Die Zukunftstraeume der palaestinesischen Bevoelkerung


Das Washington Institute hat in der vergangenen Woche durch ein fuehrendes palaestinesisches Meinungsforschungsinstitut eine Befragung der palaestinensichen Bevoelkerung im Gazastreifen und im Westjordanland durchfuehren lassen. Insgesamt 1200 Personen wurden befragt und zwar in persoenlichen Interviews. Die statistische Fehlerquote ist 3%. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die Palaestinenser keinen Staat Palaestina neben einem Staat Israel wollen: Slide1

Der Text auf der Folie ist schwer leserlich, daher hier die zentralen Fragen ins Deutsche uebersetzt mit den Antworten:

1. Das wichtigste palestinensische nationale Ziel fuer die naechsten 5 Jahre ist:

Das Ziel sollte sein, Westbank Gaza-streifen Insgesamt
auf die Rueckgewinnung des gesamten histoirschen Palaestinas vom Jordan bis zum Meer hinzuarbeiten 55.4% 68.4% 60.3%
die Besetzung der Westbank und des Gazastreifens zu beenden und eine 2-Staatenloesung zu erreichen 30.6% 21.8% 27.3%
auf eine 1-Staatenloesung im ganzen Land hinzuarbeiten: ein Staat, in dem Araber und Juden die gleichen Rechte haben, in einem Land, vom Jordan bis zum Meer 11.2% 8.2% 10.1%
Keine Meinung/ Weiss nicht 2.8% 1.6% 2.3%

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2. Wenn es der pal. Fuehrung gelingen sollte, eine 2-Staatenloesung mit Israel auszuhandeln,

Meinen Sie, Westbank Gaza-streifen Insgesamt
Das wuerde das Ende des Konflikts mit Israel sein 32.3% 30.4% 31.6%
Der Widerstand sollte weitergehen, bis das gesamte, historische Palaestina befreit ist 63.2% 65.3% 64.0%
Keine Meinung/ Weiss nicht  4.5%  4.2%  4.4%

3. Wenn die pal. Fuehrung ueber eine 2-Staaten-Loesung mit Israel verhandelt,

Meinen Sie, Westbank Gaza-streifen Insgesamt
Das waere das Endziel 30.7% 21.3% 27.2%
Das waere ein Teil des „Stufenplans“ zur Befreiung des gesamten, historischen Palaestinas zu einem spaeteren Zeitpunkt 62.5% 69.8% 65.2%
Keine Meinung/ Weiss nicht 6.8% 8.9% 7.6%

Fuer mein Teil bin ich von diesen Ergebnissen keineswegs ueberracht: „Suddenly!“ Die Palaestinenser strebten schon zu der Zeit, als sie sich noch nicht als Palaestinenser definiert hatten, immer die Kein-Staat-Israel-Loesung an. Was nach der Zerstoerung Israels kommen soll, blieb und bleibt im Ungewissen: der Staat Palaestina oder Provinz Suedsyrien oder vielleicht Anschluss an das Kalifat, das derzeit von ISIS in Syrien und Irak gegruendet wird?

Sehr klar kommt zum Ausdruck, dass die pal. Bevoelkerung davon ausgeht, dass ihre Politiker nicht in gutem Glauben mit Israel verhandeln, sondern jedes Zugestaendnis nur als weitere Stufe auf dem Weg zur endgueltigen Zerstoerung Israels auffassen. Und damit vertreten die pal. Politiker genau den Bevoelkerungswillen, die auch bei Gruendung eines Staates Palaestina neben Israel den Kampf gegen Israel bis zu dessen Zerstoerung fortsetzen wollen.

NZZ-Perle: Schweizer Sicht auf den Nahen Osten


In einem Kommentar zum unerwarteten, weil unverdienten Friedensnobelpreis fuer Barack Obama von Martin Woker in der NZZ finde ich eine knappe Skizze, wie man in der Schweiz die Situation im Nahen Osten sieht.

Doch auf die schönen Worte folgten bisher keine Taten. Im nahöstlichen Kernproblem, dem Palästinakonflikt, droht sich Obama ähnlich zu verheddern wie seine Vorgänger. Aus Rücksicht auf innenpolitische Befindlichkeiten hat es auch der 44. Präsident der USA bisher nicht geschafft, in der Beurteilung des Palästinakonflikts das geltende Völkerrecht als obersten Massstab zu nehmen. Entsprechend gering sind denn auch die Aussichten auf eine einvernehmliche Friedenslösung im heiligen Land.

1) Der Konflikt zwischen Palaestinensern und Israel sei das Kernproblem des Nahen Ostens. Die verschiedenen Spielarten von Unfreiheit, die miserable Wirtschaft, das Bevoelkerungswachstum, die prekaere Lage der Frauen, der immer noch verbreitete Analphabetismus usw. alles wird sich in Wohlgefallen aufloesen, wenn nur endlich im Westjordanland eine Entsprechung zur pal. Enklave im Gazastreifen entsteht. Auch der Iran wird dann sofort aufhoeren, sich um die Atombombe zu bemuehen, alle halten sich an den Haenden und singen gemeinsam „Kumbaya“.

2) „Rücksicht auf innenpolitische Befindlichkeiten“: Klarer Fall, hier handelt es sich um die maechtige „Israellobby“, anderenorts auch als „Ostkueste“ bezeichnet. Wie alle wissen, aber nur in Andeutungen auszusagen bereits sind (der Mossad koennte ja mithoeren), hat die Zionistische Weltverschwoerung die USA fest im Griff.

3) „das geltende Völkerrecht als obersten Massstab“. Zum Glueck hat Herr Woker schon vorher seinen Standpunkt angedeutet, sonst koennte ich noch auf die Idee kommen, dass damit das Recht Israels als eines UN Mitgliedsstaats auf anerkannte Existenz in Frieden und Sicherheit gemeint sein koennte. So aber koennen wir klar einordnen: Voelkerrecht deckt jeden pal. „Widerstand“, aber israelische Selbstverteidigung ist natuerlich ein Kriegsverbrechen.

4) „die Aussichten auf eine einvernehmliche Friedenslösung“: Ja, es ist schon schwierig, Israel dazu zu bringen, seiner Selbstaufloesung zuzustimmen. Irgendwie akzeptiert dieses halsstarrige Volk nicht einmal den Obamessias, auch nicht mit Nobelpreis!

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