterdruecken zu koennen  Antisemitisch - spricht Israel das Existenzrecht ab, 3D: Daemonisierung, Delegitimation, Doppelter Masstab
  12. Zeit Online  Links-postmodern - Mitschwimmen im Zeitgeist: Nationalstaaten sind ueberholt, Religionen sind von Uebel
  13. UN Human Rights Council  Anti-Israel
  14. Yesh Din  Anti-Israel
  15. Jerusalem Post
  16. Jewish Community Voice
  17. Adva  Anti-Israel
  18. New York Times  Links-postmodern - Mitschwimmen im Zeitgeist: Nationalstaaten sind ueberholt, Religionen sind von Uebel
  19. Al Monitor (man beachte Akiva Eldar unter den Kolumnenschreibern)  Antisemitisch - spricht Israel das Existenzrecht ab, 3D: Daemonisierung, Delegitimation, Doppelter Masstab
  20. Al Akhbar  Anti-Israel
  21. ACRI  Links-postmodern - Mitschwimmen im Zeitgeist: Nationalstaaten sind ueberholt, Religionen sind von Uebel
  22. The Israel Democracy Institute  Links-postmodern - Mitschwimmen im Zeitgeist: Nationalstaaten sind ueberholt, Religionen sind von Uebel
  23. Moriel Rothman’s blog at the Times of Israel  Links-postmodern - Mitschwimmen im Zeitgeist: Nationalstaaten sind ueberholt, Religionen sind von Uebel
  24. B’Tselem – Israeli Information Center for Human Rights in the Occupied Territories. Anti-Israel

Mir ist klar, dass die Kategorisierung sehr subjektiv ausfaellt. Allerdings ist eines sicher: keine der verwendeten Quellen stammt von israelischen, rechts stehenden Organisationen oder Medien.

Nur sehr wenige kann man als neutral einordnen.

Fast alle angebrachten Links beziehen sich auf Seiten, die Israel kritisch bis voellig ablehnend gegenueberstehen.

Dasselbe Bauprinzip haben wir schon im deutschen Wikipediaeintrag zu Avigdor Lieberman gesehen:
Man beziehe sich fast ausschliesslich auf Texte von erklaerten Feinden und politischen Gegnern – fertig ist der Buhmann!

Dem Alsharqblog verleihe ich ein klares  Anti-Israel.

Dritte Intifada?


Ein 19jaehriger Soldat

Eden Atias, sein Andenken sei uns zum Segen

sitzt im Bus auf der Strecke von Nazareth nach Tel Aviv. Neben ihm sitzt ein 16jaehriger Junge. Der Soldat ist erschoepft und schlaeft ein. Auf halber Strecke bei Afula macht der Bus Halt. Die meisten Passagiere steigen aus, um sich die Fuesse zu vertreten, eine Zigarette zu rauchen, das Klo aufzusuchen etc. Nur eine Soldatin, der schlafende Soldat und der Junge bleiben im Bus. Auf einmal zueckt der Junge ein Messer und sticht den neben ihm Schlafenden wiederholt in den Nacken. Die Soldatin schreit um Hilfe. Der Junge versucht zu fliehen. Die Passagiere fassen ihn und uebergeben ihn der Polizei. Der junge Soldat stirbt im Krankenhaus an seinen Verletzungen. (Die armen, armen Eltern, Geschwister und Freunde! Der arme Junge, ein so kurzes Leben!)

Der 16jaehrige Moerder ist Palaestinenser und kommt aus Jenin, er hat keine Arbeits- oder Aufenthaltsgenehmigung in Israel.

In Israel gehen die Meinungen auseinander, ob es sich bei den Vorkommnissen in den letzten Wochen schon um den Beginn einer dritten Intifada handelt oder noch um isolierte Vorfaelle.

Hamas rief am Jahrestag des Shalit-gegen-Terroristen-Austausch am 19. Oktober zur naechsten Intifada auf. Schon Ende September richtete sie und der Islamische Jihad Appelle an die Palaestinenser im Westjordanland, doch wieder Attentate zu verueben.

Das mochte sich die Fatah nicht sagen lassen. Einerseits wies sie diese Appele zurueck, andererseits bruestete sie sich mit dem Mord an zwei israelischen Soldaten.

