Vorschlag zur Guete


Am Samstagabend versammelten sich die ideologisch festen Mitglieder des israelischen „Friedenslagers“ zu einer Demonstration gegen die Militaeraktion im Gazastreifen. Ich vermute, sie befuerworten einen Strategiewechsel, etwa wie hier beschrieben.

Die Polizei hinderte eine Gegendemonstration daran, taetlich zu werden. Dabei wurden fuenf Gegendemonstranten festgenommen.Vor einer Woche kam es von Seiten der gewalttaetigen Gegendemonstranten tatsaechlich zum Werfen von Eiern und Wasserflaschen aus Plastik.

Leider konnte die Demonstration der „Friedensfreunde“ und „schoenen Seelen“ trotz Polizeischutz  nicht ungestoert stattfinden. Hamas schickte aus dem Gazastreifen eine Salve auf das Landesinnere (Tel Aviv inbegriffen). An der von Israel verkuendeten Verlaengerung der humanitaeren Waffenruhe war sie nicht interessiert.

Um solche Kommunikationsprobleme zwischen Hamas und den israelischen „Friedensfreunden“ zu Zukunft zu verringern, wuerde es sich anbieten, die Demonstrationen entweder direkt in den Gazastreifen oder wenigstens in das angrenzende israelische Gebiebt zu verlegen. Da die Bewohner der Doerfer am Rand des Gazastreifen zu einem grossen Teil bereits geflohen sind oder evakuiert wurden, koennte auch das Problem der gewalttaetigen Gegendemonstranten damit geloest werden.

Die WELT faellt auf Richard Silverstein herein


US-Blogger enthüllt angeblichen Kriegsplan Israels

Silverstein ist für Berichte über israelische Sicherheitspolitik bekannt.

schreibt die WELT und suggeriert so eine gewisse Glaubwuerdigkeit. In dieser Formulierung ist der Satz auch nicht falsch. Die relevante Frage waere allerdings, ob Silverstein schon durch Berichte aufgefallen ist, die sich im Anschluss als richtig herausstellten. Und das ist eine Fehlanzeige: Richard Silverstein spezialisierst sich auf anti-israelische Legendenbildung, wie z.B. dass Arafat von Israel mit Polonium vergiftet worden sei. Oder auch die Enthuellung, dass Israel nur vorgibt, Homosexuellen gegenueber tolerant zu sein, um ungehindert die Palaestinenser unterdruecken zu koennen.

Wie Elder of Ziyon ohne grosse Muehe ergoogelte, hat Silverstein einfach einen Beitrag in einem israelischen Diskussionsforum ins Englische uebersetzt und als angeblichen Kriegsplan, der ihm aus Regierungskreisen zugespielt wurde, ausgegeben.

Update: Das Forum, aus dem der originale Text stammt hat, inzwischen auf Hebraeisch und Englisch Stellung bezogen.

Alibijuden: Dror Feiler


Dror Feiler wurde 1950 oder 1951 in Tel Aviv geboren und zwar als Sohn der damaligen Elite: aus Europa stammend, sozialistisch ausgerichtet, in der Kibbutzbewegung verwurzelt.

Manche Angehoerigen dieser ehemaligen Elite tun sich schwer mit dem heutigen Israel, das  ihrer Vormundschaft entwachsen ist und pluralistisch und multikulturell wurde. Der Wendepunkt wird oft mit der Wahl Menachem Begins zum Ministerpraesidenten 1977 angesetzt.

Das musste Dror Feiler schon nicht mehr in Israel erleben, er war 1973 nach Schweden ausgewandert. Ob er seine schwedische Frau Gunilla Skoeld-Feiler kennenlernte, waehrend sie als Volontaerin im Kibbutz arbeitete, kann ich nicht wissen, halte es aber fuer moeglich. Vermutlich war es in Schweden auch leichter, sich als Musiker, Kuenstler und politischer Aktivist ueber Wasser zu halten. Die soziale Absicherung in Israel ist weniger gepolstert als in Skandinavien, selbst im Kibbutz muss der Mensch mindestens den Anschein von produktiver Arbeit erwecken.

Im Moment steht Dror Feiler im Rampenlicht, weil er als Sprecher der neuesten Free Gaza Narrenschiff Aktion auftritt.

Elder of Ziyon ordnet die Aktion ein: Laut Angaben des oben verlinkten Textes von Electronic Intifada bringt diese Aktion 5000 Tonnen Hilfsgueter in den Gazastreifen, Elder nennt die Zahl 10.000 Tonnen. Israel hat aber allein in der Woche vom 9. bis 14. Mai 14.069 Tonnen Gueter plus 810.209 Liter Treibstoff fuer das Kraftwerk und 897 Tonnen Gas zum Hausgebrauch in den Gazastreifen geliefert. Offensichtlich geht es der Aktion in keiner Weise um die Belange der Menschen im Gazastreifen, sondern nur um anti-israelische Propaganda.

