Esther vor dem Koenig


Heute abend beginnt Ta’anit Esther – das Fasten, mit dem sich die Koenigin fuer ihren lebensgefaehrlichen Gang zum Koenig vorbereitet:

Der Koenig hatte unter dem Einfluss seines Berater Haman den Voelkermord an den Juden verordnen lassen:

Mordechai, der Jude am Koenigshof, erfuhr von diesem Edikt. Seine Cousine (faelschlich wird immer wieder von Nichte gesprochen) war die erste Frau im Harem des Koenigs. Er nimmt mit ihr Kontakt auf, damit sie sich fuer Volk einsetzt:

“Und Mordechai berichtete ihm alles, was ihm begegnet war, auch die genaue Summe Silber, die Haman versprochen hatte, in den Schatzkammern des Königs abzuwiegen als Entgelt für die Vertilgung der Juden. Und er gab ihm die Abschrift des schriftlichen Befehls, der zu ihrer Vertilgung in Susan erlassen worden war, damit er ihn Esther zeige und ihr berichte und sie auffordere, zum König hineinzugehen, um seine Gnade zu erflehen und vor seinem Angesicht für ihr Volk zu bitten. Da ging Hatach hinein und berichtete Esther die Worte Mordechais.

Da sprach Esther zu Hatach und befahl ihm, Mordechai zu sagen: »Alle Knechte des Königs und die Leute in den königlichen Provinzen wissen, dass, wer irgend in den inneren Hof zum König hineingeht, es sei Mann oder Frau, ohne gerufen zu sein, nach dem gleichen Gesetz sterben muss, es sei denn, dass ihm der König das goldene Zepter entgegenstreckt, damit er am Leben bleibe. Ich aber bin nun seit 30 Tagen nicht gerufen worden, dass ich zum König hineingehen sollte!«

Als nun Esthers Worte dem Mordechai mitgeteilt wurden, da ließ Mordechai der Esther antworten: »Denke nicht in deinem Herzen, dass du vor allen Juden entkommen würdest, weil du im Haus des Königs bist! Denn wenn du jetzt schweigst, so wird von einer anderen Seite her Befreiung und Rettung für die Juden kommen, du aber und das Haus deines Vaters werden untergehen. Und wer weiß, ob du nicht gerade wegen einer Zeit wie dieser zum Königtum gekommen bist?«

Da ließ Esther dem Mordechai antworten: »So geh hin, versammle alle Juden, die in Susan anwesend sind, und fastet für mich, drei Tage lang bei Tag und Nacht, esst und trinkt nicht. Auch ich will mit meinen Mägden so fasten, und dann will ich zum König hineingehen, obgleich es nicht nach dem Gesetz ist. Komme ich um, so komme ich um!«

Gewisse Parallelen zur gegenwaertigen Situation sind denkbar:

Hamas – dank Spendengelder zweitreichste Terrororganisation


Forbes ist fuer seine Listen der reichsten Menschen, Unternehmen, Unterhaltungskuenstlern usw. bekannt. Bei den heutigen Verhaeltnissen liegt es nahe, auch eine Liste der reichsten Terrororganisationen zu erstellen.

Wenig ueberraschend fuehrt IS (oder ISIS) diese Liste an. Immerhin verfuegt dieser Terror-Protostaat ueber Einnahmen aus Oelfeldern, die auf taeglich 3 Millionen US$ geschaetzt werden. Ich wuerde ja vermuten, dass diese Einnahmen rasant abnehmen werden. Diejenigen, die das technische Knowhow fuer die Ausbeutung der Oelvorkommen haben, werden vermutlich moeglichst bald den Herrschaftsbereich der IS verlassen. Es mag zwar viele Freiwillige bei IS geben, aber die meisten davon duerften eher Versagertypen als professionelle Ingenieure sein.

An zweiter Stelle kommt schon Hamas. Ueber Oelvorkommen verfuegt der Gazastreifen nicht, obwohl im Meer vor der Kueste Gas vermutet wird. Das muesste aber erst erschlossen werden. Ein moeglicher Deal mit Israel scheiterte 2003 daran, daran, dass Ariel Sharon, damals Ministerpraesident, darauf bestand, dass das Gas durch untermeerische Pipelines direkt nach Israel befoerdert werden muesse, waehrend die PA, damals war Hamas noch nicht an der Macht, verlangte, dass das das Gas erst in den Gazastreifen und vor dort ueber Landleitungen nach Israel befoerdert werden sollte.

