Aus dem Familienleben geplaudert


Uns geht es im Prinzip gut, auch wenn der Hausarrest und die Anspannung an den Nerven zerren.

Normalerweise mache ich am Donnerstagabend den Einkauf im Supermarkt und gehe Freitagmorgen auf den Markt. Ich liebe es, dort frisches Obst, Gemuese, Fisch und Fleisch zu kaufen. Je nachdem, was mich am meisten anlacht, plane ich das Menu fuer Shabbateingang und das Mittagessen am Shabbat.

Gestern abend wollte ich unsere Kleine zum Einkaufen mitnehmen, sie hatte den ganzen Tag die Nase noch nicht vor die Tuer gesteckt. Sie ist  eine furchtbare Troedlerin, an Schulmorgen treibt sie uns oft fast in den Wahnsinn, wenn sie eine halbe Stunde braucht, um ein Paar Schuhe anzuziehen. Und so dauerte es auch dieses Mal sehr lange, bis wir startklar waren. Mit einer Menge leerer Einkaufstaschen und einer mit den Pfandflaschen in der Hand, hatten wir die Haustuer schon geoeffnet, als die Sirene losheulte. Tuer wieder zu und ins Bunkerzimmer. Das war die Serien von Salven mit 2o Raketen und zwei Treffern in Beer Sheva, ueber die ich kurz berichtet habe.

Am selben Abend lieferte eine Salve nach Ashdod ebenfalls zwei direkte Treffer. Und heute morgen, wieder in Ashdod, kam es zu dem Treffer auf die Tankstelle. Dem Himmel sei Dank, nur Verwundete und keine Toten, aber mindestens ein Mensch ist schwer verletzt.

Angesichts dieser Serie halte ich es fuer wahrscheinlich, dass Hamas eine Schwaeche unseres Abwehrsystems, Eisenkuppel, ausgemacht hat und ausnuetzt.

Heute morgen ging ich nicht auf den Markt – dort gibt es keine Schutz vor Raketenangriffen, sondern machte nur Einkaeufe im naechsten grossen Supermarkt, wobei ich unsicher darueber nachdachte, dass daneben grosse Gastanks stehen. Vielleicht haette ich doch lieber zu einem weiter entfernten fahren sollen? Und natuerlich ging ich allein.

Unsere Grosse plant schon seit langem, diese Nacht bei einer engen Freundin zu schlafen. Andere Freundinnen sind auch eingeladen und das waere eine schoene Abwechslung fuer sie. Die Freundin wohnt nicht weit von uns und die Familie hat ebenfalls einen Schutzraum. Vor diesem Hintergrund stimmte ich im Prinzip zu.

Nach den Einkaeufen kam das uebliche Kochen. Mittendrin dachte ich auf einmal daran, dass ich den Maedchen an diesem Wochenende zeigen koennte, wie man mit der Naehmaschine umgeht. Waehrend der naechsten Wochen haetten sie so eine interessante und kreative Beschaeftigung, waehrend ich arbeiten gehe und sie unter Hausarrest stehen. Wir machten also noch einen kurzen Ausflug zum Stoffladen.

Und weiterkochen und sauber machen. Mir geht es aehnlich wie Lila, Hausarbeit beruhigt. Moegen Raketen auf uns abgeschossen werden, wenigsten sind die Ritzen zwischen den Fliesen sauber. Mein Mann reagierte aehnlich und begann, im Garten alles Verwelkte wegzuschneiden. Leider ist es ziemlich viel. Wir experimentieren vielleicht zu sehr, wie man Wasserrechnung und Garten moeglichst effizient ausbalanziert. Aber den Jasmin in der Ecke hat er uebertrieben gestutzt. Hoffentlich spriesst der klaegliche Rest im Herbst beim ersten Regen wieder.

