Fehlinformationen zu den Irangespraechen (heute von der Basler Zeitung)


So bereichtet die BaZ

In Washington gilt besonders die israelische Forderung, dem Iran jegliche Anreicherung von Uran zu verwehren, als unüberwindliches Hindernis für eine friedliche Lösung des Atomstreits.

Die Forderung, dem Iran jegliche Anreicherung von Uran zu verwehren, stammt aber gar nicht aus Israel, sondern vom UN Sicherheitsrat, in Resolution 1737 von 2006:

(…)
Acting under Article 41 of Chapter VII of the Charter of the United Nations,
1. Affirms that Iran shall without further delay take the steps required by the
IAEA Board of Governors in its resolution GOV/2006/14, which are essential to
build confidence in the exclusively peaceful purpose of its nuclear programme and
to resolve outstanding questions;
2. Decides, in this context, that Iran shall without further delay suspend the
following proliferation sensitive nuclear activities:
(a) all enrichment-related and reprocessing activities, including research and
development
, to be verified by the IAEA; and
(b) work on all heavy water-related projects, including the construction of a
research reactor moderated by heavy water, also to be verified by the IAEA;
(…)

(Hervorhebung von mir)

Diese winzige Recherche waere doch auch einem Journalisten wie Martin Kilian zumutbar. Offensichtlich ist es angenehmer, Israel als Friedenshindernis darzustellen.

Und was ist mit dem Iran?


Die USA ziehen sich aus dem Nahen Osten zurueck. Das Vakuum wird von Russland gefuellt. Das war in Syrien offensichtlich: Die Obamaregierung ueberliess den syrischen Buergerkrieg samt Chemiewaffeneinsatz dankbar Putin, der seine Hand schuetzend ueber Assad haelt. Auch Aegypten wird von der Obamaregierung dazu gezwungen, sich mit Russland zu arrangieren. Gleichzeitig zieht die US-Marine ihren Flugzeugtraeger Nimitz aus dem Mittelmeer ab, waehrend Russland Kriegschiffe in die Region schickt.

Auch mit dem Iran moechte die Obamaregierung gern einen Raeumungsverkauf veranstalten. US-Interessen in Nahost inklusive Israel sollen unter der Hand verschleudert werden. Wenn Israel nun dabei nicht auch noch laechelnd kooperieren will, ist die Empoerung gross.

Offensichtlich ist nicht nur Israel alarmiert. Angeblich waren es die Saudis, die Frankreich unter Druck setzten, das Abkommen nicht zu unterstuetzen. Und der Schlussatz aus dem verlinkten Artikel:

Which rather leads to a different question: Not “Why did France choose to stand alone against the deal?” But, rather, “why did the other major powers consider the terms acceptable?”
(Und das fuehrt zu einer anderen Frage: Nicht „Warum hat sich Frankreich entschieden, als einziger gegen das Abkommen aufzutreten?“, sondern „Warum dachten die anderen Maechte, dass die Bedingungen annehmbar sind?‘ (Uebersetzung von mir):

Antisemitismus als Epidemie


Vor gut zwei Jahren schrieb ich ueber Antisemitismus als Krankheit. Inzwischen stelle ich fest, dass sich Antisemitismus bereits epidemieartig ausbreitet.

Die einstimmige Resolution des Deutschen Bundestags, Israel muesse im eigenen Interesse die Blockade des Gazastreifens „unmittelbar, bedingungslos und dauerhaft“ aufheben, ist ein klares Symptom, dass die Ansteckung um sich greift. Ein weiteres Sympton sehe ich in der Berichterstattung z.B. der FAZ, wo noch am 2. Juli von einer „Hilfsflotte“ gefaselt wird, obwohl laengst bewiesen ist, dass es den Veranstaltern gerade nicht um Hilfe fuer die zivile Bevoelkerung des Gazastreifens ging. Oder z.B. die NZZ, wo Israel unterstellt wird, Selbstverteidigung nur vorzutaeuschen, waehrend der Judenstaat in Wirklichkeit grundsaetzlich auch ungerechtfertigt mit eiserner Faust vorginge.

Bisher beruhigte ich mich ein Stueck weit mit dem Gedanken, dass in Europa die Elite immer weniger Rueckhalt in der Bevoelkerung besitzt, wo sich teilweise schon Reaktionen bilden. Deswegen finde ich es noch bedenklicher, dass nun auch ein konservativer Blog ohne Not antisemitische Ressentiments schuert. Wie selbstverstaendlich und alltaeglich muss Antisemitismus bereits sein, dass einem zur Positionierung der New York Times nichts einfaellt, als dass die Grossaktionaere juedischer Abstammung sind.

Im Alltag verdraengen wir weitgehend, was in der Welt um uns herum passiert. Wir muessen schliesslich weiterhin arbeiten, einkaufen, den Haushalt im Schwung halten, Kinder erziehen. Aber wir wissen, dass wir verdraengen. Gestern abend durfte die Grosse ihre beste Freundin zum Uebernachten einladen. Alle drei Maedchen sassen auf dem Balkon mit einem Windlicht und spielten Braendi-Dog. Ich stellte noch ihnen einen Teller Obst dazu und schaute vom Wohnzimmer geruehrt auf das froehliche Trio. Da stellte sich ungebeten der Gedanke ein: „Sie sollen wenigstens schoene Kindheitserinnerungen mitnehmen duerfen!“

Die Gasmasken habe ich zwar schon lange bestellt, aber ob wir sie am 11. Juli auch wirklich geliefert bekommen, scheint nicht sicher zu sein.