Ich gehe davon aus, dass auch die Bluttat von heute wieder als heroischer Widerstand und der Moerder als nationaler Held gefeiert werden wird.

Zu den Unterstuetzern solcher Taten duerfen wir seit kurzem auch John Kerry, den US-amerikanischen Aussenminister rechnen:

(…) when Mr. Kerry landed in Israel, the potential consequences of the dangerous imprecision of his words became clear. He appeared on Israeli television to condemn the continued settlement of the West Bank that he and President Obama want turned over to the Palestinians as part of an agreement to establish an independent Palestinian state on Israel’s border. Mr. Kerry threatened the Israeli government and predicted that if the Israelis don’t buckle under, there would be “chaos” and perhaps a “third intifada” that would leave the Jewish state isolated and alone.

His words were meant to pressure the government of Benjamin Netanyahu, but the Palestinians may well have heard them as a sign that the United States will accept a renewal of terrorist attacks on Israeli civilians.

What is now known as the second intifada, or uprising, began in 2000 and went on for five long years, during which time civilian men, women and children in Israel were targeted by Palestinian terrorists. Fully 70 percent of the Israelis killed during that five-year period were civilians.

John Kerry ist sicher nicht bereit, irgendeine Verantwortung zu uebernehmen, genausowenig wie sein Chef.

Protest vor dem US Konsulat in Jerusalem

Und was ist mit dem Iran?


Die USA ziehen sich aus dem Nahen Osten zurueck. Das Vakuum wird von Russland gefuellt. Das war in Syrien offensichtlich: Die Obamaregierung ueberliess den syrischen Buergerkrieg samt Chemiewaffeneinsatz dankbar Putin, der seine Hand schuetzend ueber Assad haelt. Auch Aegypten wird von der Obamaregierung dazu gezwungen, sich mit Russland zu arrangieren. Gleichzeitig zieht die US-Marine ihren Flugzeugtraeger Nimitz aus dem Mittelmeer ab, waehrend Russland Kriegschiffe in die Region schickt.

Auch mit dem Iran moechte die Obamaregierung gern einen Raeumungsverkauf veranstalten. US-Interessen in Nahost inklusive Israel sollen unter der Hand verschleudert werden. Wenn Israel nun dabei nicht auch noch laechelnd kooperieren will, ist die Empoerung gross.

Offensichtlich ist nicht nur Israel alarmiert. Angeblich waren es die Saudis, die Frankreich unter Druck setzten, das Abkommen nicht zu unterstuetzen. Und der Schlussatz aus dem verlinkten Artikel:

Which rather leads to a different question: Not “Why did France choose to stand alone against the deal?” But, rather, “why did the other major powers consider the terms acceptable?”
(Und das fuehrt zu einer anderen Frage: Nicht „Warum hat sich Frankreich entschieden, als einziger gegen das Abkommen aufzutreten?“, sondern „Warum dachten die anderen Maechte, dass die Bedingungen annehmbar sind?‘ (Uebersetzung von mir):

Uebrigens: Avigdor Lieberman freigesprochen


Nach achtjaehrigen Ermittlungen wurde vor einem Jahr Anklage gegen den israelischen Aussenminister Avigdor Lieberman erhoben, der daraufhin – kurz vor den Wahlen – von seinen Aemtern zuruecktreten musste.

Die Gerichtsverhandlung war gestern und  kurz: Nach wenigen Minuten verkuendete das dreikoepfige Richtergremium einstimmig den Freispruch.

Die Begruendung, wie sie in der Times of Israel wiedergegeben wird:

The judges said in their decision that Liberman should have informed the Foreign Ministry’s appointments committee of his relationship with Ben Aryeh when Ben Aryeh was considered for the post. However, “there was no proof of a sufficiently severe conflict of interests” to merit a conviction, they said.

“After perusing the evidence on the matter, we’ve ruled that Ben Aryeh’s appointment didn’t constitute a promotion for him; nor was it a ‘springboard’ for other future senior positions,” the judges said in a summary of their decision. “Thus, Ben Aryeh’s appointment befitted his qualifications and abilities, as well as the needs of the Foreign Ministry, which wasn’t blessed with many workers whose Russian [language skills] and expertise in the Russian [political] landscape are comparable to Ben Aryeh’s.”

entspricht ziemlich meiner Beurteilung des Falls vor einem Jahr. Lieberman ist weltweit unbeliebt. Er ist jedoch weder Rassist, noch korrupt.

