Der Einzelne – das Kollektiv


Gestern beschrieb ein anonymer Kommentator bei Yaacov Lozowick’s Ruminations die palaestinensische Denkweise folgendermassen (Uebersetzung von mir):

Ich hasse es, den Besserwisser zu mimen, aber nachdem ich vier Jahre lang eine Beziehung mit einem Palaestinenser hatte … der Grund, warum diese Dorfbewohner keine Bedenken haben, alle Juden dafuer verantwortlich zu machen, dass ihre Moschee in Brand gesetzt wurde, liegt darin, dass das genau das ist, was sie selber tun wuerden, waere die Situation umgekehrt. Grob ausgedrueckt, koennen sie nicht begreifen, warum Juden ihre Moscheen nicht zerstoerenn. So kaempfen semitische Voelker. Das haben die Araber mit allen Synagogen gemacht in der Westbank und im Gazastreifen nach 1948, ohne eine Ausnahme. Die Tatsache, dass Juden sich nicht so verhalten, schuert noch ihr Misstrauen, anstatt es zu mindern, weil sie davon ausgehen, dass die Juden etwas noch Schlimmeres planen. Die Macht-Stolz-Dynamik der semitischen Kulturen ist so weit von westlicher Erfahrung entfernt, dass sie schwer zu erklaeren ist.

Die meisten der Fellahin (pal. Bauern) sind keine tiefen, einsichtigen Denker. Sie sind Stammesleute und sehen die Welt in einfachen Begriffen. Sie denken sich Juden nicht als Individuen. Sie sehen keine Individuen, sondern Kollektive. Wenn ein Jude etwas tut, ist voellig klar, dass alle Juden das unterstuetzen.

Das Blutkonzept kann helfen diese andere Denkweise zu erklaeren. Nach palaestinensischer Sicht kann ein Clan, wenn eines seiner Mitglieder ermordet wurde, Blutrache an jedem Mitglieder des gegnerischen Clans ueben, auch auf der anderen Seite der Welt. Eine voellig unschuldige Person kann getoetet werden, um das vergossene Blut zu raechen, weil das Individuum nicht zaehlt – sie sind ein Kollektiv. Das ist uebrigens nicht islamisches Recht, nur Stammesdenken, die Palaestinenser haben eine der staerksten Stammestraditionen unter den Arabern.

Rabbi Metsger denkt, dass er mit seinem Kommen eine freundschaftliche Geste macht. Die Palaestinenser in diesem Dorf empfinden es aber als Beleidigung: Ihr habt nicht nur unsere Moschee niedergebrannt, jetzt habt ihr noch die Stirn hierher zu kommen, uns auszulachen und zu behaupten, dass ihr es nicht gemacht habt! Genauso sehen sie das. Wenn Rabbi Metsger
sie beruhigen wollte, haette er zugeben muessen, dass er (das juedische Kollektiv) die Moschee niedergebrannt hatte und sie fragen, welche Synagoge sie als Vergeltung niederbrennen wollen. Mindestens haette er den Brandstifter ausliefern muessen, den die Dorfbewohner dann auf grausame Weise umbringen wuerden. Stammesgesetz funktiontiert in dieser Art: „wie du mir, so ich dir“.

Gibt es gebildete Palaestinenser oder auch Stammesaelteste, die es besser wissen? Ja. Aber die Mehrheit der Menschen vor Ort sind nicht im analytischen Denken geuebt. Sie denken nicht von sich selber in der dritten Person und tauschen im Kopf die Variablen aus, um zu verstehen, wie die Juden denken. Sie sehen sich selber als Kollektiv und gehen davon aus, dass jeder andere das genauso tut.

So uebertrieben diese Schilderung wirkt, heute finde ich eine kleine Nachricht in der Jerusalem Post, die auf solch primitives, kollektivistisches Denken hinweist.

Ein Bewohner des „Fluechtingslagers“ (laengst ein Slumviertel von Jerusalem) Shuafat bezahlt seine Stromrechnung nicht. Der Lieferant stellt ihm schliesslich den Strom ab. Der Einwohner von Shuafat empfindet das als feindseligen Akt eines gegnerischen Kollektivs. Er macht sich zum naechtsgelegenen Buero der Stromgesellschaft auf und greift zwei Angestellte mit dem Messer an. Einen verletzt er durch schwere Stichwunden im Nacken, der andere kommt mit leichteren Verletzungen davon. Die beiden Angestellten sind israelische Araber und haben nicht das Geringste damit zu tun, dass dem Taeter der Strom abgestellt wurde. Aber sie gehoeren zum feindlichen Kollektiv und sind aus seiner Sicht daher legitimes Ziel seiner Rache.

Kein Verlass auf die Gesetze der Blutrache


Eigentlich ist Blutrache nur gegen die maennlichen Mitglieder des feindlichen Clans gerichtet. Die „Diskriminierung“, dass die weiblichen Mitglieder dabei nichts gelten, wird innerhalb des Clans durch Ehrenmorde nur an weiblichen Mitgliedern ausgeglichen.

Aber auch diese Standards werden anscheinend nicht mehr eingehalten. In Lod wurde ein 11jaehriges Maedchen angeschossen. Das Kind ist nicht das erste weibliche Opfer der Blutrache zwischen den Abu Zaids und den ABu Ghanams in Lod, aber da scheint es sich nicht um Absicht gehandelt zu haben.

