Die Attentaeterin von Afula (am 9. Oct. 15)


Am Freitag gelangte eine junge Frau in den Zentral-Busbahnhof von Afula. Dort zueckte sie ein grosses Messer und fing an zu kreischen, sie sei eine Terroristin. Die Frau wurde im Handumdrehen von Polizisten und Soldaten umringt, die ihr zuriefen, das Messer fallen zu lassen. Als sie das nicht tat, wurde sie in die Beine geschossen. <a href=“http://„>Die Szene kann hier gesehen werden.

Wenig spaeter erfuhren wir, dass die Frau Isra Avad heisst, 30 Jahre alt, geschieden ist, eine Tochter und einen Studienabschluss vom Technion in Haifa hat. Sie lebt mit ihrer Tochter im Haus ihrer Eltern in Nazareth und ist israelische Staatsbuergerin. Bisher wurde sie nie in irgendeinem terroristischen Kontext aktenkundig.

Mein Mann und ich haben den Eindruck, dass diese Frau nicht wirklich ein Messerattentat begehen wollte. Wir spekulieren, dass sie mit ihrer Situation im Leben ungluecklich ist: als geschiedene Mutter bei ihren Eltern lebend. Moeglicherweise fuerchtet sie auch wegen einer Beziehung zu einem Mann das Opfer eines „Ehrenmordes“ zu werden. Da bietet sich der Ausweg an, als Terroristin den Heldentod zu sterben.

Wahrscheinlich waere es auch moeglich gewesen, die Frau zu ueberwaeltigen, ohne auf sie zu schiessen. Aber ich kann schlecht von den Polizisten verlangen, dass sie dieses Risiko auf sich nehmen. Die Schuesse in die Beine sind moeglicherweise auch fuer die Frau selber lebensrettend. Als verletzte Terroristin hat sie vielleicht genuegend Heldennimbus erworben, um nicht der „Familienehre“ geopfert zu werden.

Das Los vieler muslimischer Frauen ist tragisch. Diese Frau muss hochintelligent und fleissig sein, sonst haette sie nie einen Abschluss am Technion, einer der besten Universitaeten Israels, geschafft. Gleichzeitig ist sie durch die Konventionen so eingeengt, dass sie nicht aus dem Elternhaus fortziehen und ein selbstaendiges Leben fuehren kann.

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43 Antworten

  1. Und sie lebt, mitten in Israel, in einer Umgebung, in der ein versuchter Mord an Unschuldigen ihr mehr Ehre bringt als ein Abschluß am Technion.

    Eigentlich unfaßbar.

  2. Da hast Du Recht! Die Mentalitaet von vielen muslimischen Familien ist erschreckend. Aber das darf auf keinen Fall mit dem Islam in Verbindung gebracht werden, das waere ja islamophob.

  3. Hat dies auf psychosputnik rebloggt.

  4. Liebe Ruth,
    mich erinnert was Du schreibst spontan an einen Roman (geschrieben 2005). Ich weiss, es passt nicht ganz zu Euern Überlegungen – trotzdem.
    „Yasmina Khadras jüngster Roman ist hoch aktuell, und er erzählt die Geschichte einer tiefen Verunsicherung. Sein Protagonist ist Amin Jaafari, Araber in Israel, mit einer ungewöhnlich erfolgreichen Karriere als Arzt. Ein palästinensischer Selbstmordanschlag lässt sein Leben jedoch aus den Fugen geraten. Nicht nur ist seine Frau Sihem dabei ums Leben gekommen – sie ist sogar verdächtig, die Attentäterin selbst zu sein. Jaafaris Nachforschungen werden zu einem einzigen Leidensweg der Demütigungen. Der Rezensent Jürgen Berger lobt diesen Roman als „hart entlang tatsächlicher Gegebenheiten“ geschrieben – und erklärt, dass er mehr Einblicke in die gegenwärtige Lage im Nahen Osten vermittelt als einschlägige Fernsehberichte. Da nimmt er auch die eher „essayistischen Exkurse“ des Autors in Kauf, die sich nicht recht in die Romanhandlung fügen wollen“.
    Quelle: https://www.perlentaucher.de/buch/yasmina-khadra/die-attentaeterin.html
    Gruss
    Urs

    • „… Protagonist ist Amin Jaafari … Jaafaris Nachforschungen werden zu einem einzigen Leidensweg der Demütigungen.“

      Wäre spannend zu wissen, wen Khadra diese Demütigungen austeilen lässt. Da unke ich mal: Die Israelis naturgemäß, weil Amin Jaafari edel ist, hingegen jene seien es nicht.
      – Hast Du das Buch gelesen, Urs?