Das Schiff als Symbol scheint uebrigens in Feilers Kuenstlerseele eine besondere Rolle zu spielen.

Mit dieser Installation verklaerten er und seine Frau die 21fache Moerderin Hanadi Jaradat als Schneewittchen und damit zum Inbegriff der Unschuld.

Keine mildernden Umstaende fuer Dror Feiler.

Aerzte fuer „Menschenrechte“


oder auf Englisch „Physicians for Human Rights“ sind eine weitere Nicht-Regierungs-Organisation (NGO), die ihren Nimbus als „Menschenrechtsorganisation“ fuer plumpe, politische Manoever missbrauchen.

Natuerlich wurde die IDF in der Aktion „Gegossenes Blei“ verleumdet:

One of the more serious accusations in the PHR report related to the deaths of 16 Palestinian medical personnel killed during the operation. „It seems that army soldiers no longer regard medical personnel as entitled to the special protection they are granted during the performance of their duties,“ PHR wrote.

In response, the Defense Ministry report presented a Hamas statement, published on affiliated Web sites, that nine of the 16 medical personnel killed were Hamas operatives and fighters. In addition, pictures of some of them were even shown on Hamas Web sites holding weapons such as RPGs and Kalashnikov rifles.

In response to this claim, PHR said that even if the medical personnel were Hamas members, since they were inside ambulances they were not operating as fighters.

Die Antwort von PHR ist einfach lachhaft und beweist, dass der Organisation konkretes KVG gleichgueltig ist, es geht ihr ausschliesslich darum, Israel am Zeug zu flicken.

Ich bin positiv beruehrt, dass die israelische Aerzteorganisation die Konsequenzen aus einer anderen Verleumdungskampagne der PHR zieht.

Auf der Webseite kann ich uebrigens nichts finden, wonach der Wassermangel fuer Bethlehemer Buerger wegen des Fatahkongress irgendwie thematisiert wuerde. Proteste sind nur angesagt, wenn es gegen die israelische Besatzung geht.

Auch zum Beschuss eines Krankentransports von Palaestinensern aus dem Gazastreifen nach Israel, kann ich bei PHR nichts finden. Das macht, es waren palaestinensische Moerser.

Mit seiner Zusammenfassung der IDF Analyse zum Gazakrieg hat Yaacov Lozowick all denen, die sich fuer Fakten und Rechtsfragen interessieren einen ungeheuren Dienst erwiesen.

Ueber israelische „Menschenrechts“-Organisationen hat er auch ein paar Worte verloren:

Late in June 2009 seven self-designated „Israeli human rights organizations“ [PHR darunter RB] submitted a joint document.

(…)

It’s an odd document. The people who gravitate to such organizations, probably no more than a few thousands at most, often hold advanced degrees. Yet the document is surprisingly shoddy. It’s undated. There’s no letterhead. There’s no executive summary. There are only eight footnotes, containing 11 citations. Three refer to previous documents of the same organizations. Five are to newspaper reports, one is to an IDF press-release, one to a very short speculative article in an academic publication which itself has no sources, and one is to a UN webpage which doesn’t work.

The report offers no factual information Justice Goldstone wouldn’t have had already, leaving us to speculate: was the purpose perhaps merely to call Goldstone’s attention to these organizations? That could explain why 512 of its 4,938 words talk about themselves, their activities and their websites. Their point, in other words, is to distance themselves from their countrymen. The Israeli government has decided not to cooperate with your committee, your honor, but we’re not like them. We welcome your arrival, bless your undertaking, suggest you look into the following lists of things our country did wrong, and always remember we’re here to help you if you need us. That’s the tone that permeates the whole document. These people are embarrassed of their country.

Hervorhebung von mir. Und mal wieder ein Verweis auf Kenneth Levin: The Oslo Syndrome und das Beduerfnis, abzuschwoeren.

Le Monde Diplomatique und seine Alibijuden


Ein Bekannter hat mich auf einen Artikel in der deutschen Le Monde Diplomatique aufmerksam gemacht: Araber sein in Israel

Als Autoren zeichnen Joseph Algazy und Dominique Vidal. Beide identifizieren sich als Kommunisten. Le Monde Diplomatique sieht sich selbst als Instrument fuer linke Weltverbesserung:

Pourfendeur dès 1995 de la « pensée unique », porteur d’une « manière de voir » particulière, Le Monde diplomatique est, grâce à ses analyses approfondies et à ses points de vue engagés, un journal de référence pour tous ceux qui veulent comprendre, mais aussi changer, le monde actuel.