Just several months ago another member of the family, a woman in her 40s, was killed by a stray bullet.
A second woman was also wounded in the incident

Im gestrigen Vorfall wurde dagegen anscheinend auf eine Gruppe von Frauen gezielt.

An initial probe into the shooting has determined that the girl, a member of the Abu Zeid family, had been standing at the entrance of the clan’s compound when an unidentified person fired an automatic weapon towards the compound from a private car as it was driving by.

One of the bullets stuck the girl in her upper torso, narrowly missing two additional female relatives who had been nearby. The girl, who was lightly wounded, was evacuated to the Assaf Harofeh Medical Center.

Sicher wird uns Meron Rappaport oder Gesinnungsgesnossen aufklaeren, dass Israel auch fuer diese Blutrache verantwortlich ist, muessen doch auch die unterdrueckten, arabischen Buerger von Lod mit Juden zusammenleben. Diese Demuetigung wirkt notwendig psychisch deformiernd, so dass die Betreffenden, obwohl Anhaenger der Religion des Friedens, gar nicht anders koennen. [/sarc]

noch ein bisschen Hintergrund zur Bandenkriminalitaet im Gazastreifen


Letzte Woche starb Akram al-Masri, 31 im Gazastreifen eines gewaltsamen Todes. Derselbe junge Mann hatte sich im Jahr 2002 um Asyl in Australien bemueht und war abgelehnt worden. Vor diesem Hintergrund geht Paul McGeough im Sydney Morning Herald der Frage nach, warum Akram sterben musste. (Hattip IsraellyCool)

Die kurze Antwort lautet: Blutrache in einer Sippenfehde.

Dabei handelt es sich um keinen Einzelfall.

(…)

Tribal clans such as his are powerful players in the inter-factional cauldron of Gaza politics. The mango row was just one of hundreds of feuds caused by the slightest transgression.

(…)

„We fought the Kafarnehs like they were the Israelis,“ a senior Masri man said at the time.

Under Yasser Arafat’s rule, the Masri clan had control of the General Intelligence Department, or Mukhabarat, through the appointment of General Mohammed Masri.

Interclan rivalry over the appointment and the power and resources that flowed to the Masri clan as a result has been cited as a cause of the enmity between the Masris and Kafarnehs. Their ongoing feud prompted the Masris to erect a four-metre-high wall around their enclave in the southern Gaza town of Khan Younis.

But the clan is fighting on other fronts. It has vowed to inflict death on the Dughmush clan, which was responsible for the abduction last year of the BBC reporter Alan Johnston, and it has made threats against Hamas since the party took control of Gaza last June.

Many clans have struggled to come to terms with the new power structure in Gaza and Hamas is trying to bring them to heel.

„There are about 6000 men in the Masri family, and Hamas knows that if it enters the family quarter it would face a battle far worse than [any] it has already fought,“ a senior Masri figure has warned.

(…)

Hervorhebungen von mir.

Von den offensichtlich zahlreichen Opfern der Blutrache im Gazastreifen hoert man relativ wenig, will mir scheinen. Ich behaupte mal frei von der Leber weg, dass diese Toten und Verletzten – wo immer moeglich – als Propagandamunition gegen Israel eingesetzt werden. Erinnert sich noch jemand an die Geschichte des alten Mannes, der angeblich voellig unmotiviert von israelischen Soldaten erschossen worden sein soll? Ein solches Opfer wuerde gut in den Kontext Blutrache passen. Da kommt es schliesslich nicht darauf an, ob von dem Mann irgendeine Gefahr ausging, sondern nur darum, dass er ein maennliches Mitglied (Frauen zaehlen bei der Blutrache nicht – Feministinnen sollten gegen die Ungleichbehandlung protestieren) des richtigen Clans war.

Wie Aussie Dave ganz richtig fragt: Wenn die Palaestinenser nicht einmal dem Leben ihrer Mitpalaestinenser Wert zumessen, geschweige denn Juden – sind sie dann wirklich reif, in Frieden mit Israel zu leben?

Eigentlich sollten meterhohe „Apartheid“-Mauern den Palaestinensern ein richtig heimeliges Gefuehl verschaffen. Erstaunlich, dass dieses bauliche Element im Gazastreifen gar nicht stoert, um Jerusalem herum aber umso mehr.

Bei den Kaempfen im Gazastreifen handelt es sich nicht wirklich um politische Auseinandersetzungen von wegen „moderate“ Fatah gegen islamistische Hamas. Maechtige Sippen wollen ihre Autonomie bewahren und Hamas moechte ihr totalitaeren System auch nicht von Clans beeintraechtigen lassen.

Am Rande moechte ich noch festhalten, dass australische Behoerden (in einem westlicher Rechtsstaat) offensichtlich nicht das Gefuehl hatten, dass die Bedrohung, die ein Sippenkrieg fuer ein maennliches Clanmitglied mit sich bringt, eine ausreichende Grundlage fuer Asylrecht sei. Dabei ist Australien noch nicht einmal der erklaerte Feind der Palaestinenser. Aber wenn Israel das Asylrecht gewaehren soll, dann verwandelt sich die Wahrnehmung der Rechtslage drastisch.

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