    • @Aristobulus Ja.

    • @Aristobulus
      „Die Israelis naturgemäß, weil Amin Jaafari edel ist, hingegen jene seien es nicht“. Es ist leider komplizierter…

    • 🙂

      Wie sieht Khadra denn ‚die Israelis‘?
      Also z.B. den kleinen Netanyahu von nebenan. Da kommt bestimmt einer vor. Zählt der für sie als rassistischer Faschist, oder (realistisch) als einer, der sich & Familie nur nicht umbringen lassen will?

    • @Aristobulus
      Sie haben diesen Roman ganz offensichtlich nicht gelesen…. Egal.

    • Na klar hab ich ihn nicht gelesen – hätte ich Sie sonst so obstinat befragt?
      Und waren wir nicht per Du?, man kennt sich seit über zehn Jahren.

      – Wie sieht die Khadra denn nun sog. rechte Israelis?

    • Lieber Urs,
      ich habe die verlinkte Rezension gelesen. Das scheint ein sehr interessantes Buch zu sein. Wenn der KIndlepreis etwas niedriger waere, haette ich es gleich gekauft. Das naechste Mal, wenn ich mir etwas Gutes tun moechte, kann ich ja zulangen. Danke fuer den Hinweis.

    • Robert, wenn Du dem Link folgst, wirst Du erfahren, dass das Pseudonym zwar weiblich klingt, der Autor aber ein Mann ist. Irgendwo – vermutlich – bei Amazon, habe ich die Kritik eines Israelis dazu gelesen. Er regt sich ueber Kleinigkeiten auf, wie z.B. dass der Arzt aus Jenin stammt und die Frau aus Nazareth, wo es doch umgekehrt mehr Sinn machen wuerde, oder dass alle sich nach Norden umdrehen, als sie eine Explosion hoeren, obwohl der Ort des Attentats in Wirklichkeit suedlich vom Standort liegt. Aber darueber, dass die Israelis in dieser Erzaehlung klischeehaft gezeichnet werden, beschwert er sich nicht…

    • Also hätt‘ ich halt gern von Urs erfahren, dessen Meiung ich schätze, was darin auf welche Weise über Israelis steht 🙂

    • Liebe Ruth,
      Danke. Zu Yasmina Khadra könnte man auch dies lesen (das geht an die Adresse von Robert https://de.wikipedia.org/wiki/Yasmina_Khadra .
      Zum reinlesen siehe hier: http://www.dtv.de/_pdf/blickinsbuch/13645.pdf?download=true
      Du hast geschrieben: „Das Los vieler muslimischer Frauen ist tragisch. Diese Frau muss hochintelligent und fleissig sein, sonst haette sie nie einen Abschluss am Technion, einer der besten Universitaeten Israels, geschafft. Gleichzeitig ist sie durch die Konventionen so eingeengt, dass sie nicht aus dem Elternhaus fortziehen und ein selbstaendiges Leben fuehren kann“.
      Daraufhin mein spontaner Einfall mit dem Buchhinweis.
      Ergänzung: Auch wenn Sie hätte fortziehen können heisst dies noch nicht sehr viel. Darum geht es in der Geschichte von Mohammed Moulessehoul.
      Heute war ich sehr beschäftigt. Ich konnte deshalb nicht früher antworten. Entschuldigung.
      l’chaim und Gruss
      Urs

    • *wieder nachhak’*

      In ein kurzes halbes Auswahlkapitel reinzulesen oder diese bestimmte Rezension (beim Amazon?, die ich kenne, aber den Rezensenten kenne ich nicht) reichen mir aber nicht.
      Pardon, ich möcht‘ halt wissen, was Khadra genau über die Israelis schreibt (just über sog. rechte Israelis), und wie er sie dem Leser darstellt.
      Warum soll ich denn so oft nachhaken und wieder fragen, den, der das Buch gelesen hat, was da nu so drinsteht?

    • P.S.
      Laut Wikipedia (der ich in wissenschaftlicher Hinsicht traue, aber in puncto Nahost, mohammedanischer Terrorismus und Todeskult usf. kann man den Schreibern & Korrektoren der Wikipedia absolut nicht trauen) schreibt Khadra allgemein über religiösen Fanatismus, über „Religiopathie“, wie er sie „als Moslem“ nennt.
      Es ist eine sehr verbreitete Auffassung, dass in Nahost beide Seiten diesen Fanatismus hätten. Dieses Gehubere mit beiden Seiten ist mittlerweile zu einem Denk-Automatismus geworden, dermaßen verinnerlicht, dass z.B. die TAZ über den neuen Rabbiner einer deutschen Großstadt titelte, „Religiöse auf dem Vormarsch!“

      Aus diesem kühlen Grunde hätte ich halt gern gewusst, ob Khadra in der Lage sei, die Israelis und die Fantastinenser in Sachen Religiopathie nicht auf die selbe elende Stufe zu stellen.