Seit 1995  das „Einheitsdenken“ angreifend und als Vertreter einer besondern „Sichtweise“ ist Le Monde Diplomatique dank seiner tiefschuerfenden Analysen und seiner engagierten Blickpunkte die fuehrende Zeitschrift fuer alle diejenigen, die die reale Welt nicht nur verstehen, sondern auch veraendern wollen. (Uebersetzung von mir)

Bei dieser Selbstdarstellung sollten alle Warnlichter zu blinken beginnen. Bekannterweise widersprechen sich objektive Berichterstattung und Engagament fuer Weltverbesserung gelegentlich. Le Monde Diplomatique laesst keinen Zweifel daran, dass das Engagement weit ueber jedem Anspruch auf objektive Berichterstattung steht, der in dieser Selbstdarstellung nicht einmal erhoben wird.

Wer Bestaetigung seiner Sichtweise sucht und ideologisch den Machern von Le Monde Diplomatique nahe steht, ist an der richtigen Adresse. Alle diejenigen, die ernsthafte Argumente suchen, ohne dass sie sich bereits ein festes Bild gezimmert haben, sollten sich klar machen, dass sie wertlose Propaganda vorgesetzt bekommen.

Der oben verlinkte Artikel beginnt denn auch gleich im Untertitel mit einer glatten Luege:

Anlass zur Unruhe haben aber vor allem die arabischen Bürger Israels. Nachdem der Versuch, ihnen das Wahlrecht zu entziehen, vor Gericht gescheitert ist, (…)

Es gab keinen Gesetzesentwurf in der Knesseth, der arabischen Israelis das Wahlrecht nehmen wollte und drei Lesungen passiert haette, so dass er vom Obersten Gericht gekippt werden musste. Das ist pure Erfindung, vermutlich ist die Redaktion (Dominique Vidal) verantwortlich. Im Text selber ist Joseph Algazy zwar sehr selektiv und tendenzioes, leistet sich aber keine so leicht nachweisbaren Unwahrheiten.

2006 und 2007 zeigten Meinungsumfragen, dass 78 Prozent der Israelis eine Regierungsbeteiligung arabischer Parteien ablehnen, 75 Prozent wollen nicht mit Arabern im selben Haus wohnen, 75 Prozent glauben, die Araber neigten zur Gewalt, 68 Prozent fürchten eine neue Intifada, 64 Prozent sehen im arabischen Bevölkerungswachstum eine Gefahr, 56 Prozent sind überzeugt, dass „die Araber niemals den kulturellen Entwicklungsstand der Juden erreichen können“. 55 Prozent sind der Ansicht, die Regierung solle die Araber zur Auswanderung bewegen, 50 Prozent sprechen sich für einen „Bevölkerungstransfer“ aus, und 42 Prozent meinen, man solle den Arabern das Wahlrecht entziehen.(10)

Der Link bei den Anmerkungen fuehrt ins Nichts, aber mir ist es gelungen, den richtigen Bezug zu finden.

In seiner Paraphrase verzichtet Algazy auf jeden Kontext, waehrend er in der Studie betont wird: Der Krieg gegen Hisbollah im Sommer 2006, waehrendessen sich arabische Israelis offen mit Hisbollah identifizierten. Nota bene haben auch die Konrad-Adenauer-Stiftung und die Tel Aviv University eine linke Tendenz. Bevor ich die Ergebnisse 1:1 akzeptiere, wuerde ich gern die tatsaechliche Umfrage sehen, leider finde ich sie jedoch nicht on-line.

Heute morgen im Radio habe ich schon vom aktuellen Gegenstueck gehoert:

Nur 41% der arabischen Israelis gestehen Israel das Recht zu, als juedischer und demokratischer Staat zu existieren. 22% gestehen Israel ueberhaupt kein Existenzrecht zu.
40% der arabischen Israelis meinen, dass es den Holocaust nie gegeben hat.
41% der arabischen Israelis nahmen im vergangenen Jahr an einer Protestveranstaltung statt.
47% der arabischen Iraelis moechten keinen juedischen Nachbarn.

Die Krise zwischen den beiden Bevoelkerungen ist offensichtlich. Die klare Schuldzuweisung an Israel ist aber eine Interpretationsfrage. Le Monde Diplomatique in ihrem paternalistischen Tier-Monde-Ansatz spricht der arabischen Bevoelkerung natuerlich jede Verantwortung ab, sie koenne allenfalls reagieren.

Ein kleines Wort zur Nachbarschaftsfrage: Bei juedischen Israelis wird davon ausgegangen, dass sie einen gesellschaftlich hoeheren Status haben. Die Frage nach juedischem/arabischen Nachbarn ist also auch die Frage, ob jemand in einem besseren/schlechteren Wohnviertel leben moechte. (Nicht jeder, der in den USA lieber nicht einem ueberwiegend schwarzen Viertel in der City leben moechte, ist deswegen Rassist.)