Am Nachmittag bekamen wir ueber Zeva Adom, die Applikation, die uns die Raketenalarme im ganzen Land auf dem Laufenden haelt, die dringende Warnung des Heimatschutzes, dass heute Abend alle zuhause bleiben sollten. Das passt sehr gut zur Ermahnung unseres Premierministers, dass auch die frommen Juden heute lieber nicht oder wenn, dann nur in Synagogen mit Schutzraum gehen sollten. Seufzend verzichteten mein Mann und ich auf den Besuch im Schwimmbad, der auch zu unserer Freitagsroutine gehoert.

Unserer Grossen sagte ich, dass wir sehen wollen, wie sich die Lage entwickelt bis nach dem Abendessen. Wir sassen gerade beim Essen, da kam wieder Alarm, wieder mehrere Salven unmittelbar hintereinander und wieder ein direkter Treffer in Beer Sheva. Unter diesen Umstaenden wollten mein Mann und ich nicht, dass sie bei ihrer Freundin schlaeft. Sie hatte kein Verstaendnis fuer unsere Bedenken und warf uns in typischer Teenagermanier einige Unverschaemtheiten an den Kopf. Damit verbaute sie sich jede Chance, dass wir ihr die Uebernachtung bei der Freundin doch noch erlauben konnten. Oder genauer, ich wurde schon wieder weich, aber mein Mann fuehlt, dass wir heute unmoeglich schlafen koennen, wenn nicht alle Kinder zuhause sind, und da hat er natuerlich auch Recht.

Die verschiedenen, unerfreulichen Szenen haben den Abend weitgehend verdorben. Dabei habe ich die Lieblingsspeisen von allen gekocht und gebacken und wollte spaeter mit Brettspielen einen gemuetlichen Familienabend machen. Inzwischen ist Mitternacht vorbei und ich kann auch mit allen Kindern im Haus nicht schlafen.

 

 

 

8 Antworten

  1. GAnz lieben Gruss von Jerusalem nach B.S. Ruth.
    Alles Gute
    eine ruhige Nacht
    NOa

  2. ב״ה. שבוע טוב לאם ישראל! 

    Kann ich nachvollziehen, daß es mit diesen Sorgen nicht einfach ist innerlich zu Ruhe zu kommen. 

    Hoffentlich ist der üble Spuk bald vorbei für euch, obwohl’s wohl noch etwas dauern muß.

    Möchte mich auch nochmal bedanken für Dein scharfes Auge bei Lila.😉

    Noa schrieb anderswo: „Wir lassen uns nicht unterkriegen!“ 
    Das schreibst Du hier zwischen den Zeilen auch. 
    Schön. Beruhigend.
    Anders geht es nicht. 

    Ein sefardisches Schlaflied.
    http://www.youtube.com/watch?v=qcsXH0Uv-vE

    Tischni tow u-wracha von A.mOr.

    PS/ Hi Noa!😯
    Hatte dieses schon geschrieben, bevor ich Deinen Eintrag las. 
    Auch Dir beste Wünsche nach Jeruschalajim!
    Jep, leichte Nächte euch! 

  3. Danke A.mOr.
    gerade erst deinen kommentar hier entdeckt.
    Noa

  4. In Dortmund („Tod, Tod, Israel!“>) war’s erst der Anfang.

    In Frankfurt wurde über das Mikro des Polizei-Einsatzwagens (!!) folgendes gebrüllt:
    „Kindermörder Israel!“.

    Und in Gelsenkirchen beschreibt die Polizei eine Demonstration als „ruhig und friedlich abgelaufen“, man brüllte: „Hamas, Hamas, Juden ins Gas!“

    Die Antisemiten erobern Deutschland zurück.
    Sie dürfen eben nur keine „Rechten“ sein. Und sich nicht „Antisemiten“ nennen. 

    R-echts = inakzeptabel.
    A-ntisemitismus = akzeptabel.

    Die Leistung von Pallywood und ideologisch Verblendeten:
    Islamfaschismus als „linkspolitisch“ zu adeln.

    ‘National’sozialismus ist Vergangenheit in Deutschland, nun ist es ‘International’sozialismus.