  5. Vielleicht habt ihr ja recht mit eurer These, was den seelischen Druck auf diese Frau angeht. Schlüssig genug, und tragisch.

    Anmerkung.
    „Wahrscheinlich waere es auch moeglich gewesen, die Frau zu ueberwaeltigen, ohne auf sie zu schiessen.“

    Sag ich’s mal von der „trainierenden Seite“ aus: wenn ein Messer im Spiel ist, dann hört der Spaß auf, vollkommen gleich, wie geübt die angreifende Person mit dem Messerumgang ist.
    Eine Klinge ist eine Klinge. Sie kann töten, auch „unabsichtlich“.

    Vielleicht wäre eine Überwältigung ohne Fangschuß möglich, das Risiko von schwerer (bis lebensgefährlicher) Schnittverwundung jedoch ist immens hoch, auch bei Menschen (zB Polizisten), die solche Einsätze im Training üben.
    Messerentwaffnung darf nur im Notfall (zB, der/die Angegriffene hat keine andere Möglichkeit) im Nahkampf entschieden werden.
    Wenn man mit einem Messer attackiert wird, dann ist eines „sicher“: man wird Schnittwunden erhalten. Darauf sollte man dann eingestellt sein.

    Wozu also die Sicherheitskräfte einem Risko aussetzen, daß sie mit einem verhältnismäßig harmlosen Fangschuß ausschalten können?
    Das Risiko (aus welchen Gründen auch immer) geht die Person ein, bzw übt es aus, die mit einem Messer andere bedroht.

    • Mag ja alles so sein, geht aber am „Schlüssig genug, und tragisch“ voll vorbei.

      Nur bedenkenswert oder gar tragisch ist nicht dieser Angriff oder die professionelle Lösung durch israelische Polizei.
      Fürchterlich ist, dass gut ausgebildete und selbständige Araberinnen, ja grad die!, von ihren Familien als Ehrenschändung angesehen werden.

      Fürchterlich, weil nicht tragisch. Tragisch ist z.B. ein unverschuldeter Unfall oder sonst ein blinder, böser Zufall. Die Knechtung mohammedanischer Frauen ist hingegen nicht tragisch, weil sie nicht von selbst geschieht. Sondern die ist von mohammedanischen Brüdern und Vätern gewollt, gesteuert und durchgesetzt.

  6. A.mOr
    Du hast natuerlich Recht, und ich hatte auch geschrieben, den Polizisten dieses Risiko nicht zugemutet werden kann. Mein Eindruck war nach mehrmaligem Ansehen des Videos und mit dem Wissen um den Hintergrund dieser Frau, dass sie nicht wirklich jemanden toeten oder auch nur verletzen wollte. Aber den Polizisten in der konkreten Situation standen diese Informationen nicht zur Verfuegung. Auch kann es gut sein, dass gerade eine Ueberwaeltigung ohne Schusswaffen die Frau zur Verzweiflung getrieben haette, weil sie Maertyrerin oder mindestens als Heldin aus dieser Sache hervorgehen musste. Wir wissen alle, wie gefaehrlich jemand ist, der sich in die Enge getrieben sieht.

  7. Hat dies auf janinonyy's Blog rebloggt.

  8. Ruth,
    „Mein Eindruck war nach mehrmaligem Ansehen des Videos und mit dem Wissen um den Hintergrund dieser Frau, dass sie nicht wirklich jemanden toeten oder auch nur verletzen wollte.“

    Den Eindruck habe ich als Betrachter des Videos auch. Sie wirkt schon recht verzweifelt und „fahrig“, unentschlossen. Eigentlich selbst extrem verletzlich.
    Was sie leider nicht potentiell ungefährlicher macht. Gerade eben, wie Du zurecht anmerkst, in einer Situation, in der sie sich in die Enge getrieben fühlt. Möglicherweise sogar unter „öffentlichem Druck“.
    Wer kann das ermessen?

    „Wozu also die Sicherheitskräfte einem Risko aussetzen, daß sie mit einem verhältnismäßig harmlosen Fangschuß ausschalten können?“
    (Mein Satz aus dem vorhergehenden Kommentar.)