Zwei verschiedene Zitate im Text stehen in direktem Widerspruch zueinander:

Der Rechtsanwalt Taufik Abu Ahmad ist ein erklärter Anhänger der islamistischen Bewegung und hat auf der Vereinigten Arabischen Liste (Raam/Taal) für die Knesset kandidiert. In seinem Büro in Nazareth – der überwiegend von Arabern bewohnten Hauptstadt der Provinz Galiläa – erklärt Abu Ahmad, mit ihren antiarabischen Parolen wolle die israelische Rechte und die extreme Rechte den Juden in Israel zeigen, dass sie ihre Interessen schütze: „Sie bauen sich einen inneren Feind auf, den sie bekämpfen können, um damit Stimmen zu gewinnen.“ Anstatt die Bürgerrechte der israelischen Araber von deren Staatstreue abhängig zu machen, solle die israelische Führung endlich begreifen, „dass es andersherum funktioniert: Nur wenn sie die uneingeschränkte Staatsbürgerschaft erhalten – also gleiche Rechte -, werden sie sich loyal verhalten.

Am Vorabend der Wahlen von 2009 erklärte Präsident Schimon Peres angesichts der neuen antiarabischen Welle: „Als Staatsoberhaupt bin ich beunruhigt über die Aufrufe zur Gewalt gegen einen Teil der Wählerschaft. Die Araber haben die gleichen Rechte und Pflichten wie alle Bürger des Landes.“

Was denn nun? Haben arabische Israelis die gleichen Rechte und Pflichten, also volle Buergerrechte oder nicht? Wem wollen wir glauben, dem Praesidenten Shimon Peres, dessen Name untrennbar mit dem Osloprozess verknuepft ist oder dem Islamisten Taufik Abu Ahmad, der als Islamist den Staat Israel in jeder Erscheinungsform ueberwinden will? Le Monde Diplomatique und Algazy faellt die Wahl nicht schwer. Ihre kommunistische Grundhaltung scheint ihnen eher mit militantem Islam vereinbar zu sein, als mit der weicheren, sozialistischen Grundhaltung von Shimon Peres. Damit stehen sie nicht allein.

Wie selektiv die Darstellung ist, laesst sich auch an diesem Beispiel festmachen:

Der Bäcker sitzt im Stadtrat von Akko, wo 17 000 der 53 000 Einwohner Araber sind. Akko ist noch immer von den gewaltsamen Auseinandersetzungen im vergangenen Oktober gezeichnet. Damals zogen einige hundert aufgebrachte Juden durch die Stadt, zerstörten oder beschädigten dreißig Häuser, achtzig Geschäfte und hundert Autos.(12)

Was im letzten Herbst in Akko geschehen ist, kann nur dann als Pogrom von Juden gegen Araber beschrieben werden, wenn keinerlei Anspruch auf Wahrheitstreue und Objektivitaet erhoben wird. Unleugbar kam es naemlich auch zu Gewalttaetigkeiten von Arabern gegen juedisches Eigentum. Mein Eindruck damals war, dass arabische Politiker den Aufruhr anheizten.

Es macht wenig Sinn, den Artikel Absatz fuer Absatz zu analysieren. Auf der Hand liegt, dass die Autoren und Le Monde Diplomatique schon im voraus genau wissen, was sie belegen moechten. Dementsprechend halten sie sich ausschliesslich an Interviewpartner und Quellen, die ihnen das Gewuenschte zu liefern versprechen.

Ein einziges Mal werden sie darin enttaeuscht, was im Text mit „erstaunlicherweise“ quittiert wird.

Hanin Zoabi interpretiert die Haltung Liebermans erstaunlicherweise als eine Art „quid pro quo“ nach der Formel: „Ich ziehe mich aus den besetzten Gebieten zurück, dafür muss ich mich auf eure Loyalität verlassen können.“ Folglich müsse man „die israelischen Palästinenser daran erinnern, dass sie in einem jüdischen Staat leben und diesen als solchen zu akzeptieren haben“.

Wie schon oben formuliert. Le Monde Diplomatique bietet Propanda zur Bestaetigung von Vorurteilen. Wohl bekomm’s!

Alibijuden: Peter (Jochi) Weil-Goldstein


Antisemitismus sei der Sozialismus des dummen Kerls, wird August Bebel in den Mund gelegt. Wie Jean Amery schon 1969 diagnostiziert, haben linke Intellektuelle spaetestens nach dem Sechs-Tage-Krieg Antisemitismus in den Sozialismus integriert.

Peter (Jochi) Weil-Goldstein kandidierte 2007 fuer den Nationalrat auf der Liste der Partei der Arbeit der Schweiz (Sozialisten/Kommunisten).

