Variationen zur Wasserluege: Gazastreifen


Waehrend der Pessach Halbfeiertage besuchten mein Mann und ich zum ersten Mal das kleine Museum „Wasser und Sicherheit“ im Kibbutz Nir Am.

Der Hintergrund ist faszinierend. Leo Picard, ein aus Deutschland stammender, renommierter Hydrologe und Geologe, identifizierte den Kuestenaquifer, ein Grundwasserbecken, das vom Carmelgebirge bis in die Sinaihalbinsel reichte. Damit war klar, dass wenigstens der westliche Teil der Negevwueste mit Wasser versorgt und besiedelt werden konnte. Um moeglichst schnell eine Wasserleitung legen zu koennen, wurden die Rohre gekauft, die waehrend des Luftkriegs gegen England auf den Strassen Londons verlegt worden waren, um der Feuerwehr jederzeit und flaechendeckend schnellen Zugang zu garanieren.

Gegen Ende der Fuehrung erwaehnte die Dame beilaeufig, dass das Trinkwasser in der westlichen Negev inzwischen von der Entsalzungsanlage in Ashkelon kommt und das Nutzwasser fuer die Landwirtschaft ist recyceltes Wasser aus dem Zentrum des Landes. Ueber die Gruende dafuer schwieg sich die Dame aus.

Der Grund ist der Gazastreifen: Der Kuestenaquifer wird im Gazastreifen seit Jahrzehnten ueberpumpt, Salzwasser und Abwasser dringen in die Grundwasserschicht und kontamieren sie.

Das Verhalten der PA und der Hamas, die seit 2007 de facto im Gazstreifen herrscht, ist nicht weiter ueberraschend. An die Abkommen zur Wasserverteilung, die sie im Rahmen der Oslovertraege unterzeichnet hat, haelt sich die PA nicht. Ihr geht es nicht um Wasser fuer die Bevoelkerung, sondern um Propagandamaterial. Die palaestinensischen Elite hat ja auch nicht unter Wassermangel zu leiden. In den 20 Jahren seit ihrem Entstehen hat die Palaestinensische Autonomiebehoerde kaum in die Wasserinfrakstuktur investiert. Nach eigenen Berichten gehen in der PA ueber 33% des Wassers durch undichte Rohe (oder illegales Anzapfen der Rohre?) verloren. Im Januar 2014 noch stellt USAID fest:

Im Westjordanland sind 5-10% der Haushalte nicht ans Wassernetz angeschlossen , nur 25-35% aller Abwaesser werden gesammelt und von diesen wiederum weniger als 3% recyclet. In der Folge dringt Abwasser ins Grundwasser ein und verbreitet Krankheitserreger. (Polio?)

Und das, nachdem USAid nach eigenen Aussagen mehr als 866 km Wasserrohre verlegt hat und das Wasserverteilungssystem verbessert hat.

Mit anderen Worten, die PA ist inkompetent oder nicht willens, ihrer Verantwortung als Regierung der palaestinensischen, autonomen Gebiete (Zonen A & B) nachzukommen.

Im Gazastreifen sieht es noch schlimmer aus: Der Kuestenaquifer war schon vor 1967, als Aegypten noch dort herrschte, ueberpumpt . Seit 20 Jahren wird von einer Entsalzungsanlage gesprochen, aber nur private Investoren haben kleine Entsalzungsanlagen hochgezogen. Hamas zieht es vor, die Wasserrecylinganlage nicht laufen zu lassen, anstatt zusaetzlichen Treibstoff fuer das Kraftwerk im Gazastreifen zu kaufen, damit die PA keine darauf zu erhebenden Steuern bekommt. Ausserdem sind Metallrohre fuer ein Abwassersytem viel zu schade, wenn sich auch Raketen daraus fertigen lassen.

All das interessiert Frau Bolliger und die NZZ nicht: die israelische Blockade (noch nicht ganze sieben Jahre in Kraft) soll die meiste Schuld haben. Dabei laesst sich selbst diesem Artikel entnehmen, dass die Hamasregierung nichts unternimmt, um wildes Brunnenbohren zu unterbinden, Abwasser zu sammeln und dem Verlust von Wasser entgegenzuwirken. Und auch ein EU-Projekt zum Bau einer grossen Entsalzungsanlage ist umstritten:

Gegner des Projektes meinen, die Entsalzungsanlage nehme einmal mehr Israel aus der Verantwortung.

Das ist palaestinensisch pur: Jede Eigenverantwortung wird kategorisch abgelehnt, weil damit Israel aus der Verantwortung entlassen werde, und das nachdem der Gazstreifen seit 2007 unabhaengig genug ist, um wiederholt Krieg gegen Israel zu fuehren.

Ulrich Sahm gibt eine sehr gute Antwort auf den Artikel von Frau Bolliger.

P.S. 11/08/15: Hamas Admists Gazans Behind Water Crisis. Not Israel

2 Antworten

  1. Danke für diesen Bericht, liebe Ruth.
    Wenn Ihr, die Blogger aus Israel in deutscher Sprache nicht wärt, von wem sollte ich als Einsprachler sonst die Wahrheit erfahren?

    G’tt segne Dich und Deine Familie,

    Herzlich, Paul

  2. […] Wasser: – Beer7 beschreibt das Wasserproblem. […]

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