    Ich wollte damit nicht „unterkühlt“ wirken. Sondern so wie Du auch das Verständnis für die Sicherheitskräfte einräumen.
    Und diese wiederum haben nicht „nur“ Verantwortung für ihre eigene Versehrtheit, sondern eben auch gegenüber den Menschen ringsherum solche Verantwortung übernommen. Weil es ihr Job ist.
    Denn was die Eskalation durch das Verhalten der Frau betrifft, es geht ja nicht nur darum, daß sie an sich mit der Klinge in der Hand eine potentielle Gefahr für andere ist.

    Es geht für die Sicherheitskräfte auch darum, das Geschehen drumherum im Blick zu behalten. Schwer möglich so ohne weiteres. Vielleicht unter günstigeren Umständen wäre es möglich gewesen, daß man der Frau Zeit läßt zu Atem zu kommen, so daß sie freiwillig (nachdem sie wieder zu sich gekommen ist) das Messer übergeben hätte ohne weitere Eskalation. Nur vorausgesetzt, daß das überhaupt von ihrer Seite aus möglich gewesen wäre. Es ist jedoch keine isolierte Situation in einem „Wohnzimmer“ oder in der „Küche“, zB, wo man etwas geduldiger mit der Situation umgehen könnte, ohne im Rücken noch Bedrängnis zu fühlen oder zu befürchten.

    Das Video ist für alle Annahmen hier unsererseits nicht klar genug, denke ich, wir sehen eben nur den Ausschnitt aus der Linse.
    Der Fangschuß war offenbar die einzige Möglichkeit, um die Lage möglichst schnell zu Deeskalieren.
    Es wirkt tatsächlich so, als sei es überzogen.
    Nur wie schnell kann aus dieser vermeintlich „harmloseren“ Situation ein großes Gemenge werden? Und wer will dann abmessen, welche Waffen noch ins Spiel geraten? Will sagen, da kommt dann ein gewisser Zeitdruck hinzu.
    Und manches Geschrei im Hintergrund wirkte auch nicht vertrauensbildend für mich.

    Andere Sache.
    Um bei unserem (nicht unmöglichen) Bild zu bleiben: es kann sein, daß bei ihr „seelischer Druck“ zu einer Überreaktion führte, dann wäre es eine Verzweiflungstat. Planlos und spontan tat sie ohne einen klaren Gedanken (erst recht nicht zu Konsequenzen) zu fassen. So wirkt sie auch.
    Aber es kann genauso gut sein, daß vorher auf sie Druck ausgeübt wurde, sie aber überhaupt nicht wußte, wie sie damit umgeht.
    Für beide unklar beschriebenen Szenarien wäre eine Verzweiflungstat eine in Frage kommende Erklärung ihres Verhaltens.
    So oder so, vielleicht war ihres „ganz einfach“ der Ausbruch eines verzweifelten Kampfes gegen ihre als unerträglich empfundene Hilflosigkeit?

    Und auch ist es nicht auszuschließen, daß sie tatsächlich gezielt dahin geschickt wurde.
    Ohne weitere Instruktionen als eben da mit dem Messer Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen…

    Die „Motivierten“ werden wieder versuchen es „politisch“ auszuschlachten, und manipulativ zu deuten.
    Das Schema kennen wir.

    Soweit Spekulationen von meiner Seite.

    Weißt Du inzwischen mehr über mögliche Hintergründe ihres Tuns?
    Nicht nur unseren Leuten da wünsche ich alles Gute. Auch dieser Frau gute Genesung, sollte sie hilflos aus purer Verzweiflung gehandelt haben.
    Dann wäre es sozusagen ein Hilferuf, deutlicher geht’s kaum. Und hoffentlich kann sie Hilfe annehmen, und hoffentlich verweigert es ihr die eigene Familie nicht.
    Alles Gute!

    • Was soll es bringen, darüber zu spekulieren, ob „der Ausbruch eines verzweifelten Kampfes gegen ihre als unerträglich empfundene Hilflosigkeit“, usf.?

      Selbst, wenn meine folgenden Zeilen gefühllos wirken, was nützt Mitleid (weil ja nicht Mitgefühl)? : Die Frau wurde gewalttätig, hat den ihr wohl aufgezwungenen Mohammedanismus auf nicht andere als mohammedanische Weise ausgelebt: Hat sich also selbst zum Sklaven einer Sklavengesellschaft gemacht.
      Das hätte sie nicht müssen.
      Sie hat entschieden, sich als Messerstecherin zu gebärden. Wer das tut, überschreitet eine Grenze, nämlich die zum Terroristendasein. Das wollte die Frau so. Nennt sich Vorsatz.

      Und: Warum überhaupt sollte sie zuvor verzweifelt oder hilflos gewesen sein?
      Waren die beiden gestrigen Messerstecher von Bejt Hannina verzweifelt oder hilflos? Wozu hätten sie das sein sollen?
      Und wer will, dass es so wirken soll?