Im Rueckblick koennen wir angesichts der Erfahrungen mit aegyptischem Gas feststellen, dass Sharon wohl Recht hatte mit seiner Forderung. Die Landleitung fuehrt ueber den Sinai nach Israel und Jordanien und wurde seit dem Aufstand gegen Mubarak im Januar 2011 mindestens 23 Mal sabotiert. Vor der Sabotage deckte Israel ca. 40% seines Energiebedarfs mit aegyptischem Gas. Als die Aegypter 2012 den Vertrag einseitig kuendigten, musste Israel den Ausfall kurzfristig auf andere Weise ausgleichen, was teuer und schlecht fuer die Luftqualitaet war, bis die eigenen Gasfelder erschlossen waren (Ende 2013, Anfang 2014). Besonders gelitten haben natuerlich die Jordanier, die ebenfalls von aegyptischem Gas abhingen und weniger Devisen fuer kurzfristigen Ersatz und langfristig keine eigenen Vorkommen haben. Stillschweigend hat Israel inzwischen die Gaslieferungen an Jordanien uebernommen.

Nein, die Reichtuemer der Hamas kommen aus zwei anderen Quellen: Internationale Spenden fuer den Gazastreifen, bei denen Hamas – auch wenn sie nicht der Empfaenger ist – immer eine Tranche abzuschneiden weiss. Und natuerlich verfuegt Hamas im Gazastreifen ueber staatlichen Einnahmen: Steuern.

Gleichzeitig hoeren wir immer wieder, dass die Bevoelkerung im Gazastreifen Hunger leide.

Die EU macht bei dieser Abzocke gern mit und laesst sich auch nicht beirren, nachdem der Krieg in diesem Sommer endgueltig erwiesen hat, wo Hamas vor allem investiert hat.

Huehnerdreck und andere Kleinigkeiten


Jeffrey Goldberg wird immer wieder mal von der Obamaregierung dazu verwendet, deren Ansichten und Warnungen anonym unter das Volk zu bringen.

Dieses Mal bestehen die “Ansichten” ueberwiegend aus kindischen Beleidigungen:

The other day I was talking to a senior Obama administration official about the foreign leader who seems to frustrate the White House and the State Department the most. “The thing about Bibi is, he’s a chickenshit,” this official said, referring to the Israeli prime minister, Benjamin Netanyahu, by his nickname.

(…)

Over the years, Obama administration officials have described Netanyahu to me as recalcitrant, myopic, reactionary, obtuse, blustering, pompous, and “Aspergery.” (These are verbatim descriptions; I keep a running list.) But I had not previously heard Netanyahu described as a “chickenshit.” (…)

Die Assoziation zu “Huehnerdreck” ist Feigheit. Warum soll Netanyahu ein Feigling sein? Aus Sicht des Weissen Hauses sicher deswegen, weil er nicht bereit ist, noch mehr Risiken fuer Israel in einem “Friedensprozess” zu akzeptieren, von dem voellig klar ist, dass er unmoeglich zu echtem Frieden fuehren kann.

Aber das ist nur ein Teil der Erklaerung in Goldbergs Text:

I ran this notion by another senior official who deals with the Israel file regularly. This official agreed that Netanyahu is a “chickenshit” on matters related to the comatose peace process, but added that he’s also a “coward” on the issue of Iran’s nuclear threat. The official said the Obama administration no longer believes that Netanyahu would launch a preemptive strike on Iran’s nuclear facilities in order to keep the regime in Tehran from building an atomic arsenal. “It’s too late for him to do anything. Two, three years ago, this was a possibility. But ultimately he couldn’t bring himself to pull the trigger. It was a combination of our pressure and his own unwillingness to do anything dramatic. Now it’s too late.”

Ich habe diese Ansicht einer anderen hochrangigen Amtsperson vorgelegt, die regelmaessig mit der Akte Israel zu tun hat. Dieser Amtsinhaber stimmte zu, dass Netanyahu “Huehnerdreck” sei hinsichtlich des komatoesen Friedensprozesses, fuegte jedoch hinzu, dass er auch ein Feigling sei angesichts der nuklearen Bedrohung durch den Iran. Der Beamte sagte, dass die Obamaregierung nicht laenger daran glaube, dass Netanyahu einen Praeventivschlag gegen Irans Nuklearanlagen fuehren werde, um zu verhindern, dass das Regime in Teheran ein Atomwaffenarsenal aufbaut. “Jetzt ist es zu spaet fuer ihn, um etwas zu unternehmen. Vor zwei, drei Jahren war das eine Moeglichkeit. Aber schlussendlich konnte er sich nicht dazu ueberwinden, auf den Ausloeser zu druecken. Das war eine Mischung von unserem Druck und seinem eigenen Widerwillen, etwas Dramatisches zu tun. Jetzt ist es zu spaet.” (Uebersetzung von mir)

Lest diese Passage bitte langsam und sorgfaeltig, zum besseren Verstaendnis habe ich sie auch ins Deutsche uebersetzt. Fuer mein Teil ziehe ich folgende Schlussfolgerungen:

1. Das Weisse Haus ist zu der Ueberzeugung gekommen, dass der Iran auf dem Weg zur Atommacht nicht mehr aufgehalten werden kann. Vermutlich deswegen verhalten sich die USA in den Atomverhandlungen mit dem Iran so windelweich. Wenn der Zug ohnehin abgefahren ist, kann man nur noch versuchen, ein bisschen etwas herauszuholen, aber fuer harte Verhandlungen gibt es keine Ausgangsposition mehr.