Antisemitismus in Grossbritannien – gegen den Strich


Grossbritannien wird immer wieder als der europaeische Staat genannt, dessen Islamisierung am weitesten fortgeschritten sei. Diese Wahrnehmung wird genaehrt von Beispielen, wie sich die politische Klasse im Vereinigten Koenigreich benimmt:

Unter Androhung von Gewalt setzt ein muslimischer Repraesentant im Oberhaus durch, dass Geert Wilders Film „Fitna“ nicht gezeigt wird und Wilders keine Einreisegenehmigung bekommt. Die BBC unterschlaegt die Gewaltandrohung in ihrer Berichterstattung.

Der Erzbischof von Canterbury plaediert fuer die Einfuehrung von Scharia-Recht. Britische Akademiker kaempfen an vorderster Front gegen Israel und fuer einen Boykott israelischer Akademiker und Hochschulen.

In der britischen Bevoelkerung scheint sich aber langsam eine Reaktion gegen die Linie ihrer selbst-reproduzierenden Eliten gebildet zu haben. Anders kann ich mir die Ergebniss der neuesten Umfrage der ADL nicht erklaeren. Von den sieben untersuchten europaeischen Staaten, Oesterreich, Frankreich, Ungarn, Polen, Deutschland, Spanien und Grossbritannien, schneidet gerade letzteres fast durch die Bank am besten ab. Nur in der Frage, ob Juden Gottesmoerder seien (der alte kirchliche Antijudaismus) liegen Frankreich, Deutschland und Oesterreich vor England. Und fuer die gegenwaertige Finanzkrise machen etwas weniger Franzosen (15%) als Briten (16%) die Juden verantwortlich.

Das passt zu meiner These der Reaktionsbildung. Die Bevoelkerung scheint auf tradierte Werte zurueckzugreifen, so dass ausgerechnet das aelteste der angebotenen Vorurteile gegenueber Juden noch am meisten Zustimmung finde.

Die antisemitischsten Laender in dieser Umfrage sind Spanien, Polen und Ungarn. Tatsaechlich fuerchtet sich meine Kollegin schon, Spanien und Portugal geschaeftlich zu bereisen…

Moderate Palaestinenser?


Abbas hat Arafats Erbe als Haupt der Fatah angetreten. Diese Organisation bildet das Rueckgrat der PLO und die wiederum das Rueckgrat der PA.

Im Gegensatz zur islamistischen Hamas wird Fatah als moderat, saekular eingeschaetzt. Daher wird sie auch in Milliardenhoehe von westlichen Demokratien unterstuetzt. In Friedensverhandlungen sollen die Modalitaeten geklaert werden, wie zwei Staaten Israel und Palaestina friedlich koexistieren koennen.

Wenn man diese Beschreibung fuer bare Muenze nimmt, wird man sich schwer tun, folgende Meldung bei Ma’an einzuordnen:

Gaza – Ma’an – Several Palestinian resistance factions issued statements on Sunday denouncing the 1917 Balfour Declaration in which the British official promised Palestine as a homeland for individuals of Jewish descent.

(…)

Fatah’s Al-Aqsa Brigades reiterated the sentiments against the Declaration in a statement that said Palestinians remain attached to their ancestral lands and remember their loss on this anniversary of the issuance of the Balfour Declaration. The statement held Britain responsible for what happened to the Palestinians and demanded that the British government work to remedy its mistake.

(…)

Briten sehen Auge in Auge mit den Israelis


zumindest, was den NIE Bericht zum iranischen Atomwaffenprogramm angeht.

Iran ‚hoodwinked‘ CIA over nuclear plans

British spy chiefs have grave doubts that Iran has mothballed its nuclear weapons programme, as a US intelligence report claimed last week, and believe the CIA has been hoodwinked by Teheran.

The timing of the CIA report has also provoked fury in the British Government, where officials believe it has undermined efforts to impose tough new sanctions on Iran and made an Israeli attack on its nuclear facilities more likely.

(…)

Dass Israel und UK uebereinstimmen, ist so selten, dass ich zu Ehren des Vorfalls ein paar fliegende Schweine einstelle:

und saisongemaess

Ist der vereitelte Anschlag vom September


im oeffentlichen Diskurs in Europa eigentlich noch praesent?
„Klarer Auftrag“ für Attentate kam aus Pakistan
Laut der Times ist einer der Verdaechtigen derzeit in England fluechtig: US airbase bomb plotter on run in UK

Wir haben folgende geographischen Daten:
Deutschland (Ort des geplanten Anschlags, Herkunftsland von mindestens zweien der Terroristen)
USA (als Opfer angepeilt, repraesentiert durch eine Militaerbasis)
Tuerkei (Herkunftsland von anderen beteiligten Terroristen)
Aegypten (Herkunftsland des geistigen Vorbereiters und ev. Kontaktmanns der dahinter stehenden Terrororganisation, vermutlich Al Qaida)
Pakistan (Ort der Terror-Trainingslager und Auftragserteiler)
Syrien (Herkunft der Zuender)
England (Fluchtort von mindestens einem beteiligten Terroristen).

Habe ich etwas uebersehen?