„Die Palaestinenser wollen auch nur in Frieden leben.“


Diese Aussage hoere ich immer wieder. Sie ist ein Teil der Fiktion, dass Menschen im Grunde alle gleich gestrickt seien und es deswegen moeglich ist, von sich auf andere zu schliessen.

Der Gedanke hat ja auch etwas Bestechendes.

Waeren da nicht die innerpalaestinensischen Umfragen, die immer wieder das Gegenteil belegen.

Hier das neueste Beispiel: eine Erhebung durch das PCPRS im Maerz 2014

Schauen wir uns Frage 42 an:

The Framework document that the American side might present to the parties might include an acknowledgement of the 1967 lines as the a basis for negotiations and East Jerusalem as the capital of the Palestinian state. But it might also ask the Palestinian side to recognize Israel as the state for the Jewish people in return for an Israeli acknowledgement of Palestine as the state for the Palestinian people. Do you think the Palestinian side should accept or reject such a Framework document?

Das Rahmenabkommen, das die Amerikaner den Parteien unterbreiten moechten, koennte eine Anerkennung der Linien von 1967 als Grundlage der Verhandlungen und Ostjerusalem als Hauptstadt des Palaestinensischen Staats beinhalten. Es koennte aber auch von den Palaestinensern verlangen, Israel als den Staat des juedischen Volkes anzuerkennen, als Gegenleistung fuer die israelischen Anerkennung Palaestinas als den Staat des palaestinensichen Volkes. Meinen Sie, die palaestinensische Seite sollte ein solches Rahmenabkommen annehmen oder ablehnen? (Uebersetzung von mir)

 

Gesamt Westbank Gazastreifen
Unbedingt annehmen 3.8 4.5 2.5
Annehmen 28.4 26 33.1
Ablehnen 45.2 49.6 36.6
Unbedingt ablehnen 16.9 12.2 26
Keine Angabe 5.6 7.6 1.9

Einer klare Mehrheit der Palaestinenser von ueber 60% ist vollkommen klar, dass jede Anerkennung Israels als juedischer Staat abgelehnt werden muss!

In Frage 57 wird danach gefragt, ob ein Ende des Konflikts nach dem Saudischen Plan akzeptabel waere:

Unbedingt annehmen 5.3 4.2 7.4
Annehmen 38.8 37.8 40.6
Ablehnen 39.2 41.3 35.2
Unbedingt Ablehnen 11.2 8.9 15.7
Keine Angabe 5.5 7.7 1.1

Noch immer finden knapp ueber 50% der Befragte, dass kein Ende des Konflikts akzeptiert werden kann.

In Frage 61 wird noch einmal explizit gefragt:

There is a proposal that after the establishment of an independent Palestinian state and the settlement of all issues in dispute, including the refugees and Jerusalem issues, there will be a mutual recognition of Israel as the state of the Jewish people and Palestine as the state of the Palestinians people. Do you agree or disagree to this proposal?

Es gibt den Vorschlag, dass nach der Schaffung eines unabhaengigen palaestinensischen Staates und der Regelung aller strittigen Punkte, einschliesslich der Fluechtlingsfrage und dem Status von Jerusalem, eine gegenseitige Anerkennung stattfinden wird: Israel als Staat des juedischen Volkes und Palaestina als Staat des palaestinensischen Volkes. Stimmen Sie diesem Vorschlag zu oder lehnen Sie ihn ab?

 

Gesamt Westbank Gazastreifen
Stimme unbedingt zu 3 2.7 3.6
Stimme zu 35.7 36.5 34
Lehne ab 42.7 45.9 36.5
Lehne unbedingt ab 15.8 11.3 24.7
Keine Angabe 2.8 3.6 1.3

Selbst unter diesen Umstaenden – es gibt den palaestinensischen Staat und alle strittigen Punkt wurden geloest – findet noch immer eine klare Mehrheit von knapp 60%, dass  Israel nicht als Staat des juedischen Volkes anerkannt werden darf.

Eigener Staat, Friede, Freude, Eierkuchen – das kommt alles auf der palaestinensischen Prioritaetenliste hinter der klaren Nummer 1: Israel darf nicht anerkannt werden.

Auf die verschiedenen Fragen, wie es denn statt dessen weitergehen solle, kommt ein Kuddelmuddel von Antworten:

Die 2-Staatenloesung aufgeben (Frage 58-3)? Nein.
Gewaltfreier Widerstand (Frage 58-4)? Ca. 60% dafuer
Widerstand mit Gewalt/3. Intifada (Frage 58-5)? Ca. 40% dafuer.
Vermutlich die gleichen 40% befuerworten Attentate auf israelische Zivilisten innerhalb Israels. (Frage 67)
Israelische Waren boykottieren (Frage 59)? Ca. 60% dafuer.
Sind die Boykotts ernst zu nehmen (Frage 60)? Ca. 60% meinen Nein.

Fragen 46 bis 48: Waehrend der Verhandlungen hat sich subjektiv die Lage der Palaestinenser verschlechtert, aber dafuer bekommen sie mehr internationale Unterstuetzung (Frage 49).

Die naechste Intifada wird wohl wieder durch das Geruecht einer Bedrohung der Al Aksa Moschee ausgeloest werden (Frage 45):

Lately, there has been talk about an Israeli threat to al Aqsa. Are you worried or not worried that Israel might change the status quo that has prevailed since 1967, for example by allowing Jews to pray in the Haram area?

In juengster Zeit gab es Gerede ueber eine israelische Bedrohung der Al Aksa. Sind Sie besorgt oder nicht besorgt. dass Israel den Status quo, der seit 1967 in Kraft ist, aendert, indem es z.B, Juden erlaubt auf dem Gebiet des Harams (=Tempelberg) zu beten?

 

Gesamt Westbank Gazastreifen
Bin sehr besorgt 54.5 52.9 57.5
Bin besorgt 38.5 40.7 34.2
Nicht besorgt 4.9 4.3 6.1
Ganz unbesorgt 1.5 1.2 2.1
Keine Angabe 6 9 0

Ueber 90% machen sich Sorgen oder grosse Sorgen, dass die Al Aksa Moschee bedroht waere, wenn Juden auf dem Tempelberg beten duerften!

Ich bleibe bei meiner Einschaetzung vom vergangenen Sommer.

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2 Antworten

  1. […] Wollen die Palästinenser Frieden mit Israel? Beer7 hat mal die Umfragen bei den PalAraber analysiert. […]

  2. […] in ihren eigenen Herzen und Köpfen noch auf diplomatischem Parkett Frieden machen wollen mit der Existenz des jüdischen Staates. Israel wird sich auch weiterhin durch umfassende Blockade und Militäroperationen konsequent […]

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