Ueberleitungen zum neuen Antiamerikanismus


Seit Barack Hussein Obama zum 44. Praesidenten der USA gewaehlt wurde, kann der Hass auf Goerge W. Bush nicht mehr als Tarnung fuer Anti-Amerikanismus dienen. Mir ist klar, dass Anti-Amerikanismus seelische Funktionen erfuellt, die ganz unabhaengig vom aktuellen Inhaber des Amtes sind. Daher halte ich seither ein bisschen Ausschau nach Ueberleitungen vom alten Bush-Bashing zu einer erneuerten und anders begruendeten Ablehnung der USA.

Heute bin ich auf das erste Exponat gestossen: Politskandal in Illinois Der Aufreisser lautet:

Korruption, Prostitution, zweifelhaftes Benehmen. Oft fühlt sich unser USA-Korrespondent wie im Lande Skandalistan. Die neueste Affäre in Illinois ist eine besonders heftige

USA = Skandalistan, das ist bereits Partei- und Praesidenten-uebergreifend. Natuerlich schadet es nicht, wenn im ersten Absatz zunaechst zwei Skandale um republikanische Politiker angefuehrt werden. Aber der fettgedruckte Persilschein fuer Obama im weiteren Artikel ist bereits qualifiziert:

Die Staatsanwälte sagen, Barack Obama habe von diesen Überlegungen nichts gewusst – und sei an keiner Stelle involviert. Einstweilen also wirft die Affäre keinen Schatten.

Kursivdruck von mir. Klingst ist sich also nicht so sicher, dass die Schatten bei sinkender Sonne nicht noch kommen koennen und erinnert im Folgenden daran, dass Chicago fuer schmutzige Politik beruechtigt ist.

Duemmlicher Antiamerikanismus in der Zeit


Michael Thumann hat einen Text veroeffentlicht, der mich in seiner Oberflaechlichkeit und mit den kaum getarnten Ressentiments nach Luft schnappen laesst, obwohl ich von der ZEIT schon einiges gewoehnt bin.

Thumanns palaestinensischer Freund sagt so einiges, was nachweislich unwahr ist:

Haben die Amerikaner nicht seit 2000 keinen Cent mehr auf die Palästinenser gegeben (…)

Komisch, ich erinnere mich an eine US-Zusage ueber 555 Millionen Dollar fuer das Jahr 2008 in Paris im letzten Dezember. Thumann aber sieht keinen Grund „wegen Details mit ihm herumzustreiten.“ Schliesslich ist der Mann Palaestinenser und hat damit das Recht auf sein eigenes Narrativ, das in wesentlichen Zuegen offensichtlich auch von Thumann geteilt wird:

Der Erste ist ein Palästinenser, der aus verschiedenen Gründen, die – wie er sagt – alle in israelischer Politik liegen, nicht in seine Heimat Gaza zurückkehren kann. Er lebt seit Jahren auf der Flucht und verzweifelt an der Gleichgültigkeit der Welt gegenüber seinem Schicksal und dem seines Volks.

Leichte Zweifel kommen Thumann offensichtlich nur bei der Frage, ob das Hamasregime wirklich gar nichts mit der Entscheidung seines Freundes zu tun hat, dem Gazastreifen lieber fern zu bleiben. Die Flucht, vermutlich von einem Palaestinakomitee zum naechsten mit reger Vortragstaetigkeit und die Gleichgueltigkeit der Welt gegenueber den Palaestinensern (!) dagegen nimmt er fuer bare Muenze.

„Die Spannweite der arabischen Meinungen“ umfasst offensichtlich nur Variationen zur Aussage „Amerika bekommt, was es verdient“. Dieselbe Schadenfreude macht sich auch in den Kommentaren breit.

So wie er denken derzeit die meisten Araber. Soll ich ihm da widersprechen? Es fällt dieser Tage schwer, im Osten auch nur ein gutes Wort für die Vormacht des Westens einzulegen.

Mit dieser Heuchelei beendet Thumann seinen Text. Dabei ist offensichtlich, dass er nicht das geringste Interesse daran hat, fuer den Westen ein gutes Wort einzulegen. Ganz im Gegenteil geniesst er sein eigenes antiamerikanisches Ressentiments so schoen durch seine arabischen Gewaehrsleute ausdruecken und an den Mann bringen zu koennen.

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