Auch die Medico International Schweiz, fuer die Weil-Goldstein als Projektleiter Israel-Palaestina taetig ist, hat klare ideologische Wurzeln. Sie wurde zur Unterstuetzung der internationalen Brigaden gegen Francos Faschisten im Spanischen Buergerkrieg gegruendet. Auch heute identifiziert sie sich mit dem Sozialismus, wie auch aus der Liste der Projekte sofort ersichtlich ist: Cuba, El Salvador, Eritrea, Guatemala, Mexico, Niceragua, Palaestina, Vietnam. Das liest sich wie die Liste linker Anliegen der letzten Jahrzehnte. Nur Venezuela fehlt noch. Und natuerlich unterstuetzt Medico International Schweiz das Narrenschiff von „Free Gaza“ bei deren Solidaritaetsaktion mit Hamas. Update vom Mai 2010: Hier noch eine sehr interessante Darstellung, wo und wie Medico International sich auch einsetzt.

Ausserdem setzt sich Weil-Goldstein fuer die Kampagne Olivenoel ein. Die wiederum basiert auf den Palestinian Agricultural Relief Committees (PARC). In deren Mission Statement lesen wir, es ginge ihnen um Entwicklung in der Landwirtschaft, Umwelt und Frauenrechte:

PARC is a leading Palestinian NGO working in the field of rural development, environment protection, and women empowerment.We offer technical assistance and support, along with extension services to individuals and organizations working in similar fields.

Aber schon aus der Webseite selber ist erkennbar, dass es sich hier um eine Front handelt, dahinter wird auch der uebliche „pal. Befreiungskampf“ betrieben. Von den acht Icons auf der Eingangsseite heisst das achte unter einem Bild der Al-Aksa-Moschee „Settlements, Wall and Jerusalem“.

Im Action Alert wird Israel nicht nur die Souveraenitaet ueber Ostjerusalem abgesprochen, sondern auch ueber Westjerusalem. Unter dem Zwischentitel „Actions Required“ werden die Organisationen aufgelistet, von denen man fordert, Druck auf Israel auszuueben. „Jewish Community Leaders Worldwide“ und „Jewish Community Religious Leaders“ werden als moegliche Aliierte genannt.

Jemand wie Weil-Goldstein laesst sich so etwas nicht zweimal sagen. Seine juedische Herkunft setzt er gern fuer die gute Sache ein. Am 2. Maerz stellt er auf einer Pressekonferenz in Bern seinen Appell an die israelische Regierung vor:

Wir, die unterzeichnenden Jüdinnen und Juden, erwarten die Beendigung der israelischen Besatzung, Besiedlung und Blockade palästinensischer Gebiete. Wir bestehen auf würdigen Lebensbedingungen sowie auf Sicherheit für alle Menschen in Israel und Palästina.

Der Appell ist nota bene ausschliesslich an die israelische Regierung gerichtet. Wir lernen daraus, dass nur Israel die wuerdigen Lebensbedingungen und die Sicherheit aller Menschen in Israel und Palaestina verhindert. Die Palaestinenser haben gar nichts damit zu tun. Wenn sie Terroranschlaege in Israel durchfuehren, Raketen auf israelische Staedte abfeuern, in innerpalaestinensischen Konflikten einander gefangennehmen, morden und foltern, so handelt es sich ausschliesslich um Verzweiflung ueber Israel, das Wuerde und Sicherheit schaffen koennte und sich dennoch weigert. Dass die verschiedenen politischen Programme der Hamas und der PLO die Vernichtung Israels als Ziel definieren, ist ebenfalls kein Hinderungsgrund. Wir ahnen schon: Israel koennte Wuerde und Sicherheit schaffen, indem es sich selbst aufloest. Die Forderung nach der Vernichtung Israelis ist demnach identisch mit der Forderung nach „Wuerde und Sicherheit“. Normalerweise werden in solchen Aufrufen die Worte „Friede und Sicherheit“ gepaart. Ich musste meinen Text gerade korrigieren, weil ich das automatisch geschrieben hatte. Es ist aber kein Zufall, dass der Appell Frieden nicht erwaehnt und stattdessen auf Wuerde setzt.

„Wuerde“ entspricht der „Ehre“ in der arabisch-muslimischen Ehre-Scham-Kultur. Die arabische Ehre kann nur durch die Vernichtung Israels wieder hergestellt werden.

Einige Unterzeichner wissen wohl, was sie fordern und unterschreiben deshalb. Bei Nurit Peled-Elhanan z.B. wuerde ich davon ausgehen. Andere duerften sich darueber nicht im Klaren sein.

