Variationen zur Wasserluege: Shuafat


Die auch von Martin Schulz kolportierte Luege, Israel stehle den Palaestinensen das Wasser, gehoert offensichtlich zu den antisemitischen Mythen, moeglicherweise ist sie verwandt mit dem Vorwurf der Brunnenvergiftung. Insofern tritt sie auch in immer neuen Varianten auf.

Das sogenannte Fluechtlingslager Shuafat ist in den Nachrichten:

Shuafat gehoert offiziell zur Stadtverwaltung Jerusalem, die Sperranlage, in diesem Fall wirklich eine Mauer, trennt aber einen grossen Teil von Shuafat ab.

Die Einwohner sollen seit Wochen ohne fliessendes Wasser sein.

Im Artikel werden ein paar Faktoren aufgefuehrt, die damit zu tun haben koennten:

1) Die wenigsten  Wohnungen in Shuafat haben Wasseruhren, womit der Verbrauch gemessen werden koennte. Etwa 97% der Bewohner Shuafats bezahlen keine Wasserrechnung.

2) Stattdessen werden wilde Rohre an existierende Leitungen angelegt und Wasser abgezweigt.

3) Niemand scheint genau zu wissen, wieviele Einwohner Shuafat ueberhaupt hat. Offensichtlich bezahlen die Einwohner von Shuafat die kommunalen Steuern zum groessten Teil nicht, auch wenn das uns bekannte +972 Magazin das Gegenteil behauptet.

4) Nicht im Artikel erwaehnt, aber mir in Erinnerung von frueheren Vorkommnissen und bestaetigt durch Frau Porfessor Bulle im im unten verlinkten Artikel: Es ist nicht ungefaehrlich fuer Juden in Shuafat aufzutreten, auch wenn es sich um Servicetechniker des Elektrizitaetswerks, der Wasserversorgung oder um die Muellabfuhr handelt.

Beim Googeln nach Bilder von Shuafat stellen sich mir aber noch ganz andere Fragen:

Das ehemalige Fluechtlingslager ist laengst zu einem staedtischen Viertel geworden. Ich wuerde davon ausgehen, dass die meisten Wohnungen nicht nur keine Wasseruhren haben, sondern ueberhaupt illegal gebaut wurden. Bei den Gebaeuden handelt es sich fast ausschliesslich um mehrstoeckige Haeuser, nicht um Wellblechhuetten, die auf die Schnelle und billig errichtet werden koennten. Wer baut so, in einem Fluechtlingslager?

Prof.  Sylvaine Bulle, Lehrbeauftragete fuer  poolitische Soziologie  an L’Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales in Paris und an der Universite Jean Monnet St. Etienne erklaert uns in Ha’aretz den Hintergrund:

Bulle argues that Palestinian East Jerusalem has undergone unexpected changes since the separation fence was built. The Palestinians, she claims, know the fence is there to stay; what concerns them is staying on its „good“ side, with a Jerusalem I.D. card, rather than being „pushed“ into the West Bank: „They are preparing to live there, to shop, to give their children a better education, to create a reasonable living environment for themselves, not only to survive for survival’s sake without any physical and spiritual assets“ – an approach, she says, that changes the urban fabric entirely.

As evidence of this shift, Bulle cites the Shoafat and A-Ram refugee camps, which „are becoming new cities, born before your eyes.“ More and more people, she argues, now want to stay in these places, because it is in their best interests: Merchants and businessmen are investing money in these areas, furniture and cosmetics stores are relocating there from Jerusalem – all of which „reverses the relation between center and periphery.“ Inaccessible Jerusalem is no longer the primary urban center; immediate, domestic spaces are becoming more central. „The construction along the fence is huge,“ Bulle says. „At the Shoafat camp they planted a garden next to it. Two years ago no one would have believed this would happen.“

Bulle argumentiert, dass das palaestinensische Ostjerusalem unerwarteten Wandel erfahren hat, seit der Trennzaun gebaut wurde. Ihrer Meinung nach wissen die Palaestinenser, dass der Zaun bleiben wird; ihnen ist wichtig, auf der „guten“ Seite zu bleiben, mit einem Jerusalemer Personalausweis und nicht ins Westjordanland abgeschoben zu werden. „Sie bereiten sich darauf hier, hier zu leben, einkaufen zu gehen, ihren Kindern eine bessere Ausbildung zu verschaffen und eine akzeptable Wohngegend fuer sich selbst zu schaffen, nicht nur um einfach zu ueberleben, ohne alle physischen und spirituellen Pluspunkte.“ Diese Herangehensweise veraendere das staedtische Gefuege in seiner Gesamtheit.

Als Beleg fuer diese Verschiebung fuehrt Bulle die Fluechtlingslager von Shoafat und A-Ram an, die „neue Staedte werden, vor unseren Augen geboren“. Mehr und mehr Menschen wollen nun in diesen Orten leben, weil das in ihrem Interesse liegt, sagt sie: Kaufleute und Geschaeftsleute investieren Geld in diese Gegenden, Moegel- und Kosmetiklaeden ziehen aus Jerusalem dorthin um – all das „stelle die Beziehung zwischen Zentrum und Peripherie auf den Kopf“. Das unzugaengliche Jerusalem ist nicht mehr das vorrangige staedtische Zentrum; mit sofortiger Wirkung werden die eigenen Raeume zentraler. „Die Bautaetigkeit entlang des Zauns ist enorm“, sagt Bulle. Im Shoafat-Fluechtlingslager haben sie eine Gartenanlage daneben gepflnat. Vor zwei Jahren haette noch niemand geglaubt, das so etwas geschehen wuerde.“ (Uebersetzung von mir)

Shuafat (das ist die gebraeuchlichere Uebertragung) ist also eine attraktive Wohnadresse, weil das Gebiet zu Jerusalem gehoert. Auch wenn die wenigsten Einwohner Kommunalsteuern bezahlen, haben sie Anrecht auf soziale Leistungen, Arbeitslosengeld, Kindergeld und Krankenversicherung.

Ich wuerde mal vermuten, dass die Bauherren vieler Gebaeude in Shuafat aus den fuehrenden palaestinensichen Clans kommen. Mit den Mieten koennen sich vermutlich leicht goldene Nasen verdienen. Ob die Yasser Abbas, Sohn von Mahmoud Abbas, mit seiner Baufirma „First Option“ auch zu diesen Geschaeftsleuten gehoert?

5 Antworten

  1. Die Untersuchung von Bulle ist von 2008

  2. Und? Inwiefern spielt das Jahr bei dem von mir zitiertem HIntergrund eine Rolle?

  3. […] hat sich mit einer Variante der Wasser-Lüge zur Verleumdung Israels beschäftigt: Was ist mit dem „Flüchtlingslager“ Shuafat? Es ist […]

  4. […] ein konkretes Beispiel, welches zur wiederkehrenden Wasserlüge beitragen […]

  5. […] des EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz  oder bei zahlreichen anderen Variationen der Wasser-Lüge lohnt ein eingehender Blick auf Zahlen, Fakten, Hintergründe und vor allem auch der […]

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