Fortsetzung der Arafat-Seifenoper


Schon vor einem Jahr berichteten „Qualitaets“-Medien darueber, dass Arafat vermutlich an einer Poloniumvergiftung starb.

Niemand stellte damals die naheliegende Frage, wie hoch die Dosis angesichts der Funde in seiner Kleidung urspruenglich gewesen sein muesste und warum das Personal, das ihn im Militaerkrankenhaus Percy behandelte, offensichtlich nicht verstrahlt wurde.

Im Anschluss daran kamen Schweizer, russische und franzoesische Experten nach Ramallah, um von Arafats Leiche Gewebeproben zu entnehmen. Wir wissen jedoch, dass sie das nicht eigenhaendig getan haben: 

Tawfiq al-Tirawi, the head of the Palestinian committee investigating Arafat’s death, said it all went according to plan. „Only Palestinian hands touched the remains,“ he said.

Die Schweizer Experten bestaetigten das auf S.81 des Reports:

A Palestinian forensic medical investigator collected twenty specimens from President Arafat’s corpse and grave during exhumation, in the presence of three international teams.

Wir wissen, dass keine Kameras die Exhumierung ueberwachten, und dass das Mausoleum schon Tage vorher abgeschirmt war. Und dass die Untersuchungsergebnisse von Al-Jazeera exklusiv erworben wurden,  Anscheinend haben palaestinensische Stellen Al-Jazeera die Untersuchungsergebnisse zugespielt (und dem britischen Guardian dann wohl auch?),  Prof. Barclay wurde tatsaechlich von Al-Jazeera engagiert, um die Ergebnisse zu interpretieren.

Der Leiter des russischen, forensischen Teams gab uebrigens vor etwa einem Monat schon bekannt, dass kein Polonium gefunden wurde. Seine Behoerde (Federal Medico-Biological Agency) deklarierte jedoch anschliessend, es habe sich dabei nicht um eine offizielle Stellungsnahme gehandelt. (Vermutlich zahlt Al-Jazeera bei negativem Befund nicht fuer die Ergebnisse.)

Das Schweizer Team formuliert nur zwei Moeglichkeiten (s. 67):

Hypothese 0: Arafats Tod wurde nicht durch Polonium-210-Vergiftung verursacht.
Hypothese 1: Arafats Tod wurde durch Polonium-210-Vergiftung verursacht.

Darauf folgt eine nette Tabelle mit Argumenten jeweils in der relevanten Spalte.

In den Entnahmen von Arafats Leiche und Grab fand sich kein Polonion 210, sondern nur Blei 210.
Nur auf den bereits ein Jahr vorher untersuchten persoenlichen Gegenstaenden hatten sich „unerwartet“ (ich haette ja formuliert „laecherlich“) hohe Werte von Polonium 210 gefunden. In den Proben aus dem Grab konnte kein Polonium 210 gemessen werden, nur ebenfalls „unerwartet“ hohe Werte an Blei 210. Po210 und Pb210 treten in einer Weise zusammen auf, die ich nicht verstehe, die aber offensichtlich fuer die Untersuchung von Boeden und Wasser eine Rolle spielt.

Wenn es korrekt ist, dass eine Substanz umso gefaehrlicher ist, je kuerzer die Halbwertszeit, dann ist Pb 210 mit ca. 22 Jahren deutlich weniger brisant als Po 210 mit 138 Tagen.

Die dritte Hypothese: Proben wurden praepariert, um es so aussehen zu lassen, als waere Arafat an Polonium-210-Vergiftung gestorben, wird in den Medien von niemandem ernsthaft betrachtet.

Mir scheinen die Ergebnisse des Schweizer Institutes wuerden am besten zu dieser 3. Hypothese passen. Dass die persoenlichen Gegenstaende praepariert gewesen sein mussten, war schon vor einem Jahr augenscheinlich. Dass bei der Exhumierung die Moeglichkeit bestand, Proben zu kontaminieren, ist ebenfalls klar. Nachdem Po 210 wirklich ein gefaehrlicher Stoff ist, wuerde es sehr viel Sinn machen, fuer diese Praeparierung das weniger riskante Pb 210 zu verwenden.

