Wie fingen die Unruhen an und wer steht dahinter


Der Anfang der juengsten Unruhen ist relativ leicht zu bestimmen: Zum juedischen Neujahrsfest wurden Ausschreitungen auf dem Tempelberg vorbereitet. Junge Palaestinenser brachten Steine und Molotovcocktails in die Moschee, um geruestet zu sein, wenn juedische Besucher zum Fest auf den Tempelberg kamen.

Hier sehen wir die Kaempfer jeder mit seinem persoenlichen Steinehaufen vor der „Schlacht“.

Als dann die Polizei eingriff, um die juedischen Besucher zu schuetzen, ging der Spass erst richtig los:

Es dauerte ueber zwei Wochen, bis „Al Aksa ist in Gefahr“ – der bewaehrte Slogan, um palaestinensische Unruhen los zu treten –  zu wirken begann. (Auch bei Sharons Besuch auf dem Tempelberg, der als Propaganda-Startschuss fuer die sog. 2. Intifada geplant war, gab es eine Verzoegerung.) Dieses Mal war die Verzoegerung deutlich laenger, was vielleicht doch auf eine gewisse palaestinensische Kriegsmuedigkeit hinweisen koennte. Aber die Unruhen auf dem Tempelberg wurden konsequent weiter durchgezogen. Schon im Mai hielt Khaled Abu Toameh fest, dass mindestens ein paar Frauen auf dem Tempelberg regelmaessige Gehaelter dafuer beziehen, dass sie Besucher belaestigen.

Der Startschuss fuer mehr Gewalt kam mit der Ermordung des Ehepaars Henkin am 2. Oktober. „Sinnlos“ wie Tablet meint, war deren Tod aus Sicht derjenigen, die die Unruhen planten und wollten, keineswegs. Uebrigens blieben die Kinder verschont, weil einer der Terroristen durch die Schuesse seiner Kameraden verletzt wurde, so dass die Aktion abgebrochen wurde, um ihn schnell ins Krankenhaus zu bringen. Pal. Terroristen haben noch nie davor zurueckgeschreckt, auch Babys abzuschlachen.

Nichts wirkt so anziehend wie Erfolg: Fatah beanspruchte das Attentat fuer sich, obwohl sich bei der Verhaftung der Taeter herausstellte, dass es sich um eine Hamas-Zelle handelte. Die palaestinensische Bevoelkerung freute sich, verteilte Suessigkeiten und Snuff-Photos der Opfer.

Waren die Terroristen des Anschlags auf die Henkinfamilie noch Profis, mit der entsprechenden Ausruestung und Logistik, so machte nur zwei Tage spaeter ein normaler Palaestinenser vor, dass auch mit einfachen Mitteln Resulte erzielt werden koennen. Die Familie Bennett war am Thorafreudenfest auf dem Weg durch die Jerusalemer Altstadt zur Klagemauer, als ein Messerstecher sie angriff. Der Vater wurde ermordet, die Mutter schwer und ihr 2-jaehriger Sohn leicht verletzt. Rabbi Nehemia Lavi, der der Familie zu Hilfe eilen wollte, wurde ebenfalls ermordet. Der Frau gelang es zu fliehen. Sie berichtete, dass die arabischen Ladenbesitzer und Passanten, ihr nicht nur keine Hilfe leisteten, sondern sie bespuckten und dem Attentat Beifall klatschten.

Ab da reissen die Anschlaege, vorwiegend mit dem Messer, gelegentlich auch mit Auto, Gaskanister, Schusswaffe, Schraubenzieher, nicht ab. Heute morgen bereits ein Messerstecher in Raanana, einer in Holon und zwei anscheinend schwere Attentate in Jerusalem.

Teile der palaestinensischen und der arabischen Bevoelkerung in Israel geben sich einer hysterischen Hass- und Gewaltorgie hin. Auf der anderen Seite geben andere ausdruecklich zu verstehen, wie zuwider ihnen das ist.