  9. Aristobulus
    meinen Beitraegen kannst Du entnehmen, dass ich tatsaechlich Mitleid mit der Attentaeterin von Afula und den beiden Kinder-Terroristen aus Beit Hanaina empfinde.
    Auf muslimische Frauen wird teilweise in einer Weise Druck ausgeuebt, dass kaum noch von freien Entscheidungen die Rede sein kann. Und die beiden Buben aus Beit Hanina sind mit Sicherheit auch Opfer der Erziehung zum Hass und zur Gewalt, die ihnen angetan wurde. Das ist keine Rechtfertigung, aber bei mir reicht es fuer Mitleid.
    Und ja, von meinem Mitleid kann sich niemand etwas kaufen. Andererseits spreche ich mit meinen Kindern darueber und kann so vielleicht bewirken, dass sie trotz des Terrors einen differenzierten und hassfreien Blick bewahren.

    • Das ist aber Mitgefühl, Ruth – kein Mitleid.

      Mitleid haben etwa Victor Kocher von der NZZ (wenn’s den noch gibt?), oder der notorische Jürgen Totenhöfer, die zweckbehaupten, dass Fantastinenser immer verzweifelt & hilflos seien, weil von den Juden als Daueropfer dauergedemütigt.
      So ist Mitleid, nicht?, romantisierend am Anderen vorbeizusehen, um sich hinten selber zu spiegeln, indem es da beim Mitleidsakt nicht um den Anderen geht, sondern um denjenigen, der sich darin gefällt.

      Mitgefühl ist ganz was Anderes.

    • Mitleid haben etwa… Die allerdings haben diese* Sorte Mitleid mit Attentätern wie diesen**

      *https://heplev.wordpress.com/2015/10/13/qualitaets-ignoranz/

      ** http://ak-hdl.buzzfed.com/static/2015-09/16/13/enhanced/webdr06/enhanced-3514-1442424073-1.jpg
      (Bild aus: http://www.buzzfeed.com/beckyss/everything-you-need-to-know-about-the-clashes-on-t-1u77t )

      Mithin also keine menschliche Regung des Mitgefühls. Eher eine Art Ausdruck der überlegenen Moralleidensfähigkeit oder wie auch immer man es bezeichnen will:
      diese Regung deklassiert Attentäter als jemanden die es nicht besser können,
      Attentatsopfer als jemanden die es nicht besser verdienen,
      diejenigen die das Attentat als böse sehen als jemanden die es nicht besser wissen;
      und wertet sich selbst auf als diejenigen die für alle anderen entscheden was besser ist.
      Widerlich, und hat mit echtem Mitgefühl garnichts zu tun – eher Mitgefühl von innen nach außen um sich hinten selber zu spiegeln. Projektion gemischt mit dem Hineinversetzen in das Opfer vonseiten des Folterknechts, um dieses effektiver quälen zu können.

      Mit einem Wort: Bäh.

  10. Aristobulus (Oktober 13, 2015 at 1:33.)
    Die Frau wurde gewalttätig, hat den ihr wohl aufgezwungenen Mohammedanismus auf nicht andere als mohammedanische Weise ausgelebt: Hat sich also selbst zum Sklaven einer Sklavengesellschaft gemacht.
    Das hätte sie nicht müssen.

    Wie wir den Videobildern entnehmen können, hat sich die Frau zwar als Bedrohung gezeigt, aber sie wurde de facto nicht gewalttätig. Vielleicht, weil sie keine Chance bekam. Das wissen wir nicht.
    Sie hatte das Messer in der Hand, sie hätte damit auch ganz anders agieren können. Wer hätte sie hindern können einfach zunächst unerkannt im Gemenge mit dem Messer Menschen zu attackieren, bevor sie sich „offen präsentiert“?
    Genau so geschieht es dieser Tage viel zu häufig.

    Warum also wurde sie nicht gewalttätig, „obwohl sie Moslem ist“?
    Womit ich für sie den Verdacht aufhebe (ohne es wissen zu können) sie als „Mohammedanerin“ zu bezeichnen. „Mohammedaner“ sind für mich die Leute, die den gewalttätigen Aspekt des „medinischen“ Mohammed nacheifern, nicht allgemein die, die „einfach so“ in die moslemische Gesellschaft hineingeboren wurden.
    (Juden können auch nichts dafür als Juden geboren zu sein. Dennoch gibt es allzuviele, die Juden unter Generalverdacht -mal harmlos formuliert- stellen. Es ist Unrecht. Willst Du solches Unrecht befördern?)

