Beduinen in Israel unter Raketenterror


Gestern Mittag schlug eine Rakete aus dem Gazastreifen in der Naehe von Dimona ein. Dort leben Beduinen in nicht anerkannten Wellblechsiedlungen, Beispiel hier. Ein junger Mann wurde getoetet, sein Baby liegt schwer verletzt im Soroka-Krankenhaus, Mutter und Tante des Babys sind ebenfalls verletzt und im selben Krankenhaus.

Es tut mir sehr leid fuer diese Familie. Vorwuerfe an den Staat Israel sind jedoch fehl am Platz. Man kann nicht gleichzeitig darauf bestehen, in einer nicht anerkannten Siedlung zu leben und fordern, dass der Staat alle Infrastruktur zur Verfuegung stellt.

Auch in anerkannten und legalen beduinischen Staedten und Doerfern sieht es duester aus. Eigentlich verlangen die israelischen Bauvorschriften, dass in jeder Kommune fuer ausreichend Schutzraeume  gesorgt ist. Die beduinischen Kommunen sind diesen Vorgaben nicht nachgekommen. Der Staat Israel wiederum hat seine Aufsichtspflicht nicht erfuellt. Angesichts der jahrelangen und eklatanten Verstoesse gegen die Raumplanungsvorschriften in allen beduinischen Kommunen haette der Staat schon laengst die gewaehlten Ortsvorsteher absetzen und durch staatlich ernannte Buergermeister ersetzen sollen. So wurde z.B. Amram Mitzna zum Buergermeister von Yeruham ernannt, nachdem sein Vorgaenger die arme Kleinstadt in der Wueste ruiniert hatte.

Ich kann nur spekulieren, warum das nicht passiert: Das Thema ist zu heikel, jede staatliche Einmischung wuerde als Diskrimierung der arabischen Buerger empfunden werden und wie schnell internationale Organisationen mit anti-israelischer Agenda auf derartiges anspringen, haben wir ja schon gesehen.

Aus dem Link oben ueber die Zustaende in Rahat vor zwei Jahren:

But a visit to the town Tuesday indicated residents had decided they had nothing to fear, ignoring warnings to stay indoors and to avoid congregating. Those tendencies are a cause of worry for the local officials in charge of their safety.

People in Rahat, one city official said with a grim smile, have a “mental Iron Dome.”

The lively atmosphere in the city — markedly different from the one in the neighboring Jewish city of Beersheba, which feels largely deserted and thoroughly spooked — belies a dangerous reality, according to municipal officials here.

There is not a single public bomb shelter in Rahat — only five small portable rooms of reinforced concrete that were recently delivered and can house a small number of people. Barely half of the homes have safe rooms built to withstand rocket fire, as required by current construction codes. More than half of the residents are under 18, and with schools closed, thousands of children are spending their days wandering around outside.

To make things worse, each building here tends to house an extended clan rather than a small nuclear family, meaning that a direct hit could exact a high toll in human life.

Part of the reason for the lack of safety precautions lies with the government’s long-standing neglect of Israel’s one-fifth Arab minority. Part lies with the fact that Rahat is poor, the local authorities cash-strapped, often dysfunctional, and lacking any meaningful clout with the state offices that dole out funds.

Ein Besuch der Stadt am Dienstag verraet, dass die Einwohner beschlossen haben, sie waeren nicht gefaehrdet. Sie ignorieren die Warnungen, die Haeuser nicht zu verlassen und Menschenansammlungen zu vermeiden. Diese Tendenzen sind ein Grund der Sorge fuer die kommunalen Amtsinhaber, die fuer die Sicherheit zustaendig sind.

„Die Menschen in Rahat haben eine mentale Eisenkuppel“, sagte ein Stadtangestellter mit grimmigen Laecheln.

Die lebhafte Atmosphaere in der Stadt ist deutlich anders als in der juedischen Nachbarstadt Beer Sheva, das sich verlassen und wie eine Geisterstadt anfuehlt und spottet der realen Bedrohung, sagen die Zustaendigen in der Stdtverwaltung.

 Es gibt keinen einzigen oeffentlichen Schutzraum in Rahat – nur fuenf kleine, mobile Raeume aus verstaerktem Beton, die vor kurzem angeliefert wurden und eine kleine Anzahl von Menschen aufnehmen koennen. Nur knapp die Haelfte aller Haeuser haben raketensichere Schutzraeume, wie sie nach derzeitigen Baurecht vorgeschrieben sind. Ueber die Haelfte der Einwohner sind unter 18 Jahre alt und jetzt, wo die Schulen geschlossen sind, verbringen Tausende Kinder ihre Tage draussen.

Was die Lage noch schlimmer macht, in jedem Haus leben ausgedehnte Grossfamilien und keine kleinen Kernfamilien, so dass ein direkter Treffer viele Menschenleben kosten koennte.

Zum Teil wurden die mangelenden Sicherheitsvorkehrungen durch die langjaehrige Vernachlaessigung der arabischen Minderheit durch die Regierung verursacht. Zum Teil liegt es auch daran, dass Rahat arm ist, den kommunalen Behoerden wenig Geld zur Verfuegung steht, sie oft auch unfaehig sind und wenig Einfluss bei den staatlichen Stellen haben, wo Geldmittel bereitgestellt werden. (Uebersetzung von mir)

Viele Beduinen im Negev haben Verwandte im Gazastreifen. So sollen z.B. Schwestern von Ismael Haniye in Tel Sheva verheiratet sein. Ob sie den Beteuerungen glauben, dass die Raketen zwischen Juden und Arabern unterscheiden koennen?

Update 21/07/14: Uebrigens hat der Oberste Gerichtshof einem Eilantrag stattgegeben und geprueft, ob bei der Vergabe von mobilen Schutzraeumen durch die IDF irgendeine Diskriminierung auszumachen sei. Das wurde klar verneint, jedoch verlangt, dass innerhalb von 30 Tagen ein Plan ausgearbeitet und vorgelegt werden soll, wie die Beduinen besser geschuetzt werden koennen.

2 Antworten

  1. Jetzt auch auf „DIE ACHSE DES GUTEN“;

    „Beduinen in Israel unter Raketenterror“

    „Gestern Mittag schlug eine Rakete aus dem Gazastreifen in der Naehe von Dimona ein. Dort leben Beduinen in nicht anerkannten Wellblechsiedlungen, Beispiel hier. Ein junger Mann wurde getoetet, ein Baby liegt schwer verletzt im Soroka-Krankenhaus, Mutter und Tante des Babys sind ebenfalls verletzt und im selben Krankenhaus“.

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/beduinen_unter_raketenterror

  2. […] Beduinen in Israel unter Raketenterror | Blick auf die Welt – von Beer Sheva aus. […]

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