Stolze Palaestinenser muessen den Kampf um die Reform von UNRWA anfuehren


Dieser Text wurde gestern Nacht in der Jerusalem Time Online veroeffentlicht.

Hier werden die meisten der israelischen Forderungen gegenueber UNRWA aufgenommen. Nur ist der Verfasser kein Israel, sondern Palaestinenser und langjaehriger Verfechter von Menschenrechten. Seine Argumente koennen daher nicht so leicht als „zionistische“ oder „pro-isrelische“ Propaganda abgetan werden.

Wir Palästinenser können nicht länger unsere Verantwortung für das Schicksal unseres Volkes leugnen. Seit 26 Jahren widme ich mein Leben der Verteidigung der Menschenrechte. Ich habe Krieg und Terror erlebt. Ich lebe in Jerusalem und wurde im United Nations Relief and Works Agency (UNRWA) Flüchtlingslager Shuafat gross, einem von 58 UNRWA Flüchtlingslagern. Die wurden nur für einen einzigen Zweck gegründet: Das palästinensisch-arabische Volk soll unter „provisorischen“ Bedingungen leben, unter falschen Vorspiegelungen und mit der trügerischen Aussicht auf ein „Rückkehrrecht“ in Dörfer von vor 1948, die es nicht mehr gibt.

Als stolzer Palästiner muss ich die Verantwortung übernehmen, für das, was unserem Volk geschehen wird.

Wir können unsere Verantwortung für die Zukunft unseres Volkes nicht länger leugnen

Um weiter agieren zu können, benötigt die UNRWA Tod und das sichtbare Leiden von 5 Millionen Palästinern, die weiterhin in den und um die UNRWA Lager herumlungern.

Je mehr Palästinenser leiden, desto mehr Macht erhält UNRWA. Damit kann sie unkontrolliert Gelder aus humanitären Qüllen erhalten und Munition kaufen. Manche fragen: Warum wird die UNRWA nicht abgeschafft? Leider ist das nicht möglich.

Die einzige Behörde, die UNRWA abschaffen kann, ist die UN Generalversammlung, der das Interesse des palästinensischen Volkes nie am Herzen lag. Schliesslich heimst die UN jährlich über 1.2 Milliarden US$ ein, als „Anreiz“, unseren Flüchtlingsstatus zu verewigen.

Manche fragen: Warum können die Geberstaaten nicht gebeten werden, die UNRWA nicht mehr zu finanzieren? Realisieren sie nicht, das ein Abzug von westlichen Geldern ein Vakuum schaffen würde, das von Nationen wie Qatar gefüllt werden würde, so dass der Westen keinen Einfluss mehr auf die UNRWA Politik nehmen könnte? Die Lösung besteht darin, die Gebernationen zu bewegen, UNRWA zu reformieren und künftige Hilfe an UNRWA von vernünftigen Bedingungen abhängig zu machen.

  1. Alle Gelder für UNRWA, die mit einem Budget von 1,2 Milliarden US$ arbeitet, müssen auditiert werden.
  2. Führt die Anforderungen des UN High Commissioner for Refugees bei UNRWA ein, um eine endgültige Lösung für die Flüchtlinge zu ermutigen.
  3. Schafft den Kriegs-Lehrplan der UNRWA ab, der auf den Prinzipien von Jihad, Märtyrium und Rückkehrrecht mit Waffengewalt basiert.
  4. Verlangt, dass die UNRWA Schulen dem UNRWA Slogan entsprechen: „Friede beginnt hier“.
  5. Entlasst UNRWA Angestelle, die mit Hamas affiliiert sind, die von den Gebernationen als Terrororganisation definiert wird.

Das palästinensische Volk muss gegen die willkürliche Verwaltung der UNRWA rebellieren, die unseren Flüchtlingsstatus verewigen will, anstatt unserem Volk dabei zu helfen, eine bessere Zukunft zu erringen.

Die Palästinenser sehen, dass UNRWA alle Aktivitäten zurückfährt und fast ihr ganzes Budget für Gesundheit und Erziehung einsetzt.

UNRWA behauptet, der Grund dafür sei, dass Geberländer ihren Verpflichtungen hinsichtlich der Überweisung von Geldern nicht nachkommen. Ausserdem bietet UNRWA im Gazastreifen viel mehr Dienstleistungen an als in der Westbank und das bringt die Bewohner der Westbank noch mehr auf. Weiterhin hat UNRWA die Gehälter der lokalen Angestellten seit Jahren nicht angehoben und in vielen Fällen die Angestellten ueber mehrere Monate hintereinander nicht bezahlt, was den Zorn der Palästinenser weiter anheizt und zu vielen Streiks und Konflikten geführt hat.
Seit zwei Jahrzehnten hat UNRWA keine Bevölkerungszählung in den Flüchtlingslagern durchführen lassen. Daher kann Organisation nicht wissen, wieviele Flüchtlinge in den Lagern in den Besetzten Gebieten und in der Diaspora leben. Bis zum heutigen Tag ist diese Zahl unklar. Eine Quelle spricht von 2,5 Millionen Flüchtlingen, während die Palästinensische Autonomiebehört behauptet, dass die Zahl über 6 Millionen liegt. Auf welcher Grundlage berechnet UNRWA ihre Forderung nach Geldern? Haben die Geberländer eine Ahnung, was sie eigentlich unterstützen? Die palästinensischen Flüchtlinge haben jede Hoffnung verloren, dass UNRWA irgendeine Anstrengung unternehmen wird, um sie in ihr Ursprungsland (Rückkehrrecht) zu bringen und sie glauben, dass sie sich mit einer Abfindung zufrieden geben müssen. Aber sie machen sich Sorgen, dass auch diese Gelder von der ausufernden Bürokratie dieses Apparates verschlungen werden, wenn kein Druck auf UNRWA ausgeübt wird.

Meiner Meinung nach ist es unerlässlich eine umfassende Untersuchung in den Flüchtlingslagern im gesamten Nahen Osten durchzuführen, nicht nur um die genaue Zahl der Flüchtlinge zu ermitteln, sondern auch um zu verstehen, was die Palästinenser für sich selbst wollen, was sie sich wünschen und was sie glauben, das sie vernünftigerweise erwarten können.

In den Augen der Palästinenser handelt UNRWA wie ein Staat mit eigener Aussenpolitik. Und diese Aussenpolitik dient nicht den Interessen der palästinensischen Flüchtlinge.

Das sage ich als loyaler Palästinenser. Ich sage das, weil ich mir um die Zukunft meines Volkes Sorgen mache.


Der Autor ist Gründer und Direktor der Palestinian Human Rights Monitoring Group in Jerusalem. Dieser Artikel ist Teil einer besonderen Präsentation für das Britische Parlament und wird von der Henry Jackson Society in London und dem Center For Near East Policy Research gesponsert.

Uebersetzung von mir

Nachtrag vom 10/12/14Chris Gunness, Sprecher der UNRWA, reagierte auf diesen Artikel, als waere jede Kritik an UNRWA Majestaetsbeleidigung. Den Autor, Bassam Eid, konnte er schlecht verleumden, also rief er zum Boykott der Jerusalem Post auf, weil sie den Artikel veroeffentlichte.

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