    Ob sie sich selbst „zum Sklaven“ gemacht hat oder (zu etwas) gezwungen wurde, oder ob sie „ganz einfach“ eine Frau mit schwerer psychischer Belastung war/ist (These: Verzweiflungstat) oder welche Gründe sie für ihr Tun sonst noch gehabt haben könnte, wir wissen es nicht. Oder? Wir spekulieren.

    Definitiv, finde ich, hat sie sich nicht „mohammedanisch“ verhalten. Dann hätte sie nämlich Ziele für ihre Klinge gefunden, sehr wahrscheinlich.
    Daß sie eher aus anderen Gründen auf sich aufmerksam machte (eher aus einer seelischen Streßsituation/Notsituation heraus), dafür sprechen die Bilder.
    Es ist trotzdem auch möglich, daß sie ganz bewußt (oder gezielt und bewußt in diese Situation gedrängt) eine Art von „Aktionismus“ dort vorspielte.
    Zur Beförderung von „Pallywood-Productions“.

    Was Menschen „müssen“ kann keiner von uns wohl ohne weiteres ermessen.
    Jedoch weiß ich ganz genau, daß man manche Dinge im Leben akzeptieren „muß“, ob man will oder nicht, ob man sich dem verweigert oder nicht. Und es gehören dazu Dinge, die einem angetan werden.
    Vielleicht konnte diese Frau nicht akzeptieren? Vielleicht brauchte sie einfach ein Ventil, daß ihr die eigene Familie nicht erlaubte?
    Vielleicht wollte sie („spontan“) lieber tot sein, als so weiter zu leben? Nur Spekulation.

    Auch was die verhetzten Kinder aus moslemischer -bzw dann wohl tatsächlich eher „mohammedanischer“- Gesellschaft angeht, sie sind trotz allem Kinder. Sie verfügen nicht über ein starkes psychisches Grundgerüst, um sich gegen Indoktrination (gerade, wenn sie von Nahestehenden kommt) souverän zu erwehren. (Nicht mal Erwachsene schaffen das ohne weiteres.)
    Und wissen wir, mit welchen Mitteln solche Kinder „indoktriniert“ werden? Welche Formen der Gewalt (zB zur „Abhärtung“, „Verrohung“…) Anwendung finden? Ich kann mir einiges vorstellen, um ein seelisches Gefüge eines Kindes komplett auseinander zu reißen, um es dann neu zu formen (bzw in schadhaften Fragmenten zu bestärken) im Sinne derer, die Kinder „zu Waffen“ erziehen.
    Und physische Gewalt (wie auch immer) spielt bei solcher „Erziehung“ letztlich eine untergeordnete Rolle.

    Zwar sind Kinder/Jugendliche mit der Waffe in der Hand eine tatsächliche Bedrohung.
    Und sie setzen die Waffe(n) auch ein, viel zu viele Beispiele (alleine) dieser Tage belegen uns das. Das muß man ernst nehmen, und entsprechend handeln.
    Trotzdem, auch ich finde, daß mein Mitleid für die Kinder kein hochfahrender Luxus ist, sondern eine ganz menschliche Reaktion.

    Manche Dinge kann nicht jeder verstehen. Obwohl sie allzuhäufig vor aller (auch geschlossenen) Augen sich entwickeln und abspielen.
    Etliche Menschen (sicher ganz zurecht) sind erleichtert, daß so mancher Kelch an ihnen vorrübergeht, auch an ihren bemüht geschlossenen Augen. (Und können nichtmal ermessen, wieviel Glück sie hatten. Weil sie Glück hatten.)
    Nur wird „geschlossenes Auge“ nicht die Gewalt der Täter an Kindern verhindern oder auch nur die Ausführung erschweren.
    Beinahe im Gegenteil.

    Leicht anderes und doch verwandtes Thema.
    Indoktrination vor aller Augen, zB in Schweden. Siehe:
    http://blogs.timesofisrael.com/anti-semitic-indoctrination-in-swedish-schools/
    (Es gibt reichlich Beispiele europaweit -nicht „nur“ in den Arabergebieten- von Indoktrination an Schülern/Kindern an Schulen, usw.
    Und auch durch die deutschen GEZ-Medien, Sparte: „Kinderprogramme“. Vom deutschen Bürger bezahlt. Nicht produziert.
    Ganz abgesehen eben von der „Erwachsenen(ver)bildung“ durch die sogenannten Qualitätsnachrichtenmagazine.
    Du weißt das ja alles, Aristobulus. Wir alle hier wissen es doch. Vor unseren Augen…)

    Und hier zu jenem (uns wenigen hier immerhin) allgemein bekannten Thema ein Kommentar:
    http://www.botschaftisrael.de/2015/10/12/kommentar-journalismus-gegen-alle-regeln/

    (Die Kinder sind den Erwachsenen ausgeliefert.)