Der seelische Druck auf Juden ist durch die internationale Anfeindung derzeit wieder einmal besonders stark. Kenneth Levin in seinem Buch „The Oslo Syndrome“ erklaert die Mechanismen, wie Menschen unter solchen Umstaenden teilweise die Sicht ihrer Umgebung uebernehmen und nach psychischen Auswegen suchen. Dieses Motiv kommt in den Aussagen von einigen Erstunterzeichnern deutlich vor:

Die 23 Erstunterzeichner, darunter die Organisation Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina, hoffen, dass sich eine nie dagewesene Anzahl von Juden ausserhalb Israels von der Politik der Regierung in Jerusalem distanziert.

Die Situation im Nahen Osten sei eine sich ständig verschlimmernde Tragödie, sagte Weil-Goldstein vor den Medien in Bern: „Wenn wir gegenüber dem Unrecht der seit 1967 andauernden Besatzung palästinensischer Gebiete und der Entwürdigung der Menschen dort schweigen, gilt dies aus meiner Sicht indirekt als Zustimmung“.

Für den früheren Schweizer Botschafter Philippe Lévy ist die Kritik an der Politik Israels eine moralische Notwendigkeit. Wenn ein Familienmitglied ein Verhalten an den Tag lege, das „sittlich unakzeptabel“ sei, dann müssten sich die anderen Familienmitglieder von ihm distanzieren, sagte Lévy.

(Hervorhebungen von mir)

Hier wollen also Juden abschwoeren. Diesmal nicht dem Judentum, sondern dem Staat Israel. Auch legt nicht die Heilige Kirche Juden – natuerlich aus Sorge um deren Seelenheil – diesen Schritt nahe, sondern die Heilige Linke. Ein kleines Wort der Warnung an die Abschwoerwilligen: Auch damals hat es nicht so toll funktioniert, wie sich das mancher wohl vorgestellt hat.

Alibijuden: Inna Michaeli


Obender hat mich in einem Kommentar auf diesen Artikel in der ZEIT aufmerksam gemacht. Vorgestellt werden die beiden Frauen Inna Michaeli und Amal Khreishe als Friedensaktivistinnen. Das passt ungefaehr so gut wie UN Menschenrechsrat.

Amal Khreishe findet gewaltlosen Widerstand laecherlich und wirbt fuer die Ermordung von Siedlern, also juedischen Familien, die im Westjordanland leben. Ihrer Meinung nach entspraeche das Internationalem Recht. Soweit, so eindeutig.

Inna Michaeli hat den Eindruck, dass Amal noch nicht weit genug geht. Flugs erklaert sie in Uebereinstimmung mit der sunnitischen Autoritaet Scheich Sayyad Tantawi, dass es auch in Israel innerhalb der gruenen Linie keine Zivilisten gaebe.

Das internationale Recht unterscheidet zwar klar zwischen Zivilisten und Soldaten, aber in einer hoch militarisierten Gesellschaft wie der israelischen gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Soldaten und Zivilisten.

Ergo duerfen ihrer Meinung nach Israelis jederzeit und ueberall getoetet werden. Allenfalls „Friedensaktivistinnen“ wie sie sind davon ausgenommen, die bilden die Zivilbevoelkerung und weil sie keine Mehrheiten in der israelischen Demokratie bekommen, muss das Ausland ihre Partei ergreifen:

Wir realisieren auch gerade, wie wichtig es für uns als Opposition innerhalb Israels ist, die Einmischung der internationalen Gemeinschaft und Druck auf Israel zu fordern. Ich möchte klarstellen, dass Israel nicht nur Regierungssprecher hat, sondern eine Zivilbevölkerung, die Solidarität braucht.

Der Mord an allen Israelis, die andere politische Meinungen vertreten als Inna Michaeli, waere damit voelkerrechtlich abgesichert.

Sie befuerwortet bedingungslose Verhandlungen mit der Hamas, in der vagen Erwartung, dass Hamas irgendwann Israel anerkennen koennte. Und wenn nicht, auch nicht schlimm, sie ist sich nicht sicher, ob sie den juedischen Staat ueberhaupt erhalten haben will.

ich persönlich habe auch keine Vision, ob ich in einer Zwei-Staaten-Lösung leben will oder in einem Staat. (…) Wir verlangen Verhandlungen mit der Hamas, bei denen das Existenzrecht Israels gewährt werden muss. Aber als Ergebnis und nicht als Voraussetzung für die Verhandlungen.

Dass die ZEIT-Redaktion diesen Text allen Ernstes so einleitet:

Während der Krieg in Gaza weiter tobt, diskutieren in Berlin palästinensische und israelische Friedensaktivistinnen darüber, wie Frieden in der Region möglich werden kann.

macht deutlich: „Friede“ bedeutet auch fuer die Zeit die Selbstaufloesung Israels, man ist sich mit der Hamas einig.