    Die Konstante bleibt der Antisemitismus.

    Entnazifizierung erfolgreich abgeschlossen.

    ~ * ~

    am jisrael chaj – schawua tow le am jisrael!

    A.mOr.

  5. Tja Noa, insbesondere auch Ruth, was ich hier mitteile steht natürlich nicht in einem „Konkurrenzverhältnis“ zu Raketen auf ganz Israel, nichteinmal zu den Krawallen der Araber im Land.

    Aber es ist doch besonders betrüblich, wenn in dem Land, das die Mörder unserer Familien hervorbrachte, und unsagbares Leid über ganz Europa brachte, nun die Antisemiten wieder ihr Haupt erheben und ihre häßlichen Parolen hinausbrüllen.

    Die Polizei verleiht ihre Lautsprech-Anlage und berichtet vom „friedlichen Ablauf“.

    A.mOr.

  6. Ja, A.mOr.
    das ist entsetzlich. Ich finde da auch keine Worte fuer und bin erschrocken. Immer wieder merke ich wie gut es ist, dass wir einen eigenen Staat haben.
    Es ist so widerlich.
    Noa

  7. Noa, 

    ojweh, antijüdische Demonstrationen hat’s inzwischen an vielen Orten Europas gegeben.
    In Paris wurde eine Synagoge mitsamt der Gemeinde von einem Mob angegriffen! 
    Die Gendarmerie hatte es wohl unter Kontrolle, schlimmeres konnte also verhindert werden. 
    Nur die Gewaltbereitschaft maraudierender Banden im Körper der sterbenden Europa wird uns klar vor Augen geführt.

    Umso wichtiger, und nochmal „gerechtfertigter“, daß wir den Staat Israel haben. 

    Ob es in naher Zukunft in Europa viele „gallische Dörfer“ geben wird, im Meer der finsteren Armeen des Mohammed und sonstiger Hunnen-Verbände? 
    Düsteres Bild. Fernab der Realität?

    Ist Dir aufgefallen, daß es aus „westlicher Produktion“ (meist Hollywood) viele Horror-Filme gibt, die die Verbreitung eines Virus behandeln, von denen befallene Menschen zu einer Art „immer hungrigen Zombies“ sich verwandeln und Jagd auf Menschen machen? 
    Böse Phantasie, nicht?
    Aber auch solche Filme entstehen bei den Autoren nicht nur aus dem Nichts wilder Phantasien, oder?

    A.mOr.
    Beste Grüße nach Jeruschalajim – BeerSheva – Jisrael!

    PS/ Apropos Jeruschalajim, setze hier einen Kommentar nochmal hin, den ich bei Lila brachte. Der Aspekt „Salomonische Weisheit“ sollte eigentlich genügen den Blinden Europas vor Augen zu führen, wie fehl sie mit ihrem Anliegen liegen.
    (Liegen auch „Yiddisch“ lesen, bitte.😉 )

    ~ * ~

    Die Araber in alten jüdischen Städten stehen also auf und rufen nach mehr Raketen aus Gasa, mehr Zerstörung wider Israel.

    Und freuen sich über die Raketen.

    Die Araber behaupten, das Land Israel gehörte in Wirklichkeit ihnen. Und sie freuen sich, wenn Raketen Tod und Zerstörung bringen. Sie wünschen das!

    Wir alle kennen doch die Geschichte von den zwei Frauen, die behaupten, daß sie die Mutter eines bestimmten Säuglings wären. 
    Natürlich konnte nur eine der beiden Frauen die Mutter sein, aber wer?

    Schlomo ha-Melech entschied, man solle den Säugling in zwei Hälften schneiden, jeweils eine Hälfte an jeweils eine der Frauen geben. 

    Damit war die arabische Frau einverstanden, aber die jüdische Frau bat den König den Säugling Jeruschalajim zu verschonen, und ihn statt dessen lieber an die arabische Frau zu geben.
    So wußte Schlomo ha-Melech wer die Mutter des Säuglings Jeruschalajim ist. 