    • Es gibt keine ähmm nichtmedinischen Moslems im Gegensatz zu hmmm dochmedinischen Mohammedanern.
      Der Koran lässt keine Option offen. Indem einer dem Koran folgt, akzeptiert er die Massaker Mohämmes als eigenes Leitbild – ob er’s nun wahrhaben möchte oder nicht.

      Das macht ausBlutmuslimen (Eugen Sorg) Dauerkrieger, und aus denen, die’s nicht wahrhaben wollen, macht es tickende Zeitbomben, die u.U. plötzlich irgendwas zum Anlass nehmen, um als Blutmoslem zu agieren.

  11. Eines zu der Frau ist allerdings auch zu fragen: warum hatte sie überhaupt ein Messer dabei?

  12. Nach meiner Spekulation: Weil sie geplant hat, als Maertyrerin ihrer Lebenssituation und eventuell der Bedrohung, ehrengemordet zu werden, zu entkommen.

    • Voilà.
      Unentschlossener Selbstmordversuch-?

  13. Kann sein. Traurig genug.

  14. Ja, nach meiner Interpretation, entweder schlimmstenfalls das Gegenstueck zum „Suicide by cop“ oder bestenfalls, ins Gefaengnis zu kommen und den Heldenstatus zu bekommen, was sie beides vor dem Ehrenmord bewahren wuerde.

  15. Aristobulus (Oktober 13, 2015 at 5:04 nachmittags).

    Und ist das „Mitleid“, wie Du es darstellst, nicht vielmehr „Leidgaukelei“, bzw Vorgaukelei von Mitleid?
    Und kann man das Wort „Mitgefühl“ nicht ebenso auseinandernehmen, um die vermeintlich allgemeine Bedeutung geradeso nur im Spiegel gewisser „Hauptfiguren“ abzubilden?
    Geht es dabei, nebenbei, nicht am Thema vorbei?

    Aristobulus (Oktober 13, 2015 at 5:16 nachmittags).
    „Der Koran lässt keine Option offen.“

    Das gilt wohl nur für jene, die „keine Option“ als absolute Bedingung darstellen oder wollen.
    Womit Du Dir selbst widersprichst. Denn hatte sie (jene aus Afula) nun eine Wahl, oder nicht?
    Zumindest hatte sie diese nach Deiner ebenso absolut wollenden Behauptung zuvor: „Das hätte sie nicht müssen.“ (Oktober 13, 2015 at 1:33.) „…nicht müssen“.

    Aber wir vermischen jetzt schon sehr die verschiedensten Hintergründe, scheint mir.

    Was ist, wenn Ruths Spekulation einfach stimmt?
    Stimmig genug erscheint es doch, unmöglich ist es ohnehin nicht.
    Ist jene aus Afula schuldig bzw „muß“ sie schuldig sein,
    etwa weil irgendjemand den Begriff „Blutmoslems“ in die Welt setzte?

    Lebt es sich besser, wenn man sich Feinde erschafft, die es möglicherweise mal sein könnten?
    Vorsichtshalber den ganzen Laden in die Luft sprengen? Siehst Du den Irrsinn? „Keine Option“?
    (Und gibt es keine Möglichkeit jenen aus moslemischer Gesellschaft die Hand zu reichen, die aus diesem Druck heraus wollen?)

    „Es gibt keine ähmm nichtmedinischen Moslems im Gegensatz zu hmmm dochmedinischen Mohammedanern.“

    Als „medinisch“ habe ich jenen Mohammed bezeichnet, damit klar ist, von wem ich spreche.
    Und wie ich den Unterschied zwischen Moslems und Mohammedanern sehe habe ich doch ausführlich genug dargelegt.
    Kann man alles oben nachlesen.
    Wo findest Du darin den „Gegensatz“? Im freudschen Versprecher?

    (Zwei musikalische Vorschläge zur „Blutmoslem-These“.
    Born dead.
    Guilty of being white.
    Though not very sophisticated, I reckon.)

    Eine origin jüdische Entsprechung solch musikalischer Proteste fand ich nicht.

    ps/ „tickende Zeitbombe“ als Mensch zu sein ist kein Vorrecht von Moslems.
    Es ist nicht so, als wenn ich Dir an der Stelle komplett widersprechen wollte.
    Der Druck in den Familien (…) im Angelpunkt der „Moscheen“ (wie auch immer) ist nunmal tatsächlich da.
    Was, nebenbei, wieder Ruths These bekräftigt.