Inna Michaeli ist uebrigens gerade mal 25 Jahre jung und stammt aus Russland. Ob sie etwas Anstaendiges gelernt hat oder alle ihre Zeit mit diversem, politischen Bloedsinn verbringt, kann ich auf die Schnelle nicht erkennen.

Alibijuden: Gideon Levy


Wieder uebernehme ich das Stichwort dankbar von Yaakov Lozowick.

Wir erinnern uns, Gideon Levy gehoerte mit Akiva Eldar zu den israelischen Journalisten, die es nicht einmal nach dem Lynch der beiden Reservisten in Ramallah ueber sich brachte, die Palaestinenser zu kritisieren.

Ebenso wie Eldar brauche ich auch Gideon Levy nur selber zu Wort kommen zu lassen, um ihn als Alibijuden deutlich zu machen.

This war, perhaps more than its predecessors, is exposing the true deep veins of Israeli society. Racism and hatred are rearing their heads, as is the impulse for revenge and the thirst for blood.

Das ist der erste Satz seines Artikels in Haaretz und schon finden wir mindestens zwei antisemitische Klischees auf Israel angewandt: Rachdurst und Blutlust. Und die sollen zusammen mit Rassismus und Hass die tiefe, eigentliche Natur der israelischen Gesellschaft darstellen!

Bezeichnenderweise hat Levy den Titel „The time of the righteous“ gewaelt. Den „Gerechten“ im Titel werden die „Selbstgerechten“ im Text gegenueber gestellt. Zu denen zaehlt Levy alle diejenigen, die versuchen, in diesem Krieg so gut wie moeglich pal. Zivilisten zu schonen, den Krieg aber trotzdem fuer notwendig halten. Als einsamer Gerechte fuehlt sich Gideon Levy offensichtlich selbst. Und so schleudert er seinen Lesern am Ende des Artikels entgegen:

Anyone who justifies this war also justifies all its crimes. Anyone who sees it as a defensive war must bear the moral responsibility for its consequences. Anyone who now encourages the politicians and the army to continue will also have to bear the mark of Cain that will be branded on his forehead after the war. All those who support the war also support the horror.

Dem moechte ich erwidern: Nicht nur Kriege haben Konsequenzen. Dem Osloabenteuer verdanken wir unzaehlige Terroranschlaege mit Toten und Verwundeten. Sollte nicht auch jeder, der den sog. Friedensprozess ermutigte, die moralische Verantwortung dafuer uebernehmen? Klebt an seiner Stirn nicht das Kainszeichen? Alle diejenigen, die Land fuer Frieden unterstuetzen, haben auch diesen Horror unterstuetzt.

Bitte lest auch Yaakovs Antwort, die fuer mich klar auf Pirkei Avot gruendet: Those who are kind to the cruel end up being cruel to the kind.

Alibijuden: Naomi Klein


Ich sehe zu meiner Freude, dass Yaacov Lozowick sich ebenfalls des Themas annimmt. Er spricht nicht von Alibijuden, sondern von juedischen Antisemiten, eine praezise Beschreibung. Mein Begriff „Alibijude“ bezieht sich mehr auf die Funktion als auf die Beschreibung des Phaenomens.

In ihrem juengsten Text belegt Naomi Klein eigentlich nur die ideologische Oberflaechlichkeit und die Unbekuemmertheit um Fakten, wie sie derzeit fuer die Linke symptomatisch sein scheinen. In welcher Weise dabei Israel zur Sonderbehandlung vorgesehen ist, zeigt den latenten linken Antisemitismus und verraet, dass westliche, linke Intellektuelle nicht viel anders als Islamisten reagieren. Wahrgenommene Schwaeche ermutigt Angriffe, wie Haie eben auf Blut im Wasser reagieren.

3. Why single out Israel when the United States, Britain and other Western countries do the same things in Iraq and Afghanistan? Boycott is not a dogma; it is a tactic. The reason the BDS strategy should be tried against Israel is practical: in a country so small and trade-dependent, it could actually work.

Zu ihrer Ehre muss ich zugestehen, das Naomi Klein Israel hier nicht mit Nazideutschland vergleicht, sondern „nur“ mit Suedafrika unter der Apartheid. Das ist zwar gleichfalls laecherlich, aber eine Nuance weniger antisemitisch.

Naomi Klein ist auch dezenter als z.B. Paula Abrams-Hourani darin, wie sie ihre eigene juedische Abstammung aufbereitet:

You also have chapters in your book about Africa, Latin America, and Iraq. Is it different for you, as a Jew, to write critically about Israel?