    Und gab der Mutter ihr Kind zurück.

    Die kleinen Änderungen in dieser Geschichte bitte ich mir mit Milde nachzusehen.

    Wem gehört Jeruschalajim?
    Denen, die es zerstören (lassen) wollen?
    Denen, die es bewahren und behüten wollen?

  8. Noa, Ruth, alle,

    offenbar habe ich mich getäuscht bei der Wiedergabe der Ereignisse von Paris.
    http://www.dreuz.info/2014/07/alerte-info-attaque-violente-de-deux-synagogues-a-paris-des-juifs-retenus-en-otage/

    [Es folgt die Übersetzung, mit großen Dank an teure Schum!]

    Angriff auf zwei Synagogen in Paris – Juden zu Geiseln gemacht
     
    „Die Araber haben uns angegriffen, sie haben sich die Synagoge vornehmen wollen, eine richtige Zusammenrottung, es gibt Verletzte.“
    Mit diesen Worten hat ein Zeuge den Lynchversuch beschrieben, der heute Abend, 13. Juli, vor der Synagoge der Rue de la Roquette in Paris stattgefunden hat.  
     
    Die LDJ (Jüdische Verteidigungsliga) ist schnell vor Ort gewesen und hat das Schlimmste abgewandt.
     
    Hier ihre Beobachtungen auf Twitter:
     
    LDJ: „Angriff mit Tränengas und mit Messern auf Juden vor der Roquette-Synagoge, wo für den Frieden in Israel gebetet wurde!“
     
    LDJ: „Die Gesichter der Schläger sind mit Palitüchern verdeckt und sie halten die Dschihad-Fahne hoch. Sie grölen ‚Tod den Juden!’. Die Molotowcocktails fliegen über unsere Köpfe hinweg und landen auf der Roquette-Synagoge, vor der wir stehen.“
     
    LDJ: „Mehrere Juden sind verletzt worden (einer von ihnen ziemlich schwer) bei dem Versuch, die Synagoge zu schützen! Es kommen acht Polizeiwagen…“
     
    LDJ: „Der LDJ, dem Betar, dem SPCJ (Ordnungsdienst der Jüdischen Gemeinde) und der Polizei ist es schließlich gelungen, die Schul zu schützen. Die Muslime wollen also die Synagogen Frankreichs niederbrennen.“
     
    LDJ: „Wir haben sicher heute Abend die Tötung von Hunderten von Juden verhindert. Der Islamismus tötet in Frankreich, die Islam-Vertreter müssen reagieren.“
     
    Vor einigen Minuten hat der Innenminister Manuel Valls die Juden angewiesen, in der Synagoge zu bleiben, bis die Lage draußen unter Kontrolle ist.
    (…)
     
    Einige Stunden zuvor haben Anti-Israel-Demonstranten „Tod den Juden“ und „Hitler hatte Recht“ gebrüllt und Al-Kaida-Fahnen geschwenkt.
     
    Im 4. und 11. Pariser Arrondissement wurden Passanten mit den Rufen „Tod den Juden“ beschimpft.
     
    Man berichtet, dass Juden sich in Hauseingängen verstecken, während Pazifisten mit Eisenstangen im Viertel der Rue des Rosiers spazieren.
     
    Ein Demonstrationszeuge:
     
    „Krawallszenen unten, sie schlagen alles kurz und klein.
    Irre.
    „Tod den Juden“ (« A mort les juifs »)
    „Drecksweiße“ (« Sales blancs »)
    „Wie werden euch abfackeln“ (« On va vous cramer »)
    „Hurensöhne“ (« Fils de pute »)
    « Allah oukbar »
    Am Mikrofon ein Gebet bei dem Alle brüllten: Allah hu akbar und: „Tod dem Juden“ (Mort au juif) ins MIKROFON.

    in Vertretung, A.mOr.

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