Aegypten und der Gazastreifen


In deutschsprachigen Medien wird ausfuehrlich berichtet, dass Israel die Grenzuebergaenge zum Gazastreifen gesperrt habe, weil am vergangenen Freitag von dort die erste Rakete seit der Aktion Schutzkante auf Israel abgefeuert wurde. Fuer humanitaere Zwecke sind die Grenzuebergaenge Kerem Shalom (Warenverkehr) und Erez (Personenverkehr) aber weiterhin offen.

Weniger praesent ist, was inzwischen an der aegyptischen Grenze zum Gazastreifen passiert.

Vor einer Woche wurden bei einem Terroranschlag auf der Sinaihalbinsel 30 aegyptische Soldaten ermordet, diese Woche wurden dort wieder Anschlaege veruebt, bei denen es viele Verletzte, aber zum Glueck wenig Tote gab.

Die aegyptische Regierung beschuldigt Hamas im Gazastreifen, in die Anschlaege involviert zu sein.

Deswegen wurde sofort nach dem 1. Anschlag der Grenzuebergang zum Gazastreifen abgeriegelt, von humanitaeren Ausnahmen war nicht die Rede.

Darueber hinaus wird jedoch auch eine Mauer zum Gazastreifen errichtet und eine Pufferzone von 500 Meter Breite eingerichtet, innerhalb der Pufferzone ist dann noch ein tiefer Graben vorgesehen. Haeuser, die innerhalb der Pufferzone stehen, werden abgerissen, die Einwohner evakuiert. Entschaedigung erhalten sie nur, wenn unter ihrem Haus kein Tunneleingang gefunden wird.

In Aegypten bekommen betroffenen Bewohner offensichtlich keine Gelegenheit, sich an das Oberste Gericht zu wenden und Einspruch gegen den Abriss ihrer Haeuser einzulegen. Also wurde mit dem Abreissen der Haeuser umgehend begonnen.

Man koennte meinen, das sei die groessere Geschichte als die Einschraenkung des Waren- und Personenverkehrs fuer ein paar Tage (wie erwartet: heute Dienstag, den 4. November sind beide Uebergaenge wieder offen), wie Israel es macht. Aber der Doppelte Masstab gilt auch in den westlichen Medien.

Uebersetzt: „Praesident Abbas! Sie riegeln die Grenze zum Gazastreifen ab, zerstoeren Tunnel, reissen Haeuser ab, verhaften Palaestinenser und nennen die Menschen im Gazastreifen Terroristen! „Verlangt eine UN-Sondersitzung, um Israel wegen dieser Kriegsverbrechen zu verurteilen!“ „Nicht Israel – Aegypten!“ „Na dann, wir unterstuetzen unsere aegyptischen Freunde bei ihrem entschlossenen Vorgehen angesichts des Terrors.“

Update 04.11.14: Auch Khaled Abu Toameh hat zu diesem Thema geschrieben, detaillierter und mit mehr Hintergrundwissen. Denjenigen, die kein Problem mit Englisch haben, moechte ich seinen Artikel ans Herz legen.

Update 20.11.14: Aegypen hat die Pufferzone auf einen Kilometer ausgeweitet. Weitere Familien werden ihre Haeuser verlieren.

Updae 07.01.15: Die aegyptische Pufferzone soll noch weiter ausgedehnt werden, bis auf 2 km vor der Grenze. Das bedeutet noch mehr Hausabrisse und hunderte von Familien, die zwangsumgesiedelt werden, uebrigens nicht unbedingt im selben Ort, Rafah.

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Eine Antwort

  1. […] macht – mal wieder – darauf aufmerksam, dass, wenn zwei das Gleiche tun (tun würden, die anderen machen viel mehr davon!), es immer noch […]

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