Israel is always more emotionally difficult for me. I think mainly it’s because of the force of the reaction and the closeness [of the] reaction. It’s not a stranger that is upset about [what I write], it’s people in my family who write me long letters saying, ‚Oh, I hate you!‘ So it obviously strikes closer to home.

There’s a way in which we want to exclude Israel from the world and say it is so special, so different, that no analysis except for one specific to the Jews and the Holocaust is allowed to have any place in the discussion. For so many Jews, there’s a deep defensiveness around Israel, a profound desire to see Israel as an exception in every way. I get letters from people saying, I agreed with you about everything in the book, but you lost me completely on Israel.‘

Wie sie ihre Funktion als Alibijude erfuellt, wird an diesem Beispiel deutlich:

I love Naomi Klein. What a wonderful person and conscience for the world. And what a great idea, to bring Israel to its knees economically. The feeling of helplessness is the worst in this situation, for those who suffer and for those who want to help. For those of us who just want it to stop! Our proverbial hands are tied because of the memory of the Holocaust, which makes us reluctant to criticize a country which has symbolized the hope of a people who have suffered so much. To me it feels risky to speak out, but I’m too disturbed by what’s happening to remain silent.

It is greatly to the credit of men and women of Jewish descent like Naomi Klein, Glenn Greenwald, Jon Stewart, Noam Chomsky, and so many others, that they stand as people of conscience against the slaughter in Gaza and show such moral clarity when others are attempting to confuse the situation with the customary lies and half truths.

Weil es latenten Antisemiten peinlich ist, sich nach Ausschwitz offen als solche zu bekennen, sind sie fuer jeden Juden dankbar, hinter dem sie sich verstecken koennen.

Alibijuden: Paula Abrams-Hourani


Sacher Abu Al Oun, mein Contra-Blogger bei http://www.kurier.at hat sich nicht mehr gemeldet. Ehrlich gesagt waere ich nicht ueberrascht, wenn er zur Hamas gehoerte und mit ihr in den Untergrund gegangen waere. Hamas fuehrt ein totalitaeres Regime im Gazastreifen und ihre PR ueberlaesst sie nicht dem Zufall und irgendwelchen objektiven Journalisten.

Der Kurier brauchte also Ersatz, um „ausgewogen“ mit dem gegenwaertigen Konflikt umzugehen. Gefunden haben sie Paula Abrams-Hourani.

Das Pfund, mit dem diese Dame wuchert, ist ihre juedische Abstammung. Ohne diese waere sie nur eine weitere westliche Antisemitin, pardon Antizionistin. Dass es ihr keineswegs um das Leid der Palaestinenser geht, wird durch einen einfachen Vergleich offenkundig.

Im Mai/Juni 2007 begann der Buergerkrieg zwischen Hamas und Fatah. Nach diesen Angaben kamen dabei insgesamt 346 Menschen zu Tode, 98 davon Zivilisten. Das ist so weit nicht weg von den Zahlen, die jetzt genannt werden. Aber so sehr ich das Internet auch absuchte, ich konnte keinen Aufschrei von Frau Abrams-Hourani finden.

Aus allen ihren Aeusserungen geht hervor, dass Frau Abrams-Hourani nur eine Loesung des Nahostkonflikts sieht: die Selbstaufloesung des Staates Israel.

Ihre Darstellung der Lage im Gazastreifen:

die schutzlos in einem Gefängnis unter freiem Himmel eingeschlossen sind, einem Ghetto umschlossen von Hochsicherheit Crossing Points und Mauern, wo es kein Entrinnen gibt, Palästinenser, die von dieser hochgerüsteten Militärmacht Israel abhängig sind, ob Wasser, Elektrizität, Lebensmittel, Medikamente in dieses Ghetto “Gaza” hineingelassen werden.

ist hochdramatisch und sicher effektiv, um die Stimmung von Antisemiten, pardon Antizionisten aufzuheizen. Sie widerspricht aber der Selbsteinschaetzung der Hamasherrschaft im Gazastreifen.

In a sign of reassurance to the residents of the West Bank who are facing a joint campaign by the occupation forces and the Palestinian [National] Authority of Mahmud Abbas. Al-Zahhar said: „We tell our oppressed people in Ramallah that the sun of freedom has shone in the Gaza Strip and will shine on them in Ramallah, God willing.“

Addressing the senior officials of the PNA in Ramallah, Al-Zahhar said: „Those who think that by oppression and imprisonment they can put off the candle of freedom which has been lit in Gaza are entertaining illusions. Those who did not read the Gaza history, let them read it.“

(Hervorhebungen von mir)

Auch das ist typisch fuer dies Art Antisemiten, pardon Antizionisten: Sie benutzen den pal.-isr. Konflikt als Rationlisierung ihrer Ressentiments, hoeren dabei aber nie zu, was die angeblichen Objekte ihrer Fuersorge sagen.

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