    • Man konstruiere dem Anderen keinen Widerspruch, der nur in der Fantasie besteht, um damit die Dinge, die zuvor klar waren, unklar zu machen.

      Als Mensch im Sinne der Zehn Gebote (und im Sinne der Bürgerrechte Martin Luther Kings) hat Jeder in jedem Moment die Wahl.
      Jedoch das Konzept des Islams sieht diese Wahl nicht vor, weil im Koran mehrfach geschrieben steht, dass der Mensch unfähig sei, von sich aus festzustellen, was gut und was böse sei. Ein Mohammedaner ist laut Koran ein Sklave Allahs… aus.

      Indem jemand also ein Sklave bleibt, negiert er alles, was mit Selbstverantwortung zusammenhängt, und macht sich zum Pawlowschen Wesen.

      P.S.
      Es hat keinen Sinn, einen Unterschied zwischen irgend Mohammedanern und Moslems zu erfinden. Zumal sowas nirgendwo belegbar ist.

      P.P.S.
      Einen Eugen Sorg als einen „irgendjemand“ zu bezeichnen, kündet ja nicht grad von besonderer Kenntnis.

      Eines der besten Bücher über die Lust am Bösen
      http://www.amazon.de/Die-Lust-B%C3%B6sen-Gewalt-heilbar/dp/3312004748/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1444769313&sr=1-1&keywords=Eugen+Sorg+Die+Lust+am+B%C3%B6sen

  16. Aristobulus (Oktober 13, 2015 at 8:52 nachmittags).
    „Man konstruiere dem Anderen keinen Widerspruch, der nur in der Fantasie besteht, um damit die Dinge, die zuvor klar waren, unklar zu machen.“
    (…)
    „P.S.
    Es hat keinen Sinn, einen Unterschied zwischen irgend Mohammedanern und Moslems zu erfinden. Zumal sowas nirgendwo belegbar ist.“

    Erster Satz: ich habe Dir den Widerspruch belegt. Ganz einfach.
    Zweiter Satz: natürlich hat es Sinn. Habe ich bereits erklärt.

    Schrieb ich schon: „Kann man alles oben nachlesen“.

    Damit mehr als genug von mir gesagt.
    Auch zu dem bislang noch übersichtlichem Nebenher.

    • Na worin bestand denn nu der SINN in dieser Behauptung, es gebe irgend nichtmedinische Moslems? Wo sindse denn? Wie heißense denn? Als was äußernse sich denn?

      Selbst Abdel-Samad, dessen neues Buch über Mohamed bekanntlich neu herauskam, sieht sich selber nicht mehr als Moslem (Mohammedaner, Muselmane), und zwar nicht, weil er irgendwie gegen medinische Suren sei, sondern weil man den Koran nur als as-given annehmen kann, oder eben nicht.

    • Kommt da noch eine Antwort auf mein Nachhaken, oder wie gewöhnlich keine?

  17. Police say knife-wielding Afula woman was not a terrorist

  18. Ja, das habe ich heute morgen auch im Radio gehoert. Es war wohl ein Selbstmordversuch, nachdem ihr das Sorgerecht fuer ihre Tochter entzogen worden war.
    Ich wuensche Isra Avad, dass sie aus dieser Krise staerker hervorgehen und Sinn in ihrem Leben finden wird.

  19. Dem guten Wunsch schließe ich mich gerne an!
    Und auch Dir/euch alles Gute – schimru al azmechem!

  20. Und nebenbei, Deine These „suicide by cop“ ist damit bestätigt.

  21. Und was nützt das jetzt für die Erkenntnis, wer derzeit in Israel Mordanschläge verübt, Ruth?
    Gut, da ist diese eine bestimmte Araberin, die sich halt gern erschießen lassen wollte, oder sie wollte dazu den Status als Märtyrerin gewinnen, indem sie Selbstmord auf Umwegen versucht hat.

    Von diesem Einzelfall führt kaum ein Weg zur Beurteilung all der anderen Attentäter, nicht?
    Die sind ja weder deklassiert noch verzweifelt.
    Die wollen bloß so viele Juden schlachten wie möglich, weil diese das Leben lieben, aber jene lieben den Tod.

  22. Aristobulus,
    hast Du diesen Artikel gelesen?

    The terrorism of the past month is not a new surge in Palestinian opposition to Israel, but a howl against the pervasive Palestinian sense that resistance has failed

    Wenn diese These stimmt, dann koennte noch Hoffnung bestehen, dass die Palaestinenser endlich zu der Einsicht kommen, dass Israel hier ist und hier bleiben wird. Vielleicht entsteht dann irgendwann ein Klima, in dem sie Israel anerkennen und nach Frieden streben koennen.

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