Hamas findet die Unruhen natuerlich grossartig, ist aber im Gazastreifen etwas ab vom Schuss, obwohl sie sich nach Kraeften bemueht, nicht irrelevant zu sein.

Abbas selber haette lieber Ruhe, aber seine Fatah geniesst den Terror. Abbas moechte ungern der Welt vorfuehren, wie irrelevant er selber ist, daher versucht er auf beiden Hochzeiten zu tanzen: Einerseits die Gemueter zu beruhigen, andererseits sich vom Glorienschein des Terrors ueberglaenzen zu lassen.

Ich meine, dass eine langfristige Planung hinter den Unruhen erkannt werden kann und ich wuerde auf iranisches Geld und Hamas-Logistik tippen, schliesslich wurde dieser Plan vor einem Jahr vorgelegt. Der Iran duerfte inzwischen leicht Kredite aufnehmen koennen, nachdem das Atomabkommen dafuer sorgt, dass die Sanktionen in sich zusammenfallen. Hamas war schon seit langem Befehlsempfaenger des Iran. Innerhalb Israels arbeitet natuerlich der noerdliche Fluegel der Islamischen Bewegung unter Raed Salah an der Umsetzung. Das Drosseln des Geldflusses an Hamas im vergangenen Sommer koennte genau der Druck gewesen sein, mit dem die jetztigen Unruhen erreicht wurden. Die iranische Fuehrung versteht das Atomabkommen als Triumph ueber den verhassten Westen. Dazu passt, dass arabische Staaten, angefuehrt von Saudi-Arabien und Aegypten Abbas auffordern, die Ruhe wiederherzustellen. Moeglicherweise ist das Teil der iranischen Strategie, Israel an einem Militaerschlag zu hindern, waehrend die Aufruestung (wahrscheinlich auch das Nuklearprogramm) rasant vorangetrieben wird.

Update 14/10/15: Elder of Ziyon weist darauf hin, dass die Aufwiegelung zu den Gewalttaten vorwiegend ueber Facebook und andere soziale Medien verbreitet wird. Er erwaehnt auch, dass der Islamische Jihad besonders geuebt ist, auch mit sozialen Medien zu arbeiten und vermutet, dass ein Teil dieser Facebook-Gruppen von Terrororganisationen betrieben werden. Dazu weiss ich persoenlich nichts. Es waere aber genau das fehlende Bindeglied in der oben skizzierten Kette.

Definition von Irrsinn


Irrsinn ist: Immer wieder dasselbe zu wiederholen und ein anderes Ergebnis zu erwaren.
„Insanity is defined as repeating the same behavior and expecting a different result“

Ueber den Ursprung dieser Definition gibt es kein Einigkeit.

Jedenfalls passt sie auch sehr gut auf die Entscheidung der israelischen Regierung, mal wieder Gefangene freizulassen, als Geste des guten Willens und um einen pal. Verhandlungspartner zu staerken.

2003: Als Geste des guten Willens laesst Sharon vor dem Gipfel von Akaba 100 Gefangene frei
2005: Sharon liess 500 Gefangene frei, um Abbas zu staerken und als Geste des guten Willens
2007: Olmert laesst 250 Gefangene frei, als Geste des guten Willens und um Abbas zu staerken

Das ist keine erschoepfende Liste, nur die Highlights, die einem beim Googeln ins Auge springen.

Und jetzt rekapitulieren wir die Ergebnisse:
In Akaba beschworen alle drei, Bush, Sharon, Abbas, Frieden und der Palaestinenserstaat sollten bis 2005 umgesetzt sein. Die Hamas aber weigerte sich und setzte sich durch. Irgendwie war Abbas durch 100 Freigelassene nicht ausreichend gestaerkt worden. Im Januar 2006 gewann die Hamas die Parlamentswahlen, auch die 500 Freigelassenen hatten nicht ausgereicht, um Abbas und seine Fatah ausreichend zu staerken. Und die 250 Freigelassene konnten die Blamge der Fatah im Gazastreifen nicht ungeschehen machen. Kurz vor der Freilassung hatte die Hamas dort gewaltsam die Macht uebernommen.