2. Das Weisse Haus befuerchtet, dass die Atommacht Iran der Obamaregierung als Scheitern angelastet werden wird.

3. Israel und Netanyahu werden bereits als Suendenbock vorbereitet. “Warum haben die Israelis das denn nicht verhindert?!”

Grenzuebergang fuer Menschen


Kerem Shalom ist der Grenzuebergang, ueber den Waren in den Gazastreifen transportiert werden. Wir haben schon gesehen, dass Hamas Kerem Shalom staendig unter Moerserbeschuss nimmt.

Ueber den Grenzuebergang Erez findet der Personenverkehr statt. Das sind vor allem Patienten aus dem Gazastreifen, die zur Behandlung in israelische Krankenhaeuser kommen.

Heute morgen wurde dieser Grenzuebergang von Hamas unter Beschuss genommen und zwar gerade als eine Gruppe Kranker aus dem Gazastreifen nach Israel einreisen sollte. Drei  Vier arabische Israelis, die in diesem Grenzuebergang arbeiten – und zwar als Taxifahrer (vermutlich weil sie mit den Einreisenden in ihrer eigenen Sprache sprechen koennen) – wurden verletzt, zwei davon schwer.

Israel soll wohl gezwungen werden, aus Ruecksicht auf die eigenen Buerger, den Grenzuebergang Erez zu schliessen. Ins Feldlazarett duerfen Kranke und Verletzte aus dem Gazastreifen ja auch nicht, wenn es nach der Hamas und ihren westlichen Unterstuetzern, wie z.B. Frau Kunze geht.

Israel haelt den Grenzuebergang trotzdem offen und laesst Patienten aus dem Gazastreifen zur Behandlung nach Israel.

Humanitaere Katastrophe gefaellig?

Sehr guter Hintergrundartikel in der Basler Zeitung


Lest:  Die Gefahr der Hamas ist unterirdisch

Waffenstillstand – wie gehabt III


Heute bat Hamas um weitere 12 Stunden humanitaerer Waffenruhe, beginnend 14:00 Ortszeit, schiesst aber auch nach 14:00 Raketen aus Israel.

U
Despite announcement of truce Hamas claims responsibility for rocket barrage fired at Israel in past hour
(15:15 , 07.27.14)
Code Red siren sounds in Sdot HaNegev and Eshkol
(14:45 , 07.27.14)
Rocket explodes in open area in Hof Ashkelon Regional Council
(14:41 , 07.27.14)
Egypt’s army destroys 13 tunnels connecting between Sinai and Gaza Strip
(14:26 , 07.27.14)
Three rockets explode outside communities in Eshkol; no injuries
(14:22 , 07.27.14)
Pope: World War I should teach us: No more war
(14:09 , 07.27.14)
Code Red siren sounds in Hof Ashkelon
(14:06 , 07.27.14)
Report: IDF strikes al-Aqsa Radio Studio in Gaza city
(14:00 , 07.27.14)
Hamas says agrees to new 24-hour humanitarian truce in Gaza starting at 2 pm
(13:26 , 07.27.14)

 

Kollektivstrafe


Die NZZ ist sich sicher, dass die internationalen Fluggesellschaeften ihre Fluege von und nach Tel Aviv aussetzen, weil sie die Konsequenzen aus der Gewalt ziehen. Und damit keine Zweifel daran aufkommen, welche Gewalt gemeint sein kann, verkuendet der vorhergehende Satz im Untertitel und der Anspann zur Schlagzeile “Mehr als 600 Tote im Gazastreifen”. Mit der in der Naehe des Flughafens niedergegangenen Rakete und der von den Fluggesellschaften beschworenen Sorge um die Sicherheit ihrer Maschinen und Passagiere hat das ja wohl gar nichts zu tun.

Ich moechte noch einmal darauf hinweisen, dass die Fluege nach Pakistan nicht eingestellt wurden, obwohl es dort zu mehr als einem Angriff auf Flughaefen kam.

Mit der Stornierung von so vielen Fluegen, vor allem jetzt in der Urlaubszeit, wird eine Kollektivstrafe ueber Israelis verhaengt. Ich dachte, dass Kollektivstrafen voelkerrechtlich verboten sind?! Oder ist es hier wie auch bei anderen Punkten des Voelkerrechts so, dass ein Recht fuer Israel (witzige Satire zum Thema) und ein anderes fuer den Rest der Welt gilt (und noch eine Extrawurst fuer Muslime).

Wenn wir schon bei Kollektivstrafen sind: Mir scheint, dass die ueberhoehten Strompreise, die der normale israelische Steuerzahler berappen muss, weil die Politik sich nicht erlauben kann, den Palaestinensern den Strom abzuschalten, obwohl sie nicht dafuer bezahlen, auch eine Kollektivstrafe darstellen.

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