Kriegslist


Gestern nacht gab es zweimal Raketenalarm innerhalb von zwei Stunden. Mein Mann und ich schnappen uns routinemaesig unsere Handies auf dem Weg ins Bunkerzimmer. Die Wartezeit von 10 MInuten nutzen wir, um im Internet moeglichst aktuelle Informationen zu finden. Dabei nutzen wir verschiedene Netzwerke in verschiedenen Sprachen, so dass ein Vergleich fast immer interessant ist.

Beim ersten Bombenalarm meinte mein Mann, dass wohl eine Bodenoffensive bevorstuende. Ich konnte noch nichts dazu finden. Beim zweiten Alarm sagte mein Mann, die Armee sei in den Gazastreifen eingedrungen. Ich dagegen fand nur, dass eine Bodenoffensive bevorstuende. Wir hatten beide ein schweres Herz: Jede Bodenoffensive bedeutet, dass israelische Soldaten fallen. Wozu sollen ihre jungen Leben geopfert werden, wenn danach doch Hamas weiterregiert?

Die verbliebenen 2 Stunden konnten wir durchschlafen. Als mich der Kater weckte, schaute ich sofort ins Internet – keine Bodenoffensive – zum Glueck! Dann begann der normale Ablauf eines Freitagmorgens. Fuer mich Waesche waschen, auf dem staedtischen Markt frische Ware einkaufen, kochen, zum Abschluss Kueche putzen und den Boden im ganzen Haus schrubben. (Mann und Tochter teilen sich die uebrigen Aufgaben.) Dieses Mal konnte ich erst relativ spaet auf den Markt. Unsere Tochter hatte mein Auto. Ihr Freund wurde einberufen – Greanzschutz – und sie wollte ihn noch sehen, bevor er abgeholt wurde. Die Reservisten des Grenzschutzes werden offensichtlich eingezogen um der Polizei dabei zu helfen, die Gewalttaetigkeite in den gemischsten Staedten einzudaemmen. Die Einberufung ist zeitlich unbefristet – Ernstfall. Unsere aeltere Tochter leistet derzeit auch Reservedienst. Urspruenglich war das regulaerer Dienst und auf ein paar Tage beschraenkt, aber inzwischen ist auch bei ihr die zeitliche Beschraenkung aufgehoben.

Der Markt war halbleer – die arabischen Staende wegen Idl Fitr fast alle geschlossen. Die Kaeufer erledigten ihre Besorgungen im Laufschritt. Man moechte ungern im Freien von einem Raketenalarm ueberrascht werden. Relativ viel Polizei war auf dem Markt, aber weniger als vor ein paar Monaten, damals musste kontrollier werden, dass alle eine Maske tragen!

Erst als ich wieder zuhause war, erfuhr ich, was hinter der vermeintlichen Bodenoffensive steckte: Mit dieser Fehlinformation hat die IDF dafuer gesorgt, dass Terroristen sich selber von den uebrigen Bevoelkerung absonderten. Als Vorbereitung auf den bevorstehenden Kampf begaben sich die Hamaskaempfer in das Tunnelsystem, das Hamas unter und um Gazacity herum gebaut hat.

Kleine Anmerkung: Es wird von mehr oder weniger wohlmeinenden Kommentatoren immer wieder moniert, dass die Zivilbevoelkerung im Gazastreifen keine Schutzvorrichtungen hat wie die Raktenabwehr „Eisenkuppel“ oder Bunkerzimmer. Eigentlich stuenden unterirdische Luftschutzbunker in Massen zur Verfuegung, aber nur Terroristen duerfen sie nuetzen, Zivilisten dagegen sollen gefaelligst photogen leiden.

Darufhin bombardierte die israelische Luftwaffe grosse Teile des Tunnels. Die Kaempfer darin wurden verschuettet. Noch ist unklar, wieviele und welche Terroristen in ihrem Kampftunnels begraben wurden, aber es ist auf jeden Fall ein passendes Ende fuer jeden von ihnen.

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