Vor diesem Hintergrund scheint die Analyse: Gefanngenenfreilassung hilft Abbas nicht auf der Hand zu liegen:

(…)

The argument that the release of Palestinian prisoners from Israeli jails strengthens the „moderates“ has never proven to be correct.

(…)

Since the signing of the Oslo Accords 15 years ago, Israel – citing the need to strengthen „moderate“ Palestinians – has released thousands of security prisoners.

(…)

Until today, there has been no proof that the release of security prisoners boosted Arafat’s standing among his people in the first 10 years of the peace process.

(…)

Over the past three years, the release of security prisoners to „boost“ Abbas and Fatah did not prevent Hamas in the end from winning the parliamentary election. Nor did it help Abbas and Fatah when Hamas managed to drive them out of the Gaza Strip in June 2007.

(…)

ABER, wo kaemen wir hin, wenn Israels Politiker aus dem Debakel von Oslo etwas lernen wollen:

Today, Israel is hoping that the release of the 200 security prisoners, almost all of whom belong to Fatah, would again strengthen Abbas and Fatah at the expense of Hamas.

Der institutionalisierte Irrsinn!

Vorbilder in der pal. Gesellschaft


Brauchen wir noch Vorbilder? fragte sich und uns die ZEIT im vergangenen September. Die Antwort faellt nicht eindeutig aus.

Die 68er waren wohl die Letzten, die noch Vorbilder kannten, deren Leben so überhöht werden konnte, dass sie einem gemeinsamen Guten dienten und ihre Gegenwart in eine etwas goldenere Zukunft zu führen versprachen. Ob sie nun Rudi Dutschke hießen, Che Guevara oder auch Muhammad Ali: Sie standen für etwas, das noch größer war als sie selbst.

(…)

In allen Fällen war das Ich wichtiger als eine kollektive Moral. (…)

Moral wird also, vielleicht ist das eine speziell deutsche Spielart, als wichtigste gesellschaftliche Kraft gesetzt, als eine Art Ersatzdoktrin, die an die Stelle übergeordneter Entwürfe gestellt wird. Und gesucht wäre heute eine Maxime für richtiges Handeln, die eher aus dem Alltag und aus uns selbst kommt als aus einer abstrakten Idee.

Die palaestinensische Gesellschaft ist in dieser Hinsicht viel ungebrochener als die Gesellschaft, fuer die und ueber die die ZEIT schreibt. Ihre Ideale sind fraktionsuebergreifend.

The Al Kuds Mark of Honor, the PLO’s highest medal, will be given to two female terrorists who helped kill Israelis, Israel Radio reported Wednesday.

Ahlam Tamimi, a Hamas affiliate serving a life sentence for driving the suicide bomber who exploded himself in the Sbarro restaurant in Jerusalem, killing at least half a dozen people, including a whole family and Amra Muna, who seduced Ophir Rahum over the Internet and then lured him to Ramallah where he was murdered, will both be awarded the medal.

Conferring the Al Kuds Mark of Honor is decided at the discretion of the Palestinian Authority’s president, and he alone has the final say when choosing the Palestinians to be honored with the medal.

(…)

Hervorhebungen von mir

Obwohl Fatah und Hamas miteinander konkurrieren, wobei es schon mal vorkommen kann, dass man sich gegenseitig entfuehrt, foltert oder auch toetet, besteht doch eine tiefere Einigkeit. Ehre, wem Ehre gebuehrt. Und Ehre gebuehrt all denen, die Juden toeten.

Friedliche Zweistaatenloesung billig in gute Haende abzugeben…

crossposted bei Freunden der Offenen Gesellschaft

Update vom 17.04.08: Offensichtlich war Abbas die Aufmerksamkeit fuer diese Ehrung doch eher peinlich:
Abbas: Awards to terrorists have been revoked

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