Die Schweizer Schlussfolgerung (S. 69) ist auch mit einigen Vorbehalten verfasst:

VI.7 Conclusion

(…) The hypothesis that poisoning with polonium-210 was the casue of teh clinical symptoms was proposed eight years after his death when new toxicological and ratio-toxicologial investigations were performed, demonstrating unexpected high levels of polonium-210 and lead-210 activities in many of the analyzed specimens.

Taking into account the analyctical limitations aforementioned, mostly time lapse since death and the nature and quality of specimens, the results moderately support the proposition that the death was the consequence of poisoning with polonium-210.

Wenn ich den starken Verdacht haette, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, aber dafuer bezahlt werde, etwas ganz Anderes herauszufinden, wuerde ich vermutlich aehnlich formulieren.

Update: Seit 18 Minuten steht folgende Auslandsnachricht in der NZZ:
Letzter Nachweis für Giftmord Arafats fehlt

(dpa) Für einen Giftmord an Palästinenserführer Yasir Arafat mit Polonium 210 fehlen nach Aussage von Schweizer Experten letzte Beweise. Es könne zum jetzigen Zeitpunkt nur nicht ausgeschlossen werden, dass Arafat vergiftet worden sei, betonten die Schweizer Mediziner vom Institut für Radiophysik der Uni-Klinik von Lausanne (CHUV) am Donnerstag.

Schwieriger Nachweis Jahre später

Sie hatten Proben von Knochen und Kleidung Arafats untersucht. Für Gewissheit würden noch viel mehr Informationen gebraucht, sagte François Bochud, Chef der Strahlenphysik. Die Analysen seien besonders schwierig gewesen, da acht Jahre zwischen dem Tod Arafats und dem Beginn der Untersuchungen gelegen hätten.

«Wir konnten nicht kontrollieren, dass die Proben unter Bedingungen konserviert worden sind, die wir uns gewünscht hätten», sagte Patrice Mangin, Chefforensiker der Uniklinik.

(Hervorhebung von mir)

Mir tun die Schweizer Wissenschaftler ein bisschen leid. Sie haben wahrscheinlich eine Vorstellung davon, wie sie manupuliert und instrumentalisiert werden, muessen aber Ruecksichten nehmen – politische (mit Muslimen im allgemeinen und den Palaestinensern im speziellen sollte man sich gut stellen) und finanzielle (was bekommt das Institut fuer seine Untersuchungen und Gutachten?) So verstecken sie sich hinter Einschraenkungen und Winken mit dem Zaunpfahl.

Update zum Update (21.20 MEZ): Inzwischen hat die NZZ den oben zitierten Text voellig umgeschrieben und auch den Titel veraendert. Der zitierte Text ist geloescht worden. War der Wink mit dem Zaunpfahl zu deutlich ruebergekommen? Gab es Beschwerden? Von wem?

Das Argument, mit dem regelmaessig auf Israel verwiesen wird, Polonium sei schwer zu beschaffen und nur Atommaechte koennten darueber verfuegen, scheint falsch zu sein. Im neuen Artikel unter dem alten Link lesen wir:

Auf die Frage der Quelle erklärte Bochud, sein Institut habe auf dem „freien Markt“ solches Plutonium 210 in flüssiger Form erwerben können.

Neu erfahren wir aus diesem Text auch, dass alle Gewebeproben aus dem frz. Militaerkrankenhaus Percy vernichtet wurden, so dass sie unmoeglich untersucht werden koennen. Die Krankenakte ist weiterhin top secret und eine Autopsie wurde damals auch verhindert, aber nicht durch Israel.

Sehr gute Zusammenfassung, warum das Ganze Bloedsinn ist, findet sich hier, und in den Kommentaren dazu.

Die Schweizer muessen wissen, dass sie sich fuer eine neue Ritualmord-Beschuldigung gegen Israel hergeben. Patrice Mangin und Francois Bochud, die Namen werden wir uns merken muessen.