Vom Zelten im Speziellen II oder mein Mann behaelt auch manchmal Recht


In der Pessachwoche sollten die Maedchen eigentlich bei den Schwiegereltern sein, waehrend mein Mann und ich arbeiteten. Meine Schwaegerin hatte aber die gleiche Idee, was ihre beiden Soehne angeht, so dass meine Schwiegermutter schon Mitte der Woche S.O.S. signalisierte. Wir nahmen also Urlaub und fuhren Mittwoch in den Norden, um unseren Nachwuchs einzupacken. Am Donnerstag morgen brachen wir auf. Trotz des heissen Wetters wanderten wir ein bisschen im Nachal Hashofet,

das aber deutlich weniger Wasser fuehrte als auf dem Bild.

Danach wollten wir auch nicht gleich nach Hause fahren, sondern am Nizzanim Strand zwischen Ashkelon und Ashdod zelten.

Zelt, Grill etc. hatten wir alles schon eingepackt. Leider hatte ich voellig uebersehen, dass genau in diesen Tagen dort das Boombamela Festival stattfand. Dafuer sind die Maedchen noch ein bisschen zu klein, und wir wahrscheinlich schon zu alt und spiessig.

Nun gibt es weiter suedlich ja auch sehr schoene Straende.

ABER sie befinden sich bereits im Kassamradius. Die Maedchen tobten und weinten, weil sie sich schon auf’s Zelten gefreut hatten. Ich haette nachgegeben und mich damit gerechtfertigt, dass das Risiko, von einer Kassam getroffen zu werden, wahrscheinlich auch nicht groesser ist als die Gefahr, auf der Rueckfahrt in einen Autounfall verwickelt zu werden. Mein Mann legte sein kategorisches Veto ein.

Und er hatte Recht: Am Freitag morgen, wenn wir am Strand aufgewacht waeren, gingen vier Kassamrakenten auf den Sueden Ashkelons nieder. Auch wenn wir nicht getroffen worden waeren, so haetten wir doch das Pfeifen der Raketen und die Einschlaege gehoert. Die Kinder haben das schon einmal erlebt, als sie beim Ausbruch des Libanonkrieges bei den Grosseltern im Norden waren.

Schliesslich habe ich das Zelt einfach im Park neben unserem Haus aufgeschlagen und auf unserem Balkon gegrillt. Den Maedchen hat es auch gefallen. Mein Mann durfte im Bett schlafen und ich hatte die Nachtwache im Zelt. Der Park wird nachts zum Treffpunkt von Jugendlichen, die viel Laerm machen, aber – das habe ich bei dieser Gelegenheit festgestellt – eigentlich ganz liebe Kinder sind.

Knapp!


Am Freitag Mittag (das heisst, zu der Zeit, wo Eltern ihre Kinder aus dem Kindergarten abholen) traf eine Kassamrakete einen Kindergarten im Kibbutz Nir Am. Qassam damages nursery, children unharmed

Man beachte die Schrappnelloecher in der Wand des Kindergartens.

In diesem Gebaeude wird eine Gruppe von Kleinkindern, anderhalb bis zwei Jahre alt, betreut. Die wenigen Sekunden vom Alarm bis zum Einschlag der Rakete reichten der Kindergaertnerin (ein hohes Lob fuer ihre Effizienz, bestimmt hat sie das mehrfach geuebt, sonst haette es mit dieser Altersgruppe nicht geklappt!) die Kinder in das Gebaeude zu bringen. Am Freitag war das Wetter naemlich so schoen (nicht zu heiss, nicht zu kalt und kein Sand in der Luft), dass die Kinder natuerlich draussen spielten.

Und jetzt stellt Euch bitte vor, dass die Metallsplitter nicht in die Wand, sondern in die Koerper von zweijaehrigen Kindern eingedrungen waeren. Shomer Israel!

Wir sind zum uebrigens Meer gefahren, weil das Wetter so schoen war. Nicht zum Strand von Zikim, obwohl der fuer uns am naechsten waere. Denn Zikim liegt im Kassambereich.

Statt 45 Minuten Autofahrt, mussten wir nun anderthalb Stunden fahren, bis nach Ashkelon und auch dort nicht zum Strand im Sueden, obwohl der eindeutig schoener ist. Nein, wir nahmen den allernoerdlichsten Strand.

Auf der Fahrt fragte unsere Kleine (7 Jahre alt): “Aber fallen dort nicht Katjushot?” Ich antwortete: “Sie kommen nur sehr, sehr selten so weit in den Norden. Du musst keine Angst haben. Wir wuerden nicht dorthin fahren, wenn das zu gefaehrlich waere.” Sie: “Aber am Strand haben wir ja keinen Schutz.” (Auch in unserer Schule gibt Uebungen, was die Kinder im Fall eines Raketenalarms tun muessen.) Mein Mann: “Du musst wirklich keine Angst haben. Du weisst doch, dass Imma und ich immer auf dich aufpassen.” Die Kleine: “Aber ich mache mir auch um euch Sorgen!”

Sie genoss das Meer dann doch sehr, und wir sind wieder um einen Eimer Muscheln reicher. Aber schon oefter dachte ich darueber nach, dass die Kindheit meiner Toechter in diesem Punkt anders ist als meine. Siebenjaehrige Kinder sollten nicht die Nachrichten verfolgen (und wir ermuntern das wirklich nicht) und sich Gedanken ueber Raketenangriffe machen muessen!

crossposted bei Freunden der Offenen Gesellschaft

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