„Friedenskonferenz“ mit ironischen Elementen


Gestern veranstaltete Ha’aretz, die pro-paelestinesische Zeitung Israels und Lieblingslektuere von Journalisten weltweit, eine „Friedenskonferenz“.

Es wimmelte nur so von ironischen Aspekten:

1) Kein Vertreter der Palaestinenser nahm an der Konferenz teil.

2) Naftali Bennett, der Vorsitzende der rechten Partei „Juedisches Heim“, konnte kaum seine Rede halten. Der Veranstalter, Amos Schocken, musste das Publikum daran erinnern, dass es doch moeglich sein muesste, Bennet anzuhoeren, nachdem man schon mit Arafat gesprochen hatte. Trotzdem wurde seine Rede wiederholt gestoert und als Bennett das Podium verliess, soll er taetlich angegriffen worden sein.

3) Obama liess von seinen Ghostwritern eigens einen Leitartikel fuer Ha’aretz schreiben, der an diesem Tag veroeffentlicht wurde. Darin wird Mahmud Abbas als verlaesslicher Friedenspartner beschrieben: „And, in President Abbas, Israel has a counterpart committed to a two-state solution and security cooperation with Israel.“ Wir wissen, welche Stellungsnahme das Praesidialamt von Mahmud Abbas am selben Tag veroeffentlichte.

4) Die Teilnehmer der „Friedenskonferenz“ mussten ueberstuerzt in Schutzraeume fliehen, weil aus dem Gazastreifen Raketen auf Tel Aviv abgeschossen wurden.

Zusammengefasst: Da gab es ein Klassentreffen mit unbeirrten Friedensprozesslern, die andere Meinungen nicht tolerieren koennen, und von der Realitaet – Krieg – eingeholt wurden.

P.S. Sehr traurig finde ich, dass  der arabisch-israelische Autor, dessen Buecher ich auch kaufe und mehrfach lese, Sayed Kashua,  fuehlt, dass die arabisch-juedische Koexistenz gescheitert ist. Ich bin nicht sicher, ob es sich um ein endgueltiges Scheitern handelt. Aber auch ich empfinde, was Lila ungefaehr so beschrieben hat: Hier brechen Dinge weg, auf die wir uns verlassen hatten. Fuer mich war dies der Knackpunkt. Im Sueden leben wir mit den Beduinen zusammen: Beim Einkaufen, bei Arzt- und Behoerdenterminen, Veranstaltungen ist das Publikum immer gemischt, Juden und Beduinen. Bei der Geburt unserer Kinder war ich in der Entbindungsstation mit vielen Beduininnen zusammen. Meine Lieblingsohrringe habe ich einer beduinischen Silberschmiedin abgekauft. Im Kindergarten war der beste Freund unserer Kleinen ein Junge aus der nahen Beduinenstadt Lakiya. In Hura habe ich immer wieder getankt. Wenn wir dort vorbeifuhren auf dem Weg zu unserem Lieblingspicknickplatz, haben kleine Buben uns zugewunken und wir haben zurueckgewinkt. Dabei bin ich auch immer extra langsam gefahren, eben weil Buben dicht bei der Strasse spielen.

Natuerlich waren es nur wenige Randalierer, die einen Mordanschlag auf israelische Autofahrer veruebt haben. Aber wo waren die anderen Einwohner von Hura? Sie muessen doch gesehen haben (die Stadt liegt an einem Hang mit gutem Blick auf Strasse 31), dass ein Hinterhalt vorbereitet wurde. Auf der Strasse wurde brennender Muell verteilt, damit Autos verlangsamen und anhalten mussten. Die Steinwerfer standen bereit und die Steine waren auch schon im Voraus dorthin geschafft worden. Im Fernsehen sah man den Brocken, der auf Miki Zahawi geschleudert wurde. Das war kein Stein, wie er in der Negev einfach herumliegt, sondern Bauschutt, der eigens an den Strassenrand geschafft worden war.

2 Antworten

  1. Sind diese Element noch Ironie? Oder nicht doch eher schon Zynismus?

  2. […] Meinungen nicht tolerieren können, und von der Realität – Krieg – eingeholt wurden. Beer7, 09.07.14 über die „Friedenskonferenz“ der […]

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