Reinhard Meier – links von Meretz


Herr Meier hatte mir noch den Link zu einem Editorial in der New York Times geschickt, Charade in Jerusalem, um seine Position abzupolstern. Mir scheint, dass dieser Text nicht dazu taugt. Bei dem NYT Editorial handelt es sich genau um dieselbe Perspektive wie die von Herrn Meier, von einem links orientieren Medium im westlichen Ausland auf Israel, von daher ist die Uebereinstimmung nicht sonderlich ueberraschend.

Der Punkt, den ich gern klaeren wuerde, ist der: Warum entspricht eine gemaessigte Position Mitte-links in der Schweiz und in den USA (so wuerde ich die NZZ und die NYT einordnen) einer links-extremen Haltung in Israel. Dass das Spektrum verschoben ist, sobald es auf Israel angewandt wird, scheint mir augenfaellig. Schon 2003 z.B. wurde Yossi Beilin von Friedman in der NYT als „moderat“ gehandelt. Wenn wir Yossi Beilin als gemaessigte Mitte des israelischen Spektrums setzen wuerden, laegen nur 9% (5%) des politischen Spektrums zur Linken und zwar ausschliesslich arabische Parteien, waehrend 87% (90%) des politischen Spektrums als mehr oder weniger rechts bezeichnet werden muessten.

Meine Rechnungen basieren auf der Sitzverteilung in der Knesseth, wobei die Zahlen in den Klammern die Sitzverteilung nach den Wahlen 2003 als Vergleich angeben. Der Vergleich weist darauf hin, dass Israel tatsaechlich in den letzten Wahlen einen Linksruck erlebt hat. Die Differenz aus „links“ + „rechts“ zu 100% entspricht dem Anteil von Meretz als „Mitte“.

Eine solche Darstellung koennte nahelegen, dass israelische Juden von ihrer Grundhaltung her nationalistisch-rechts sind. Und tatsaechlich geniesst diese Auffassung grosse Verbreitung in der muslimischen Welt. Dort wird sie in der Regel rassistisch/religioes abgepolstert. Juden sind automatisch anders als andere Menschen, weil von Allah verflucht (s. Hamas-Charter). Auch Neonazis und „antizionistische“ Antiimperialisten koennen sich gewiss mit einer solchen Interpretation anfreunden.

Aber Herr Meier passt nicht in diese Schubladen. Ich gehe davon aus, dass er grundsaetzlich keinen grundlegenden Unterschied zwischen Juden und anderen Menschen sieht. Wie also wuerde er erklaeren, dass juedische Israelis fast ausschliesslich politisch „rechts“ stehen sollten?

Die naheliegende Erklaerung ist mE, dass die Uebertragung der Skala auf Israel fehlerhaft verlaeuft. Dann haetten natuerlich die Medien (und Herr Meier mit ihnen) ein geruettelt Mass Verantwortung dafuer. Sie identifizieren die politischen Positionen, von denen sie glauben, dass sie sie vertreten wuerden, waeren sie Israelis und definieren anhand von dieser Identifikation Beilin als politische Mitte. Das sich Eindenken und Einfuehlen in Israels politische Parameter findet aber auf der Basis von mangelhafter, oberflaechlicher oder mitunter auch falscher Information statt.

Zur Ueberpruefung einer solchen Position schlage ich das Gegenexempel vor: Herr Meier (Friedman usw.) sollten sich die politischen Positionen der tatsaechlichen israelischen Mitte anschauen, die im Moment eindeutig von Kadima vertreten wird und sich sagen, dass sie hoechstwahrscheinlich diese Positionen vertreten wuerden, waeren sie Israelis. Und dann kaeme es darauf an, moeglichst sorgfaeltig zu analysieren, welche Parameter sie zu dieser Haltung bewogen haben koennten.

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4 Antworten

  1. […] in meinem Blog habe ich mich schon mit der Frage beschaeftigt, warum das politische Spektrums in Israel so oft verzerrt wahrgenommen wird: […]

  2. […] An modernen, israelischen Historikern finden wir Moshe Zuckermann, Tom Segev und Benny Morris. Die beiden ersteren sind ebenfalls beliebte Kronzeugen fuer Antizionisten und Antisemiten, wenn auch weniger anruechig als Finkelstein. Morris dagegen wird von Nitzschke in die rechtsradikale Ecke gestellt, weil er sich unter dem Eindruck der sog. Al-Aksa-Intifada von solchen Positionen distanzierte, nachdem er lange ebenfalls Kronzeuge fuer sog. Pro-Palaestinenser war. Nitzschke unterteilt also in solche Juden, die seine Auffassung bestaetigen einerseits und rechtsradikale Juden andererseits… Ueber diese eigenartige Verschiebung der politischen Masstaebe, sobald sie auf Israel angewendet werden, schrieb ich hier schon. […]

  3. […] An modernen, israelischen Historikern finden wir Moshe Zuckermann, Tom Segev und Benny Morris. Die beiden ersteren sind ebenfalls beliebte Kronzeugen fuer Antizionisten und Antisemiten, wenn auch weniger anruechig als Finkelstein. Morris dagegen wird von Nitzschke in die rechtsradikale Ecke gestellt, weil er sich unter dem Eindruck der sog. Al-Aksa-Intifada von solchen Positionen distanzierte, nachdem er lange ebenfalls Kronzeuge fuer sog. Pro-Palaestinenser war. Nitzschke unterteilt also in solche Juden, die seine Auffassung bestaetigen einerseits und rechtsradikale Juden andererseits… Ueber diese eigenartige Verschiebung der politischen Masstaebe, sobald sie auf Israel angewendet werden, schrieb ich hier schon. […]

  4. […] An modernen, israelischen Historikern finden wir Moshe Zuckermann, Tom Segev und Benny Morris. Die beiden ersteren sind ebenfalls beliebte Kronzeugen fuer Antizionisten und Antisemiten, wenn auch weniger anruechig als Finkelstein. Morris dagegen wird von Nitzschke in die rechtsradikale Ecke gestellt, weil er sich unter dem Eindruck der sog. Al-Aksa-Intifada von solchen Positionen distanzierte, nachdem er lange ebenfalls Kronzeuge fuer sog. Pro-Palaestinenser war. Nitzschke unterteilt also in solche Juden, die seine Auffassung bestaetigen einerseits und rechtsradikale Juden andererseits… Ueber diese eigenartige Verschiebung der politischen Masstaebe, sobald sie auf Israel angewendet werden, schrieb ich hier schon. […]

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