Nach den Wahlen


Was mich betrifft, so habe ich Likud gewaehlt und bin mit dem Wahlergebnis zufrieden. Meine Argumentation lautet: Herzog haette sich mindestens in den ersten Monaten gegenueber Obama nachgiebig verhalten muessen. Schliesslich hat er vor allem auch damit Wahlkampf betrieben. In diesen kritischen Monaten kann sich Israel keine solche Nachgiebigkeit leisten.

Seit dem Wahlausgang bin ich ueberrascht von der Bitterkeit derjenigen, die ihre Hoffnungen auf Herzog gesetzt haben. Ich arbeite in einem Kibbutzunternehmen und hier wurde zu 90% links (Zionist Union und Meretz) gewaehlt. Heute im Speisesaal: Eine Kollegin erzaehlt, ihre Tochter moechte nicht mehr im Internat sein: Dort gebe es zu viele rechtsradikale Maedchen, aus neueingewanderten Familien aus Frankreich, die Netanyahu waehlten. Eine andere Kollegin sagte, ihr leichtes Fieber sei kein Virus, sondern Bibi. Eine dritte: Ihr Vater sei gerade auf einem Kongress in Italien gewesen. Sie habe ihn angerufen, ob er ueberhaupt zurueckkommen wolle und die Antwort sei gewesen „nur der Enkel wegen“. Ein bisschen erstaunlich finde ich es schon, dass die gleichen Menschen, die sich das Zusammenleben mit Palaestinensern als weitgehend unproblematisch vorstellen, es schwierig finden, mit politisch andersdenkenden Israelis einen zivilisierten Umgang zu pflegen.

5 Antworten

  1. Ein bisschen erstaunlich finde ich es schon, dass die gleichen Menschen, die sich das Zusammenleben mit Palaestinensern als weitgehend unproblematisch vorstellen, es schwierig finden, mit politisch andersdenkenden Israelis einen zivilisierten Umgang zu pflegen.

    Tröste Dich: Die Linken sind überall so, nicht nur in Israel.

  2. Naja, Manfred, andersherum gibt es das auch. Auch wenn ich mir einbilde, dass der moralische Duenkel auf der linken Seite des Spektrums staerker vertreten ist.

  3. Gut bemerkt, danke fuer den Einblick.
    Tragisch finde ich es.

  4. Ein etwas anderes Netanjahu-Bashing:

    „Stefan Frank: Sollte also Netanjahu sagen: Ihr könnt mich mal, es wird keinen palästinensischen Staat geben?

    Tuvia Tenenbom: Ja, das sollte er, aber er ist einer der größten Versager in der israelischen Regierung. Er weiß einfach nicht, wie man etwas macht. Er weiß nicht, wie man der Welt entgegentritt, er kann nur reden, reden, reden. Schau dir den Gaza-Krieg vom letzten Jahr an. Er hätte die Hamas zerstören sollen.

    Stefan Frank: Netanjahu sagt, dass eine Invasion und Besatzung zu viele Kräfte für zu lange Zeit gebunden und die Leben zu vieler Soldaten gekostet hätte. Und sobald sie abziehen, geht alles wieder von vorne los. Diese Erfahrung, so sagt er, habe die US-Armee in Fallujah gemacht.

    Tuvia Tenenbom: Zuerst einmal hätte er die Soldaten gar nicht von Anfang an einsetzen müssen. Es gibt Flugzeuge. Er hätte Gaza bombardieren sollen und dann erst die Soldaten hineinbringen.

    Stefan Frank: Du meinst Flächenbombardements?

    Tuvia Tenenbom: Ja, es tut mir leid, aber das ist die einzige Art, wie es funktioniert. In Gaza sind die Rackets überall. Das Land ist ein einziges Munitionsdepot, einer der seltsamsten Orte auf dem Planeten.

    Stefan Frank: Ist Netanjahu ein Feigling?

    Tuvia Tenenbom: Er ist einer der größten Feiglinge Israels.

    Stefan Frank: Weil er Angst vor Obama hat?

    Tuvia Tenenbom: Er hat vor jedem Angst. Er hat eine sehr schlechte Wahl getroffen, als er zugelassen hat, dass Israel über Wochen hinweg mit Raketen bombardiert wurde. Das ist ein Verbrechen, für das der Ministerpräsident verantwortlich ist. Jeden zweiten Tag hat er eine Kabinettssitzung abgehalten. Er hat die Soldaten denken lassen: Wir starten. Und hat sie dann gestoppt. Starten und stoppen. Er hat den Geist der Soldaten getötet. Ich bin an die Grenze gefahren und habe mit ihnen gesprochen. Sie sagten: Wir wussten von diesen Tunnels, wir haben gesehen, wie die Hamas sie gegraben hat. Und trotzdem wurde Israel überrascht. Das ist lächerlich.“

    Quelle: http://lizaswelt.net/2015/03/11/die-welt-hasst-israel-immer-mehr/

  5. […] es schwierig finden, mit politisch Andersdenkenden Israelis einen zivilisierten Umgang zu pflegen. Beer7, 23.03.15 über die Reaktionen von Linken (nicht nur Politikern) auf Netanyahus […]

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