Palaestinensische Identitaet


Eine absolute Mehrheit der Palaestinenser strebt immer noch die Kein-Staat-Israel Loesung an. Der Hass auf Israel ist das konstitutioniernde Element der palaestinensischen Identitaet.

Der Kontext des Interviews von Abdel Bari Atwan im libanesischen Fernsehen ist natuerlich, dass Hamas sich wuenscht, Hizbollah moege eine zweite Front gegen Israel eroeffnen oder wenigstens Waffen schicken.

BBCWatch (hattip) betont, dass Atwan hier offen zugibt, wie Arafat die 2. Intifada von langer Hand geplant und vorbereitet hatte, waehrend die BBC immer noch die Propagandaluegen von wegen spontanen Protesten gegen Sharons Besuch auf dem Tempelberg verbreitet.

Ich moechte das Augenmerk darauf lenken, was er gegen Ende des Clips (1:34) sagt:

This is the spirit that unifies us, even if ideologically Hamas is the exact opposite of Fatah. Despite this, resistance is what unites [the factions] and gives legitimacy.

Das ist der Geist, der uns eint, selbst wenn Hamas ideologisch das genaue Gegenteil der Fatah ist. Trotzdem, Widerstand verbindet [die Parteien] und verleiht Legitimitaet.

Fuer „Widerstand“ kann man getrost Terror lesen. Warum gerade „Widerstand“ das konstitutionierende Element der palaestinensischen Identiaet bildet, hat Richard Landes versucht zu erklaerenWegen der Legitimation, die Terror verleiht, kann Fatah nicht voellig abseits stehen, wenn Hamas Raketen auf Israel abschiesst. Die Medien, gerade auch die israelischen Medien haben kein Sterbenswoertchen darueber berichtet.

Das koennte das Konstrukt erschuettern, wonach Abbas ein Mann des Friedens und der Verhandlungen sei, mit dem ein Abkommen mit ein bisschen gutem Willen und Entgegenkommen (natuerlich nur von Seiten Israels) moeglich waere.

Dass Abbas die letzten Verhandlungen abgebrochen hatte, wird allerseits verdraengt. Mir leuchtet seine Position ein: Die abgehalfterte Fatah haelt sich im Westjordanland nur deshalb an der Macht und an den Pfruenden, weil sie diskret von Israel gestuetzt wird. Im Gegenzug haelt Abbas derzeit seine Autonomiegebiete verhaeltnismaessig ruhig. Noch mehr Entgegenkommen kann er aber nicht zeigen, weil die Bevoelkerung das nicht mittraegt und in der palaestinensischen Gesellschaft auf „Kollaboration mit dem Feind“ die Todestrafe steht.

5 Antworten

  1. Unabhängig davon, was die Palästinenser für einen Identität haben, sagt Dein Post einiges über „Euer“ israelisches Selbstverständnis aus, finde ich. Wenn ich Dich aus meiner realpolitischen und amoralischen Sicht korrekt interpretiere, sagst Du sinngemäß:

    „Israel ist im Nahostkonflikt kein Akteur sondern nur „Re-Akteur“, weil der jüdische Staat nicht in der Lage ist die Entwicklung des Konfliktes zu gestalten. Nur die Palästinenser gestalten die Zukunft, indem sie ihren Kampf gegen Israel entweder mit militärischen oder politischen Mitteln führen.“

    Betrachtet man das israelische Nicht-Handeln der letzten Jahre hingegen als Strategie, die versucht, jede Änderung des Status-Quo mit allen Mitteln zu verhindern, sieht die Sache ein wenig anders aus.

    Dann hat sich auch Israel u.a. durch seine Kompromisslosigkeit bei den gescheiterten Verhandlungen gegen einen politischen Weg zur Gestaltung des Konfliktes entschieden und damit implizit für eine militärische Auseinandersetzung votiert.

    So gesehen endete im April der sogenannte Friedensprozess, im Juni begann der Konfliktprozess mit einem Dreifachmord und seit Juli haben Hamas und IDF die Zukunft des Landes durch Krieg und Zerstörung gestaltet.

    Ob es angesichts des Desasters der letzten Wochen, weiterhin gut für Israel ist, keinen Plan für die Zukunft zu haben, sondern nur eine Strategie, die versucht am Status-Quo der Gegenwart um jeden Preis festzuhalten, finde ich fragwürdig.

    Man kann diese Frage allerdings nur beantworten, wenn man den Staat Israel als Akteur statt als „Re-Akteur“ versteht.

  2. Ludwig, Ihre Dauerbehauptung, dass die Israelis nichts selbst gestalteten, keinen Zukunftsplan hätten und also dauernd verlören, kennt man bereits von woanders her.

    Durch die häufigen Wiederholungen dieser Lieblingsthese wird sie nicht wahrer, sondern bloß absurder.

    Und sie haben keine „realpolitische Sicht“. Sie haben eine irreale und äußerst voreingenommene.

  3. Richtig ist, dass Israel viel weniger Handlungsspielraum hat, als ihm gemeinhin unterstellt wird. Der arabische/islamistische Fruehling und die Folgen veraendern gerade die Parameter. Es macht sehr viel Sinn, diese Entwicklungen erst einmal vorsichtig zu verfolgen und sich nicht aus dem Fenster zu lehnen. So jedenfalls betrachte ich das Abwarten der letzten Jahre und nicht als Festhalten am Status Quo. Aber bitte jeder schaut durch seine Brille.

    Der „Friedensprozess“ war schon viel frueher beendet, die PA und Israel fuehrten unter amerikanischem Druck eine Farce auf und das Ergebnis ist dementsprechend. Ich erinnere mich uebrigens nicht an besondere Flexiblitaet bei Abbas, aber dazu habe ich ja schon im Blogtext geschrieben.

  4. Ja, Beer7, mit wem sollten die Israelis verhandeln?, nicht einmal mit dem terroristisch verbündeten Abbas sind Verhadlungen möglich, man hatte es wahrlich versucht.
    Es findet freilich auf unteren Ebenen eine Kooperation mit der Polizei der Fatach statt, nicht?, etwa wegen der Suche nach den drei Entführten Eyal, Gilad und Naftali. Die zu nichts führte.

    Als der sog. arabische Frühling ausbrach (um sich sofort in eine nach außen angehübschte arabische Neu-Eiszeit zu verwandeln), haben Israelis als Einzige vor einer optimistischen Brille gewarnt. Wie hat man es Netanjahu in der europäischen Presse verübelt. Als dann auch für den Letzten deutlich wurde, dass überall die schlimmen Diktaturen frühlingsgemäß durch schlimmere Diktaturen ersetzt wurden, krähte kein Hahn mehr nach den Tatsachen. Aber das Bild blieb in den Köpfen, dass die Israelis den Arabern nichts gönnten.

  5. Auch in Europa (immerhin in der Basler Zeitung) ist’s angekommen: die „offiziellen“ Zahlen der getöteten Zivilisten in Gasa sind getürkt.

    A.mOr.

    ps/ auch hier werde ich damit niemanden überraschen, aber daß es in Europa ankommt ist schon einen Hinweis wert, nicht?

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